Der ultimative Fotografie Grundlagen Guide: So funktionieren Blende, Belichtungszeit und ISO

Am in veröffentlicht. Aktualisiert am 20.12.2021

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Du hast eine Spiegelreflex- oder Systemkamera – doch deine Fotos sehen trotzdem nicht wirklich cool aus? Sie unterscheiden sich kaum von Aufnahmen von deinem Handy oder haben eine flache Anmutung?

Dann könnte es daran liegen, dass du sie bisher nur im Vollautomatik Modus bedient hast. Weil du nicht weißt, was du im manuellen Modus genau einstellen sollst. Die Kamera ist eben nur ein Werkzeug und macht von selbst noch keine überragenden Fotos.

Nach diesem Fotografie Grundlagen Beitrag wirst du soweit sein, dass du die Basics im Halbschlaf herunterbeten kannst. Erst dann eröffnet sich für dich die Welt der Fotografie in ihrem vollen Glanz.

Der manuelle Modus ist der Schlüssel zur kreativen Fotografie.

Ziel von diesem Artikel ist es, die Fotografie Grundlagen möglichst einfach zu erklären. So dass du es auf jeden Fall verstehen wirst, egal ob du gerade erst anfängst zu fotografieren oder bereits fortgeschritten bist. Ich schreibe absichtlich sehr einfach und setze auf Verständnis, statt ein Foto-Nerd-Battle anzuzetteln.

Prolog: Wieso der Automatikmodus böse ist

Kameras sind heutzutage Computer mit Augen. Aber eben doch nur Computer. In erster Linie schauen sie darauf, wie hell die Umgebung ist. Aber nicht darauf, was du überhaupt vor der Linse hast und fotografieren willst. Der Kamera ist es also im Vollautomatik-Modus erst einmal egal, ob du einen Menschen, eine Blume oder ein Rennauto fotografierst.

Vollautomatikmodus auf dem Programm Wahlrad
Ziel beim Erlernen der Fotografie Grundlagen ist es, den Vollautomatikmodus zu meiden…

Der Automatikmodus bzw. der Belichtungsmesser prüft lediglich: Wie hell ist die Szene? So stellt sich die Kamera bei starker Sonne automatisch etwas „dunkler“ ein. Bei schwachem Licht klappt sie den Blitz aus und stellt sich „heller“ ein. Sie will eben immer eine mathematisch korrekte Belichtung erzielen. Und probiert dadurch die vorherrschenden Lichtverhältnisse auszugleichen.

Mathematik erzeugt jedoch nur selten eine Gestaltung, starke Gefühle oder löst später beim Betrachter etwas aus.

Wie gesagt kann die Kamera auch nicht unterscheiden, ob du ein sich schnell bewegendes Objekt fotografierst. Oder ob der Hintergrund nun unscharf werden soll oder nicht.

Um diese Möglichkeiten der Gestaltung nutzen zu können, musst du die Kameraeinstellungen selbst in die Hand nehmen. Sprich: Du solltest vorerst nur im manuellen Modus fotografieren. Klingt schwieriger als es ist.

Manueller Modus M auf dem Wahlrad
…stattdessen wirst du ab heute überwiegend im manuellen Modus fotografieren. Mit diesem kannst du exakt so fotografieren, wie du dir das Foto vorgestellt hast.

Erst wenn du du Prinzipien vom manuellen Modus im Schlaf beherrschst, kannst du später auch wieder auf die ein oder andere Kamera Automatik zurückgreifen. So kannst du dann einen Kompromiss aus kreativer Präzision, aber auch mathematischer Schnelligkeit der Kamera nutzen. Dazu gleich noch mehr.

Merke: Im Vollautomatik-Modus beachtet die Kamera nur die Helligkeit des Fotos unabhängig vom eigentlichen Motiv. Daher wirken Bilder oft flach.

Nun aber zu den Fotografie Grundlagen.

Blende, Verschlusszeit und ISO für die korrekte Belichtung in Einklang bringen

Dein primäres Ziel in der Fotografie ist es immer, ein Bild mit der richtigen „Helligkeit“ zu machen. Also das Foto korrekt zu belichten. Was korrekt ist, ist je nach Situation unterschiedlich und deckt sich selten mit der Meinung des mathematischen Belichtungsmessers. Eine absichtliche Unter- oder Überbelichtung unterstreicht meistens nämlich direkt die Bildstimmung.

Von einer Über- oder Unterbelichtung spricht man, wenn entweder zu viel oder zu wenig Licht auf den Kamerasensor gelangt. So wird das Bild dann „zu hell“ oder „zu dunkel“. Für ein technisch einwandfreies Foto sollte die Belichtung also in der Waage sein, dennoch hat man einen Spielraum, um die Bildstimmung etwas zu steigern.

Bei einer passenden Belichtung trifft also die richtige Menge Licht auf den Sensor.

Um die Lichtmenge und damit die Belichtung zu steuern gibt es drei Stellschrauben: die Blende, die Verschluss- bzw. Belichtungszeit und der ISO-Wert. Alle drei Parameter können die Menge des einfallenden Lichts regulieren – also mehr oder weniger Licht zulassen.

Fotografie Grundlagen - die Blende im Objektiv
Wir haben drei Möglichkeiten, um die Menge des Lichts zu regulieren, die auf den Sensor trifft. Hier z.B. die Blende im Objektiv.

Allein die Menge des Lichts zu regulieren hat aber noch nicht viel mit Kreativität zu tun. Der Schlüssel ist nämlich, dass jeder Parameter – also Blende, Verschlusszeit und ISO – noch eine Spezialfähigkeit bzw. Zauberkraft für die Bildgestaltung besitzt. Erst wenn du diese nutzt, kann dein Bild komplett nach deiner Vorstellung gestaltet werden.

Merke: Für ein Foto muss die richtige Menge an Licht auf den Sensor treffen. So erhält man die passende Belichtung. Die Lichtmenge kann durch Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert geregelt werden. Alle drei Parameter besitzen neben der Regulierung der Lichtmenge noch eine Spezialfähigkeit für die Bildgestaltung.

1. Parameter: Die Fotografie Blende – unscharfer Hintergrund gewünscht?

Die Blende bzw. Blendenöffnung ist die Größe des Lochs, durch das das Licht in die Kamera gelangen kann. Sie sitzt im Objektiv und ist variabel verstellbar. So kann das Loch entweder groß geöffnet, oder auch klein geschlossen eingestellt werden.

Eigentlich ganz einfach: Bei einer großen Blendenöffnung (z.B. F1.8) gelangt viel Licht auf einmal durch das Objektiv in die Kamera. Das Foto wird heller. Mit geschlossener, kleinen Blendenöffnung (z.B. F16) kann nur wenig Licht gleichzeitig in die Kamera gelangen. Das Bild wird dadurch dunkler.

geschlossene Fotografie Blende
Die Blende beschreibt die die Größe der Öffnung im Objektiv. Diese ist variabel verstellbar und kann somit viel oder wenig Licht auf einmal durch lassen. Auf dem Bild ist sie fast komplett geschlossen.

Neben dieser Regulierung der Lichtmenge hat die Blende noch die genannte Spezialfähigkeit, die du dir gut einprägst: Sie kann einfach gesagt bestimmen, ob der Hintergrund scharf oder unscharf / verschwommen abgebildet wird.

Genauer gesagt nennt sich diese Eigenschaft im Foto auch Tiefenschärfe. Der Fokus legt die Schärfe immer auf einer bestimmten Stelle. Davor und dahinter nimmt die Schärfe dann direkt wieder ab. Wie extrem die Schärfe abfällt, wird über die Tiefenschärfe und die Blende geregelt.

Das kannst du im folgenden Slider gut sehen. Während vorher die Palme und der Hintergrund bei Blende F1.4 sehr unscharf sind, werden sie nachher bei Blende F14 sichtbar. Die Tiefenschärfe hat sich durch abblenden erhöht.

Vorher: Blende F1.4 (hohe Blendenöffnung) – Nachher: Blende F14 (kleine Blendenöffnung)

Noch einmal zum Merken, denn Tiefenschärfe ist enorm wichtig:

  • Bei großer Blendenöffnung (z.B. F1.4) gelangt viel Licht in die Kamera. Die Tiefenschärfe ist gering und lässt z.B. den Hintergrund unscharf erscheinen.
  • Bei kleiner Blendenöffnung (z.B. F16) gelangt wenig Licht in die Kamera. Die Tiefenschärfe ist hoch und lässt z.B. den Hintergrund scharf erscheinen.

Und wofür braucht man das eigentlich? Ganz einfach weil man im Moment des Fotografierens eine dreidimensionale Szene in einem zweidimensionalen Bild zeigt. Dadurch fällt neben Höhe und Breite die dritte Dimension (die Tiefe) weg. Die Tiefenschärfe gibt uns die Möglichkeit, diese Dimension durch einen Schärfeverlauf anzudeuten. So kann der Blick später auch besser z.B. auf das Model gelenkt werden. Das Foto wirkt dadurch räumlicher.

Merke: Die Blende ist die Größe der Öffnung im Objektiv und bestimmt, wie viel Licht auf einmal auf den Sensor gelangen kann. Daneben erhält man mit einer geschlossenen Blende eine hohe Schärfentiefe (z.B. F10). Mit einer offenen Blende erhält man eine geringe Schärfentiefe (z.B. F1.8) und damit einen unscharfen Hintergrund.

2. Parameter: Die Verschlusszeit – einfrieren oder Bewegungsunschärfe?

Bei der Belichtungs- bzw. Verschlusszeit geht es nicht darum, wie viel Licht auf einmal auf den Sensor fallen kann. Hierbei geht es, wie der Name schon vermuten lässt darum, wie lange das Licht auf den Sensor fallen kann.

Dies geschieht über das Hochklappen des Spiegels bzw. das Betätigen des Verschlussvorhangs. So wird die Zeit bestimmt, wie lange der Sensor frei liegt und das Licht aufnehmen kann. Je länger das passiert, desto mehr Licht wird gesammelt. Das Bild wird dadurch heller.

In diesem Video siehst du, wie der Verschluss der Kamera aussieht. Durch diese „Klappe“ wird die Verschlusszeit technisch realisiert:

Die Spezialfähigkeit der Belichtungszeit ist es, Bewegungen sichtbar zu machen oder eben nicht. Wenn selbst schnelle Bewegungen auf dem Foto scharf eingefangen werden, redet man von einfrieren. Wählt man absichtlich eine lange Verschlusszeit, so verlaufen Elemente im Bild. Dann redet man von der Gestaltung mit Bewegungsunschärfe.

Beispiele:

  • Bei einem Sportler oder Rennwagen kannst du mit einer kurzen Verschlusszeit auch bei hohen Geschwindigkeiten alles ohne sichtbare Bewegung gestochen scharf festhalten. Die Szene wirkt dann bei kurzen Verschlusszeiten wie z.B. 1/4000 Sekunde wie eingefroren.
  • In der Landschaftsfotografie nutzt man z.B. bei Gewässern gerne eine längere Verschlusszeit ab 1 Sekunde, um diese weichzuzeichnen und absichtlich mit Bewegungsunschärfe zu gestalten.

So verschwimmt der folgende Wasserfall fast schon malerisch. Siehst du, wie klar im ersten Foto jeder Tropfen erkennbar ist? Den zweiten Wasserfall habe ich mit Stativ mit 1s Verschlusszeit fotografiert:

Plump formuliert „speichert“ die Kamera alles, was sie während der Verschlusszeit „sieht“ und generiert anschließend ein Foto daraus. Alle Veränderungen im Bild während dieser Zeit haben einen Einfluss. So auch die Kamera-Eigenbewegung – weshalb für Langzeitbelichtungen natürlich ein Stativ benötigt wird.

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nützliche Blog Beiträge wie dieser leben nur mit etwas Werbung. Mit meinen Lightroom Presets verbesserst du also nicht nur deine Nachbearbeitung, sondern unterstützt gleichzeitig den Blog:

Die Verschluss- / Belichtungszeit bei Portraits
Dieses Portrait wurde mit 1/8 Sekunde Belichtungszeit aus der Hand aufgenommen. Durch Bewegung der Kamera ist der Hintergrund in Bewegung versetzt aufgenommen. Was hier als absichtlicher Effekt genutzt wurde, kann sonst auch gerne mal das komplette Foto verwackeln.

Hier ein paar Beispiel Verschlusszeiten zur Orientierung:

  • Sicheres Fotografieren aus der Hand bei Portraits: längstens 1/250 Sekunde
  • Einfrieren einer Aufnahmesituation: längstens 1/500 Sekunde
  • Bewegungsunschärfe entsteht absichtlich: kürzestens 1/5 Sekunde

Natürlich kann man das nicht pauschal für jede Situation sagen. Alle Objekte bewegen sich unterschiedlich schnell und auch jeder Fotograf hält die Kamera unterschiedlich ruhig.

Merke: Die Verschlusszeit regelt, wie lange Licht auf den Sensor treffen kann. Mit einer langen Verschlusszeit (z.B. 3 Sekunden) kann man absichtlich Elemente im Bild unscharf abbilden. Mit einer kurzen Verschlusszeit (z.B. 1/1000 Sekunde) kann man Motive dagegen einfrieren.

3. Parameter: Der ISO-Wert vervollständig das Belichtungsdreieck

Anders als Blende und Verschlusszeit ist der ISO-Wert erst einmal nichts wirklich mechanisch-greifbares. Hier geht es mehr oder weniger nur um die Lichtempfindlichkeit des Sensors.

Diese wird bei schwachem Licht erhöht, so dass auch bei Dunkelheit weiter fotografiert werden kann. Plump gesagt wird also die „Helligkeit“ des Sensors erhöht.

Anders kann an extrem hellen Tagen bzw. Aufnahmesituationen der ISO-Wert weniger empfindlich eingestellt werden. So kann die Kamera bei starkem Sonnenschein entsprechend „dunkler“ gemacht werden.

Beispiele für die Veranschaulichung der ISO Einstellungen:

  • ISO 50 – 100 bei direktem hellen Sonnenschein
  • ISO 400 bei Einbruch der Dunkelheit
  • ISO 800 in dunklen Räumen
  • ISO 1600 beim Fotografieren bei Nacht

Auch hier gilt, dass jede Aufnahmesituation anders ist. Zudem ist ISO 1600 nicht die Spitze der Fahnenstange. Beim Fotografieren mit Film hat übrigens jeder Film einen eigenen ISO Wert bzw. Lichtempfindlichkeit. D.h. man hatte bzw. hat hier Filme für Nacht, Tag und andere Lichtsituationen.

Jetzt fragst du dich sicherlich, was die Spezialfähigkeit vom ISO Wert ist. Hier muss ich dich aber leider enttäuschen, denn so coole Effekt wie mit Blende und Verschlusszeit lassen sich hier nicht erzielen. Und noch schlimmer:

Der ISO hat sogar eine negative Spezialfähigkeit.

Und zwar wird die Bildqualität immer schlechter, je höher der ISO Wert eingestellt wird. Bei hohen ISO Werten (je nach Kamera ab ca. ISO 800) fangen die Fotos an zu Rauschen. Auch lässt der Dynamikumfang nach.

In diesem Slider kannst du vor allem im oberen unscharfen Bildbereich sehen, wie das Foto bei höherem ISO beginnt zu rauschen:

Vorher: Bildausschnitt auf ISO 100 – Nachher: Bildausschnitt auf ISO 1600 (Aufgenommen mit der Sony A7III, welche bei ISO 1600 noch gut brauchbare Fotos liefert)

Merke: Der ISO-Wert ist die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Er ist der dritte Wert im Belichtungsdreieck und vollendet die Belichtung. Bei einem hohen ISO Wert kannst du auch bei wenig Licht fotografieren (z.B. ISO 3200), allerdings schwindet dann die Bildqualität. Halte ihn daher so gering wie möglich.

Fotografie Grundlagen – Wie du die Kamera für Portraits einstellst

Du erinnerst dich daran, dass ich versprochen hatte, dass du außerhalb vom Automatik-Modus das Bild gestalten kannst. Die drei Parameter können das:

  • Die Blende bestimmt die Tiefenschärfe
  • Die Verschlusszeit regelt Bewegungsunschärfe
  • Der ISO Wert ist für die Bildqualität und Rauschen verantwortlich

Dazu kann jeder Parameter dein Foto heller oder dunkler erscheinen lassen. Ziel ist es nun immer, folgendes zu vereinbaren:

  1. Die richtige Lichtmenge auf den Sensor lassen und korrekt zu belichten
  2. Die gewünschte Gestaltung umzusetzen

Dafür musst du dir für jede Aufnahmesituation erst einmal eine Priorität setzen. Stell dir also vereinfacht immer zwei Fragen:

  • Soll das Foto von vorne bis hinten scharf sein oder soll der Hintergrund unscharf erscheinen? -> hohe oder kleine Blendenzahl?
  • Wie schnell bewegen sich Personen auf dem Foto und welche Brennweite benutze ich? Will ich die Szene einfrieren oder Elemente verlaufen lassen? -> kurze oder lange Verschlusszeit?
Kameraeinstellung für Portrait
Für Portraits wählst du eine geringe Tiefenschärfe (= unscharfer Hintergrund). Das Foto soll aus der Hand gemacht werden und keine Verwacklungen haben.

Für den ISO stellen wir keine Fragen, denn dieser dient dann als Ausgleichsparameter und vollendet die Belichtung. Auch solltest du niemals absichtlich mit hohem ISO Wert fotografieren, auch wenn du z.B. einen verrauschten Vintage Effekt erzielen willst. Das wäre ein Fall für die Nachbearbeitung.

Da es auf diesem Blog um die Portrait Fotografie geht, will ich nun dafür eine Beispiel Kameraeinstellung anreißen:

Wichtig für Portraits ist der Fokus auf die Person. Unterstützen kann man das durch einen unscharfen Hintergrund. Übersetzt heißt das, wir wollen eine offene Blende benutzen. Hierfür empfiehlt sich eine Festbrennweite. Mit dem Kit Objektiv geht meistens nichts unter Blende F3.5. Eine schöne Freistellung geht ab F2.8 los und kann je nach Offenblende des Objektivs oft bis F1.4 ausgereizt werden. Ich empfehle als Kompromiss eine Blende F2.0 – denn die Schärfe muss ja auch noch richtig aufs Auge der Person getroffen werden.

Für die Verschlusszeit gibt es die Kehrwertformel: Diese empfiehlt z.B. für ein 50mm Objektiv (also 50/1mm) eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde (der Kehrwert von 50/1). Für ein 30mm Objektiv wären es demnach 1/30 Sekunde oder für ein 80mm Objektiv eine 1/80 Sekunde. Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein, da deine unruhigen Hände dadurch verstärkt werden.

Da du allerdings nicht nur deine eigenen Hände, sondern auch die natürlichen Bewegungen der fotografierten Person ausgleichen musst, empfehle ich generell längstens 1/250 Sekunden Verschlusszeit.

Achtung: Ein Bildstabilisator in Objektiv oder Sensor gleicht nur deine Eigenbewegung aus, nicht aber die des Models.

Nun hast du deine Priorität gesetzt:

Du willst aus der Hand ein Foto mit unscharfem Hintergrund von einer Person machen.

Übersetzt heißt das wie eben gesagt, dass du deine Kamera auf längstens 1/250 Sekunden Verschlusszeit und eine Blende von F2.0 einstellst. Damit stehen aber erst zwei Pfeiler des Belichtungsdreiecks.

Um es zu vervollständigen, kommt nun noch der ISO-Wert ins Spiel. Mit ihm gleichst du nun die Helligkeit aus. Dafür benutzt du die Belichtungsmessung deiner Kamera. Diese erscheint in der Regel als Skala von -3, -2, -1, 0, +1, +2 und +3. Darunter oder darüber befindet sich ein kleiner Pfeil, der die aktuellen Einstellungen symbolisiert. Du drehst nun so lange an der ISO-Einstellung, bis der Pfeil bei der 0 angekommen ist.

Falls das Bild selbst auf ISO 100 noch zu hell ist, musst du die Verschlusszeit weiter verkürzen und die Lichtmenge weiter reduzieren.

Kameraeinstellung für Portrait Aufnahmen
Für Portraits will ich die Person durch Unschärfe vom Hintergrund abheben und störende Elemente ausblenden. Deshalb stelle ich die Blende auf F2.0. Da ich aus der Hand fotografiere, nehme ich 1/200 Sekunde Verschlusszeit. Den ISO-Wert passe ich anschließend so lange an, bis der Pfeil der Belichtungsmessung auf 0 steht.

Tipp: Wenn der Pfeil exakt auf der 0 zu liegen kommt, erhältst du wieder die langweilige mathematische Berechnung der Kamera. Diese ist nützlich, um die Situation grob einzuschätzen. Von hier aus gehst du dann nach Belieben noch etwas heller oder dunkler, bis das Foto so aussieht, wie du es willst. Achte jedoch darauf, dass Bereiche weder komplett weiß oder komplett schwarz werden.

Weitere Grundlagen & Einstellungen

Soweit sollte das Belichtungsdreieck von Blende, Verschlusszeit und ISO klar sein. Wenn du diese Zusammenhänge für eine korrekte Belichtung und kreative Bildgestaltung verinnerlicht hast, hast du bereits 70% der Fotografie Grundlagen verstanden. Zum Schluss möchte ich noch weitere Themen ansprechen:

Schneller belichten mit einer Kamera-Automatik

Vielleicht wirst du dir nach dieser Theorie denken:

Wie soll ich mit dem manuellen Kameramodus jemals irgendein Motiv erwischen? Bis ich das alle eingestellt habe, ist die Situation vorbei. Das muss doch irgendwie schneller gehen?

Erst die schlechte Nachricht: Zuerst MUSST du diese Dinge so oft üben, bis du überhaupt nicht mehr darüber nachdenken musst.

Die gute Nachricht ist, dass es tatsächlich einen Weg gibt, um schnell und gezielt zu fotografieren. Wie du gemerkt hast gibt es oft nur eine Priorität im Bild, z.B. einen unscharfen Hintergrund zu fotografieren. Dadurch wird nur ein bestimmter Blendenwert relevant – der Rest ist nicht so wichtig.

Eine Kamera-Programmautomatik kann genau das übernehmen. Du stellst dann nur noch den Parameter ein, der für die aktuelle Gestaltung wichtig ist, die Kamera vervollständigt das Belichtungsdreieck von selbst. Hier gibt es z.B. folgende Möglichkeiten:

  • AV-Modus für eine feste Blende
  • TV-Modus für eine feste Verschlusszeit

Wie das alles im Detail funktioniert und wie du tatsächlich möglichst wenig Kontrolle abgibst, ist doch etwas umfangreicher. Daher habe ich hierfür einen eigenen Ratgeber erstellt:

Den Weißabgleich für korrekte Farben einstellen

Bisher habe ich nur über die Lichtmenge gesprochen. Doch nicht nur die Lichtquantität, sondern auch Qualität muss in der Fotografie beachtet werden. Denn Licht kommt aus den unterschiedlichsten Quellen zu uns:

  • Sonne
  • Glühbirne
  • Neonröhre
  • Kerze
  • Leuchtreklame

Und das sind nur 5 Beispiele. Jedes Licht hat hierbei eine eigene Farbtemperatur. Du kennst das vielleicht, wenn beim warmen Licht einer Glühbirne abends alle Fotos einen gelben Farbstich haben. Wohingegen tagsüber bei Sonnenlicht alles noch normal ausgesehen hat.

Hierfür muss die Kamera auf die unterschiedlichen Temperaturen eingestellt werden. Dafür gibt es den sogenannten Weißabgleich. Auch dieser ist ein sehr wichtiges Thema, weshalb es auch dafür einen extra Beitrag gibt:

Fokussieren und ein scharfes Bild machen

Im letzten Moment vor dem Bild wirst du bemerken, wie die Kamera mit dem Autofokus scharf stellt. Das passiert meistens beim halben Durchdrücken des Auslösers. Der Nachteil ist hier im Vollautomatik-Modus auch wieder: Du erlaubst der Kamera scharf zu stellen, wo sie es für richtig hält.

Weiter oben hatten wir aber schon erörtert, dass die Kamera überhaupt nichts über dein Motiv weiß. Daher musst du auch den Kamera Fokus selbst in die Hand nehmen. Wie das funktioniert, erfährst du in diesem Beitrag:

Zusammenfassung: Fotografie Grundlagen verstehen und kreativ anwenden

Ja ich gebe es zu – am Anfang kann das ziemlich verwirrend sein. Einige Stellen solltest du ein paar mal Lesen, falls du sie nicht beim ersten Mal verstehen konntest. Daher noch einmal die Kurzfassung:

  1. Es gibt Blende, Verschlusszeit und ISO
  2. Diese drei Parameter regeln sowohl die einfallende Lichtmenge für eine korrekte Belichtung, haben aber auch eine Spezialkraft für die Bildgestaltung
  3. Die Blende sorgt für einen unscharfen Hintergrund oder durchgehende Schärfe (Tiefenschärfe)
  4. Die Verschlusszeit sorgt für ein scharfes Bild oder absichtliches Verlaufen von Bildelementen
  5. Der ISO Wert ist die Lichtempfindlichkeit des Sensors und vollendet die Belichtung
  6. Wenn ein Wert verändert wird, muss ein anderer wieder das Gleichgewicht herstellen

Tipp: Nutze den Fotografie Simulator, um den Zusammenhang sehr einfach erlernen zu können.

Im Grunde geben dir diese drei Parameter fast alles, um in Zukunft Fotos so zu gestalten wie du sie willst. Und nicht wie die Kamera es zufällig berechnen würde. Das ist der Grundstein, um deine Portrait Fotos weiter auszubauen.

Sobald du diese Paramater verstanden hast, kannst du dir die oben verlinkten Beiträge zu Kamera Automatik, Weißabgleich und Fokus ansehen.

Achte auf die entscheidenden Stellen im Sucher und mach sofort bessere Porträts.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

4 Gedanken zu „Der ultimative Fotografie Grundlagen Guide: So funktionieren Blende, Belichtungszeit und ISO“

  1. Oh je, die Automatik hat mich so viel vergessen lassen, was ich mal über probieren gelernt hatte. Ich habe noch den Übergang von Kleinbildfilm zu digitaler Fotografie erlebt und mich irgendwann nur noch auf Motive statt auf das Bild konzentriert. Daher habe ich mir fest vorgenommen, alle Tipps hier zurück ins Gedächtnis zu rufen und der Automatik abzuschwören ;) …. ach, eigentlich wollt ich nur sagen: super Blog!

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