Wie du Tiefenunschärfe auch ohne Blende kontrollierst und lebendig einsetzt

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Du willst lebendige Bilder mit Tiefe fotografieren? Ein unscharfer Hintergrund ist dir nicht genug? Mit welchen Mitteln außer der Blende kannst du die Tiefenschärfe noch regulieren? Und wenn du sie erzeugt hast: Wo lässt sich die Tiefenunschärfe am besten einsetzen? Wie kann das Foto noch intensiver wirken?

Ein unscharfer Hintergrund ist weit verbreitet
Viele Fotos leben von Tiefe – es gibt aber noch mehr zu beachten als einen unscharfen Hintergrund.

Genau um diese Fragen soll es in diesem Beitrag gehen. Er gliedert sich in folgende Abschnitte:

1. Wieso eigentlich Tiefenschärfe bzw. Schärfentiefe?

Wir leben als Menschen in einer dreidimensionalen Umgebung. In dem Moment, wenn ein Foto aufgenommen wird, passiert folgendes: Der dreidimensionale Raum wird in einem zweidimensionalen Foto eingefangen. Und das passiert auch noch in Zeiten von Virtual Reality, 360°-Kameras und Smartphones mit 3D Funktion. Daran wird sich nicht nur unter ambitionierten Fotografen so schnell nichts ändern.

Das Endergebnis als Foto bleibt zweidimensional.

Wieso wirken Fotos aber trotzdem oft so „real“ und räumlich? Genau das ist meistens der Unterschied zwischen einem Handyfoto und dem einer professionellen Kamera: Die Tiefenschärfe. Smartphone Fotos sind oft durchgehend scharf. Von vorne bis hinten. (Und wenn wird dieser Effekt oft nur simuliert oder kommt eben nicht ganz so zur Geltung, wie bei einem großen Sensor).

Beim Fotografieren mit einer professionellen DSLR oder auch spiegellosen Kamera baut der Fotograf hingegen gezielt Tiefenunschärfe ein. So kann man nicht nur die Tiefe, neben Höhe und Breite, als dritte Dimension andeuten. Sondern auch noch den Blick des Betrachters gezielt lenken.

Generell schaut man auf Fotos immer zuerst dahin, wo der hellste Punkt ist – oder eben die Schärfe. Das heißt bereits beim Aufnehmen kannst du bestimmen, wo der Betrachter später hinschauen soll.

Viele wissen aber dennoch nicht genau, von was die Schärfentiefe überhaupt abhängig ist.

2. Nicht nur die Blende regelt die Tiefenunschärfe: Die vier Faktoren für mehr Tiefe

Die altbekannte Frage: Mit welcher Blende soll ich fotografieren. Mittlerweile sollten die meisten wissen: Je offener die Blende (kleiner Blendenwert), desto geringer ist die Schärfentiefe. Im Gegenzug herrscht eine hohe Tiefenunschärfe: Alles, was nicht fokussiert ist, erscheint unscharf.

Umgekehrt erhöht sich mit einer geschlossenen Blende (hoher Blendenwert) die komplette Schärfentiefe im Bild. Die Tiefenunschärfe wird geringer und selbst der Hintergrund ist noch scharf.

Aber Moment mal: Auch wenn du manchmal auf Blende F16 fotografierst ist der Hintergrund noch etwas unscharf? Das hängt damit zusammen, dass es noch weitere Faktoren gibt, die man für eine höhere Tiefenschärfe abgesehen von der Blende beachten sollte.

Objektiv mit geschlossener Blende für Foto mit mehr Tiefenschärfe
Die Blende ist nur einer von vielen Wegen, um die Tiefenschärfe zu beeinflussen.

Achte auf deine Distanz

Du kannst die Blende soweit schließen, wie du willst. Wenn du noch nah genug bei deinem fokussierten Objekt bzw. der Person stehst, wird der Hintergrund unscharf. Je kleiner deine Fokus-Distanz ist, desto höher wird zusätzlich die Tiefenunschärfe. Für mich geht es dabei aber weniger um das „Warum“. Das ist wie immer die Physik.

Ich als Fotograf akzeptiere und merke mir das einfach. Wenn ich mehr Tiefenunschärfe will, kann ich neben einer offenen Blende zusätzlich einen geringeren Abstand verwenden.

Achte auf deine Brennweite für die Stärke und Bokeh Charakteristik

Neben der Blende und der Fokus-Distanz spielt auch die Brennweite eine Rolle. Dabei bin ich aktuell aber eigentlich soweit zu sagen, dass das Bokeh nicht stärker oder schwächer wird.

Das Bokeh wird einfach etwas anders. Es ändert seine Erscheinung.

Wie sich das genau verhält, habe ich in diesem Video herausgestellt:

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Bei einem Teleobjektiv mit z.B. 100mm sieht der unscharfe Hintergrund anders aus, als beim 24mm oder 50mm Sigma Art. Jede Brennweite ist individuell. Gut, manch einer wird sagen, das Bokeh von einem Teleobjektiv ist doch viel unschärfer. Stimmt auch irgendwo. Dadurch ist es für mich aber nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders.

Das Bokeh variiert natürlich nicht nur von der Brennweite her, sondern auch zusätzlich von Hersteller zu Hersteller und der Bauweise. Oft gibt es neben feinen Unterschieden auch gezielte Effekte wie ein Swirley Bokeh von älteren Objektiven. (Oder auch entsprechenden Neuauflagen.)

Ich mag eigentlich lieber Brennweiten, wo sich eine leichte Unschärfe über den Hintergrund legt, sich die Umgebung aber trotzdem noch erkennen lässt. Bei längeren Brennweiten ist mir die Person oft schon etwas zu isoliert.

Bilder mit Tiefe durch ein Swirley Bokeh
Aufgenommen mit dem Helios aus analogen Zeiten. Das Swirley Bokeh gibt dem Bild zusätzliche Tiefe.

Die Kamerawahl: Der Unterschied zwischen Smartphone und Vollformat Kamera

Einen letzten Faktor gibt es noch. Diesen kannst du aber nicht spontan beim Shooting bestimmen (es sei denn, du hast mehrere Kameras dabei). Wir kommen zurück zum Anfang: Wieso müssen Smartphone Kameras oft eine fotografische Unschärfe simulieren?

Weil der Sensor zu klein ist. Auch kleinere Digicams haben einfach einen winzigen Sensor. Hier entsteht weniger Tiefenunschärfe. Auf einem APSC Sensor hingegen (wie z.B. in kleinen Spiegelreflexkameras verbaut) kann durch die größere Fläche mehr Unschärfe entstehen.

Noch extremer kann das ganze durch einen Vollformat- oder sogar Mittelformat Sensor werden.

Doch der Sensor sorgt eigentlich nur indirekt für diesen Zugewinn an Unschärfe außerhalb der Fokusebene. Wie es genau funktioniert, erklär ich in diesem Video:

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3. Mehr als nur unscharfer Hintergrund: Wie du Unschärfe optimal auf deinem Foto einsetzt

Noch einmal zur Zusammenfassung: Du bannst als Fotograf eine 3D Szene auf einen 2D Sensor bzw. Foto. Die Tiefenschärfe erhält (wie der Name schon sagt) eine gewisse Räumlichkeit auf dem Foto in der dritten Dimension. Es gibt dabei verschiedenste Wege, diese Unschärfe stärker oder schwächer ausfallen zu lassen.

Die alles entscheidende Frage ist jetzt aber:

Was machst du eigentlich mit der Unschärfe? Wo platzierst du sie? Welcher Effekt soll entstehen?

Klar, du willst Bilder mit mehr Tiefe. Soweit alles klar. Doch wie kann man diese Intention nun bewusst verstärken? Es gibt zwei Möglichkeiten, was du damit erreichen kannst.

Den Blick des Betrachters Lenken

Zum einen können bestimmte Bereiche des Fotos einfach ausgeblendet werden. In der Produktfotografie kannst du so zum Beispiel die Aufmerksamkeit auf kleinste Details lenken. Der Rest wird unwichtig.

Es steckt einfach ein gewaltiges Potential in der Fähigkeit Dinge, die sich eigentlich auf dem selben Foto befinden, einfach ausblenden zu können.

In der Porträtfotografie kannst du diesen Effekt ebenfalls nutzen. Bei mehreren Personen musst du sogar oft aufpassen, dass nicht eine völlig unscharf wird. Wähle dafür einen höheren Blendenwert als F4.0. Bei einer einzelnen Person kannst du auch auf Offenblende (z.B. F1.4) fotografieren.

Beachte aber, dass dein Objektiv meist erst sein volles Potential an Schärfe entfaltet, wenn du z.B. auf F2.0 abblendest. So hast du schon etwas bessere Qualität und triffst auch öfter den Fokus. Bei Offenblende läufst du Gefahr, dass du im Nachhinein viel Ausschuss hast. Es kommt auch darauf an, wie gut du den Fokus triffst. Hier erfährst du, wie die Back Button Fokus Technik das oft erheblich vereinfachen kann.

Mit der Unschärfe hast du nun bei einer einzelnen Person viele Möglichkeiten. Du kannst z.B. den Fokus im richtigen Winkel z.B. so auf das Gesicht legen, dass alleine die Augen etwas aussagen. Der Körper ist hingegen schon wieder unscharf. So kann man den Fokus auf den Ausdruck des Models legen und nur dieser zählt dann am Ende. Das ist aber nur ein Beispiel. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Das Bild in Ebenen aufbauen

Viele Fotografen vergessen etwas sehr wichtiges auf ihren Fotos. Denn fot sehen sie auch mit Tiefenunschärfe einfach etwas flach aus. Das liegt daran, dass oft nur eine einzige Ebene abgebildet wird. Deshalb mag ich es auch lieber, draußen in der Natur statt im Studio zu fotografieren. Im Studio wird der oft strahlend weiße Hintergrund nämlich auch nicht direkt als Ebene wahrgenommen. Man sieht die Unschärfe nicht, weil er einfach weiß ist.

Bei der Outdoor Fotografie hingegen legst du den Fokus auf dein Model und erhältst fast schon automatisch einen spannenden Hintergrund. Dieser wird gleichzeitig unscharf und bildet somit eine weitere Ebene im Foto. Mit der Ebene des Models sind es dann zwei.

Die meisten Fotografen belassen es aber bei zwei Ebenen und ignorieren eine weitere Möglichkeit.

Die Rede ist von der dritten Ebene, die man noch einbauen kann: Den Vordergrund. Dieser ist auch außer Fokus und wird unscharf. Und er muss auch nicht einmal aufwändig sein. Es reicht eine leichte Unschärfe, z.B. von einem verschwommenen Blatt oder Grashalm, die sich über das Bild legt. Natürlich nur in einem vorher festgelegten und bestimmten Bereich. Das ganze habe ich auch ähnlich schon einmal in einem Beitrag beschrieben, wie man das Model in der Location positioniert.

Tiefenunschärfe im Vordergrund schafft Räumlichkeit
Unscharfe Pflanzen und Sträucher im Vordergrund eignen sich sehr gut, um Tiefe zu erzeugen.

Im Vordergrund befinden sich also beispielsweise Sträucher oder erste Pflanzen eines Feldes. Diese gehen dann mit dem Fokus und werden zum Model hin schärfer. Dahinter wieder unscharf.

Das verdeutlicht Tiefe sehr deutlich.

Wenn man kein Feld hat, kann man natürlich auch einen „Störer“ (z.B. ein Blatt) direkt vor die Linse halten. Das sieht zwar für alle Beteiligten Leute am Set oft sehr belustigend aus, der Unterschied kann aber enorm sein. Oder man fotografiert ein Ganzkörper Porträt in Froschperspektive und hat dann im unteren Bereich den unscharfen Boden als Ebene.

Was auch immer man macht – es gibt einen Merksatz: Vordergrund macht Bild gesund.

Pflanzen außerhalb der Schärfentiefe vor der Linse
Wenn die Location / der Winkel zu wenig Vordergrund bietet, kann man auch Pflanzen direkt vor die Linse halten. Sie liegen außerhalb der Schärfentiefe und wirken wie ein farbiger Schleier.

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nützliche Blog Beiträge wie dieser leben nur mit etwas Werbung. Mit meinen Lightroom Presets verbesserst du also nicht nur deine Nachbearbeitung, sondern unterstützt gleichzeitig den Blog:

4. Weitere Mittel für Bilder mit Tiefe

Die Schärfentiefe ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit für mehr Tiefe. Aber dennoch eine der mächtigsten. Ein anderer Punkt ist die weitere Gestaltung des Fotos. Dazu zählt eigentlich der komplette Bildinhalt als auch die Komposition.

Achte darauf, welche Linien im Foto entstehen. Sind diese eher gerade und wirken konstruiert? Oder gibt es dynamische Linien? Einen Fluchtpunkt?

Positioniere dein Model nicht wie einen Stock (aber auch nicht übertrieben – hier gibt es weitere Posing Tipps für ungestellte Fotos), sondern lass es natürlich aussehen. Mit etwas Schwung. Dazu zählt auch das Outfit oder die Frisur.

Bring Formen, Linien und Farben ins Bild.

Eine andere gute Möglichkeit ist es auch, sich einen Fluchtpunkt im Foto zu suchen. Einen Punkt, wo räumliche Linien zusammenlaufen und enden. Diesen baust du mit in dein Foto ein und kannst zusätzliche Dynamik erzeugen.

Mehr Dynamik durch spannenden Blickwinkel
Durch einen spannenden Blickwinkel kann auch ohne Unschärfe mehr Dynamik erzeugt werden.

Fazit

Die richtige Tiefenunschärfe zu erzeugen ist nicht schwer. Viele vergessen aber, dass es nicht nur an der Blende liegt. Es gibt noch andere Möglichkeiten, um die Tiefenschärfe zu kontrollieren. Dazu zählen neben der mittlerweile weitbekannten Blende auch noch die Fokusdistanz, die Brennweite und die Sensorgröße.

Wenn man die so entstehende Unschärfe dann auch noch harmonisch mit der Umgebung einsetzt und noch andere Elemente einbaut, können lebendige Bilder entstehen. Dazu blendest du bewusst einzelne Elemente im Foto aus, oder verstärkst ihre Wichtigkeit durch den Fokus. Bei Porträts macht es meistens Sinn, die gesamte Kulisse in Ebenen aufzubauen. Achte nicht nur auf den Hintergrund, sondern auch den unscharfen Vordergrund. Weitere Tricks für bessere Fotos findest du im großen Portrait Ratgeber.

Am Ende kannst du diesen Effekt auch noch mit der richtigen Komposition, z.B. mit Fluchtlinien, verstärken und zusätzlich mehr Tiefe generieren.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei: