Mit diesem uralten Flohmarktfund machst du geniale Fotos

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Ein Objektiv aus analogen Zeiten – älter als ich selbst. Was will man denn mit so einem Dino-Objektiv noch groß machen? Viele würden die Linse wohl gleich zum Altglas Container fahren – oder eher garnicht erst wahrnehmen. Aber nur, da sie diesen Blog Beitrag noch nicht kennen. Nach diesem Beitrag wirst du aber ab jetzt gezielt Ausschau nach solchen Objektiven halten.

Aufgenommen mit dem Revueflex 55mm 1.8
Aufgenommen mit einem Objektiv aus analogen Zeiten an einer digitalen Systemkamera.

Die Rede in diesem Beitrag ist vom Revueflex 55mm 1:1.8 Objektiv. Es handelt sich dabei um eine Linse geschätzt aus den 70er Jahren. Ich selbst habe es durch meinen Vater erhalten, der mit Gebrauchtwaren handelt. Es ist nur noch auf Flohmärkten oder im Internet zu finden. Allerdings doch relativ selten, wie ich bei meiner Recherche feststellen musste. Ich schätze das Objektiv auf einen Wert von ca. 10 – 30€.

Revueflex 55mm 1.8 Objektiv an Fujifilm X-T2
Mit einem entsprechenden Adapter verwende ich das Objektiv an meiner neuen Fujifilm X-T2 Kamera.

Was erhält man nun mit einem solchen Objektiv? Was macht den Reiz aus?

Kurz gesagt: Man erhält ein Werkzeug der Unvollkommenheit.

In einer Welt, wo sich Objektive in allen Punkten nur noch verglichen werden und man das aller-schärfste, -schnellste, wasserdichteste und aberrationsärmste Objektiv sucht, steht dieses Objektiv einfach nur in einer Randgruppe. Hier geht es weder um Qualität oder einen anderen Wettbewerb. Hier geht es um das Feeling und einen einzigartig-unperfekten Look.

Bemerkung: Alle Fotos (bis auf das Sigma-Referenzfoto und die Objektiv-Ansichten) sind mit dem genannten alten Objektiv entstanden.

Videotutorial: So kannst du Objektive adaptieren

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Qualität und Verarbeitung des Revueflex 55mm 1.8 Objektivs

Das Objektiv an sich fühlt sich dabei relativ hochwertig an. Damals wurden die Objektive noch komplett aus Metall gefertigt. So hat das Objektiv doch etwas Gewicht. Bei meinem Exemplar laufen auch Fokus- und Blendenring wie geschmiert.

Verarbeitung des Revueflex 55mm 1.8 Objektivs

Man erhält mit diesem Objektiv also im Gegensatz zu modernen Nachbauten nichts, was auf retro gemacht ist, sondern auch wirklich alt ist. In den meisten Fällen funktionieren die Objektive aber wie am ersten Tag und sind super verarbeitet. Die Funktion ist dadurch gewährleistet, da es auch keinerlei Elektronik im inneren besitzt. Dadurch kann weniger kaputt gehen.

Die Linsen an sich sind natürlich noch nicht so gut vergütet bzw. verarbeitet, wie aktuelle Top-Hightech-Objektive.

Ist das nun aber ein Nachteil? Das kommt auf den Verwendungszweck und den eigenen Geschmack an. Eigentlich fotografiert man damit ja gerade wegen dem analogen Feeling. Oft bearbeitet man es nachher sogar noch in einer Richtung mit analogem Touch. Warum also nicht auch schon beim Aufnehmen daran anlehnen?

Verwenden würde ich das Objektiv für bezahlte Aufträge nur bedingt. Meistens fotografiere ich damit private TfP-Shootings oder höchstens einmal ein paar Hochzeitsporträts. Aber auch nur, weil wir mit unserer Authentic Wedding Hochzeitsfotografie auch gezielt diesen Stil gewählt haben.

Wer mit diesem Objektiv fotografiert, der will keine Perfektion, sondern einfach nur Spaß an der Sache haben und experimentieren.

Wen es trotzdem interessiert, wie es im Vergleich zu aktuellen Objektiven aussieht – hier ein Vergleich zwischen dem Revueflex und dem Sigma 50mm 1.4 (Hier geht es zu meinem Sigma 50mm Test) als aktuelles Topmodell:

Hier wären wir auch schon beim Thema Bildqualität, dessen Merkmale unmittelbar den Bildlook definieren.

So kommt der charakteristische Bildlook zustande

Wie bereits erwähnt trägt des Objektiv oft dazu bei, einen analogen Bildlook zu erhalten. Hier einmal ein Überblick der Merkmale:

  1. Leichtes Swirly-Bokeh (verzerrte Bokeh-Bälle mit „Drehung“)
  2. Erhöhte chromatische Aberrationen
  3. Scharf-kantiges Bokeh
  4. Mattes Erscheinungsbild (oftmals wie durch Milch fotografiert)
  5. Sanfte Farbwiedergabe
  6. Bei Offenblende erscheinen oftmals Schleier an Kanten / weißen Stellen
  7. Bei Gegenlicht entstehen sehr große Lens-Flares

Aber nun noch einmal eins nach dem anderen. Schauen wir uns den Vergleich oben genauer an. Links das Revueflex, rechts das Sigma.

Im Hintergrund siehst du beim Revueflex 55mm Objektiv einen leichten Ansatz zum Swirly Bokeh, so wie es auch beim Helios Objektiv (Hier geht es zum Beitrag über dieses ebenfalls geniale analoge Objektiv: Helios 44-2 58mm F2 Objektiv) auftritt.

Wer mit alten Objektiven fotografiert, sollte sie nicht scheuen: Chromatische Aberrationen. Sie treten hier sehr oft auf. Allerdings finde ich es nicht in jedem Bild störend. Ich will hierfür ein Beispiel aus dem CGI-Bereich nennen: Durch Computer generierte (oftmals sogar auch in aktuellen Videospielen) 3D Szenen erhalten oftmals sogar absichtlich diese „Störungen“. Dadurch wird es durch den ein oder anderen als „realistischer“ wahrgenommen und sieht einfach cinematischer aus. Das Auge hat sich an diese „Effekte“ schon gewöhnt.

Diese Aberration entsteht auch bei jedem einzelnen Bokeh-Ball in einer Sichelform. Dadurch erscheint es etwas härter als das butterweiche Bokeh des Sigma-Objektivs.

Die chromatischen Aberrationen machen auch vorm Bokeh nicht halt – es entstehen oft scharfe Kanten.

Einen matten Effekt, wie man ihn oft in Lightroom oder Photoshop simulieren will, bekommt man hier direkt aus der Kamera. Teilweise sieht das Bild etwas milchig aus, so als hätte man durch einen weißen Schleier fotografiert. Dadurch ist die Farbwiedergabe meistens relativ sanft und erscheint oft etwas entsättigt. Bei Offenblende entstehen jedoch oft Schleier an harten Kanten oder weißen Stellen. Dieser Punkt ist der einzige, der mich gelegentlich stört. Dagegen hilft ein leichtes Abblenden.

Gelegentlich entstehen bei Offenblende an kontrastreichen Stellen und Kanten solche Überstrahlungen. Abblenden hilft.

Was noch den Look dieses Objektivs ausmacht, sind die brachialen Lens Flares. Diese sollte man wirklich vorsichtig einsetzen, da sonst schnell einmal das komplette Foto unkenntlich wird. Mit dem richtigen Winkel und Stärke des einfallenden Lichts kann diese Eigenschaft aber zusätzlich als interessanter Effekt genutzt werden.

Vorsicht mit Lens Flares – sie können schnell sehr dominant ins Foto treten. Oft können sie aber dennoch spannend genutzt werden. Die Flares auf diesem Foto sind wirklich Out of Cam.

So verwendet du das M42 an deiner digitalen Kamera

Das Objektiv hat einen M42 Anschluss. Das ist mehr oder weniger ein Schraubgewinde, das die Kameras damals hatten. Dafür gibt es heute Adapter, um es auf alle gängigen Fabrikate zu adaptieren. So kann man es auch heute noch verwenden. Ich selbst habe für meine Kameras einen Adapter von M42 auf Fujifilm* und einen Adapter von M42 auf Canon*. In der Regel sind die Adapter zwischen 5 und 25€ zu haben.

Tipp: Im Idealfall besitzt der Adapter keine Zwischenlinse, weil dadurch die Qualität weiter gemindert wird. Fokussieren auf unendlich muss trotzdem noch möglich sein. Bei meinen beiden Systemen funktioniert das mit M42 Objektiven ohne Probleme.

Mit diesen Adapter kannst du nun solche Objektive auf deiner digitalen Spiegelreflex- oder Systemkamera nutzen.

Das Objektiv an sich besitzt noch keinerlei Elektronik. Blende und Fokus müssen also manuell bedient werden. Dafür gibt es am Objektiv zwei entsprechende Ringe. Zum Fokussieren bietet es sich an, den Liveview mit Lupenfunktion an einer DSLR zu verwenden. Mit Fokus Peaking an einer Systemkamera funktioniert es noch einfacher, den Fokus sicher zu treffen.

Beachte, dass natürlich auch keine Metadaten vom Objektiv übertragen werden. Bei manchen Kameras (z.B. der Fujifilm X-T2) muss auch erst aktiviert werden, dass die Kamera „ohne Objektiv“ auslöst.

 

Schlusswort

Wer auf der Suche nach einem einfachen und experimentell-analogen Bildlook ist, ist mit dem Revueflex 55mm gut bedient. Es macht einfach nur Spaß, sich mit der Unperfektheit dieses alten Objektivs auseinander zu setzen. Und ich denke auch die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Das manuelle Fokussieren erfordert etwas Übung, wird aber durch Zoomen im Liveview oder gar Fokus Peaking vereinfacht. Ein Nachteil ist, dass man länger zum Fokussieren braucht. Für Momente, die sich nicht wiederholen (Reportagen) oder professionelle Jobs für Business Kunden kann ich es deshalb nur eingeschränkt empfehlen.

Nun aber dazu, was ich generell mit diesem Blog Beitrag sagen will:

Wie am Anfang erwähnt, ist dieses Objektiv doch sehr selten geworden. Schlimm? Nein. Sieh dieses Objektiv einfach stellvertretend für all die geilen alten (M42) Objektive, die da draußen noch unterwegs sind. Es muss nicht dieses eine Objektiv sein. Es gibt zahlreiche Objektive, die unter Umständen noch viel besser sind.

Ich hoffe ich konnte dich dazu motivieren und dein Interesse in dieser Hinsicht wecken.

Solche Objektive sind das beste Beispiel, dass Fotografie nicht zwingend immer super-teuer sein muss. Es geht oft auch mit einfachen Mitteln, mit denen man sich experimentell an gelungene Fotos herantastet.

Zum Schluss nun noch ein paar Links, falls du dich weiter mit alten Objektiven beschäftigen willst.

Weiterführende Links zu diesem Thema

Vergleich: 3 Objektive – 50 Jahre Technik
3 analoge Objektive die du ausprobieren solltest

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

10 Gedanken zu „Mit diesem uralten Flohmarktfund machst du geniale Fotos“

  1. Guter Artikel mit hervorragend ausgearbeiteten Beispielen. Arbeite mit dem Soligor 1:1,8/135 T2, Minolta 1:2/85 MD, Tokina 1:2,8/60-120 MD an Sony Alpha 6000 mit genialen Ergebnissen

    Antworten
  2. Hallo,
    ich bin großer Fan deiner Bildbearbeitungen. Ich wollte eben fragen ob es denn dein Preset auch als LR Preset zu kaufen oder zum downloaden gibt. Evtl. falls vorhanden, würde ich mich auch über eine LUT (.cube Datei) deiner Bearbeitung freuen.

    Gruß
    A

    Antworten
    • Hallo Alex,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe das einmal als Feedback notiert, eventuell wird es dazu in Zukunft das ein oder andere Training geben. Die Presets gibt es aktuell leider nicht.

      Viele Grüße,
      Markus

      Antworten
    • Hallo Rüdiger!

      Danke für deinen Kommentar. Ich mach mich mal schlau über dieses Objektiv, wobei ich aktuell eher auf der Suche nach einem Weitwinkel bin :-)

      Viele Grüße,
      Markus

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  3. Mit wenig viel erzielen… :) Ich mag diese ganzen Vintagelinsen. Ich habe mittlerweile einen ganzen Park davon und kompensiere zum Teil auch neue Objektive damit.
    Ich fotografiere auch Fuji und weiss zum Beispiel noch nicht, ob ich wirklich fast 1000 Euro fürs 90mm F2 ausgeben will. Da tun die knapp 100 Euro die ich jetzt fürs Konica 85mm F1,8 gezahlt habe nicht wirklich weh und ich kann in Ruhe testen, inwieweit die Brennweite für mich in Frage kommt. Das Helios habe ich auch, ein geniales Glas! Schön zusammengefasst alles und ein schicker Farblook auf Deinen Fotos!

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    • Hallo Sebastian!

      Danke für dein Feedback! Ja die Fuji Linsen sind oft etwas happig, ich brauch aber dennoch noch eine, weil ich bisher nur das „Kit“-Objektiv habe. Auf Dauer und für viele Aufträge lohnt sich ein Autofokus schon. Ich bin aber auch schon wieder auf der Suche nach neuem M42 Glas.

      Viele Grüße,
      Markus

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      • Hau mich gern an, wenn Du da Tipps oder Beispiele brauchst. Ich habe zur Zeit das 16mm 1.4, 23mm 1.4, 35mm 1.4 und 56mm 1.2.
        Generell: jede davon ist ihr Geld absolut wert.
        Je nach Einsatzgebiet kannst Du auch die deutlich günstigere F2 in Erwägung ziehen.
        Ich hatte vorm Kauf der Fuji mal das 56mm 1.2 APD, den finanziellen Mehraufwand würde ich mir schenken. Das „normale“ rockt schon ordentlich. :)

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