Kamera Automatik kontrolliert einsetzen – die Belichtungsmessung und Messmethode verstehen

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Es ist elementar, die Fotografie von Grund auf im manuellen Modus zu lernen und zu verstehen. Schnell taucht allerdings die Frage auf: Wie kann man die Belichtung in Sekundenbruchteilen richtig einstellen? Die Antwort: Du nicht, aber die Kamera sehr wohl. Dafür nutzt die Kamera in der Automatik die Belichtungsmessung und bestimmt dann die korrekten Einstellungen. Du musst dann nur noch auslösen. Nun wirst du dich fragen:

Aber Moment mal – wir haben doch begonnen im manuellen Modus zu fotografieren, so dass wir die maximale Kontrolle erhalten. Sobald man nun wieder eine Automatik nutzt, gebe ich diese Kontrolle doch wieder ab?

Das ist nur teilweise richtig – denn die Rede war nie vom Vollautomatikmodus, der komplett macht, was er selbst will. Stattdessen werden wir in diesem Beitrag einen Kompromiss finden:

Die Kamera bei maximaler Kontrolle über das Foto dennoch automatisch belichten lassen.

So wird es erst möglich, dass man z.B. eine Reportage, Sport und weitere Bereiche fotografiert, die eine hohe Flexibilität erfordern. Bei Porträts hat man zwar meistens mehr Zeit zum Einstellen, manchmal will man aber auch hier besser im Flow fotografieren, statt sich von Einstellungen unterbrechen zu lassen.

Im folgenden Beitrag sehen wir uns an, wie die Kamera die Belichtung misst, welche Messmethode man wann benutzt und welche Automatik die beste ist. Wer die Automatik bisher gemieden hat, dürfte anschließend bei den Profi-Tricks überrascht sein, wie präzise man die Kamera selbst im Automatikmodus steuern kann.

Wie funktioniert die Belichtungsmessung?

Die Kamera ist ein Computer mit Auge. Sie kann intern die Helligkeit des Fotos erkennen und dann blitzschnell die Parameter für eine korrekte Belichtung einstellen. Doch wie funktioniert die Belichtungsmessung der Kamera?

Dafür fixiert sich die Kamera auf ein 18% Grau. Sprich: Alle Helligkeitswerte des Bildes (oder eben an der gemessenen Stelle) müssen im Durchschnitt eine Helligkeit von 18% bilden. Dann ist das Foto für die Kamera korrekt belichtet. Zur Veranschaulichung: der Hintergrund von diesem Text entspricht einem 18% grau.

Wo genau diese 18% gemessen werden und wie die genaue Gewichtung (z.B. zwischen Bildrand und Bildmitte) aussieht, können wir steuern. Hierfür stehen viele verschiedene Messmethoden zur Verfügung. Wodurch wir zum nächsten Punkt kommen.

So nutzt du die richtige Messmethode

Das Problem der Belichtungsmessung sind die vielseitigen Aufnahmesituationen. Diese überfordern die Kamera meistens. Der Trick: Man lässt die Kamera die Belichtung nur an wichtigen Stellen im Bild messen.

Für jedes Motiv und Lichtsituation muss also die passende Messmethode genutzt werden. Darüber sagst du der Kamera, auf welchen Bereich sie im Bild schauen soll. Um dann darauf die Belichtung anzupassen.

Messmethode für Belichtungsmessung einstellen bei Fujifilm
Bei Fujifilm lässt sich die Messmethode zur Belichtungsmessung schnell über ein Rad wechseln.

Schwierige Situationen sind hier vor allem kontrastreiche Aufnahmesituationen, wie z.B. im Gegenlicht. Oder Motive wie die schwarze Katze im weißen Schnee. Solche Szenarien verwirren die Kamera meistens ziemlich. Vom Gegenlicht oder Schnee „geblendet“ denkt die Kamera automatisch, dass sie unterbelichten muss. Das Hauptmotiv wird somit allerdings zu dunkel.

Wie beim manuellen belichten muss ein guter Kompromiss zwischen hellen und dunklen Bildbereichen gefunden werden. So nutzt man den Dynamikumfang am besten aus. Oder man setzt die Belichtung nur auf den Bildbereich, den man dem Betrachter zeigen möchte.

Wir müssen z.B. bei einem Foto aus dem Fenster festlegen, ob der helle Bereich außen, oder aber der dunklere Raum innen belichtet werden soll. Oder man findet den Spagat, um einen Kompromiss zwischen der hellsten und dunkelsten Stelle im Bild zu finden und schließlich beide korrekt zu belichten.

Vorher: Belichtung auf Außen / Nachher: Belichtung auf Innen

Wie du siehst: Selbe Szene, unterschiedliche Möglichkeiten. Eigentlich geht es also nur darum, welchen konkreten Bereich die Kamera sich als Referenz zur Belichtungsmessung hernimmt. Nutze dafür die passende Messmethode aus den Folgenden. Diese liegt je nach Kameramodell sogar oft auch auf einem greifbaren Rad, oder eben im Kameramenü.

Hinweis: Da das Hauptmotiv im Bild in der Regel auch das scharfe ist, orientiert sich die Belichtungsmessung teilweise auch am Ort des aktiven Fokuspunkts. Dazu gleich mehr.

Auch wenn die folgenden Messmethoden etwas verwirrend wirken, ist es im Grunde sehr einfach: Von einem großen Bereich, der zur Messung herangezogen wird, wird die Fläche kurzgesagt immer kleiner. Bis man nur noch einen kleinen Punkt hat, der zur Messung herangezogen wird.

Mehrfeldmessung [(•)]

Bei der Mehrfeldmessung wird der komplette Sucher für die Messung hergenommen. Dabei wird das Bild in ein Gitter von mehreren gleich großen Feldern unterteilt. Dies ist eine sehr universelle Einstellung, die bei den meisten Schnappschüssen funktionieren wird. Bei Gegenlicht Aufnahmen ist das Bild oftmals etwas unterbelichtet. Die einzelnen Felder können hier bereits eine unterschiedliche Gewichtung erhalten. Meistens wird auch in Hoch- und Querformat unterschieden.

Messmethode Mehrfeldmessung

Mittenbetonte Integralmessung [ ]

Diese Messmethode funktioniert ähnlich wie die Mehrfeldmessung, allerdings werden die Bereiche in der Bildmitte mehr gewichtet. Diese Messung bietet sich also an, wenn man häufig Bilder in der Zentralperspektive aufnimmt. Somit wird auf das in der Mitte befindliche Hauptmotiv belichtet.

Messmethode der Mittenbetonte Integralmessung

Selektivmessung [( )]

Hier wird nur noch ein etwas kleinerer Bereich in der Bildmitte zur Messung hergenommen.

Messmethode Selektivmessung

Spotmessung [ • ]

Der Name ist Programm: Hier wird die Belichtung nur noch auf einem sehr kleinen Bereich beschränkt. Dieser wird meistens dann sogar an ein einzelnes Fokusfeld geknüpft. Diese Methode ist sehr praktisch, um z.B. eine Person im Gegenlicht zu fotografieren. Somit ist es möglich, das sehr helle Gegenlicht einfach von der Belichtungsmessung auszuschließen.

Spotmessung

Die Kamera selbst belichten lassen

Durch die Belichtungsmessung weiß die Kamera theoretisch schon, was sie gleich einstellen müsste. Allerdings darf sie das nicht völlig frei, da wir ja nicht im Vollautomatikmodus fotografieren (wollen). Stattdessen geben wir der Kamera nun einen möglichst engen Rahmen, in dem sie die Belichtung vollendet.

Dadurch erhalten wir unsere Gestaltungsabsicht (z.B. unscharfer Hintergrund) und nutzen gleichzeitig die Schnelligkeit der Belichtungsautomatik.

Hier bieten sich meines Erachtens nur zwei effektive Automatiken an:

AV (Aperture Value) – Zeitautomatik / Blendenpriorität

Die Blendenpriorität (oder auch Blendenvorwahl) lässt zu, dass eine feste Blendenzahl und ISO-Wert eingestellt wird. Die Kamera bestimmt die Belichtung dann über die noch fehlende Verschlusszeit (daher auch Zeitautomatik). Mehr erlauben wir der Kamera nicht, da wir weder einen zu hohen ISO Wert, noch eine andere Bildgestaltung durch abweichenden Blendenwert möchten.

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TV (Time Value) – Blendenautomatik / Zeitpriorität

Genau andersherum funktioniert die Blendenautomatik (oder auch Zeitvorwahl). Hier wird eine fixe Verschlusszeit und ISO-Wert gewählt. Die Kamera stellt dann die Blende automatisch ein und vollendet das Belichtungsdreieck (daher Blendenautomatik). Somit limitieren wir die Kamera darauf, dass wir eine spezielle Verschlusszeit verwenden, die wir für unsere Bildgestaltung benötigen.

Wahlrad für Zeitautomatik und Blendenautomatik
Typischerweise kann man mit dem Moduswahlrad u.a. zwischen Zeitautomatik und Blendenautomatik wechseln. Diese heißen meistens TV oder AV, oftmals aber auch nur wie hier A (Aperture) oder S (Speed).

Das sind in meinen Augen die wichtigsten Einstellungen für die Automatik. Darüber hinaus bieten die Kameras auch noch verschiedene Motivprogramme oder den P-Modus. Auf diese möchte ich nicht weiter eingehen.

Feintuning mit der Belichtungskorrektur

Nun werden per Belichtungsmessung die Parameter für eine korrekte Belichtung berechnet. Die gewählte Automatik erlaubt der Kamera, nur noch den dritten Parameter einzustellen und wir behalten die Kontrolle über das Foto.

Das Problem ist nun, dass es vorkommen kann, dass die Belichtung dennoch zu hell oder zu dunkel wird. Das passiert, weil Situationen eben sehr vielseitig sind oder sich schneller ändern, als man mit dem Wechsel der Messmethode hinterher kommt. Ein Grund ist oft auch schlichtweg der eigene Geschmack.

Für diesen Fall gibt es die Belichtungskorrektur. Das ist das Rad auf deiner Kamera (oder Skala auf dem Display) mit den Zahlen von -3 bis +3. Je nach Modell vielleicht auch mal nur -2 bis +2.

Rad für Belichtungskorrektur
Mit dem Rad für die Belichtungskorrektur stellst du ein, um wie viele Blendenstufen die Kamera relativ zum ermittelten Wert über- oder unterbelichten soll.

Mit diesem Rad kann man nun in einem Fall, dass die Belichtung nicht stimmt, schnell und einfach korrigieren. Wenn die Belichtung zu dunkel ist, kann man schnell auf einen Wert wie z.B. +1 drehen. Ist das Bild zu hell, stelle den Wert auf eine negative Zahl, wie z.B. -1.

Das funktioniert in der Regel blitzschnell. Dadurch sagst du der Kamera: Addiere oder subtrahiere von der angeblich richtigen Belichtung noch einen bestimmten Blendenwert.

Tipp: An sonnigen Tagen macht es Sinn, -1/3 bis -2/3 Blendenstufen unterzubelichten. Dadurch vermeidet man ausbrennen. Möchte man einen leichten Airy bzw. High Key Look, kann man anderherum auch entsprechend überbelichten.

Profitechniken für maximale kontrolle

Mit den bisherigen Tipps kommt man schon ziemlich weit – allerdings aber auch irgendwann ans Limit. Daher möchte ich dir aus meiner Erfahrung noch ein paar Tricks zeigen, die sich mehr als bewährt haben.

Stell dir zunächst die Frage: Was ist mir wichtig? Meistens sind es Gestaltungsabsichten wie:

  • Ein unscharfer Hintergrund ist gewünscht
  • Schnelle Bewegungen sollen scharf sein
  • ISO Wert soll möglichst niedrig sein (für möglichst wenig Rauschen)

In der Porträtfotografie möchte man wohl überwiegend die Kontrolle über die Tiefenschärfe behalten – daher empfehle ich den AV-Modus. Hier kann man ISO und eine Blendenzahl (z.B. F1.4) einstellen und die Kamera macht den Rest.

Als nächstes wird die richtige Messmethode gewählt. Das hängt auch sehr am vom jeweiligen Motiv ab. Ich selbst nutze immer eine Art erweiterte Spotmessung. Bei der normalen Spotmessung fängt das Bild im digitalen Sucher oftmals an zu „flackern“, während der Fokuspunkt über verschiedene Helligkeiten im Bild schweift und sich ständig neu anpasst. Daher habe ich an der Sony den Bereich durch den Kreis um den Fokuspunkt erweitert.

Erweiterte Spotmessung
An der Sony Kamera lässt sich die Belichtungsmessung an den Fokuspunkt koppel und erweitern (siehe Kreis)

Hilfreich ist es bei der Focus & Recompose Technik auch, den aufgegriffenen Messwert des Fokuspunktes mit der AEL-Taste zu speichern. Erst dann kann das Bild neu aufgebaut werden.

Tipp: Moderne spiegellose Systemkameras können oft so eingestellt werden, dass sogar Gesichter im Bild zur Belichtungsmessung herangezogen und damit korrekt belichtet werden.

Falls die Belichtung dann immer noch nicht gefällt, kann einfach und schnell das Wahlrad zur Belichtungskorrektur bemüht werden.

Doch Vorsicht: Mit einem fixen ISO-Wert scheitert man schnell, sobald man z.B. von Innenräumen nach Draußen geht. Das endet dann damit, dass beim Wechsel in sehr helle Umgebungen die Verschlusszeit nicht mehr kürzer gestellt werden kann. Oder aber dass man bei zu dunklen Umgebungen eine Verschlusszeit erhält, die man nicht mehr aus der Hand fotografieren kann. In solchen Momenten beginnt der Wert, der das jeweilige Maximum erreicht hat, dann im Sucher zu blinken.

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Der Schlüssel zum Erfolg liegt also z.B. in der Verbindung vom AV-Modus mit der ISO Automatik. Allerdings muss man im nächsten Schritt beide Parameter wieder beschränken. So lässt sich je nach Kameramodell z.B. eine Mindestverschlusszeit, sowie maximaler ISO Wert festlegen.

Lege bei Verwendung von Auto ISO einen minimalen und maximalen ISO Wert fest.

So erhält man eine blitzschnelle Belichtung, behält aber die volle Kontrolle durch vorgegebene Limitierungen, an die sich die Kamera halten muss.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

3 Gedanken zu „Kamera Automatik kontrolliert einsetzen – die Belichtungsmessung und Messmethode verstehen“

  1. super erklärt! Vielen Dank.

    Im Grunde genommen wäre dann ja eigentlich für z.B. Konzertfotografie der Modus „S“ der beste, da man hier ja meist Bewegung auf der Bühne bei wenig Licht scharf bekommen muss. Oder wie siehst Du das?

    Viele Grüße
    Christian

    Antworten
    • Hallo Christian,

      ich würde den AV Modus mit ISO Begrenzung und Mindestverschlusszeit nutzen. Falls ein Blitz genutzt wird, kann man auch über den manuellen Modus nachdenken, da TTL Blitze sich auch automatisch einstellen.

      VG
      Markus

      Antworten
    • Bei Konzerten mit eher wenig Licht benutze ich meist den Modus „M“, mache die Blende auf, und stelle die Belichtungszeit meist um 1/60s ein, damit schnelle Hände gerade richtig verwischt erscheinen. Der genaue Wert ist Geschmackssache. Den Rest macht die ISO-Auto-Einstellung.

      Antworten

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