Warum du niemals Fotos direkt beim Shooting löschen solltest

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Du kennst das: Du bist gerade dabei, ein Model zu fotografieren. Beim Blick auf das Display fällt dir auf, dass das Foto nicht ganz so geworden ist, wie du dir es vielleicht vorgestellt hast.

Sei es, dass es unscharf ist, zu hell oder zu dunkel, die Komposition nicht passt oder irgendein anderer Grund: Du löscht es sofort an der Kamera. Wieso sollte man es denn überhaupt noch auf den Computer laden, wenn es eh nicht passt?

Dafür gibt es gute Gründe.

1.Das Bild ist unter- oder überbelichtet

Gut, im Zeitalter von RAW Dateien, an denen man im Nachhinein wirklich noch extrem viel drehen bzw. retten kann, darf das eigentlich überhaupt kein Grund sein ein Bild sofort zu löschen.

In der RAW Konvertierung ist es ein Kinderspiel, ein unter- oder überbelichtetes Foto nach Belieben zu belichten. Auch Stellen, an denen Highlights ausgebrannt oder in den Tiefen versumpft sind, lassen sich meistens noch retten.

In einigen Extremfällen geht zwar auch das nicht, jedoch lässt sich das am Kameradisplay oft nicht gut genug einschätzen, was überhaupt noch möglich ist. Also einfach behalten und später ausprobieren.

Es besteht immer die Chance, dass auf diesem Bild trotz einer Unterbelichtung das Model eventuell den besten Ausdruck hatte. Wenn man es direkt beim Shooting löscht, oder nicht auf den Computer übertragt, kann man eventuell das stimmungsvollste Bild einfach wegwerfen.

Klar: Wenn man zu stark unterbelichtetes Material wieder „nach oben“ zieht, entsteht oftmals starkes Rauschen. Dann kommt wieder die Frage auf: Muss es 1A Qualität für meinen aktuellen Auftrag haben? Oder kann ich durch absichtliches hinzufügen von Körnung das Rauschen der Kamera ausgleichen? Bearbeite ich nicht eh meistens meine Fotos auf eine analoge Art und Weise, bei der Körnung sogar dazu gehört? Das muss jeder für sich selbst abwägen.

2. Das Foto ist unscharf

Du kennst das bestimmt eher aus der anderen Richtung: Auf dem kleinen Display der Kamera sieht das Bild nach dem Aufnehmen knackscharf aus. Daheim am Computer merkt man dann oft: Verdammt, der Fokus liegt mal wieder auf der Nase oder den Ohren und die Augen sind unscharf. Auch wenn man das mit Übung verringern kann, passiert es dennoch ab und zu einmal.

Bei Bildern, wo man sich sicher sein muss ist es ratsam, das Bild bei 100% Zoom auf dem Display zu überprüfen und dann gegebenfalls nochmal zu machen. Ein Bild noch einmal genauso hinzubekommen ist aber sogut wie unmöglich. Wenn man erst beim nächsten Set merkt, dass das Bild unscharf ist, bekommt man es wohl nicht nochmal so hin.

Jetzt hast du bereits beim Fotografieren bemerkt, dass du ein unscharfes Fotos gemacht hast. Also schnell weg damit?

Wieso sollte man es behalten? Lass mich raten: Du hast im Internet noch nie ein unscharfes Foto gesehen. Oh doch! Zugegeben, bei manchen Fotos stört es schon ein bisschen, dass es nicht 100%ig scharf ist. Es gibt aber etliche Meisterwerke, die allein durch ihre Stimmung überzeugen.

Ich denke dabei an die Streetfotografie. Vor allem, wenn man hier mit einer analogen Kamera unterwegs ist, schafft man es mit dem manuellen Fokus nicht immer schnell genug alles scharf zu bekommen, was man will. Da passiert es manchmal auch, dass über dem gesamten Foto eine leichte Unschärfe liegt.

Aber ist das wirklich schlimm?

Wenn die Bildkomposition passt, es eine Stimmung gibt und alles andere auch stimmt, finde ich nicht dass man ein solches Foto löschen muss. Im Gegenteil: Das gibt dem Foto doch bei vielen Situationen eine ganz eigene Stimmung.

Auch hier ist es natürlich abzuwägen, für was man gebucht wurde. Nach einem Business Shooting kann man natürlich nicht mit unscharfen Porträts vom Chef ankommen.

Reportagen, freie Porträts oder Streetfotografie sind aber beispielsweise Bereiche, wo sich das durchaus sehen lassen kann. Ein durch und durch geniales Foto wird durch ein bisschen Unschärfe nicht sofort grottenschlecht. Man kann sich hier z.B. auch von einer „analogen“ RAW Konvertierung inspirieren lassen.

3. Die Komposition stimmt nicht

Der Horizont ist schief? Du wolltest eigentlich ein Bild mit zentraler Perspektive oder im goldenen Schnitt aufnehmen?

Gerade bei neueren Kameras, die mit einer sehr hohen Auflösung hat man hier mehr als genug Spielraum. Darauf bin ich auch schon kurz in meinem Artikel darüber, wie viele Megapixel man eigentlich braucht eingegangen.

Sofern du ein paar Megapixel Reserven im Gepäck hast, kannst du also nach Belieben im Nachhinein loslegen: Den Horizont gerade ziehen oder die Komposition danach komplett verändern?

Wenn ihr jetzt nicht das Kamera Model mit einer hohen Anzahl an Megapixel habt, könnt ihr trotzdem Croppen – im Hinterkopf dabei natürlich immer, wo ihr euer Bild später veröffentlicht. Wo man Fotos im Web mit 1600px Kante etwas mehr beschneiden kann, muss man bei der Absicht die Fotos großformatig zu drucken etwas vorsichtiger sein. Sonst geht beim Wegschneiden zu viel Auflösung verloren.

4. Das Model schaut komisch

Wir kommen jetzt aber zu einem Punkt, an dem man so eigentlich nichts ändern kann: Dem Ausdruck des Models. Das gefällt auch dem Model vor Ort nicht, wenn es beim ersten Betrachten einen unvorteilhaften Gesichtsausdruck hat.

Das kann natürlich nicht nur am Model liegen, sondern auch durch den Blickwinkel des Fotografen verstärkt worden sein. Doch auch solche Bilder lösche ich nicht direkt.

Ich will immer erst zumindest mal kurz eines meiner Presets darüber „werfen“. Klar, der Blick verändert sich dadurch nicht. Es ist aber schon ein paar mal vorgekommen, dass der Blick zusammen mit einer komplett anderen Stimmung des Fotos dann auch wieder ganz anders gewirkt hat.

Erst wenn auch dann nichts mehr zu machen ist, lösche ich das Bild endgültig.

Es gibt beim Fotografieren also viele kleine Fehler, über die man stolpern kann und einen eventuell im ersten Moment dazu verleiten, das Foto löschen zu wollen. Auch wenn der Gedanke verlockend ist, dass man so später weniger Fotos sichten muss und Speicherplatz einsparen kann: Am besten nicht sofort löschen. Erst daheim ganz in Ruhe am Computer anschauen und sehen, was man noch daraus machen kann.

Wenn einem dann nach allen Versuchen auffällt, dass es einfach nichts wird, oder das Bild auch in groß überhaupt nicht gefällt, kann man es ja immer noch löschen.

Es gibt dafür aber natürlich eine wichtige Voraussetzung: Ihr habt genug Speicher in Form von Speicherkarten dabei.

Wenn man beim Shooting merkt, dass die Karte voll ist und man unglücklicherweise keine Ersatzkarte dabei hat, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Hier hat man dann letztendlich nur noch die Möglichkeit, aufzuhören, spontan eine Speicherkarte aufzutreiben oder aber doch Bilder zu löschen bei denen man sich relativ sicher ist, sie nicht zu benötigen. Dazu gehören dann vor allem Bilder die oftmals zu Einstellen des Lichts etc. gehört haben.

Das Wichtigste ist somit wohl in erster Linie genug Speicher dabei zuhaben. So kann man wirklich frei fotografieren und sich erst am Computer in Ruhe den Kopf zerbrechen, ob man nicht doch noch etwas aus dem „schlechten“ Bild machen kann oder es endgültig löscht.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

3 Gedanken zu „Warum du niemals Fotos direkt beim Shooting löschen solltest“

  1. Super Zusammenfassung.
    Bilder auf der Kamera zu beurteilen kann oft dazu führen, dass man ein vermeintliches Kunstwerk durch impulsive falsche Bewertung löscht.
    Selbst falsches Licht kann auf dem großen Monitor etwas unbeabsichtigt schönes sein!
    lg,
    ~Alexey

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