Fotostudio einrichten: In 10 Schritten zum richtigen Raum und Ausrüstung für dein Studio

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Auch wenn du vielleicht meistens draußen fotografierst, bietet dir ein eigenes Fotostudio nicht nur einen Rückzugsort oder Plan B bei schlechtem Wetter. Sondern einfach etwas Platz, um auch komplexeren Ideen, Jobanfragen und deiner Kreativität etwas mehr Freiraum zu geben.

Ich habe es nun nach 10 Jahren gewagt und mir einen Raum gemietet. In diesem Beitrag nehme ich dich mit hinter die Kulissen und zeige, wie auch du dir mit relativ günstigen Mitteln ein tolles Fotostudio einrichten kannst. Dabei geht es sowohl um Raumanforderungen, Einrichtung und weitere Fotostudio Ausrüstung.

Fotostudio einrichten - für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis
Mein Alternatives Fotostudio. Notiz: „Studio“ klingt oft sehr hochtragend – nennen wir es einfach kreativen Platz für deine Fotografie.

Vlog: Die Entstehung meines Studios

Bevor ich gleich alle Bestandteile der Studioausrüstung systematisch erkläre, möchte ich dich einladen meinen Studio Vlog auf Youtube anzusehen. Hier nehme ich dich direkt mit hinter die Kulissen und zeige als Tagebuch direkten Einblick in den Aufbau meines Fotostudios:

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1. Gründe für und gegen ein Studio

Früher war ich zu 100 Prozent auf die kreative Available Light Fotografie aus, die bekanntlich draußen stattfindet. Auch heute fotografiere ich sehr gerne solche Porträts. Allerdings kennst du es vielleicht: Immer wieder schwirren Ideen im Kopf herum, die sich Outdoor nicht so wirklich realisieren lassen. Das hängt oft damit zusammen, dass man etwas mehr Kontrolle über das Licht oder einfach auch mal Indoor etwas Platz braucht.

Auch kommen immer mal wieder Anfragen, die man zwar gerne bedienen würde, aber mangels Platz nicht kann. So habe ich bisher z.B. Produktfotografie immer nur im kleinen Stil angeboten, Bewerbungsfotos auch nur draußen. Mit einem Studio kann man solche Anfragen wetterunabhängig durchführen. Und auch sonst hat man nun bei schlechten Wetter (das in Deutschland häufiger vorkommt) einen Ausweichort.

Ein weiterer Grund, wieso du dir ein Fotostudio einrichten solltest, ist das Thema Lagerung. Normalerweise sammelt sich im Fotografendasein einiges an Equipment an, das allerdings in der privaten Wohnung nur Platz wegnimmt. Mit dem Studio hat man alle Fotosachen dann an einem Ort, was zuhause wieder Platz zum Leben freigibt.

Der letzte Aspekt ist die Tatsache, dass man mit diesem Raum auch einen Ort schafft, an dem man gegebenenfalls Interessenten oder Kunden zum Vorgespräch treffen kann. Mein Ziel ist es auch, das Studio in Zukunft als Ort für Workshops oder für das Angebot meiner Fotografie & Business Coachings zu nutzen.

Ein Studio bietet dir also nicht nur Platz zum Fotografieren, sondern auch einen kreativen Ort für alles drumherum.

2. Der passende Raum: Eigenschaften, Lage und Preis

Privates Fotostudio in eigener Wohnung einrichten oder separaten Raum anmieten?

Die gute Nachricht vorne weg: Man muss nicht immer einen separaten Raum mieten, sobald man sich ein Fotostudio einrichten will. Im Grunde kann jeder erdenkliche Raum für Bilder genutzt werden, sofern er ein paar Anforderungen entspricht, zu denen ich gleich komme. Ansonsten kann man allerdings auch zuhause in der etwas größeren Wohnung oder Haus ein Fotostudio einrichten. Oft bietet es sich z.B. auch an einfach ein Fotostudio im Keller einrichten.

Vorteile: Fotostudio zuhause einrichten

  • günstiger (Versicherungen, WLAN, Heizung, etc. von Privat mitnutzen)
  • Kein Fahrtweg und direkt erreichbar

Vorteile: Studio separat anmieten

  • Professionellere Außenwirkung
  • Privat und geschäftlich trennen (bessere Work-Life Balance, einfachere Buchhaltung)
  • Größe kann flexibel angemietet oder angepasst werden
  • Neutraler Ort, um Kunden zu treffen
  • Mehr Platz zuhause
  • Freieres kreatives Arbeiten, da man nicht auf jedes Staubkorn achtet und Sachen auch einfach mal liegen lassen kann (im Gegensatz zur eigenen Wohnung)

Da ich selbst nur eine relativ kleine Wohnung bewohne, hatte ich niemals wirklich die Möglichkeit, das Fotostudio in den eigenen vier Wänden einzurichten. Die aufgeführte Überlegung hatte ich aber trotzdem immer im Hinterkopf. Ich denke, dass ein separater Raum zwar minimal preisintensiver, dafür aber die bessere Lösung ist.

Räumliche Anforderungen: Optimale Größe und Schnitt

Mein angemietetes Studio hat die Größe von 33qm. Dazu noch ein kleines WC mit Abstellraum. Kurz gesagt: Kleiner dürfte es nicht sein. Ich empfehle also nach einem Raum ab ca. 35qm, besser um die 50qm Fläche zu suchen. Je nachdem, was du hier später fotografieren möchtest. Ich selbst möchte überwiegend einzelne Personen, sowie hin und wieder mal ein Produkt fotografieren.

Der Raumschnitt sollte dabei nicht vergessen werden: Gängige Größen der Rollen von Papierhintergründen sind entweder 1,35m und 2,72m lang. Favorisieren sollte man also eher die zweite Option. Rechts und links neben dem Hintergrundsystem braucht man auch noch Platz für Blitze, Licht und Zubehör. Daher benötigt der Raum eine Wand mit mindestens 4,50m Breite. Viel mehr sollte sie aber auch nicht messen, da sonst der Platz in der Tiefe wahrscheinlich nicht mehr ausreichen wird. Im Studio wird gerne mit Objektiven ab 50mm fotografiert, weshalb man auch hier etwas Platz in den Raum benötigt. Mindestens 5m Tiefe sollten es hier schon sein.

Falls dir nur wenig Platz zur Verfügung steht, solltest du dich auf Hintergründe mit 1,35m einrichten. Dafür muss die Wand dann nicht mehr ganz so breit sein.

Beim Thema der Deckenhöhe scheiden sich die Geister. So viel ist sicher: In einem Studio kann die Decke niemals hoch genug sein. Daher sind oft auch kleine Fabrikhallen mit hohen Decken begehrt. Je höher, desto mehr Spielraum hat man. In meinem Studio ist die Deckenhöhe standardmäßig bei ca. 2,70m. Oftmals muss man hier bei Hochformat Aufnahmen schon aufpassen, dass man nicht die Decke mit draufbekommt. Auch der Freiraum bei Positionierung der Lichter endet damit spätestens bei 2,70m. Daher sind für mehr gestalterische Möglichkeiten höhere Decken immer besser.

Fotostudio einrichten mit passender Deckenhoehe
Wenn man das Licht sehr hoch positionieren will, aber die Decke im Weg ist, so muss man sich irgendwie behelfen ;-)

Nutzung als Tageslicht Studio

Nur weil man im Studio fotografiert, muss man nicht zwingend nur noch Kunstlicht nutzen. Stattdessen erfreuen sich Tageslicht Studios steigender Beliebtheit. Hier sollte aber meiner Meinung nach auch der komplette Raum eine interessante Kulisse darstellen (statt nur weißem Hintergrund also z.B. eher nach der besagten kleinen Fabrikhalle Ausschau halten). Bei mir war es zweitrangig – auch wenn ich dennoch drei Große Fenster im Studio habe. Allerdings scheint die Sonne hier direkt nur am Vormittag ins Studio hinein. Möchte man mit hartem Sonnenlicht fotografieren, müsste man es also zeitlich entsprechend planen. Ansonsten kann man das indirekte weiche Fensterlicht nutzen. Halte also bei der Besichtigung Ausschau nach Fenstern, Tageslicht und bestimme die Tageszeit, zu der das Sonnenlicht direkt in das Studio scheint.

Interessant sind dabei auch Studios, die direkt in der Decke Fenster haben (je nachdem was man vor hat). Für die Nutzung von Fensterlicht ist es oft hilfreich, sich nach einem lichtdurchlässigen Stoff umzusehen, so dass man bei Bedarf direktes in diffuses Licht umwandeln kann.

Farben und sonstiges

Mein Studio ist komplett weiß und das war es auch schon vor der Anmietung. Das ist der beste Fall. Ansonsten sollte das Studio weiß gestrichen werden. Problematisch wird es nämlich, wenn es Elemente im Raum gibt, die eine feste Farbe haben, wie z.B. großflächige Holzdecken. Auch bei der Einrichtung habe ich darauf geachtet, keine neon-grünen Regale zu kaufen.

Alle Farben im Raum können sich durch unglückliche Zufälle reflektieren und später im Bild als Farbstich zum Vorschein kommen.

Um diesen Ärger zu vermeiden, halte ich es farbneutral: Schwarz, Weiß oder Grau. Beachte, dass allerdings auch hier weiße Gegenstände als Reflektor, und schwarze Einrichtung ungewollt als Abschatter fungieren könnten.

3. Das Herzstück – das Hintergrundsystem

Fotostudio Hintergrundsystem mit Wandhaken
Hintergrundsystem mit 4er Haken, Expander und Ketten

Das Zentrum der Macht bildet im klassischen Studio das Hintergrundsystem. Das sind mehr oder weniger die Wandhaken zur Aufhängung der Hintergrundpapier Papier. Diese hängen über Expander, die in der Papprolle stecken, auf der Wandhalterung. Über ein Zahnrad lässt sich der Hintergrund dann per Kette abrollen. Alternativ gibt es auch Hintergrundsysteme, die auf Stativen stehen. Diese nehmen allerdings mehr Platz als nötig weg und können meist nur einen Hintergrund halten. Bei Wandhalterungen können oft bis zu vier Hintergründe parallel aufgelegt und bei Bedarf flexibel abgerollt werden. Diese Wandhalterungen empfehle ich:

Zugegeben: Beim Auspacken hatte ich meine Bedenken, ob das System halten wird. Ich wurde allerdings nicht enttäuscht und es verrichtet seinen Job. In der Betonwand halten meine 4er Haken mit je vier der mitgelieferten Wandanker.

Vorsicht: Wenn du die langen 2,72m Rollen nun längere Zeit unbewegt auf dem Wandhaken lässt (was eigentlich der Sinn ist), besteht die Gefahr, dass sich der Pappkern der Rollen durchbiegt. Das hat zur Folge, dass dann der komplette Hintergrund beim abrollen hässliche Falten hat und dadurch unbrauchbar wird. Ich habe mir daher dieses 3er Set an 2,75m Aluminium Rohren* bestellt. Diese werden als stabiler Kern in die Hintergrundrollen gesteckt. Statt direkt in die Papprolle kommen die Expander vom Hintergrundsystem nun in das Alu Rohr, das dann von innen her die Papprollen stützt. Dass die Ketten noch funktionieren, müssen zwischen Alurohr und Pappkern kleine Keilchen gesteckt werden.

Fotostudio Hintergrundsystem mit Alurohren befestigen
Verstärkung der Papprollen durch Aluminium Rohre

Der Vorteil von solchen Rohren ist, dass man über diese dann auch Stoffhintergründe abhängen und mit etwas Feingefühl wohl auch aufrollen kann. Mein Stoffhintergrund hängt allerdings einfach permanent als hinterste Schicht am Wandhaken. Befestigt habe ich es mit diesen kleinen Klemmzwingen*.

Papier oder Stoffhintergrund kaufen?

Nun auch noch eine Frage, bei der sich die Geister scheiden. Letztendlich ist es aber auch nur eine Frage der gewünschten Bildgestaltung. Während Papier Hintergründe glatt und einheitlich wirken, sollten Stoffhintergründe eigentlich absichtlich ein paar Falten werfen. Ich würde vermeiden, mit dem Stoffhintergrund eine glatte Wirkung erzielen zu wollen. Durch die Falten vom Zusammenlegen sieht das meistens wie gewollt und nicht gekonnt aus.

Fotostudio Hintergrund - Papier oder Stoff
Oben: Glatter weißer Papierhintergrund – Unten: Faltiger grauer Stoffhintergrund

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Meine Hintergründe:

4. Etwas Abwechslung hineinbringen: ungewöhnliche Fotostudioeinrichtung

Die Zeiten von konventionell-altbackenen Fotostudios sind vorbei. Vom nüchternen Papierhintergrund ausgehend kann man schon eine spezielle Stimmung schaffen, indem man z.B. einen anderen Boden oder ein paar verrückte Einrichtungsgegenstände wählt. Das geht soweit, dass man sich auch komplette Szenen mit Teppich oder Laminat in Holzbodenoptik aufbaut. Oder das Studio absichtlich wie ein altes Wohnzimmer gestaltet. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Belohnt wird das ganze später mit frischen Bildern, die eine lockere Stimmung haben.

Am besten entwickelst du hier einen ganz eigenen Stil, daher möchte ich dir durch die folgenden Stichpunkte nur ein paar Anregungen mitgeben, was möglich wäre. Probiere am Ende einfach selbst ein paar Dinge aus:

  • Teppich oder Laminat legen
  • Alte Sofas
  • Stühle und Hocker (am besten auch einen hohen Barhocker)
  • Pflanzen
  • Weitere unkonventionelle Gegenstände als Requisiten

Tipp: Setze an alles, was du in dein Studio holst, die Anforderung, dass es notfalls auch als fotogene Requisite genutzt werden könnte. So erfüllen Bürostuhl und Leiter nicht nur den praktischen Zweck, sondern können notfalls z.B. auch als Vintage Holzleiter mit aufs Foto.

5. Ohne Licht, kein Bild: Tageslicht, Dauerlicht oder Blitz?

Im Studio gibt es also die Möglichkeit, mit künstlichem oder natürlichem Licht zu fotografieren. Beachte dabei, dass du dich direkt beim Fotografieren am besten auf eines beschränkst. Das erreichst du, indem du die Fenster gegebenenfalls abdunkelst. So entsteht kein unkontrolliertes Licht oder auch die Vermischung zweier Lichttemperaturen. Falls du wie ich zunächst kein Rollosystem montieren möchtest, kannst du für die Verdunkelung der Fenster auch einfach schwarzen Bühnenmolton* bestellen. Dieser Stoff lässt so gut wie kein Licht durch und eignet sich dadurch auch als Abschatter – sowohl bei Tages-, als auch bei Kunstlicht.

Anfängern würde ich empfehlen, sich zum Hintergrundsystem und Rolle einfach 1-2 Dauerlichter zu beschaffen. Dazu dann für vorne z.B. eine mittelgroße Softbox (ca. 90cm) für weiches Licht. Von hinten könnte man ein härteres Streiflicht, z.B. mit standard Blitzreflektor, setzen (so habe ich es auch in meinem Blitz Grundlagen Beitrag beschrieben). Mit diesen wenigen Dingen kann man schon sehr viel erreichen. Ich würde von Grund auf lieber weniger, dafür aber gute Sachen kaufen. Im Fall vom Dauerlicht bedeutet das, dass genug Leistung vorhanden ist. Dazu gleich mehr.

Fotografieren mit Tageslicht

Beim Tageslicht kann man weniger aufbauen und bestimmen. Wie auch draußen passt man sich eben an das Licht an und richtet sich z.B. nach der Lichtrichtung. Auch ist man hier etwas an Tageszeiten gebunden – falls man mit direkten Sonnenstrahlen fotografieren möchte, ist man auch wetterabhängig. Mit diesen Gedanken ist mir im Studio Kunstlicht meist lieber, da ich unabhängig arbeiten will.

Privates Fotostudio einrichten und Tageslicht nutzen
Prüfe in deinem Raum, wie viel Tageslicht zu welcher Uhrzeit vorliegt.

Nichtsdestotrotz kann man mit dem Fensterlicht noch etwas arbeiten, indem man es reflektiert. Dafür empfehle ich entweder einen einfachen 5 in 1 Fotografie Reflektor*. Alternativ kann man sich auch mit großen weißen Styroporplatten behelfen.

Fotografieren mit Kunstlicht

Mit Kunstlicht ist man schon etwas freier in der Gestaltung. Dadurch wird es als Anfänger gleichzeitig aber oft auch schwierig. Bei abgedunkelten Fenstern muss man wirklich jeden Lichtstrahl selbst setzen. Dafür gibt es zwei Sparten: Klassisches Blitzlicht und Dauerlicht. Während das Blitzlicht nur kurz im Moment des Auslösens auf dem Bild sichtbar wird, ist Dauerlicht permanent hell. Dadurch lässt sich ohne Funkauslöser fotografieren und man sieht mit bloßem Auge sehr gut, was man macht. Durch den großen Leistungsunterschied (schon einfache Aufsteckblitze sind meist stärker als ein Dauerlicht) fällt es oft schwer, Blitze und Dauerlicht zu kombinieren. Ich selbst habe aktuell leider ein Sammelsorium aus diversen Blitzsystemen und Dauerlichtern, die sich nicht alle reibungslos kombinieren lassen. Ich habe für mich aber herausgefunden (auch wenn ich Produkte stets mit Blitzen fotografiert habe), dass man sich mit Dauerlicht meistens leichter tut.

Fotostudio Ausrüstung Dauerlicht
Mit einem Dauerlicht sieht man direkt, wie das Licht fällt. Man muss keine Blitzsynchronzeiten beachten und die Kamera kann optimal mit dem Licht fokussieren. Das Licht lässt sich meist präzise von 0-100% in der Stärke regulieren. Manche Dauerlichter können durch Bi-Color LEDs auch in der Wärme eingestellt werden. Manche Lösungen bieten auch ein komplettes RGB Spektrum.

Vorteile der Blitze ist, dass man sehr viel Leistung hat. Bei geschlossener Blende oder kurzen Verschlusszeiten sind Blitze oft also die bessere Wahl. Zudem werden Blitze nicht so heiß wie ein Dauerlicht (was bei mir schonmal eine Farbfolie hat schmelzen lassen). Mit High Speed Sync (HSS) lässt sich mittlerweile eine kurze Verschlusszeit erzielen, mit der man z.B. Wassertropfen scharf fotografieren kann oder mehr Hintergrundunschärfe erhalten kann (sofern man es denn im Studio braucht). Ein Nachteil der Blitze ist, dass sie für eventuelle Videos völlig nutzlos sind (außer das Einstelllicht ist sehr stark).

LED Stableuchten wie diese können jede Farbe über die RGB LEDs darstellen. Sie eignen sich gut für Farbexperimente oder als Streiflicht. Durch den Akku kann man sie auch außerhalb des Studios einsetzen.

Meine Empfehlungen für Studioblitze:

Da sich dieser Beitrag primär an Anfänger richtet, beschränke ich mich auf die Empfehlung entsprechender Ausrüstung. Daher lasse ich Premium Systeme wie Elinchrom oder Profoto erst einmal außen vor. Wer mehr Budget hat und sich sicher ist, langfristig im Studio zu fotografieren, kann natürlich auch dort fündig werden. Wobei ich das Godox System durch die komplette Kompatibilität untereinander auch ziemlich genial finde.

Vorteile vom Dauerlicht ist, dass man direkt sieht, was man macht. Das sieht man bei Blitzen meist nur sehr schwach durch das Einstelllicht, sofern denn überhaupt eines vorhanden ist. Im Gegenzug ist man beim Dauerlicht in der Leistung etwas begrenzt. Für Fotos würde ich daher mindestens 150W, besser noch 200W empfehlen. Für Videos reicht durch die längere Verschlusszeit pro Frame (z.B. 1/50S bei 25fps) auch weniger Leistung. Wer auch Videos mit Ton aufnehmen möchte, sollte zudem die Lüfterlautstärke bedenken.

Meine Empfehlungen für Dauerlichter:

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nützliche Blog Beiträge wie dieser leben nur mit etwas Werbung. Mit meinen Lightroom Presets verbesserst du also nicht nur deine Nachbearbeitung, sondern unterstützt gleichzeitig den Blog:

Tipp: Im Gegensatz zu den starken Studiolichtern sind RGB LED Lichter wie das Lichtschwert oder Pocket Light so beliebt, da man sie durch den Akkubetrieb auch flexibel unterwegs einsetzen kann.

Auch im Studio ist das Reflektieren oder Abschatten unerlässlich. Daher empfehle ich auch hier einen einfachen 5 in 1 Reflektor*, mit dem beides möglich ist. Was zum Abschatten auch gut funktioniert, ist wieder der schwarze Bühnenmolton*.

Zwischenfazit: Entscheide dich für Blitze oder Dauerlichter und kaufe am besten 2 mal das selbe Licht. Zusammen mit einem Faltreflektor wird dann schon eine Menge möglich sein.

6. Lichtformer weise auswählen

Okta Softbox mit Wabengitter - Fotostudio zuhause einrichten
Softbox mit Wabe, um das Licht noch gerichteter auszugeben.

Noch wichtiger als die Lichtquelle ist wohl der Lichtformer. Denn das Licht ist egal von welcher Quelle im Ursprung erst einmal sehr ungerichtet und hart. Das liegt an der geringen Größe der LED bei Dauerlichtern bzw. Glocke von Blitzen. Daher stehen für jeden Anwendungszweck und Lichtcharakteristik verschiedenste Lichtformer zur Verfügung.

In der Regel gilt: Je größer die Lichtquelle ist, desto weicher das Licht. Sprich: Mit einer großen 120cm Softbox wird man sehr weiches Licht erhalten. Mit kleineren Softboxen oder gar dem nackten Blitz durch einen einfache Blitzreflektor wird es entsprechend härter. Hier muss man das finden, was einem am besten gefällt. Ich finde das Licht von einer mittelgroßen Softbox (meine ist 95cm) gut, da es noch etwas knackiger als aus den ganz großen Softboxen herauskommt. Beachte, dass man mit kleinen Aufsteckblitzen eher zu kleineren Softboxen greifen sollte.

Achtung: Je „mehr“ Lichtformer du vor dem Licht anbringst, desto mehr Licht geht verloren. Das solltest du bei der Wahl der Leistung der Lichtquelle unbedingt beachten. Daher bin ich direkt auf ein 200W Dauerlicht gegangen.

Für den Anfang würde ich je nach Vorhaben folgendes empfehlen:

Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit, das Licht mit einem Durchlichtschirm* oder Reflektorschirm* weicher zu machen. Vorteil ist die Flexibilität beim aufbauen, dem kompakten Maß und leichtem Gewicht. Ich bevorzuge allerdings den Bildlook von Softboxen. Hier findest du einen direkten Vergleich im Video:

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Meine Tipps:

  1. Der Bowens Anschluss ist sehr weit verbreitet und wird von vielen Blitzsystemen unterstützt. Daher ist dieser eine gute Wahl, um die Lichtformer bei einem späteren Markenwechsel höchstwahrscheinlich weiterverwenden zu können. Mit der unten verlinkten Bowens Halterung können diese auch vor Aufsteckblitze geschnallt werden. Praktischer für unterwegs sind allerdings die handlichen Softboxen speziell mit integrierter Halterung für Aufsteckblitze.
  2. Überlege dir auch, wie du Licht nach dem Lichtformer noch gerichteter nutzen kannst. Um die Lichtrichtung genauer zu definieren, bieten sich sog. Scheunenentor Klappen an. Für Softboxen und Blitzreflektoren gibt es auch Waben.
  3. Neben der Lichtcharakteristik lässt sich auch die Farbe von Blitzen sich über Farbfolien verändern. Manche Lichtformer bieten hierfür eine Halterung.
  4. Falls du die Lichtformer auch Outdoor nutzen möchtest, solltest du das Thema Wind im Hinterkopf behalten. Dieser fängt sich besonders gut in den großen Schirmen oder Softboxen. Für unterwegs eignen sich kleinere Softboxen daher meist besser – auch dadurch, weil sie oft einfacher faltbar sind.

Nicht direkt ein Lichtformer im klassischen Sinne, aber dennoch lässt sich durch eine Nebelmaschine oder Hazer die Lichtstimmung massiv beeinflussen. Etwas Nebel macht Licht dort sichtbar, wo es am schönsten ist: Nämlich in der Luft. Dadurch wirken viele Szenen um einiges atmosphärischer. Wenn du dich für diese Thematik interessierst, solltest du dir meinen Beitrag über Studiofotografie mit Nebel näher ansehen.

Kurz gesagt empfehle ich die Anschaffung einer kleinen Nebelmaschine (die es schon für wirklich wenig Geld gibt) zusammen mit etwas Nebelfluid (das für viele viele Shootings reicht):

7. Fotostudio Ausrüstung: Halterungen, Stative und Ständer

Ein wichtiger Grundgedanke im Studio ist, dass man sich auch komplexe Sets aufbauen kann, ohne dass man einen Assistenten braucht oder ständig irgendwie gewackelt wird. Daher sollte man auch für Lampenstative und andere Ständer genug Geld einplanen. Denn: Gute und langlebige Varianten kosten viel Geld. Diese würde ich eher für eine Hardcore-Nutzung empfehlen. Wenn man nur gelegentlich im Studio fotografiert, wird man auch mit günstigen Modellen weit kommen. Ich selbst hatte schon vor meinem Studio ein paar günstige Stative, die ich nun weiterverwende. Es kommt natürlich auch darauf an, wie viel Gewicht die Stative tragen müssen. Für einen Aufsteckblitz braucht man ein anderes Stativ, als für ein großes Dauerlicht mit riesiger Softbox.

Bedenke, dass du nicht nur pro Blitz oder Dauerlicht ein Stativ benötigst. Auch für alles weitere, wie z.B. einen Reflektor, Abschatter, Requisiten im Vordergrund oder GOBOs (Objekte zwischen Lichtquelle und Motiv). All das muss durch Stative in der exakt richtigen Position gehalten werden, ohne dass man selbst neben der Kamera noch mit drei Dingen jonglieren muss. Dass auch Dinge ohne eine Stativschraube gehalten werden können, empfehle ich Universalklammern. Um eine freiere Positionierung zu ermöglichen, sollte mindestens ein Stativ über einen Galgenarm verfügen.

Grundausstattung Stative und Halterungen:

8. Allgemeiner Studio Grundbedarf

Vergiss nicht, dass du im Studio einige Zeit verbringen wirst. Daher werden Dinge aus dem Haushalt nötig sein, die man auch sonst zum leben braucht. So z.B. ein Grundstand an Getränken, Snacks und Drogerieartikeln. Gerade in der aktuellen Zeit darf ein Hygienespender natürlich nicht fehlen.

Während Corona kann man niemals genug Hygienegel und Klopapier haben ;-)

Dazu kommt eine Grundausstattung an Reinigungsmitteln, Wischmopp und anderen Putzartikeln, um alles sauber zu halten. Je nachdem, ob ein kleines WC mit dabei ist, wird das mal mehr, mal weniger. Sehr empfehlenswert für die Studiosauberkeit ist auch ein Staubsauger.

9. Dahin mit dem ganzen Krempel

Okay, so langsam komme ich zum Ende. Wir haben nun eine ziemlich lange Liste an Dingen zusammengestellt, die sich als praktisch erweisen können. Dennoch wird man nicht immer für jedes Foto alle diese Dinge auf einmal brauchen (eher geht es darum, durch viele Möglichkeiten für Abwechslung sorgen zu können).

Fotostudio einrichten und auf Stauraum achten
Du wirst nicht immer mit der kompletten Studioausrüstung gleichzeitig fotografieren. Plane daher auch Stauraum und Platz für Regale ein.

Sprich: Der Rest muss irgendwo verstaut werden, um den meist knappen Platz nicht zu verbrauchen. Daher empfehle ich hierbei ein einfaches Regal, wie z.B. ein Ikea Kallax 4×4 (siehe Foto). Dieses wird sich minimalistisch ins Studio einfügen.

Tipp: Vermeide auch hier Möbel in knalligen Farben, die möglicherweise einen Schleier ins Bild ziehen könnten.

Tipp: Die großen Lichtformer wie Softboxen passen meist in kein Regal. Um sie nicht ständig auf- und zusammenzufalten könnten diese über eine Schnur und Nagel / Schraube direkt an die Wand gehangen werden.

Tipp: Gruppiere immer feste Kategorien an Ausrüstung in einem Regalfach. Ich empfehle, die jeweiligen Fächer schnell und einfach mit einem mobilen Etikettendrucker* zu beschriften.

10. Studio Kamera und Objektive

Im Studio konzentriert man sich voll auf das Motiv und die Lichtsetzung. Das macht das Foto am Ende zu 90% aus. Hier muss man sich nicht auf die äußeren Umwelteinflüsse wie in der Outdoor Portraitfotografie einstellen, sondern setzt selbst nach belieben das Licht in der passenden Stärke. Deshalb spielt die Kamera hier nicht mehr so eine tragende Rolle.

Du kannst also in der Regel deine bisherige Kamera weiterverwenden. Oder anders gesagt: Sofern man keine über-spezifischen Vorhaben hat, würde ich eher eine Kamera anschaffen, die draußen ihren Job gut macht und für’s Studio dann genauso ausreichend ist. Meine umfassende Kamera Kaufberatung findest du hier:

So viel möchte ich dennoch speziell zur Studiokamera loswerden:

Du kannst sowohl eine klassische Spiegelreflex, als auch spiegellose Systemkamera verwenden. In Verbindung mit einem Dauerlicht dürften die bekannten Vorteile spiegelloser Kameras zu tragen kommen. Nämlich dass man bereits vor dem Auslösen eine exakte Vorschau des Fotos sehen kann.

Beim Blitzen, wo der Raum vorher fast komplett dunkel ist, könnten Spiegelreflexkameras etwas besser funktionieren, da man hier immer ein helleres und klareres Bild durch den Sucher sieht.

Beim Blitzen sollte man bei DSLM Kameras die Live Bildvorschau deaktivieren, um immer ein helles Sucherbild zu erhalten.

Am Ende wird man aber mit beiden Kameras irgendwie zum Ziel kommen. Angemerkt sei nur noch, dass man aus meiner Sicht im Studio nicht zwingend bei der Kamera auf ein gutes Rauschverhalten achten muss, da man hier im Optimalfall genug Licht für einen geringen ISO Wert nutzen kann.

Auch Vollformatkameras sind daher nicht zwingend erforderlich. Im Studio sieht man meist gar nicht das grandiose Bokeh, das Vollformatkameras ansonsten draußen in der Natur produzieren. Der Hintergrund ist hier oft nur einfarbig.

Acht solltest du dagegen bei der Objektivwahl geben. In der Regel möchte man hier das Model exakt vor dem einheitlichen Hintergrund zeigen. Und das Drumherum rechts und links neben dem Hintergrundsystem ausblenden. Um das Objektiv dafür im Blickwinkel zu begrenzen, funktionieren hier Objektive ab 50mm Brennweite am besten. Am liebsten fotografiere ich mit meinem 85mm Objektiv.

Fazit: Fotostudio einrichten für Anfänger und Fortgeschrittene

Hoffentlich konnte ich dir einen guten Überblick geben und dich an den Gedanken teilhaben lassen, die mir seit meiner Studioplanung durch den Kopf schwirren (ja, das waren ganz schön viele). Ich hoffe hier und da konnte ich dir noch einen guten Gedankenanstoß mitgeben.

Fotostudioeinrichtung

Nicht falsch verstehen: Das ist keinesfalls eine Liste a là „Wenn du das nicht kaufst, werden deine Studiofotos niemals gut“. Ich will lediglich eine komplette Übersicht geben – was am Ende gebraucht wird, kommt auf das Vorhaben und den gewünschten Stil an. Man kann auch mit sehr wenigen Dingen bereits sehr schöne Ergebnisse erzielen (siehe One-Light Fotografie).

Tipp für die Fotostudioausrüstung für Anfänger: Will man es minimalistisch und günstig halten, braucht man streng genommen erst einmal nur die Hintergrundhalterung, eine Rolle Hintergrundkarton, 1-2 Lichtquellen (jeweils mit Lichtformer und Stativ) und einen Faltreflektor. Von diesem Punkt aus kann man dann über die Zeit auch immer weiter expandieren.

Ich selbst bin nun mit dem aktuellen Stand meines Studios zufrieden und freue mich darauf, künftig komplett unabhängig von äußeren Einflüssen experimentieren zu können.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

5 Gedanken zu „Fotostudio einrichten: In 10 Schritten zum richtigen Raum und Ausrüstung für dein Studio“

  1. Wirklich super erklärt und beschrieben wie man auch wenn man am Anfang seines Geschäfts steht mit einfachen und zunächst mal kostengünstigen Mitteln ein kleines Studio einrichten kann. Die Ergebnisse können sich auch sehen lassen und darauf kommt es ja letztendlich an. Wie immer hilfreicher Beitrag.

    Antworten
  2. Hallo Markus,
    vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht mit deinen Überlegungen zum Studio und den Anstößen, die du dadurch gibst.
    Daumen hoch kann ich da nur sagen und viel Spaß und Erfolg in deiner neuen Location
    Christa

    Antworten

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