6 Vorteile einer APS-C Kamera, die du gegenüber Vollformat nutzen solltest

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Viele Fotografen schwören auf ihre Vollformat Kamera – und auch die Hersteller sind aktuell voll auf den spiegellosen Vollformat Trend aufgesprungen. Doch die APS-C Kamera bietet ebenfalls viele nicht zu vernachlässigende Vorteile.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wann die Vorteile der APS-C Kamera überwiegen. Und wann ich auch selbst von der Vollformat lieber auf die APS-C Kamera zurückgreife.

Im Folgenden geht es weniger um den Vergleich vom Bildlook, wie schon im APS-C vs Vollformat Beitrag. Stattdessen soll es heute rein um die Vorteile von einem kleineren Sensor gehen.

Nur noch kurz zur Begriffsklärung für Neulinge: Aktuell werden von Fotografen am häufigsten Kameras mit einem Vollformat-, APS-C oder Micro Four Thirds (MFT) Sensor verwendet. Diese Begriffe bezeichnen dabei die Größe der Sensorfläche. Vollformat orientiert sich am klassischen Kleinbildfilm Format (24mm x 36mm), APS-C liegt etwas darunter (nicht standardisiert, bei Fujifilm 15,6mm x 23,6mm). Micro Four Thirds (MFT) bietet eine Sensorabmessung von 13mm x 17,3mm. Wer damit noch nichts anfangen kann, sollte unbedingt den eben verlinkten Beitrag lesen.

1. APS-C Kamera als bester Kompromiss und Allzweckgerät

Erst einmal: Unterm Strich passt bei APS-C Kameras meist alles zusammen. Das habe ich bereits in meiner Kamera Kaufberatung herausgestellt. Sie verbinden quasi das beste aus allen Welten.

In direkter Nachbarschaft der APS-C Sensorgröße liegt darunter der MFT Sensor, darüber Vollformat.

APS-C ist dabei quasi die goldene Mitte.

Je größer der Sensor ist, desto besser in der Regel die Bildqualität. Und desto weniger Tiefenschärfe besitzen die Fotos.

APS-C bietet somit einen guten Zwischenweg zwischen MFT und Vollformat. Aktuelle Modelle besitzen schon fast eine Bildqualität auf Vollformat Niveau (das Rauschverhalten wird ebenfalls immer besser).

Der Bildlook besitzt je nach verwendetem Objektiv (Stichwort Fujifilm 56mm F1.2*) auch eine gute Freistellung durch Hintergrundunschärfe. In Blindtests ist diese je nach Situation kaum von der Vollformat zu unterscheiden.

Trotz all dieser Vorteile gegenüber MFT Sensoren sind die APS-C Kameras ebenfalls noch sehr mobil. Im Vergleich zur Vollformat sogar ein wahres Leichtgewicht. Auf Größe und Gewicht kommen wir gleich noch.

APS-C Kameras bieten einen großartiges Gesamtpaket aus Bildqualität, Hintergrundunschärfe, Größe, Gewicht und Preis.

Abgerundet wird das mit einem relativ günstigen Preis. So sind Einsteiger Kameras meist schon um die 300-400€ mit einem APS-C Sensor zu haben. Die Preisspanne geht hoch bis zum APS-C Profimodell für ca. 1800€.

Gut, man könnte nun sagen: Wieso hole ich mir dann nicht gleich ein Vollformat Modell, wo es brauchbare Geräte ab 1500€ gibt? Darauf werde ich gleich noch kommen. Eins vorneweg: Das aktuelle Fujifilm X-T4 Topmodell lässt viele andere Kameras in Sachen Geschwindigkeit, Verarbeitung, Videofunktionen etc. alt aussehen.

Doch vergessen wir die gute Ausstattung der Kamera, die teilweise durch die Ersparnis durch den günstigeren Sensor hervorgeht. Und kommen zu den sensorspezifischen Vorteilen, die APS-C bieten kann.

2. Mehr Schärfentiefe ohne abzublenden

Der Vorteil von weniger Schärfentiefe, die man mit einer Vollformat Kamera erhält, kann auch zum Nachteil werden.

Dass der Unterschied der Schärfentiefe nur indirekt vom Sensor ausgeht, habe ich ebenfalls schon im APS-C vs Vollformat Beitrag geklärt.

Bei Landschaften möchte ich gerne maximale Tiefenschärfe, um von vorne bis hinten jeden Stein scharf abzubilden. Foto aus meiner Südafrika Reihe. Aufgenommen mit der Fujifilm.

Es gibt bestimmte Situationen, bei denen man etwas mehr Tiefenschärfe im Foto haben möchte. Und man bei Vollformat entweder nicht weiter als F13 abblenden kann, da sonst vermehrt Beugungsunschärfe einsetzt. Oder aber man möchte bei wenig Licht einfach auf Offenblende fotografieren, um nicht den ISO zu provozieren. Aber dennoch etwas mehr als nur ein Auge von Personen scharf abbilden.

Hinweis: Da es bei der Beugungsunschärfe auch auf die Pixeldichte des jeweiligen Sensors ankommt, muss der maximale Blendenwert je nach Kameramodell wieder neu abgewägt werden. Daher kann sich der Vorteil je nach Kamera auch einmal schwächer auswirken oder gar verflüchtigen.

Zu Situationen, in denen ich gerne mehr Tiefenschärfe hätte gehören z.B. diese:

  • Landschaften
  • Produktfotografie (für Freisteller)
  • Makrofotografie
  • Low Light Fotografie

Also bei allen Szenarien, in denen die Vollformat Kamera bis knapp vor die Beugungsunschärfe abgeblendet werden muss, kann eine APS-C Kamera punkten. Das gilt vor allem bei Situationen, in denen man dennoch die vorhandene Lichtmenge nutzen muss.

Ich erinnere mich an Situationen der Produkt- oder Makrofotografie, in denen ich mir mehr als nur eine hauchdünne Schärfeebene gewünscht hätte.

Makrofotografie mit der APS-C Kamera
Durch die äußerst geringe Fokusdistanz schwindet die Tiefenschärfe in der Makrofotografie drastisch. Oftmals würde man gerne mehr erkennen.

Doch auch zum Hochzeitstanz bei wenig Licht habe ich mit der Fujifilm offenblendig genug Tiefenschärfe einfangen können. Während ich mit der Vollformat schon wieder etwas abblenden musste. Dann muss der ISO wieder hoch, wodurch die Bildqualität künstlich verschlechtert wird.

Klar, das verkraftet die moderne Vollformat Kamera im Bildrauschen. Doch bei aktuellen APS-C Kameras gegenüber älteren Vollformat Kameras wird so auch mal ein Pluspunkt im Thema ISO-Rauschen rausspringen.

Beim Hochzeitstanz möchte ich die Blende komplett öffnen, um das restliche Licht zu nutzen und den ISO zu schonen. Gleichzeitig hätte ich aber gerne noch etwas mehr Tiefenschärfe.

Oft blendet man auch bei Porträts im Vollformat etwas ab, um z.B. mit einem 85mm Objektiv beide Augen scharf abzubilden. Dabei kann man nur hoffen, dass der Objektivhersteller mit den Lamellen eine kreisrunde Form hinbekommt – ansonsten wird das Bokeh leiden.

Auf der APS-C hingegen bleibt die Blende bei selber Tiefenschärfe offenblendig kreisrund. Auf zusätzliche Reserven verzichtet man so natürlich.

3. Rückenfreundliche Größe und Gewicht

Damit sind wir beim Thema Überfluss. Und das hat man mit der Vollformat sehr oft. Mehr Reserven, als man eben meistens braucht.

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Wie im Beispiel von gerade eben die Tiefenunschärfe / Bokeh. Mit Vollformat hat man eine dünnere Schärfeebene im Bild, als nötig. Mehr Bildschärfe, als man vielleicht braucht. Und auch allgemein so gute Abbildungsqualität, wie man sie ebenfalls oft gar nicht benötigt.

An einem bewölkten Tag braucht man z.B. keinen riesengroßen Dynamikumfang. Bei Porträts möchte man beide Augen scharf haben und blendet an der Vollformat ab. Durch die hohe Bildqualität muss man am Ende auch die Hautunreinheiten retuschieren, die man vorher gar nicht gesehen hätte.

Vorteil APS-C Kamera
Links die Sony mit dem Sigma 35mm 1.4, rechts die Fujifilm mit dem 23mm 1.4 (auf Vollformat gerechnet 35mm F2.2). In beiden Fällen also ein Setup mit 35mm Blickwinkel (bei APS-C natürlich ein kleines Blenden-Defizit im Bokeh). Der Größenunterschied ist enorm und für Reisen greife ich lieber zur Fujifilm. Das Vollformat Setup wiegt knapp 1,4kg – die APS-C Kamera inkl. Objektiv nur 806g.

Klar – wenn es darauf ankommt und die Situation schwieriger wird, hat man mit Vollformat immer noch Reserven. Doch nicht jeder begibt sich in solche Situationen.

Der Nachteil: Auch wenn man die Reserven gerade nicht braucht – man hat sie trotzdem in Form von oft sehr hohem Gewicht und Größe dabei.

Somit habe ich z.B. meine Fujifilm Kamera auf meiner Südafrika Reise vorgezogen.

Denn durch den kleineren Sensor bleibt nicht nur das Kameragehäuse schön leicht und handlich. Auch können Objektive kleiner gebaut werden, da sie keinen großen Vollformat Sensor bespielen müssen.

So hatte ich auf Reisen nicht nur die Fujifilm X-T2 mit dem winzigen Pancake Objektiv dabei. Sondern auch noch das 18-55mm Kit Objektiv. Im Rucksack merkt man davon kaum etwas. Auch kann ich diese Kamera bei Wanderungen einfach an meinem Peak Design Capture Clip befestigen.

Mit einer Vollformatkamera hat man immer mehr Gewicht dabei und alles wird etwas sperriger. Dadurch überlegt man sich vorher vielleicht zweimal, ob man das Geschleppe gerade wirklich haben möchte. Mit meiner Fujifilm APS-C hingegen habe ich hierbei nie lange überlegt, sondern einfach eingepackt.

4. Näher ran mit dem Tele-Bonus – Cropfaktor als Vorteil nutzen

Bei Sportfotografen dürften einige APS-C Kameras Anklang finden. Nicht nur durch die oftmals höhere Serienbild Geschwindigkeit (Fujifilm X-T4 von mechanisch 15, elektronisch bis 30 Bilder pro Sekunde).

Auch der sonst nervige Crop-Faktor entpuppt sich im Telebereich als wahrer Bonus.

Angenommen ich würde mir zu einem bestehenden Sony Objektiv Pool neben der Vollformatkamera noch eine APS-C Kamera wie die Sony A6600* anschaffen. Dadurch könnte ich z.B. eine Brennweite, die sonst nicht mehr als 200mm hergibt plötzlich mit 300mm benutzen. Und dadurch vielleicht bei der nächsten Südafrika Safari bessere Fotos als mit der Vollformat auf 200mm machen.

Im Folgenden Slider siehst du links ein 75mm Objektiv an der Vollformat, rechts das selbe Objektiv auf der APS-C Kamera (112,5mm):

Und auch sonst alle anderen Objektive mit 1,5-facher Brennweite benutzen. So können Objektive durch die Kombination von einer APS-C- und Vollformatkamera theoretisch noch einmal vielseitiger eingesetzt werden. Praktisch auch für Reportagen.

5. Einzigartige Features nutzen

Wie oben angesprochen kauft man zwar gerne rein nach dem Sensor. Am Ende ist um den Sensor aber auch noch ein Kameragehäuse mit vielen Funktionen außenrum.

Auch hier will ich wieder das Beispiel Fujifilm anführen – denn was die Firma um den APS-C Sensor herum baut ist einfach nur super. Neben den fortschrittlichen Funktionen ist die Rede vom Gehäuse im Retro Look mit entsprechender Wahlrad-Bedienung.

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nützliche Blog Beiträge wie dieser leben nur mit etwas Werbung. Mit meinen Lightroom Presets verbesserst du also nicht nur deine Nachbearbeitung, sondern unterstützt gleichzeitig den Blog:

Man kauft mit einer Kamera nicht nur den Sensor. Sondern auch das Gehäuse und alle Funktionen außenherum. Hier gibt es definitiv Unterschiede. Hier das Wahlrad von Fujifilm im Retro-Stil.

Wenn man auf so etwas steht, wird man im Vollformat Bereich eben aktuell nicht wirklich fündig (die uralte Nikon DF mal hinten angestellt). Daher sollte man die Kameras am Ende genau gegenüberstellen – und zwar in allen Funktionen und Eigenschaften. Nicht nur der Sensor zählt.

Als Beispiel kann z.B. auch Panasonic mit ihren MFT Sensoren mit grandiosen Videofeatures punkten. Und auch Fujifilm ermöglicht seit der X-T3 Videos mit 10 Bit und 4K mit 60 fps. Hier tasten sich die Vollformat Hersteller aktuell erst sehr langsam heran.

Auch lassen sich kleinere Sensoren wie MFT oder APS-C in der Regel etwas besser im Kameragehäuse stabilisieren (IBIS).

6. Geld sparen und gutes Glas kaufen

Okay – ich habe gerade ständig von den APS-C Top Modellen gesprochen. Diese liegen in Preisbereichen, wo man auch schon eine Vollformat Kamera bekommt.

Doch es muss nicht einmal auf die 2000€ Marke zugehen. Man bekommt gute Modelle nämlich schon weit unter 1000€ – je nachdem, ob man eine Spiegellose oder Spiegelreflex möchte.

Wer hier auf der Suche ist, dem kann ich nur noch einmal meine Kamera Kaufberatung nahe legen.

Doch nicht nur die Kamera kostet weniger. Auch APS-C Glas ist wesentlich günstiger zu haben (trifft nicht immer zu, aber immer öfter).

Allerdings sollte man auch nie vergessen:

Das Objektiv macht eigentlich das Foto.

Die Schärfe, Bokeh, Bildlook – das meiste hängt nicht zuletzt vom Glas ab, das vor dem Sensor hängt.

Durch das Geld, das man beim Kamerabody spart, könnte man anschließend vielleicht lieber zu einem besseren Objektiv greifen.

Der Bildlook mit Schärfe, Bokeh und weiterem kommt hauptsächlich vom Objektiv. Gutes Glas lohnt sich also oft mehr als der neueste Kamerabody.

Meine Empfehlung geht nämlich dahin, dass man sich ein gutes Stück Glas kauft, das die nächsten Kamerakäufe übersteht. In vielen Situationen macht nämlich das Objektiv viel mehr am Bild aus, als die Kamera.

Daher ist die Kombination aus günstiger Kamera und gutem Glas oft für den Anfang die bessere Wahl, als eine teure Kamera mit Schrott Linsen vorne dran. Des weiteren ist Glas oft wertbeständiger als die Kameragehäuse, die von den Hersteller meist alle 2 Jahre überarbeitet werden.

Fazit: Vorteile von APS-C Kameras nutzen

Ich empfehle den meisten Leuten erst einmal eine APS-C Kamera. Einfach, weil es ein sehr guter Kompromiss ist.

Preis-/Leistungsmäßig sind diese oft einfach nicht zu toppen. Man bekommt für sein Geld eine Sensorgröße mit guter Qualität und ausreichend Möglichkeit zu schönem Bokeh.

Dazu bleibt das komplette Kit immer noch sehr leicht und mobil. Daher nehme auch ich als Vollformat Besitzer zum Wandern und Reisen viel lieber das APS-C Modell mit.

Wenn dann auch noch wie im Beispiel Fuji einzigartige Funktionen oder Designaspekte hinzukommen, fällt mir der Verkauf immer schwerer.

Aus diesen Gründen denke ich, dass APS-C Kameras immer noch ihre Daseinsberechtigung haben.

Ja – ich selbst fotografiere Porträts immer noch lieber mit Vollformat. Das liegt daran, dass Vollformat Kameras hier in meinen Augen eine bessere Spezialisierung vorweisen. Eben durch etwas mehr Reserven im Bokeh.

Die APS-C Kameras sehe ich eher als Allrounder – diese können alles erst einmal gut. Und lassen sich durch Glas dennoch etwas weiter spezialisieren. Mit der Zeit passt sich die Ausrüstung dann weiter an, wenn man seinen Stil und Genre gefunden hat.

Wer jetzt sagt: Okay – in diesem Beitrag hast du aber einiges schön geredet. Die andere Seite habe ich bereits beleuchtet. Daher will ich an dieser Stelle meinen „Welche Vorteile Vollformat für meine Fotografie bietet“-Beitrag nicht vorenthalten.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

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