Mit diesem 35$ Objektiv fotografierst du ein beeindruckendes Swirley Bokeh

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Ein Shooting steht an. Meine Hand kreist im Schrank über meiner Objektiv Auswahl – hier stehen Objektive aus verschiedensten Bereichen. Von meiner Canon 50mm Lieblingslinse* bis hin zum hochwertigen L-Serie Objektiv. Doch ich entscheide mich heute für ein andere Linse.

Der Griff geht hin zum neuesten Objektiv in meiner Sammlung. Vor ein paar Wochen im Internet ersteigert und älter als ich selbst. In Russland gebaut, aus der Ukraine versendet. Äußerlich ist der erste Lack schon ab, die Linsen aber noch gut intakt.

Kurz geputzt und auf den passenden M42 Adapter* montiert. Zugegeben: Auf der doch recht großen Vollformat Kamera sieht es wohl etwas unterdimensioniert aus. Und auch sonst: Was soll an diesem Dinosaurier schon so toll sein?

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Um was geht’s eigentlich?

Ich bin vor einiger Zeit auf ein paar Fotos gestoßen, die mit dem neuen Petzval Objektiv aufgenommen wurden. Nach etwas Recherche habe ich herausgefunden: Das war der Typ, der damals eines der ersten Objektive für Porträt Aufnahmen gebaut hat. Im Jahr 2013 hat die Firma Lomography dann fleißig Geld via Crowdfunding gesammelt, mit dem Ziel, diesen Klassiker wieder zu produzieren. Das goldene Objektiv war zurück.

Und was kann dieses gute Stück Blech nun? Beim betrachten der Fotos, die mit diesem aufgenommen wurden, fällt einem sofort das einzigartige Bokeh im Hintergrund auf. Dieses dreht sich nämlich in gewisser Weise um die eigene Achse. Schwierig zu erklären, ihr werdet es aber gleich noch erkennen. So bin ich auf das Thema „Swirley Bokeh“ gekommen.

Ich war begeistert vom Look dieses Objektivs. Doch das ganze hatte aber einen Haken: Der Preis. Für ein vorläufiges Experiment sind 549€ wohl eine Menge Holz.

Swirley Bokeh im Wald
Das sog. Swirley Bokeh hat den optischen Effekt einer Drehung

 

Ein günstiges Swirley Bokeh Objektiv

Schnell habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Da fielen verschiedene Namen. Einer von ihnen war das Helios 44-2 58mm F2.0 Objektiv. Da es nicht mehr produziert wird und nur noch gebraucht erhältlich ist, war klar, dass der Preis wohl wesentlich günstiger ausfallen wird.

Es verging keine Woche und es war im Internet für 35$ bestellt. Der Versand dauerte zwei Wochen. Endlich kam es an. Über den passenden M42-Canon Adapter lässt es sich ohne Probleme an meiner 5DMkIII montieren. Ohne Probleme heißt dabei, dass auch beim adaptieren noch auf unendlich Scharf gestellt werden kann.

Aufnahme im Wald mit einem Swirley Bokeh Objektiv
Auch hier erkennt man im Hintergrund deutlich die Drehung

Wie funktioniert das nun mit dem Swirley Bokeh?

Ich organisierte sofort ein Testshooting, um die Eigenschaften das Objektivs auszureizen. Anfangs hat man den Effekt noch nicht so wirklich gesehen. Ein paar Fotos später habe ich bemerkt: Die volle Wirkung entfaltet das Objektiv, wenn man auf eine bestimmte Entfernung scharf stellt.

Helios 44-2 58mm Swirley Bokeh Objektiv
Helios 44-2 58mm F2.0

Ausstattung und Besonderheiten des Helios

Wer noch nie ein M42 Objektiv in der Hand hatte: Diese Objektive rasten nicht nach einer Vierteldrehung ein, sondern besitzen ein Schraubgewinde. Es wird also direkt in die Fassung des Adapters geschraubt.

Das Objektiv hat eine Brennweite von 58mm. Dieser Wert wirkt auf den ersten Moment etwas ungewohnt. Für mich passt der Ausschnitt auf der Vollformat ohne Cropfaktor aber richtig gut, da er nicht allzusehr von meinem 50mm Objektiv abweicht. Das heißt nicht, dass das Objektiv nicht auch auf Kameras mit APS-C Sensoren gut aussieht.

Die größtmöglichste Blendenöffnung liegt bei F2.0, wobei der Blendenwert manuell über einen Blendenring gesteuert wird. Komischerweise schließt sich die Blende, wenn ich laut Skala auf F2 einstelle. Bei F8 habe ich eine Offenblende. Das kommt daher, dass das Objektiv eine Vorwahlblende besitzt. Mit diesem extra Ring kann die Blende auch permanent auf F2.0 festgesetzt werden.

Kommen wir nun zu einem kleinen Manko: Dem Fokus. Einen Autofokus gab es damals noch nicht, weshalb das Objektiv noch einen zweiten Ring dafür besitzt. Dieser wird manuell bedient, wobei ich mir dann oft eine spiegellose Kamera mit entsprechenden Fokus-Peaking overlays wünschen würde. Um auch mit einem optischen Sucher ein scharfes Bild zu machen, sollte man also den Live-View mit der Lupenfunktion benutzen. Nach etwas Übung lassen sich auch so scharfe Fotos schießen.

Swirley Bokeh Porträt
Das Bokeh kreist um die Bildmitte

Videotutorial: So kannst du Objektive adaptieren

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Fazit: Kann man damit arbeiten?

Für 35$ (kann je nach Gebot / Anbieter variieren) bekommt man ein Objektiv, das einen einfach zum Experimentieren einlädt. Wer hier eine hohe Schärfe erwartet, ist wohl Fehl am Platz. Schon durch den fehlenden Autofokus trifft man oft nicht genau die Schärfeebene. Man muss sich selbst fragen: Brauche ich die Schärfe? Oder noch besser: Braucht meine Zielgruppe die Schärfe?

Die meisten privaten Endkunden, die ein Shooting buchen, bemerken wohl eher das grandiose Bokeh, als eine etwas geringere Schärfe, die ein modernes Objektiv bieten würde. Auch andere „Störeffekte“ wie Chromatische Aberrationen treten gelegentlich auf. Mich persönlich stört das mittlerweile aber nicht mehr, da ich meine Fotos in analoger Weise bearbeite. Und dazu gehört auch keine Überoptimierung.

Swirley Bokeh

Für mich persönlich ist lediglich das manuelle fokussieren ein kleines Manko, da die Kunden hier teilweise (v.a. mit optischen Sucher) ein bisschen länger auf das Auslösen warten müssen.

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Es kommt also wie so oft auf den Einsatz Zweck an.

Hast du z.B. viele Business Shootings, bei denen Schnelligkeit und perfekte Qualität zählen, solltest du lieber auf moderne Objektive zurückgreifen.

Willst du ein paar freie, verträumte Porträtaufnahmen machen? Einen Ausflug in die analoge Richtung machen und etwas neues ausprobieren? Dann solltest du dieses Objektiv definitiv ausprobieren. Die 35$ war das Objektiv definitiv wert.

Wenn du auch der Meinung bist, dass man für gute Fotos nicht das teuerste Equipment braucht, dann teile den Beitrag auch mit anderen Fotografen!

Update: Bildergalerie

Mittlerweile haben sich noch viele weitere Fotos angesammelt, die ich mit dem Helios fotografiert habe. Hier sieht man den Effekt teilweise noch etwas deutlicher:

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

13 Gedanken zu „Mit diesem 35$ Objektiv fotografierst du ein beeindruckendes Swirley Bokeh“

  1. Hallo zusammen,
    ich habe seit etwa 2 Jahren superviele Erfahrungen auch mit Swirl-Bokeh gesammelt. Eines meiner ersten Versuche war tatsächlich auch das Helios 44-2, später auch mal die Frontlinse umgedreht. Die 44er Versionen kosten ungefähr alle gleich, daher rate ich zur schärfsten Variante 44-6. Zwar ist die Blende nicht mehr so kreisrund – für die Erzeugung des Bokehs muß diese eh offen sein auf 2.0 , maximal 2.8 wenn man mehr Klarheit haben möchte.
    Besser als das Helios ist das Cyklop 1,5 85mm, M42. Das kostet ungefähr 140-160 € ist aber mega scharf und bildet das Zwirlbokeh super aus. Das Helios 40 ist hinsichtlich der Abbildungsleistung dem Cyklop vergleichbar, kostet nur das Doppelte.
    Auch wunderbar im Zwirl ist das Biotar 2.0 58mm, hier sind mittig die Lichtpunkte kreisförmig bis hin zum Rand stark deformiert als Elypse. Super scharf. Kosten etwa 45 €, die teurere T-Version etwa 100 €, welche aber nicht sein muß.
    Noch ein Geheimtip : Zenitar M2s 2/50 und die Frontlinse umgedreht – völlig krass.
    Und noch eine eindeutige Erfahrung: Meine Nikon DX und FX bilden das Zwirlbokeh deutlich (!!!) unklarer aus als eine MFT (Lumix von Panasonic oder Sony Alpha).

    Antworten
  2. „Die volle Wirkung entfaltet das Objektiv, wenn man auf eine bestimmte Entfernung scharf stellt.“

    Da fände ich es sinnvoll zu sagen, um welche Entfernung es sich handelt und ggfls. mit Testbildern zu belegen.

    Antworten
    • Hallo Michael,

      ich habe für die Veranschaulichung ein paar Beispielfotos gezeigt, bei denen man anhand der Personengröße den ungefähren Abstand einschätzen kann den ich meine. „Belegen“ klingt in einem künstlerischen Feld wie der Fotografie schon ziemlich wissenschaftlich. Und jeder Fotograf findet den Sweetspot der Linse für sich auf einer etwas anderen Entfernung. Am besten einfach selbst mal ausprobieren :-)

      Viele Grüße,
      Markus

      Antworten
  3. Das Objektiv ist keine Fehlkonstruktion. Es handelt sich um eine sog. Vorwahlblende. Also Blende durch drehen des vorderen Ringes (rastet) auswählen, dann wieder zurück, fokussieren und vor dem auslösen bis Anschlag drehen. Damit hat man dann die gewählte Blende ohne nochmal gucken zu müssen.

    Antworten
    • Hi Frank!

      Ich finde es super, dass auch heutige Hersteller solche Objektive bauen. Ich kenne das Twist und finde es ebenfalls Top (zumindest von den Fotos her). Ich selbst besitze es leider nicht, habe aber schon einmal mit dem Gedanken gespielt, es zu kaufen. Mal sehen was 2017 noch bringt :-)

      Gruß,
      Markus

      Antworten
  4. Hallo Markus,
    sehr interessanter Artikel, der mich zu einem spontanen Kauf bewogen hat – was ziemlich selten geschieht. Leider fehlt mir jetzt der passende Adapterring für die Canon MKIII – hast Du da einen präzisen Tip für mich?
    Beste Grüße
    Monty

    Antworten
    • Hi Monty!

      Cool, dass du etwas aus dem Artikel mitnehmen konntest. Ich fotografiere auch mit der 5DMKIII und benutze den M42 Adapter, den ich am Anfang im Artikel (3. Absatz) verlinkt habe. Ich hoffe hier wirst du fündig.

      Gruß,
      Markus

      Antworten
  5. Hallo Markus,

    noch ein weiterer Tipp.
    Wenn Dir wie mir der Swirl noch nicht reicht, gibt es zwei Varianten das ganze zu „optimieren“

    1. Frontlinse umdrehen. Geht sehr einfach und schnell. Die Stärke des Swirl kann man dann mit der Blendenöffnung regulieren. 2.0 ist wie man hier https://www.flickr.com/photos/phototobi78/17076304359/in/dateposted-public/ sehen kann extrem. Aber mit 2,8 .. kann man gut arbeiten.

    2. Rückelement ausbauen und mit Zwischenring ergänzen. Macht aus dem Helios ein 100mm Objektiv mit ordentlich Swirl.

    Habe beides probiert, mich aber für Variante 1. entschieden

    Gruß

    Tobias

    Antworten
    • Hi Tobias!

      Interessante Fotos! Sehen sehr experimentell aus. Ich bin da allerdings immer etwas zimperlich, wenn es darum geht, Objektive zu zerlegen. Ich habe aber einmal einen Beitrag im Internet gesehen, wo jemand mit einem Stück Pappe als „Blende“ den Effekt verstärken konnte. Ich sehe schon, es gibt viele Möglichkeiten.

      Gruß,
      Markus

      Antworten

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