Ist es das wirklich wert? Gedanken zum wahren Wert von Dingen

Am in , veröffentlicht.
Kostenloses Ebook: Kreative Available LIght Portraits

Lerne im kostenlosen Portrait Email-Kurs, wie du Schritt für Schritt gelungene Porträts fotografierst. Trage dich jetzt in den Newsletter ein und du erhältst den Kurs mit weiteren nützlichen Tricks und Angeboten.

Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Deine Daten werden unserem sicheren Newsletter Anbieter GetResponse übermittelt. Die Übertragung ist SSL-verschlüsselt. Mit Klick auf den Button erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.


Wie schnell neigt man aktuell dazu zu sagen, dass irgendetwas zu teuer ist. Egal ob es ein Smartphone, eine Schraube im Baumarkt oder das neue Objektiv ist.

Es wird immer zuerst gegrübelt: Was hat das wohl in der Herstellung gekostet? Spoiler: Am Ende kommt man immer zu der Erkenntnis, dass es in der Produktion wirklich viel günstiger gewesen sein muss.

Entwicklungskosten werden dabei oft geschickt ausgeblendet. Und auch die Tatsache, dass ein Unternehmen an Produkten irgendwo einen Gewinn machen muss, um so überhaupt weiter bestehen zu können. Und somit auch in Zukunft tolle Produkte anbieten wird.

Wie auch immer – ich habe mittlerweile damit aufgehört. Aufgehört mir Gedanken um die anderen bzw. den Hersteller zu machen. Gedanken darüber zu machen, was wohl der Prozessor, Mainboard, Grafikkarte und Netzteil in der Herstellung gekostet haben. Addiert mit der Zeit, die die Mitarbeiter gebraucht haben, um das Teil zusammen zu bauen.

Am Ende kommt bei dieser Gedankenspirale immer das selbe:

Ich zahle ja mehr, als es eigentlich kosten müsste.

Das ist immer das selbe und wird sich niemals vermeiden lassen.

Stattdessen will ich nun nicht mehr so viel an die Firmen denken. Mittlerweile denke ich anders.

What’s in for me?

Was springt für mich dabei raus? Das ist die Frage, die ich mir mittlerweile stelle. Denn sind wir mal ehrlich: Was bringt die ganze Rechnerei darüber, was ein Produkt in der Herstellung kostet. Es ist zwar oft interessant zu wissen, davon wird es aber am Ende nicht günstiger.

Stattdessen messe ich mittlerweile den Wert nur noch darin, was es mir wirklich bringt. Das ist nun vor allem auf die Investitionen in der Selbstständigkeit bezogen. Oft aber auch privat in Form von einem emotionalen Wert.

Beispiel 1: Ein Kabel für 120€

Um es verständlicher zu machen, will ich ein Beispiel von vor ein paar Jahren erzählen. Zu diesem Zeitpunkt hat mir ein Freund einen kabellosen Blitz überlassen. Neupreis ca. 1000€.

Das Problem: Ihm ist das Ladekabel für das Gerät verloren gegangen. Also bin ich erst einmal zum Elektronikladen vor Ort. Ich habe gefragt, ob man dafür vielleicht ein herkömmliches Kabel verwenden oder etwas basteln kann.

Das war natürlich nicht der Fall. Der Stecker war sehr speziell, so dass nur das Original Ladekabel vom Hersteller funktioniert. Und dieses stand für 120€ auf der Website zum Verkauf.

Nun kann man anfangen zu denken: 120€ für ein Kabel – ich bin doch nicht doof. Das Teil kostet in der Herstellung keine 50€.

Doch dann habe ich mir die Frage gestellt, was das Teil für mich wirklich Wert ist: In erster Linie könnte ich mit dem Invest von 120€ dann einen Blitz im Wert von 1000€ weiterverwenden. Das klang schon einmal nicht schlecht.

Ein Materialwert von 120€ für ein Kabel?! Oder auch: 120€ investieren, um einen 1000€ Blitz für Shootings verwenden zu können, die meinen Lebensunterhalt sichern.

Der reale Nutzen lag aber darin, dass ich mit diesem Blitz etliche Fotoshootings für Firmenkunden durchgeführt und damit diverse Produktfotos abgelichtet habe. Über die Jahre war das dann ein Wert, der dann noch viel weiter über den Neupreis des Blitzes hinausging.

Hätte ich bei dem Punkt aufgehört, als ich den Preis des Kabels durch die deutlich geringeren Materialkosten als unfair empfand, wäre mir all das entgangen.

Beispiel 2: Kameragurt

Ein weiteres Beispiel ist der Moneymaker Kameragurt. Dieser liegt „nur für einen Gurt“ ebenfalls doch recht hoch im Kurs.

Allerdings habe ich mich vorher auf Hochzeiten mit zwei einzelnen Gurten abgekämpft. Dazu drohte bei jedem Wechsel eine der Kameras herunterzufallen. Statt sich auf den Moment und die Kunden konzentrieren zu können, jonglierte ich mit den Kameras.

Nur ein Kameragurt? Oder ein langfristiges Werkzeug, das viele Probleme löst.

Somit habe ich auch bei diesem Invest überlegt: Was ist für mich drin? In diesem Fall, dass man mühelos zwei Kameras an sich tragen und schnell zwischen ihnen wechseln kann. Ohne groß nachzudenken. Dazu sieht er noch gut aus und ist von einer Qualität, die viele Jahre – wenn nicht Jahrzehnte halten wird.

Und damit kommen wir zu einem weiteren Gedankenanstoß.

Die Kosten pro Benutzung

Ich habe mich immer wieder mit Sprüchen auseinander gesetzt wie: „Wer billig kauft, kauft zweimal“ oder „Kaufst a Glump, hast a Glump“.

Das ist darauf bezogen, dass man sich z.B. für ein günstigeres Drittanbieter Kamera Zubehör statt dem Original entscheidet. Wie es kommen muss, geben diese Produkte dann immer wieder einmal früher den Geist auf. Dann kauft man es entweder noch einmal oder greift wirklich zum Original. Oft braucht es wohl erst eine Enttäuschung, bevor mehr Geld investiert wird.

Natürlich kann man sich nicht in jedem Lebensbereich immer das aller beste leisten. Stattdessen hat jeder Mensch wohl seine Prioritäten, wo er mehr oder weniger Geld ausgeben möchte.

Unterm Strich sollte man aber immer die Kosten pro Benutzung im Hinterkopf behalten. Ein doppelt so teures Produkt, das aber fünf Jahre statt nur einem hält, ist hier also pro Benutzung sogar günstiger. Das Problem ist nur, dass man das auch bei teuren Original Produkten im vornherein nie sicher sagen kann. Auch ein Porsche muss hin und wieder in die Werkstatt. Ich halte aber die Wahrscheinlichkeit für höher.

Im Zuge dessen kommt man im Gedankengang darauf, dass kein Produkt eine einmalige Investition ist. Eigentlich kostet alles, was man besitzt monatlich etwas. In Form vom Wertverlust oder einfach durch den Lauf der Zeit. Daher gibt es für Selbstständige auch die Abschreibungen.

Egal ob das Auto, die Kamera, der Computer oder das Dach auf dem Eigenheim. Alles hat mehr oder weniger ein Ablaufdatum. Man kann schon beim Kauf den Countdown starten, bis man in 5, 10 oder 20 Jahren wieder etwas neues braucht. Oft ist es so, dass man diesen Zyklus durch gute Produkte etwas hinauszögern kann und innerhalb dieser Zeit einfach mehr Spaß damit hat.

Zuverlässigkeit von guten Produkten

Im Thema der Selbstständigkeit und Berufsfotografie möchte man aber nicht nur sich, sondern auch den Kunden eine gewisse Zuverlässigkeit durch gute Produkte bieten. Dazu ist man in gewisser Weise verpflichtet, sobald man Geld für seine Leistung verlangt.

Auch daher greife ich oftmals lieber zum Originalzubehör. Was bringt es am Ende, wenn im entscheidenden Moment vom Hochzeitstanz der Drittanbieter Blitz ein Kompatibilitätsproblem hat? Oder der Autofokus vom günstigen Drittanbieter Objektiv im Low Light den Fokus nicht findet?

Dadurch verpasst man im schlechtesten Fall die Aufnahme, für die man vielleicht am Ende weiterempfohlen worden wäre. Im schlimmsten Fall bekommt man vom Brautpaar noch eine Rüge, warum genau dieser Moment nicht aufgenommen wurde.

Das sind nur Beispiele, die sich auch in vielen anderen Bereichen der Selbstständigkeit widerspiegeln können.

Wenn man nur privat fotografiert, ist es natürlich wieder eine komplett andere Geschichte.

Umwelt und Nachhaltigkeit

Ich glaube es ist im ersten Moment ein berechtigter Gedanke, den Klimawandel auf den Urlaub von Dieter zu schieben, der sich nach einem Jahr Arbeit eine kleine Auszeit auf Mallorca zusammen mit seiner Familie nehmen möchte.

Dennoch ist das nur ein kleiner Teil von unserem Problem. Kritischer sehe ich dagegen Billigprodukte aus China. Und dabei meine ich nicht, dass generell Produkte aus China zu uns geflogen werden.

Unsere Kameras kommen mittlerweile auch aus China. Fujifilm hat beispielsweise meine Fujifilm X-T2 noch in Japan hergestellt. Die Produktion der X-T3 wurde nach China verlagert. Und das ist unterm Strich nicht schlimm. Ich denke die Qualität ist die selbe geblieben. Nun egal ob China oder Japan, viele Produkte müssen so oder so um die halbe Welt geflogen werden. Aber: So eine High-End Kamera kann man (ohne Unfälle) locker 5-10 Jahre verwenden.

Mein Gedanke geht daher eher zu den Produkten, die einmal um die Welt geflogen werden, um dann nach 3 Wochen Benutzung kaputt zu gehen. Schlechte CO2 Bilanz.

Und damit werden die Onlinehändler hier förmlich überflutet. Im Grunde ist es oft Ramsch, bei dem der 3-wöchige Versand aus China dann mehr kostet, als das eigentliche Produkt.

Dabei will ich auf keinen Fall den Finger auf andere erheben – denn auch ich selbst habe wohl schon einmal so ein Produkt gekauft. Viel mehr möchte ich hier einfach meine Gedanken dazu teilen – vielleicht kann man so zusammen umdenken.

Die Geldspirale der Gewohnheiten

Die Anschaffung von guten Produkten ist allerdings auch etwas wie Treibsand. Einmal angefangen, zieht es einen immer weiter hinein und ein Zurück zu günstigeren Dingen fällt schwer. Diesen Aspekt muss man sich auch immer vor Augen halten.

Nach 5 Jahren mit der schnellsten Profi-Vollformatkamera wird man sich mit dem Umstieg auf etwas „schlechteres“ schwer tun. Nach 4 Jahren mit einem Auto mit 250PS wird man sich dann nicht mit einem 80PS Kleinwagen zufrieden geben.

Es ist also oft auch eine Sache der Gewohnheit, für welche Folgeprodukte man sich entscheidet. Und das kann dann ins Geld gehen.

Daher: Auch wenn man teurere Produkte gewohnt ist – vielleicht muss man dann auch immer wieder einmal zurück kommen und eine klare Linie zwischen Luxus und dem Notwendigen ziehen.

Das sollte man unabhängig davon natürlich auch bei der Erstanschaffung bedenken. Wobei man sich je nach verfügbarem Budget natürlich auch einmal etwas gönnen darf.

Fazit: Warum muss immer alles günstig sein?

Vielleicht klingt es nun an vielen Stellen etwas übertrieben. Und auch so will ich nicht dazu aufrufen, nur noch das teuerste zu kaufen. Man wird sich im Normalfall einfach nie überall das beste vom besten leisten können. Ich hoffe aber trotzdem, dass ich zum Nachdenken animieren konnte.

In vielen Fällen kann man dennoch ein halbes Jahr länger sparen, und sich das bessere Produkt zu holen.

Oft ist bewusstes Konsumieren daher wohl auch eine Form von Geduld.

Und auch so sind günstigere Produkte nicht immer pauschal schlechter. In vielen Bereichen gibt es auch günstige und faire Alternativen, die halten, was sie versprechen.

Doch meistens erhält man, sobald man noch etwas Geld oben drauf legt, einfach ein besseres Produkt, das unter Umständen auch noch regional unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Und ohne um die halbe Welt geflogen worden zu sein, um nach 2 Wochen kaputt zu gehen.

Wie gesagt hat auch am Ende jeder seine eigenen Prioritäten. Was darf etwas kosten? Und was nicht? Das hängt auch stark mit den eigenen Vorlieben und Gewohnheiten zusammen.

Und wichtig – am Ende muss es natürlich nicht immer nur um einen finanziellen Wert gehen. Oft haben viele Dinge täglich um uns herum einen emotionalen Wert. Das entscheidet letzten Endes natürlich auch, für welches Produkt man sich entscheidet.

Ich selbst habe auch immer noch eine starke gedankliche Trennung zwischen geschäftlichen Investitionen ins Fotografie Business und privaten Anschaffungen. Hier kann ich für mich das Erste eher rechtfertigen. Meist kommt es dann in erster Linie dem Kunden – und dadurch später auch mir zweifach zu Gute. Bei Privatanschaffungen wäge ich mehr ab, ob es wirklich sein muss.

Am Ende will man eben eigentlich keine Bohrmaschine, sondern nur das Loch in der Wand. Und dieses ist meist von höherem Wert, als das Gerät an sich.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

2 Gedanken zu „Ist es das wirklich wert? Gedanken zum wahren Wert von Dingen“

  1. Grundsätzlich denke ich mal, dass die Corona-Zeit hier die Werte mal berichtigen bzw. gerade rücken wird. Nachhaltigkeit zählt, auch bei einem großen Teil der Amateure. Die Kamera wechseln, nur weil die Karte voll ist, das geht auf Dauer nicht. Und „Profi-Vollformat“ hilft nicht, wenn das Auge nicht mitspielt, wobei es sicher noch seine Gültigkeit hat, dass die beste Kamera die ist, die gerade zur Verfügung steht. Meine neue „immer dabei“, die habe ich eben ausgepackt, Ersatz für ein knapp 8 Jahre altes Modell. Bei einem Foto-Händler gekauft. Lasst uns die Welt ein bisschen besser machen!
    Gruß Thomas

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

shares