5 Schritte, um das Model kreativ in die Fotolocation einzubringen

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Du hast eine einzigartige Fotolocation entdeckt und gleich ein Shooting mit Model und Assistenten organisiert. Am vereinbarten Termin läuft alles super – alle sind pünktlich vor Ort und auch das Wetter spielt ausnahmsweise mal mit. Ihr beginnt mit dem Fotoshooting. Nach den ersten Aufnahmen merkst du, dass dir die Aufnahmen nicht so recht gefallen wollen. Die Location, die anfangs mit so viel Sorgfalt ausgewählt wurde, kommt irgendwie nicht wirklich zur Geltung.

Schon in meinem Artikel darüber, wie man neue Foto Ideen finden kann, habe ich es angesprochen: Eine gute Location ist bei Outdoor Shootings für ein gelungenes Endergebnis oft essentiell. Dabei gibt es verschiedene Arten, mit dem Ort zu interagieren und sich an eine gelungene Komposition heranzutasten.

1. Wäge deine Gewichtung ab

Wenn du bemerkst, dass die Location auf den Bildern nicht wirklich zu tragen kommt, kann es oft daran liegen: Der Ort bekommt nicht die gewünschte Aufmerksamkeit. Die gute Nachricht ist, dass du selbst bestimmen kannst, wie groß der Fokus darauf sein soll.

Ein Aspekt wäre dabei die abgebildete Größe der Umgebung. Je mehr Fläche du der Umgebung auf dem Bild gibst, desto wichtiger wird sie. Aber aufgepasst: Je mehr Raum der Ort bekommt, desto unwichtiger wird auch die Person auf dem Foto. Das muss aber nicht immer so sein. Ich kenne verschiedene Aufnahmen in der Natur z.b. mit einer winzigen Person vor einem großen Wasserfall, bei dem trotz ungleicher Größenverhältnisse die Person eine wichtige Rolle spielt. Sie verkörpert den Größenmaßstab. Das kann ein eindrucksvolles Endergebnis sein, allerdings entfernt man sich dabei wieder etwas von der Porträt Fotografie.

Man muss sich immer gut überlegen, inwiefern es um Person oder Umgebung gehen soll. Und das geht ganz nach persönlichem Geschmack. Man muss ein Gleichgewicht finden, das einem selbst am besten gefällt.

Noch eine Möglichkeit, mit der Aufmerksamkeit zwischen Person und Ort zu spielen, ist die Tiefenunschärfe. Bei einem längeren 85mm Objektiv auf 1.8er Blende* verschwimmt die Umgebung meistens extrem. Hier ist es wichtig, welche Farben der Hintergrund besitzt, die dann zu Flächen verschmelzen. Normalerweise ist es, wenn nicht anders gewollt, eher eine dunkle Lichtstimmung im Hintergrund zu empfehlen. So bleibt die Aufmerksamkeit auf dem Model im Vordergrund. Die Wahl einer so besonderen Location hätte man sich dann wohl sparen können, wenn man den Hintergrund so radikal in die Unschärfe zieht.

Anders kann man zum Beispiel mit einer geschlosseneren Blende, oder einem Objektiv mit geringerer Brennweite arbeiten: Hier lässt sich der Hintergrund noch gut erkennen und hat trotzdem eine angenehmen Unschärfe. Eine solche Charakteristik bringt z.B. das Sigma 35mm Art* mit. Ich selbst gehe nur selten über 50mm, da ich dem Ort mehr Struktur im Foto lassen will.

Man muss für die Gewichtung des Ortes also einerseits mit der eingenommenen Fläche auf dem Bild, aber auch der erhaltenen Tiefenschärfe spielen. So kann man ein optimales Verhätlnis zwischen Vorder- und Hintergrund bzw. zwischen Model und Ort schaffen. Was ist nun aber, wenn das Foto trotzdem noch langweilig aussieht?

Model auf Fotolocation
Das Model ist halb durch den Vordergrund bedeckt. Die Büsche im Hintergrund lassen sich trotz Unschärfe noch erkennen.

2. Wie du spannende Unschärfe ins Spiel bringst

So ist es doch immer in der Fotografie: Wo Licht ist, sollte auch Schatten sein. So erzeugt man Spannung. Genauso sollte man aber beachten, dass da wo Schärfe ist, auch Unschärfe sein sollte. Gut, im Hintergrund haben wir bereits genug Unschärfe und das Gewicht zwischen Model und Umgebung ausgeglichen. Es gibt aber noch eine Möglichkeit, um deinen Foto mehr Tiefe zu geben, und die wollen wir auf keinen Fall verschenken.

Dazu vorher ein kurzer Gedanke: Was ist der Unterschied zwischen einem „Bild“ dass wir in Echt mit unseren Augen sehen und dem gleichen Bild fotografiert als Foto? Das Foto reduziert die Szenerie auf zwei Dimensionen. Und eine der besten Möglichkeiten, einen möglichst dreidimensionalen Effekt auf einem Foto zu bewahren ist es, mit Tiefenunschärfe zu arbeiten. Und die gibt es nicht nur im Hintergrund. Denke auf jeden Fall auch an den Vordergrund.

Sieh dich an der Location um: Gibt es Objekte mit interessanten Farben oder Formen, die man unscharf im Vordergrund abbilden könnte? Entweder du passt die Position von dir und dem Model so an, dass du einen spannenden Vordergrund aufbauen kannst. Dabei kann ein Busch, der z.b. das Model teilweise verdeckt genauso spannend sein, wie Gestrüpp das direkt vor der Kamera noch sehr diffus, zum Model hin aber immer schärfer sein wird.

Ein anderer Weg könnte sein, dass du Objekte direkt vor die Linse hältst, die es an dem Ort zu finden gibt. Dabei denke ich beispielsweise an Äste, Pflanzen oder andere Objekte. Auch wenn die anderen Teilnehmer des Shootings wohl schmunzeln müssen, wenn du solche Objekte 5cm vor die Kamera hältst – das Ergebnis kann bei richtiger Umsetzung für sich sprechen. Neben Formen kann ein solcher Störer im Vordergrund auch nur einen Schein oder Farbverlauf zaubern.

fotolocation
Die Sträucher im Vordergrund bilden verschiedene Schärfeebenen.

3. Erzeuge Dynamik mit der Fotolocation

Was macht den Ort eigentlich so spannend? Ein Punkt für mich sind dabei oft Formen, die es dort zu sehen gibt. Wie ich auch in meiner Infografik „23 Wege, um kreativer zu fotografieren“ zeige, macht es beim Fotografieren Sinn, in Formen zu sehen.

Welche Formen gibt es an deinem Ort, die Spannung und Dynamik erzeugen können? Man braucht oft ein sehr wachsames Auge für solche Details. Aber einmal gefunden, kann es das Foto von Grund auf aufwerten.

Achte unbedingt auf den Anschnitt bzw. eben den Rahmen, in den du diese Linien setzt. Experimentiere mit der drittel Regel und anderen Kompositionen und Perspektiven. Es dauert oft etwas, bis der perfekte Anschnitt gefunden ist. Notfalls kannst du auch im Nachhinein am PC noch Croppen, sofern deine Kamera genug Megapixel besitzt.

Mit der Fotolocation interagieren - Formen finden
Der Baum im Hintergrund bildet einen Bogen um das Model

4. Finde das beste Licht

Das „beste“ Licht ist natürlich relativ. Der technisch perfekte Fotograf würde jetzt natürlich gleich sagen, dass ein weiches Licht im Gesicht und womöglich harte Streiflichter gesetzt werden könnten. Da wir das aber nicht wollen und auch nicht im Studio arbeiten, machen wir uns andernweitig auf die Suche nach Licht.

Und dieses Licht wird das „beste“ Licht, indem es unsere Absicht unterstützt und Spannung ins Foto bringt. Auch Schatten können z.b. Formen ins Foto bringen und damit auch Dynamik. Das ist natürlich Geschmackssache. Es wird auch Fotografen bzw. Anlässe geben, wo man ein ruhiges, ausgeglichenes Licht wählt, um so der Person an sich mehr Präsenz im Foto zu übertragen. Ausprobieren sollte man auf jeden Fall aber alles.

An jedem Ort gibt es meistens für jedes Vorhaben irgendwo das perfekte Licht. Man muss es nur sehen.

Willst du ein interessantes Bokeh, das aus vielen Lichtern besteht? Dafür bietet sich z.B. an, wenn das Licht durch einzelne Lücken von Blättern fällt. Will man ein ruhiges Licht haben, wählt man einen Ort, der nicht direkt in der Sonne liegt. Oder eben das Gegenteil, wie es oft in der Fashion Fotografie verwendet wird: Direkt ins harte Sonnenlicht, um krasse Kontraste zu erschaffen. Oftmals lassen sich auch verschiedene Arten von Licht kombinieren.

Das ist für mich im übrigen auch das schöne draußen: Man weiß nie wie es am Ende kommt. Im Studio stellt man alles auf, wie man es sich vorher ausgemalt hat. Dieser gewisse „Zufallsfaktor“ fällt also weg. Und gerade der ist doch so reizvoll. Klar sieht man sich natürlich aktiv um, um eine Stelle zu finden, wo es für das Vorhaben passt. Es kann aber z.B. durch den Wind auch passieren, das spontan mehr Sonne durch die Blätter einfällt. Oder sich durch die Uhrzeit die Sonne komplett verändert. Oder die Sonne irgendwo „zufällig“ gespiegelt wird. Es gibt viele Faktoren, die mit hineinspielen können.

Licht auf der Fotolocation nutzen
Das Licht ist im kühlen Schatten aufgenommen, ein paar warme Sonnentrahlen der Abendsonne fallen durch den Farn.

5. Lass dein Model mit dem Ort verschmelzen

Wenn du bereits alle vorherigen Punkte bedacht hast, ist ein großteil schon einmal geschafft. Um Person und Ort nun endgültig in Einklang zu bringen, kannst du nun auch noch ausgefallene Positionen finden. So könnte das Model z.B. mit wehenden Haaren Formen nachbilden, die auf dem Ort zu finden sind. Oder durch Körperhaltungen mit Linien im Hintergrund zusammenspielen.

Ein interessanter Punkt ist es auch, das Model z.B. im Wald mitten ins Geschehen zu bringen. So habe ich es letztes Jahr auch oft gemacht, wodurch sich eine faszinierende Bildwirkung entwickeln lässt. Es ist nur leider nicht so einfach wie gesagt. Dafür muss wirklich alles stimmen: Neben Position muss man auch ein Augenmerk auf Schärfeverlauf, Lichtstimmung, Hintergrund und Formen werfen.

Man muss die Location erst einmal abgeschätzt haben, um die Position wählen zu können. Oft entscheiden nur Zentimeter über gutes oder schlechtes Licht. Dazu kommt, Formen und Strukturen mit in die Komposition zu nehmen. Der Abstand der Kamera zum Model hat Einfluss auf die Stärke und Charakteristik der Unschärfe im ganzen Foto. Und nebenbei muss man auch noch Größenverhältnisse zwischen Person und Umgebung richtig abwägen.

fotolocation (2)

Erst wenn alles ineinander greift, kann ein einzigartiger Bildinhalt entstehen. Das erfordert einiges an Übung. Man muss immer wieder rausgehen und es ausprobieren. Hast du es schon einmal geschafft, das Model perfekt mit der Umgebung in Verbindung zu bringen? Was hat dir dabei am meisten geholfen? Schreib es in die Kommentare.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

1 Gedanke zu „5 Schritte, um das Model kreativ in die Fotolocation einzubringen“

  1. Hallo Markus! Ganz toller Artikel, vielen Dank für die Tipps, sehr inspirierend! Die Beispielfotos sind auch beeindruckend, mein absoluter Favorit ist das mit dem blonden Model im Farn. Da stimmt wirklich alles! Es sieht so einfach aus, ist es aber nicht – genial!

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