Wie du deine schwarz weiß Fotografie auf das nächste Level bringst

Am in , veröffentlicht.
Kostenloses Ebook: Kreative Available LIght Portraits

Lerne im kostenlosen Portrait Email-Kurs, wie du Schritt für Schritt gelungene Porträts fotografierst. Trage dich jetzt in den Newsletter ein und du erhältst den Kurs mit weiteren nützlichen Tricks und Angeboten.

Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Deine Daten werden unserem sicheren Newsletter Anbieter GetResponse übermittelt. Die Übertragung ist SSL-verschlüsselt. Mit Klick auf den Button erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.


Damals noch als Einschränkung empfunden, heute zu einer Art Kult geworden: Die schwarz weiß Fotografie. Was unterscheidet sie von der „normalen“ Fotografie in Farbe? Was macht sie überhaupt so spannend?

Schwarz weiß Fotos besitzen eine eigene, meistens sehr intensive Stimmung. Wieso ist das so?

Kommt sie vom Bezug zu älteren Bildmaterial? Werden Bilder dadurch automatisch „düsterer“? Sie berühren oft einfach mehr als farbige Bilder.

Was reizt einen aber jetzt als Fotografen daran, sich in der heutigen Zeit überhaupt noch mit der schwarz weiß Fotografie auseinander zu setzen? Wo liegt das Potential? Und wie tastet man sich am besten heran?

Fotoserien auf Ausstellungen
Meine Fotoserie „faceless“ – in schwarz weiß.

Mit Einschränkung die Kreativität fördern

Ich sehe einen großen Reiz im Aspekt der Einschränkung. Stellt man jemandem die Aufgabe, ein beliebiges Bild zu zeichnen, stehen ihm alle Möglichkeiten offen. Er fühlt sich am Anfang so frei, dass er überhaupt nicht weiß, was er machen soll. Stellt man aber die Aufgabe, ein Bild nur mit den Farben Grün und Blau zu malen, spricht diese Einschränkung direkt die Kreativität an.

So sehe ich das mit der schwarz weiß Fotografie: Diese Einschränkung aktiviert ein anderes denken. Ignoriere alle Farben und mach ein Bild, das man sich zweimal anschaut. Das könnte man auch als kreative Übung sehen. Sonst hat man heutzutage schon am Smartphone die besten technischen Voraussetzungen, um ein makelloses Bild zu erstellen. Schränkt man sich ein, kann man meistens neue Sachen entdecken.

Auch bei der Gestaltung von Grafiken oder Typografie ist es so, dass ein Entwurf erst einmal oft nur in schwarz-weiß gemacht wird. Funktioniert das Design so nicht, wird es das wahrscheinlich auch nicht in Farbe. Man kann sich so also erst einmal auf das wesentliche konzentrieren: Nämlich Formen. Farbe kann man später immer noch hinzufügen.

Und das könnte man bei der Fotografie theoretisch auch so handhaben: Als Bildstil in der Kamera eine Schwarz/Weiß Einstellung wählen und in der Bilder Vorschau sehen. Später am Computer hat man die Bilder dann als RAW Datei in Farbe und kann dann immer noch entscheiden, ob man es nicht doch farbig lässt.

Schwarz weiß Fotografie: Den Blick gezielter lenken

Was wird einem von Grund auf in der Bildgestaltung ans Herz gelegt? Der Blick wandert beim Betrachten eines Bildes immer zuerst an die hellste Stelle. Aus diesem Grund arbeiten viele Fotografen auch mit Vignetten, um den Blick gezielter lenken zu können.

Auch das kann man im „Schwarz-Weiß Modus“ gezielt üben: Man wird nicht von Farben abgelenkt, sondern hat nur graue Tonwerte. Man sieht als auf den ersten Blick helle Stellen. So kann man auch üben, Bilder aufzubauen.

Licht und Schatten erkennen und fotografieren

Das gilt natürlich auch für den Rest der Fotografie: Licht und Schatten erkennen und nutzen.

Wie kann man nun aber möglichst einfach an eine schwarz weiß Situation herantreten?

Vor einiger Zeit habe ich selbst einmal das Experiment gewagt und bin mit meiner analogen Canon A1 losgezogen. Mit dem Einlegen eines Ilford HP5 S/W Films hat sich auch mein Kopf umgeschaltet – von Farbe auf Struktur. Ab diesem Punkt habe ich verstärkt auf interessante Schatten geachtet. Mit digitalen Kameras hat man es aber wie so oft etwas leichter.

Unser Auge stellt sich oft so schnell auf unterschiedliche Lichtsituationen ein, dass wir es gar nicht merken. Deshalb denkt man, man kann einen überaus hohen Dynamik Umfang wahrnehmen.

Ohne viel Übung ist es daher oft schwierig, gute Lichtstimmungen bzw. Licht und Schatten sofort zu erkennen. Was kann man daher machen?

Wie oben beschrieben, erst einmal einen S/W Bildstil an der Kamera wählen. Wenn das Endergebnis S/W werden soll, ist es förderlich schon beim fotografieren den „Schwarz-Weiß Blick“ aufzusetzen.

Um jetzt aber die Lichtstimmungen an manchen Stellen besser erkennen zu können, lassen wir einfach die Kamera sehen. Dazu gehen wir in den Liveview. Spiegellose Kameras haben hier den Vorteil, dass man direkt durch den Sucher schon sehen kann, wie das Bild nachher aussehen wird. Im Liveview mit manuellen Modus kann man oft die Situation oft besser beurteilen, da sich das Auge bzw. die Kamera nicht mehr automatisch anpassen kann, sondern alles auf der gleichen Helligkeitsstufe zeigt.

Bei einer Spiegelreflex kann an hellen Tagen eine Displaylupe* sehr hilreich sein.

Jetzt kannst du dich z.b. auf interessante Schattenverläufe bzw. Muster konzentrieren und gezielt festhalten.

Analoge schwarz weiß Fotografie
Analog aufgenommen mit einem Ilford HP5

Es in der Schwarz Weiß Konvertierung krachen lassen

Wenn wir das Motiv im Kasten haben, geht es an die S/W Konvertierung am Computer. Diese Stelle ist für mich eine der wichtigsten. Man sieht immer wieder Fotografen, die hier ein „Grau/Grau“ statt einem Schwarz/Weiß Bild erstellen.

Das ist ein klassischer Move aus dem 0815 Fotostudio: Du willst ein schwarz weiß Bild? Hier bitte – ein Klick und das Teil ist „schwarz weiß“. Nein. Hier bekommt man dann lediglich ein entsättigtes Farbbild.

Da man bei Farbbildern mit dem Kontrast nicht so hoch gehen kann, wie in der schwarz weiß Fotografie, sieht das Ganze dann recht unspektakulär aus. Als Beispiel nehme ich ein bereits bearbeitetes Farbbild, bei dem ich mit dem Kontrast nicht mehr weiter gehen würde. Ungefähr so:

Nun gut, das sieht schon mal nicht schlecht aus, weil der Kontrast vorher schon etwas erhöht wurde. Oft ist das aber nicht der Fall und das Bild wird 1:1 aus der Kamera in S/W „konvertiert“.

Was wir jetzt aber noch machen wollen ist, dass wir mit dem Kontrast noch etwas erhöhen. Dafür spiele ich meistens mit dem Schwarz- und Weiß-Regler oder mit den Kurven. Bei dem Kontrast-Regler an sich hat man weniger Kontrolle. So schafft man erst den Übergang zu einem wirklich stimmungsvollen Schwarz/Weiß Bild. Spätestens dann kommt man weg vom Grau in Grau Bild und erzeugt mehr Stimmung. Dabei füge ich gleich noch etwas mehr Rauschen hinzu.

Bei den Schatten kann man dann entscheiden, ob man sie bis ins tiefe Schwarz lässt oder auf ein Dunkelgrau anhebt. Ich finde es bei vielen Bildern auch nicht schlimm, wenn Bereiche „versumpfen“. Wenn es nicht den Fokus des Bildes stört, warum denn nicht. Damit meine ich z.B. unruhige Bereiche absichtlich versumpfen zu lassen, dass der Blick auf wichtigere Bildelemente wie das Gesicht gelenkt werden.

Auch in der Nachbearbeitung kann man also nachträglich helfen, den Blick des Betrachters gezielt zu lenken. Das gilt natürlich auch für Farbfotos.

Fazit

Die schwarz weiß Fotografie wird auch heute noch gerne eingesetzt und ist zu einem beliebten Stilmittel geworden. Mit ihr lässt sich eine besondere Stimmung erzeugen, bei der man sich alleine auf Helligkeitswerte auf Bildern zurückbesinnt. So ist es beim fotografieren wichtig, genau diese Besonderheiten des Lichts zu erkennen. Bei der Nachbearbeitung ist die richtige Portion Kontrast der Schlüssel zu einem stimmungsvollen Schwarz/Weiß Bild.

Wer ab jetzt nicht nur noch in Schwarz/Weiß fotografieren will, für den kann es sich auch als kreative Übung lohnen. Man kann sich ohne Farben mehr auf den grundlegenden Bildaufbau konzentrieren. So wird allein durch das Motiv mit verschiedenen Helligkeiten der Blick des Betrachters gelenkt. Das ganze lässt sich in der Nachbearbeitung noch verfeinern.

Die Einsatzfähigkeit der farblosen Bilder ist recht unbegrenzt. Vom Porträt, über Streetfotografien bis hin zur Landschaftsaufnahme: All das funktioniert nicht nur in Farbe, sondern kann in Schwarz/Weiß zusätzlich auf eine ganz neue Ebene getrieben werden.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

2 Gedanken zu „Wie du deine schwarz weiß Fotografie auf das nächste Level bringst“

  1. Einen fantastischen Artikel, geschmückt mit absolut passenden Schwarzweiß-Aufnahmen werden uns hier präsentiert.
    Ein Beitrag, der Spaß macht und bei dem man ins grübeln kommt.

    Ich selber bin schon seit einiger Zeit der Schwarzweiß-Fotografie verfallen, ich muss mich regelrecht zwingen mal eine Aufnahme in Farbe zu belassen.

    Aber was fasziniert mich am Monochromen?
    Ich weiß es gar nicht genau, es hat mich einfach gepackt und lässt mich nicht mehr los.

    Gruß,
    Andreas

    Antworten
    • Hi Andreas,
      danke für das positive Feedback!

      Ich kenne das, ich hatte auch Zeiten, in denen ich mich v.a. rein analog auf S/W fixiert habe. Mit einem Ilford im Gepäck macht das richtig Spaß.
      Ja, es lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen, was einen daran genau reizt.

      Gruß,
      Markus

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

shares

So einfach ist Farbbearbeitung mit Lightroom.

Im "Lightroom Farblooks Verstehen"-Kurs zeige ich dir in einfachen Lektionen, wie du ab jetzt gelungene Farblooks bearbeitest. Dazu gehört im Kurs ein gratis Preset, Checkliste und weitere nützliche Angebote zu Lightroom und der Fotografie.

 Mit Klick auf den Button erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.