Fotografieren im Tageslicht Fotostudio: Die unterschiedlichen Möglichkeiten zwischen Kunstlicht- und Tageslichtstudio

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Du fotografierst gerne draußen, weil du dort das natürliche Tageslicht magst? Du bist überhaupt kein Fan von Kunstlicht? Diesen Gedankengang kann ich sehr gut nachvollziehen! Tageslicht hat einfach eine faszinierende Charakteristik. Alles wirkt natürlich – denn auch unseren Alltag nehmen wir größtenteils in genau diesem Licht wahr.

Auf der anderen Seite darfst du nicht unterschätzen, welche Möglichkeiten dir ein Fotostudio gibt. Während du bei Outdoor Fotoshootings sehr empfindlich vom Wetter und der Jahreszeit abhängig bist, kannst du im Fotostudio zu jeder Zeit im Warmen fotografieren. Und damit ganz in Ruhe fotografische Konzepte verwirklichen.

Falls du aber überhaupt nicht mit Dauerlicht oder Blitzen arbeiten möchtest, habe ich gute Nachrichten: Im Tageslicht Fotostudio hast du die Möglichkeit, mit natürlichem Sonnenlicht zu fotografieren. Oder sogar weiter mit Kunstlicht zu kombinieren. Die Möglichkeiten sind endlos.

In diesem Beitrag zeige ich dir meine Eindrücke vom Fotoshooting im Loft956 Studio von meinem Kollegen Dominik, in dem ich mich regelmäßig ausprobiere.

Fotostudio vs Tageslichtstudio – alle Vor- und Nachteile

Vielleicht möchtest du dir ein Fotostudio mieten oder gar selbst einrichten – schwankst aber zwischen klassischem Kunstlicht Fotostudio und einem Tageslichtstudio? Was sind hier überhaupt die Unterschiede? Ich zeige dir gleich, was für dich besser geeignet ist. Und in welchem Studio welche Ergebnisse möglich sind.

Klassisches Fotostudio (Kunstlicht)

Ich selbst hatte mir letztes Jahr ein reines Kunstlicht-Studio eingerichtet. Dafür habe ich einen kleinen Raum angemietet, ein ehemaliges Büro. Der Raum besitzt zwar eine relativ große Fensterfront, allerdings sieht das Interieur eben sehr büromäßig aus. Der Industrieteppich sowie Bürodecke wirken auf Bildern nicht sonderlich ästhetisch und werden daher meist ausgeblendet.

Deshalb wird das klassische Kunstlicht-Studio mit herkömmlichen Hintergründen betrieben. Wie z.B. einem schwarzen oder weißen Hintergrundkarton. Die einzige Anforderung an einen geeigneten Raum sind etwas Platz und nicht zu allzu niedrige Decken. Je höher der Raum, desto besser.

Die Licht-Setups beginnst du in einem Raum, der komplett abgedunkelt ist. Dann setzt du jedes Licht genau so, wie du es möchtest. Meistens besitzen solche Räume keine großen Fenster, so dass eine Abdunkelung relativ einfach ist.

Durch die Unabhängigkeit vom Tageslicht kannst du einen Aufbau über längere Zeit stehen zu lassen. So entstehen immer wieder Fotos mit der exakt selben Anmutung. Das ist nicht nur für Porträts, sondern vor allem für umfangreiche Produktfotografie spannend.

Vorteile vom klassischen Fotostudio:

  • Völlig unabhängig von Wetter, Tageslicht und Uhrzeit
  • Auch kleine Räume eignen sich
  • Aussehen von Raum ist egal
  • Dadurch meistens etwas kostengünstiger
  • Raum kann meistens einfach abgedunkelt werden
  • Licht wird von Grund auf selbst gesetzt

Nachteile vom klassischen Fotostudio:

  • Beschränkung auf Fotos vor Hintergrund
  • Nur Kunstlicht Charakter möglich
  • Licht wird von Grund auf selbst gesetzt

Nanu? Ist das ein Fehler, dass “Licht wird von Grund auf selbst gesetzt” sowohl bei Vor- und auch Nachteilen steht?

Nein. Denn was später ein bewusster Vorteil ist, kann gerade anfangs ein Nachteil sein. Es dauert seine Zeit mit Kunstlicht zurecht zu kommen. Oftmals sehen die Ergebnisse ohne das nötige Know-How etwas dunkel oder trist aus. Hierfür musst du erst ein umfangreiches Gespür für Lichtsetzung ausprägen.

Tageslichtstudio (Sonnenlicht + Kunstlicht)

Kürzlich habe ich die ersten Erfahrungen in einem Tageslichtstudio sammeln können. Es gibt aber auch in anderen Regionen immer wieder die Möglichkeit, ein solches Tageslichtstudio zu mieten. Oder du findest auf eigene Faust eine geeignete Location und richtest dich ein.

Den Studio-Raum als Kulisse einsetzen

Das besondere am Tageslichtstudio ist, dass du dich nicht auf einen einfarbigen Papierhintergrund beschränkst. Nein, hier wird das komplette Studio zu einem großen Spielplatz. Die Kulisse kann und soll auf den Fotos zu sehen sein. Dafür sollte die Location aber mehr als Industrieteppich und Großraumbüro Flair bieten. Notiz an mich selbst.

Viele Tageslichtstudios sehen daher auch gerne mal wie ein schicker Wohnraum mit entsprechenden Sitzgelegenheiten aus. Oder aber wie eine alte Industriehalle, wie sie das Loft956 bietet. Entscheide selbst, welchen Stil du bevorzugst. Einige Tageslicht Fotostudios bieten ziemlich viel Platz, was auch verschiedenste Sets im selben Studio ermöglicht.

Das zweite Merkmal ist, wie der Name schon sagt, dass du überwiegend Tageslicht nutzt. Das sorgt nicht nur für eine natürliche Ausleuchtung. Auch die Handhabung wird wesentlich einfacher. Gerade am Anfang ist es wesentlich intuitiver, sich an Tageslicht anzupassen. Anstatt mit 3 Lichtern mit passendem Lichtformer, im richtigem Winkel mit der exakten Stärke zu jonglieren. Hier kannst du also intuitiv fotografieren, statt dich mit zu viel Equipment selbst zu knebeln.

Tageslicht im Fotostudio nutzen: Ein großer Segen mit etwas Fluch

Der sonnige Vorteil ist allerdings auch zugleich der größte Nachteil, denn: Du bist wieder abhängig vom Wetter. Zwar nicht von der Witterung und Temperatur, aber dafür umso mehr vom Tageslicht. Daher musst du Fotoshootings entsprechend auch tagsüber planen. Nicht jede Fotografin, Fotoassistent oder Model hat spontan unter der Woche Zeit, wodurch die Planung teilweise schon schwieriger werden kann.

Es gibt bestimmte Uhrzeiten, zu denen das Licht im Studio genau durch dieses eine Fenster direkt herein knallt. Oder aber dann gegen Nachmittag nur noch zart und weich einfällt. Je nachdem was du für deine Fotos brauchst, musst du den Termin entsprechend legen. Wenn es die Wetter-Lotterie denn so zulässt. Schnell können dir auch spontane Wolken einen Strich durch die Rechnung machen. So habe ich es selbst an meinem Shootingtag im Tageslichtstudio erlebt, dass sich die Lichtverhältnisse durch vorbeiziehende Wolken im 10-Minuten Takt änderten. Das wird schnell mal nervig.

Viel Potential bietet daher auch die zusätzliche Nutzung und Kombination von Kunstlicht. Tagsüber haben diese Lichtquellen meist dieselbe Farbtemperatur. So ist der Raum z.B. grundsätzlich erhellt und du setzt noch einen Lichtakzent auf das Model. Diese Hybrid-Methode bietet noch einmal hunderte Möglichkeiten und ist immer noch einfacher zu handhaben als das Licht komplett von 0 an zu setzen.

Vorsicht: Irgendwann erscheint das Tageslicht von draußen auch gerne mal in einem kühleren Blauton. Dann wird die Kombination mit Kunstlicht schwieriger, da Mischlicht entsteht.

Vorteile vom Tageslichtstudio:

  • Natürliche Bildwirkung durch Tageslicht
  • Licht lässt sich einfach nutzen
  • Raum grundsätzlich erhellt
  • Kunstlicht kann bei Bedarf hinzugezogen werden
  • Raum-Kulisse oder auch Papierhintergrund nutzbar

Nachteile vom Tageslichtstudio:

  • Abhängigkeit von Tageslicht (Uhrzeit / Wetterbericht)
  • Geografische Ausrichtung und Raumlage entscheidend für gutes Sonnenlicht
  • Nicht alle Räume bieten eine fotogene Kulisse bzw. müssen erst hergerichtet werden
  • Mehr Platz erforderlich (z.B. für Sitzgelegenheiten etc.)
  • Dadurch meist etwas kostenintensiver
  • Komplettes Abdunkeln für Kunstlicht-Setup unter Umständen schwierig
  • Projekte über mehrere Tage mit exakt selbem Bildstil schwierig

Praxis: Fotografieren im Tageslichtstudio

So lief letztes Fotoshooting im Tageslicht Fotostudio: Wir haben uns vorab einen Termin gesichert, an dem wir beide bereits Vormittag ab 10.00 Uhr Zeit hatten. Ab diesem Zeitpunkt ist für einige Stunden Licht-Primetime: Das Vormittagslicht fällt seitlich durch das Fenster ein. Das sorgt für lange Schatten und brennt starke Lichtformen im Hintergrund.

Moment mal: Sonst erzählst du doch immer, dass ich direktes bzw. hartes Licht meiden sollte. Wieso jetzt plötzlich extra um 10.00 Uhr im direkten Sonnenlicht fotografieren?

Ja, das direkte Licht ist ohne Modifizierung fast schon etwas zu extrem. Dennoch bietet ein solches Licht eine sehr klare Lichtrichtung und damit faszinierende Wirkung. Um es zu nutzen solltest du es durch ein Diffusor-Tuch vor dem Fenster etwas weicher machen. Das funktioniert beim gewöhnlichen Outdoor Porträt Fotoshooting nicht so einfach.

Zuhause funktioniert das Abschwächen das z.B. auch mit einer weißen, halbtransparenten Gardine. So entsteht ein wirklich grandioses Licht. An diesem Tag bot es die perfekte Balance zwischen Härte und weicher Ausleuchtung. Sobald das Model in die Lichtrichtung blickte, kam die blaue Augenfarbe intensiv zur Geltung. Dieses rein natürliche Licht nutzte ich für die ersten Porträts ausschließlich.

Fotografieren mit Tageslicht im Fotostudio
Das Fensterlicht wurde mit einem Diffusor-Stoff abgeschwächt.

Und ja: Auch im Tageslichtstudio ist es natürlich erlaubt, vor einfarbigem Hintergrund zu fotografieren. Das Tageslicht zaubert hier trotzdem eine eigene Charakteristik und Qualität. Dazu gibt es interessante Lichtspiele auf dem Hintergrund:

Doch plötzlich verschwand dieses Licht, da sich eine Wolke vor die Sonne drängelte. Die Kamera muss bei Tageslicht also immer wieder einmal neu an die Lichtverhältnisse angepasst werden. Je nach Wolken-Frequenz kann das aber auch etwas nervig werden.

Zusätzlich stellte ich daher nach einiger Zeit noch ein Dauerlicht zusammen mit einer Softbox auf. Beachte, dass du je nach Sonnenlichtstärke auch beim Dauerlicht etwas mehr Watt brauchst, um überhaupt mithalten zu können. Ich nutze mein 200W Godox SL200WII Dauerlicht*. Als Softbox kam eine große 120cm Parabolsoftbox* zum Einsatz. Für mehr Abstrahlung nutzte ich sie dieses mal ohne mein sonst geliebtes Wabengitter. Weitere Infos findest du dazu in meinem Beitrag über unterschiedliche Lichtformer und ihre Wirkung.

Im nächsten Schritt wollte ich noch ein paar dezente Lichtakzente auf den Hintergrund setzen. Dafür kombinierte ich das Tageslicht nicht nur mit der Softbox, sondern auch dem Godox SA-17 Projektionsvorsatz. Siehst du die sanften Punkte auf der Hintergrund Leinwand?

Hier noch ein paar weitere Fotos von diesem Tag:

Fazit: Unglaubliches Licht im Tageslichtstudio nutzen

Wie du siehst, sind die Möglichkeiten im Tageslicht Fotostudio schier endlos. Du kannst sowohl reines Tageslicht nutzen, oder dieses mit Kunstlicht oder Blitzen kombinieren. Auch vor regulären (Papier-)Hintergründen zu fotografieren wird mit Tageslicht sehr spannend. Falls du sonst eher mit Kunstlicht fotografierst, wirst du hier direkt einen bemerkenswerten Unterschied in der Lichtqualität feststellen.

Auf der anderen Seite bietet ein Tageslichtstudio natürlich auch viele »reale« Kulissen. In diesen kannst du dein Model abseits von einheitlichen Leinwandhintergründen in Szene setzen. Dafür sind in den Studios verschiedenste Ecken eingerichtet. Dennoch lauert hier manchmal die Gefahr, dass sich die Bilder aller Personen, die schon einmal in diesem Studio fotografiert haben, irgendwo ähneln. Wie schlimm das ist, musst du selbst beurteilen. Ich rate daher dazu, dich nicht von den Bildern anderer blenden zu lassen und einfach kreativ und originell deinen Stil im Studio zu verfolgen. So wird immer wieder etwas einzigartiges entstehen.

Der einzige Nachteil bei Tageslichtstudios ist wie erwähnt die Abhängigkeit von Tageslicht und Uhrzeiten. Dieser Abstrich verfliegt aber sehr schnell, da die Vorteile und endlosen Möglichkeiten klar überwiegen.

Falls du nun Lust bekommen hast loszulegen, kannst du dir einfach mal ein solches Studio für ein paar Stunden mieten. Sei es wie in meinem Beispiel das Loft956 Studio in Oberfranken oder entsprechende Alternativen in deiner Region.

Model: Caroline Bußmann

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Du beherrschst die Grundlagen der Fotografie und kannst deine Kamera bedienen. Wirklich sehenswerte Porträts kommen am Ende aber nicht heraus? Oder es sieht vor Ort beim Fotoshooting immer ganz gut aus - aber zuhause am Rechner entdeckst du wieder Fehler im Bild?

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

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