Mechanischer oder elektronischer Verschluss? Den Kameraverschluss in 5 Lektionen verstehen

Am in veröffentlicht. Aktualisiert am 19.07.2022

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Jede Kamera hat einen Verschluss. Dieser ist mit den Verschlussvorhängen dafür verantwortlich, den Sensor (mit der eingestellten Verschlusszeit) zu belichten.

Als ich noch mit meiner Canon Spiegelreflex fotografiert habe, hat mich dieses Thema nicht sonderlich interessiert. Doch falls du eine spiegellose Systemkamera besitzt bist du gezwungen, dich mit dem Thema mechanischer und elektronischer Verschluss näher zu beschäftigen:

Was bringt eigentlich dieser erste elektronische Verschlussvorhang? Welche Nachteile hat es, wenn ich komplett lautlos fotografiere? Wo kommen diese verdammten Streifen im Bild her? Und wieso wirkt das Bokeh gerade so unruhig?

All diese Fragen wirst du nach diesem Artikel beantworten können und einen tiefergehendes Verständnis in die Technik vom Kameraverschluss entwickeln. Das sind Grundlagen, die jeder fortgeschrittene oder professionelle Fotograf kennen muss.

1. Grundprinzip vom mechanischen Kameraverschluss

Wir beginnen erst einmal mit den Kameraverschluss Grundlagen. Der Verschluss der Kamera ist das Bauteil in der Kamera, der die gewählte Verschlusszeit realisiert. In den meisten Kameras arbeitet ein sogenannter Schlitzverschluss. Dieser besteht aus zwei Vorhängen. Im Grunde also zwei kleine Metallteile, die im Zusammenspiel den Sensor erst einmal komplett verdecken. Und dann zur gewünschten Verschlusszeit kurzzeitig zur Belichtung freigeben.

Im Detail funktioniert eine Belichtung so:

Der erste Verschlussvorhang verdeckt zunächst den Sensor, fährt dann aber auf und lässt die Belichtung beginnen. Wenn die Verschlusszeit abgelaufen ist, z.B. nach 1″, so beendet der zweite Verschlussvorhang die Belichtung. Dazu folgende Visualisierung – der Sensor ist grün dargestellt:

Das kannst du dir wirklich bildlich wie zwei Vorhänge im Theater vorstellen. Der erste Vorhang fährt auf, gibt den Blick auf die Bühne frei. Anschließend kommt der zweite Vorhang und verdeckt die Szene wieder.

Wenn die Verschlusszeit wirklich nur sehr kurz ist, liegt der Sensor zu keiner Zeit komplett frei. Stattdessen schließt der zweite Verschlussvorhang so nah an den ersten auf, dass nur noch ein Schlitz zu sehen ist, der einmal über den Sensor fährt.

Bei unserem Theaterbühnen Vergleich wäre es so, dass der zweite Vorhang direkt nach dem ersten mit einem Meter Abstand wieder zugezogen wird. Zu keinem Zeitpunkt ist die Bühne komplett einsehbar, immer nur ein kleiner Streifen.

In der folgenden Visualisierung siehst du auch, wie die Sensorfläche (grün) zu keiner Zeit komplett sichtbar ist. Stattdessen siehst du nur einen Schlitz Schlitz zwischen den beiden Vorhängen. Je schmäler dieser ist, desto kürzer wird belichtet:

Hinweis: Die Verschlussvorhänge bewegen sich immer in der selben Geschwindigkeit, starten nur je nach Verschlusszeit zeitversetzt.

Mechanisch bedingt ist es also dann nur noch möglich, den Sensor Stück für Stück von oben nach unten zu belichten. Dieses Grundprinzip ist wichtig, um den Rest zu verstehen.

Mit dem Schlitzverschluss ist es nicht möglich, das Licht zeitgleich auf die komplette Sensorfläche treffen zu lassen. Dieses Problem soll wohl irgendwann mal ein digitaler Global Shutter beseitigen, der jeden Pixel des Sensors gleichzeitig belichten kann. Wie du gleich noch sehen wirst, hätte das viele Vorteile.

So funktioniert der Kameraverschluss bzw. eine Auslösung bei einer Spiegelreflexkamera:

  1. Der Spiegel klappt nach oben und versperrt kurzzeitig den Sucher
  2. Der erste Verschlussvorhang öffnet sich und gibt den Sensor frei
  3. Die Belichtungszeit beginnt
  4. Der zweite Verschlussvorhang schließt auf und verschließt den Sensor wieder
  5. Die Belichtung wird beendet
  6. Der Spiegel klappt wieder nach unten und gibt den Blick vom Sucher wieder frei

Die klassische DSLR hat dabei immer zwei mechanische Verschlussvorhänge (außer teilweise beim Liveview, aber das lassen wir mal außen vor). Hier gab es noch keinen digitalen Zauber, daher war manches noch etwas einfacher zu verstehen. Doch das änderte sich mit den DSLM-Kameras.

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2. Der erste elektronische Verschlussvorhang

Während der Kameraverschluss bei der klassischen Spiegelreflexkamera noch komplett mechanisch arbeitete, änderte sich einiges mit der Einführung der spiegellosen Systemkameras. Denn hier wird nun plötzlich ein Teil der Belichtung elektronisch ausgeführt – zumindest wenn du das möchtest.

Damit einher geht die Frage, über die du wahrscheinlich hier gelandet bist:

Was zur Hölle ist ein 1. elektronischer Verschlussvorhang?

Im Englischen wird dieser als EFCS (= Electronic Front-Curtain Shutter) bezeichnet.

Der erste Verschlussvorhang, der bei der Spiegelreflex eben noch mechanisch war, kann bei spiegellosen Kameras auch rein elektronisch betätigt werden. Oft ist dann vom elektronischen Shutter die Rede.

Aber meine spiegellose Systemkamera klickt doch immer noch beim Auslösen?

Ja, was man in dieser Einstellung hört, ist in der Werkseinstellung allerdings nur noch der zweite Verschlussvorhang, der die Belichtung beendet. Der erste Verschlussvorhang startet die Belichtung elektronisch und daher lautlos.

Bei spiegellosen Systemkameras blickst du auf einen elektronischen Sucher oder Display. Damit hier ein Livebild angezeigt werden kann, muss der Sensor permanent aktiviert sein und ein Signal an den Sucher senden.

Wenn du jetzt ein Foto machst, muss der Sensor grob gesagt erst einmal wieder ausgeschaltet bzw. zurückgesetzt werden. Erst dann kann die Belichtung für das eigentliche Foto starten. Der Schwachpunkt: Das digitale Zurücksetzen kann nur langsamer Zeile für Zeile erfolgen. Das hat meistens ein paar negative Auswirkungen auf das Foto, die ich dir gleich zeige.

Mit dem elektronischen Shutter sind DSLM-Kameras also standardmäßig erst einmal so eingestellt, dass sie per »Hybrid-Verschluss« auslösen:

  1. Der Sensor wird durch den ersten elektronischen Verschlussvorhang zurückgesetzt, die Belichtung startet.
  2. Der zweite mechanische Verschlussvorhang beendet die Belichtung.

In dieser Skizze habe ich den elektronisch zurückgesetzten Bereich in gelb veranschaulicht – gefolgt vom zweiten mechanischen Verschlussvorhang:

Das hat den Vorteil, dass das Foto mit nur einem Klacken aufgenommen werden kann. So fühlt sich das Fotografieren etwas angenehmer und natürlicher an, eine Aufnahme zu machen. Auch kann man so durch die geringere Auslöseverzögerung etwas schneller und direkter fotografieren. Dazu werden Verwacklungen reduziert, da sich zu Beginn der Aufnahme keine mechanischen Bauteile bewegen müssen.

Gut zu wissen: In Verbindung mit dem ersten elektronischen Verschlussvorhang kann auch der zweite Verschlussvorhang elektronisch verwendet werden. Dann erfolgt die Aufnahme komplett elektronisch und dadurch lautlos.

3. In diesen Situationen solltest du den 1. elektronischen Verschlussvorhang deaktivieren

Dennoch haben Kamerahersteller auch bei Spiegellosen noch einen mechanischen ersten Verschlussvorhang eingebaut. Doch warum könntest du diesen in der neuen elektronischen Verschlussvorhang-Welt brauchen?

Das liegt daran, dass der Hybrid-Mischmasch aus elektronischem und mechanischem Verschlussvorhang (als auch der komplett elektronische Verschluss) nicht perfekt ist. Es gibt ein paar Nachteile:

  • Das Bokeh leidet bei sehr kurzen Verschlusszeiten und kleinen Blendenwerten
  • Streifen können sich bilden (banding)
  • Verzerrungen bei schnellen Motiven (rolling shutter)
Schlechtes Bokeh mit elektronischem 1. Verschlussvorhang
Die Bokeh Qualität leidet bei offenblendigen Aufnahmen beim ersten elektronischen Verschluss in Verbindung mit kurzen Verschlusszeiten (<1000s). Hier werden die Bokeh Kreise abgeschnitten – was zu einer unruhigen und kantigen Unschärfe im Bild führt.

Für mich als Porträtfotograf ist der erste Punkt der kritischste. Durch die Symbiose von elektronischem und mechanischem Verschluss leidet das Bokeh bei Verschlusszeiten ab ca. 1/1000S sichtbar.

Das äußert sich durch abgeschnittene Bokeh Kreise. Und dadurch mit einer teilweise sehr unruhig wirkenden Hintergrundunschärfe. Toll – da bezahlt man 1500€ für das Objektiv mit besonders weichem Bokeh und dann sowas. Wie das physikalisch zustande kommt, erfährst du im Video weiter unten.

Kurz gesagt: Der Schnitt in den Bokehkreisen erfolgt dadurch, dass der elektronische Verschluss direkt auf dem Sensor liegt. Und der mechanische Verschlussvorhang etwas vor dem Sensor. Durch diese unterschiedliche »Höhe« kommt der negative Effekt zustande. Durch komplett mechanisches Auslösen sind beide Verschlussvorhänge wieder auf dem selben Level.

F1.4 bei 1/4000S – Vorher: 1. elektronischer Verschluss aktiviert // Nachher: 1. elektronischer Verschluss deaktiviert (komplett mechanisch)

Das digitale Auslesen des Sensors Zeile für Zeile hat noch weitere Nachteile. Durch diese Methode wird das Bild in vielen Situationen sehr empfindlich für Kunstlichter, die dann auf den Fotos zu flackern beginnen. In dieser Situation sorgt ein elektronischer Verschluss gerne mal für Streifen im Bild. Mit dem Hybrid Verschluss ist das Problem allerdings bei weitem nicht so verbreitet, wie beim lautlosen, komplett elektronischen Verschluss. Zu diesem erfährst du gleich noch mehr.

So viel nur noch zu diesem Abschnitt: Mit dem Hybrid Verschluss kannst du Streifen niemals Komplett ausschließen.

Auch können wohl schon hier sich schnell bewegende Objektive vom Rolling Shutter Effekt betroffen sein können (habe ich allerdings erst beim komplett lautlosen Auslösen erlebt). Dazu gleich mehr.

In all diesen Fällen kann es lohnen, den ersten elektronischen Verschlussvorhang zu deaktivieren. Dadurch übernimmt auch den Start der Belichtung (wie bei der DSLR) ein mechanischer Vorhang. So verschwinden all diese Nachteile.

Deaktivieren vom 1. elektronischen Verschlussvorhang
Bei Sony findet sich unter dem Oberpunkt “Verschluss” die Einstellung des 1. elektronischen Verschlussvorhangs. Auch kann man hier die geräuschlose Aufnahme aktivieren, zu der wir gleich noch kommen.

Wie du den Kameraverschluss bei deinem jeweiligen Kameramodell einstellst, zeige ich dir gleich noch im vorletzten Abschnitt.

Neben dieser Einstellung hilft es oft auch, wenn du extrem kurze Verschlusszeiten vermeidest. Die meisten Probleme in Verbindung mit einem elektronischen Vorgang entstehen, wenn zu kurz (wie z.B. 1/4000S) belichtet wird. Probiere das am besten durch andere Einstellungen zu kompensieren und die Verschlusszeit wieder verlängern zu können.

4. Nachteile vom komplett mechanischen Verschluss

Wenn der elektronische Verschluss so schlecht ist – wieso solltest du dann nicht immer einfach den komplett mechanischen nutzen?

Der Hauptnachteil beim mechanischen Auslösen (ohne elektronischen ersten Verschlussvorhang) ist meiner Meinung nach das nervige doppelte Klicken bei jedem Foto. Das hört sich beim ersten Mal vielleicht so an, als wäre etwas kaputt. Allerdings ist das völlig normal.

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Besonders kritisch und nervig wird das lautere Geräusch in stillen Situationen, wie z.B. einer Trauung. Pro Bild klackt es hier zweimal, statt nur einmal. Das nervt auf Dauer und kann dein Bildmotiv auf dich aufmerksam machen.

Auch kann die Kamera so nicht mehr die volle Serienbildgeschwindigkeit erreichen. Zudem entsteht zwischen Drücken des Auslösers und dem tatsächlichen Bild eine kleine Verzögerung. Das stört den Fotografie Flow.

Ein Hinweis zum Verschleiß, den ich noch anbringen möchte: Wie alle beweglichen Bauteile hat auch der Verschluss Mechanismus keine unbegrenzte Lebensdauer. Kamerahersteller geben daher schon ab Werk eine Zahl an, was der jeweilige Verschluss aushalten kann (oder sollte…). Auch auf dem Kameragebrauchtmarkt sind die Auslösungen quasi wie beim Autokauf die Kilometer auf dem Tacho.

Bei einem komplett elektronischen Auslösen bewegt sich in dieser Hinsicht mechanisch nichts, wodurch keine Abnutzung vom Verschluss entsteht. Während beim komplett mechanischem Schluss sogar ein zusätzlicher Vorhang aktiv wird. Dadurch wird die Lebensdauer vom Verschluss meiner Meinung nach mehr angegriffen, als nötig.

Mit diesen Nachteilen im Hinterkopf solltest du den ersten elektronischen Verschlussvorhang also nicht einfach permanent deaktivieren. Prüfe vor jeder Aufnahmesituation erneut, für welchen Verschlusstyp du dich für das beste Foto entscheidest.

5. Lautlos Auslösen: Vor- und Nachteile vom elektronischen Verschluss

Der Verschluss der spiegellosen Kamera kann also elektronisch-mechanisch (EFCS aktiviert), oder mechanisch-mechanisch (EFCS deaktiviert). Die dritte Möglichkeit ist ein elektronisch-elektronischer Verschluss, oder auch geräuschlose Aufnahme genannt.

Diese Vorteile hat der komplett elektronische Verschluss bzw. lautlose Aufnahme:

  1. Logisch: Du kannst komplett lautlos fotografieren. Kein störendes Klicken und Klacken mehr. Das lässt dich z.B. bei einer Trauung besser abtauchen und ungestört Momente sammeln (was indirekt wieder das Motiv verbessert).
  2. Moderne Kameras entwickeln mit doppelt elektronischem Verschluss enorme Serienbild Geschwindigkeiten. Die maximale Bildanzahl pro Sekunde wird hier sogar nur in Verbindung mit der elektronischen Auslösung möglich.
  3. Ohne den mechanischen Vorhang gibt es auch weniger Mikro-Erschütterungen. Das kann nebenher in bestimmten Situationen helfen, das Bild nicht zu verwackeln.
  4. Dadurch dass beide Vorhänge auf derselben »Höhe« sind, gibt es hier keine Probleme mit dem Bokeh.

Wieder die finale Frage: Wenn das so cool ist – wieso solltest du dann nicht einfach immer mit elektronischem Verschlussich fotografieren?

Rolling-Shutter Effekt sorgt für schiefe Linien

Da das elektronische Auslesen des Sensors Zeile für Zeile geschieht, können schnelle Motive verzerrt werden. Das nennt man den Rolling-Shutter Effekt (der auch im Videobereich sehr gefürchtet ist). Verantwortlich ist hier die Rechenpower, wie schnell der Sensor ausgelesen werden kann. Je schneller, desto geringer fallen ungewollte Nebeneffekte aus.

elektronischer Verschluss mit Rolling Shutter Effekt
Aufgenommen mit der geräuschlosen Aufnahme und Schwenken der Kamera. So wird der Rolling Shutter Effekt sichtbar, bei dem sich Abbildungen bei schnellen Bewegungen verzerren können. Je nach Kameramodell sollte man dann also schnelle Bewegungen meiden.

Viele Topmodelle der Kamerahersteller (wie z.B. die Sony A9 II) sind in erster Linie darauf ausgelegt, lautlos und schnell zu fotografieren. Dadurch wurde hier die Geschwindigkeit, mit der der Sensor ausgelesen werden kann, deutlich erhöht. Bei solchen Kameras treten daher weniger dieser unangenehmen Nebeneffekte auf.

Der elektronische Verschluss sorgt für Streifen

Wie bereits angesprochen bildet der elektronische Verschluss Streifen – vor allem in Verbindung mit Kunstlicht:

Sony Streifen im Bild mit elektronischem Verschluss
In Verbindung mit dem komplett elektronischem Verschluss kommt es bei Kunstlicht öfter zu Streifenbildung.

Einschränkungen beim Blitzen

Für Fotos mit Blitz ist der lautlose Verschluss ebenfalls weniger geeignet. Die Blitzsynchronzeit ist in der Regel die Verschlusszeit, zu der der Sensor noch komplett offen liegt (und noch nicht nur durch einen kleinen Schlitz belichtet wird).

Durch das Zeilenweise elektronische Auslesen ist ein solcher Moment nicht gegeben. Teilweise ist das sogar vom Kamerahersteller abgesichert: Sobald du die geräuschlose Aufnahme bei der Sony A7III aktivierst, deaktiviert sich daher der aufgesteckte Blitz. Und das auch bei aktiviertem HSS.

Bonus: Den elektronischen Verschluss bei Sony, Canon und Co. einstellen

Vielleicht denkst du dir: Okay, ich habe alle Vor- und Nachteile vom elektronischen Kameraverschluss verstanden. Doch wo stelle ich das nun im Kameramenü ein? Es ist nämlich meist nicht direkt verständlich, was kryptische Abkürzungen wie elekt. 1.verschl.vorh. im Menü bedeuten.

Deshalb zeige ich dir jetzt, wie du das bei beliebten spiegellosen Systemkameras wie der Sony Alpha 7 III, Nikon Z6 II oder Canon R5 bzw. Canon R6 einstellst.

Elektronischen Verschluss in der Canon R5 und Canon R6 aktivieren:

  • Rufe das Kameramenü auf
  • Navigiere ins Menü mit dem Kamera Symbol (erstes Menü)
  • Rufe den 6. Reiter auf
  • Wählen den »Auslöser Modus« aus und setze ihn auf »Elek. 1. Verschl.«. So löst die Kamera den ersten Vorhang elektronisch und den zweiten Vorhang elektronisch aus
  • Wähle alternativ »Mechanisch« um beide Vorhänge mechanisch oder »Elektronisch« um beide Vorhänge elektronisch und dadurch lautlos auszulösen

Elektronischen Verschluss in der Sony Alpha 7 III aktivieren:

  • Rufe das Kameramenü auf
  • Navigiere ins Menü mit dem lila Kamera Symbol (zweites Menü)
  • Rufe den 4. Reiter auf
  • Wählen den »Elekt. 1. Verschl.vorh.« aus und setze ihn auf »Ein«. So löst die Kamera den ersten Vorhang elektronisch und den zweiten Vorhang elektronisch aus
  • Wähle alternativ »Aus«, um beide Vorhänge mechanisch auszulösen. Im selben Menü kannst du die »Geräuschlose Auf.« auf »Ein« setzen, wodurch die Kamera um beide Vorhänge elektronisch und dadurch lautlos auslöst

Elektronischen Verschluss im neuen Sony Menü (ab Alpha 7 IV) aktivieren:

  • Rufe das Kameramenü auf
  • Navigiere ins Menü mit dem roten Kamera Symbol (erstes Menü)
  • Rufe den 7. Unterpunkt »Verschl. / Lautlos« auf
  • Wählen den »Elekt. 1. Verschl.vorh.« aus und setze ihn auf »Ein«. So löst die Kamera den ersten Vorhang elektronisch und den zweiten Vorhang elektronisch aus
  • Wähle alternativ »Aus«, um beide Vorhänge mechanisch auszulösen. Im selben Menü kannst du den »Lautlos-Modus« im Menüpunkt »LautlosModEinst.« auf »Ein« setzen, wodurch die Kamera um beide Vorhänge elektronisch und dadurch lautlos auslöst

Elektronischen Verschluss in Nikon Z Kameras (wie Nikon Z6 II) aktivieren:

  • Rufe das Kameramenü auf
  • Navigiere ins Individualfunktionen Menü mit dem Stift Symbol (vierter Menüpunkt)
  • Rufe den Unterpunkt d »Aufnahme & Anzeigen« auf
  • Wähle unter »Verschlusstyp« die Option »Elektronischer Verschluss auf ersten Vorhang« aus. So löst die Kamera den ersten Vorhang elektronisch und den zweiten Vorhang elektronisch aus
  • Wähle alternativ »Mechanischer Verschluss«, um beide Vorhänge mechanisch auszulösen. Andernfalls kannst du im Fotoaufnahme Menü (zweites Menü mit dem Kamera Symbol) die »Lautlose Aufnahme« aktivieren, wodurch die Kamera um beide Vorhänge elektronisch und dadurch lautlos auslöst

Elektronischen Verschluss in Fujifilm Kameras (wie Fujifilm X-T4) aktivieren:

  • Rufe das Kameramenü auf
  • Navigiere ins Menü »Aufnahme-Einstellung« mit dem Kamera Symbol (dritter Menüpunkt)
  • Rufe den Unterpunkt »Auslösertyp« auf
  • Wähle unter »Verschlusstyp« die Option »EF E-Frontvorh. Versch.« aus. So löst die Kamera den ersten Vorhang elektronisch und den zweiten Vorhang elektronisch aus
  • Wähle alternativ »MS Mechanischer Auslöser«, um beide Vorhänge mechanisch auszulösen. Andernfalls kannst du »ES Elektronischer Auslöser« aktivieren, wodurch die Kamera um beide Vorhänge elektronisch und dadurch lautlos auslöst

Fazit: Diese Einstellungen solltest du verwenden

Wie du siehst, ist jede Einstellung aktuell mehr oder weniger eine eigene Zwickmühle. Jede Art vom Verschluss hat Vor- und Nachteile. Unser Vorteil ist immerhin, dass wir den Verschluss relativ schnell auf jede Aufnahmesituation anpassen können.

Zusammenfassend kann man empfehlen:

Liegt keine Extremsituation vor, so kann man den ersten elektronischen Verschlussvorhang aktiviert lassen und den Hybrid Verschluss nutzen. Dieser ist schnell, relativ leise und gibt ein direktes Fotografie Gefühl. Hier tritt meiner Erfahrung nach auch der Rolling Shutter Effekt oder Streifenbildung bei Kunstlichtern nur sehr selten auf.

Den ersten elektronischen Verschlussvorhang solltest du deaktivieren, wenn du den Fokus auf ein tolles Bokeh legst. Vorallem bei hellem Sonnenlicht und einer resultierenden Verschlusszeit von kürzer als 1/1000S bei offenen Blendenwerten. Sonst wirkt das Bokeh abgeschnitten und unruhig. Auch in Situationen, in denen negative Nebeneffekte wie Streifenbildung (durch Kunstlicht) oder seltsame Verzerrungen bei schnellen Bewegungen (Rolling Shutter) sichtbar werden, sollte komplett mechanisch ausgelöst werden.

Den komplett elektronischen Verschluss kannst du wählen, wenn weder schnelle Bewegungen, Kunstlicht oder Blitzlicht vorliegen. So kann die Kamera oft schnellere Serienfotos machen und komplett ohne Geräusch (und damit ohne Störung) fotografieren. Ich finde es allerdings für Porträts nicht ganz so vorteilhaft, da durch das fehlende Verschlussgeräusch kein Feedback für das Model erfolgt.

Zum Ende möchte ich euch noch das Video von Staphan Klapszus nahelegen. Er hat hier sehr gute Arbeit geleistet und konnte mir auch einige Infos für diesen Beitrag liefern. Er erklärt das ganze wirklich sehr ausführlich und gleichzeitig sehr verständlich. Er veranschaulicht auch, wie das mit dem kaputten Bokeh bei kurzen Verschlusszeiten zustande kommt. Schau dir also unbedingt noch das Video an:

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Häufige Fragen zum Verschluss

Kann ich auch eine Spiegelreflexkamera komplett lautlos auslösen?

Die komplett geräuschlose Aufnahme ist den spiegellosen Systemkameras vorbehalten. Klassische Spiegelreflexkameras wie z.B. die Canon 90D können nicht lautlos auslösen. Viele DSRL Kameras haben oft lediglich einen leisen Modus, bei dem der Spiegel etwas sanfter schlägt.

Wie funktioniert ein mechanischer Verschluss?

Der mechanische Verschluss (auch Shutter genannt) besteht aus zwei Metallbauteilen, die die Belichtung des Sensors steuern. Vor der Belichtung verdeckt der erste Verschlussvorhang den Sensor. Bei der Auslösung gibt dieser dann den Sensor frei, wodurch die Belichtungszeit startet. Der zweite Verschlussvorhang beendet die Verschlusszeit. Beim Schlitzverschluss wird die Sensorfläche immer von oben nach unten belichtet, da sich die Verschlussvorhänge immer in diese Richtung bewegen.

Haben spiegellose Kameras einen Verschluss?

Auch spiegellose Systemkameras besitzen zwei mechanische Verschlussvorhänge. Darüber hinaus kann aber der erste Verschlussvorhang oder auch beide elektronisch erfolgen (elektronischer Shutter).

Was macht der Shutter Speed?

Shutter Speed ist im deutschen schlichtweg die Belichtungszeit. Sie gibt an, wie lange Licht auf den Sensor fällt Auf mechanischer ebene vom Kameraverschluss ist das die Zeit, die zwischen erstem und zweitem Verschlussvorhang vergeht und der Sensor dadurch offen liegt. Während dieser Zeit ist eine Belichtung möglich.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

7 Gedanken zu „Mechanischer oder elektronischer Verschluss? Den Kameraverschluss in 5 Lektionen verstehen“

  1. Ich wollte den Unterschied der Verschlüsse verstehen und lese hier viel Gutes aber denke, das hier ist ein Fehler bzw. Widerspruch:
    “Viele Kameras, wie die Sony A9, sind darauf ausgelegt, überwiegend lautlos und schnell zu fotografieren. Dadurch wurde hier die Geschwindigkeit, mit der der Sensor ausgelesen werden kann, deutlich reduziert. Bei solchen Kameras hat man daher weniger dieser unangenehmen Nebeneffekte.”

    Wurde nicht die Geschwindigkeit erhöht und so hat sich die Dauer reduziert (um den Sensor auszulesen)?

    Gruß
    Richard

    Antworten
  2. Vielen Dank für den Beitrag.

    Den Rolling Shutter Effekt sehe ich bei meiner GFX sehr häufig, allerdings habe ich selten Banding.
    Ich nutze auf Hochzeiten im Standesamt fast nur den elektronischen Shutter bei 1/500 und versuche ein ruhiges Händchen zu haben. Dann ist das eine super Sache.

    Am besten wäre ein Leaf- oder Globalshutter für Vollformat

    Antworten
  3. Danke für die gut verständliche und sehr anschaulich bebilderte Erläuterung. Besonders die Auswirkungen des ersten elektronischen Verschluss”vorhangs” auf das Bokeh waren mir nicht bewusst und sind sehr anschaulich dargestellt. Auch den Grund, warum ein elektronischer Verschluss nicht dazu taugt, die Blitzsynchronzeit zu verkürzen hast Du super erläutert.

    Eine kleine Ergänzung von meiner Seite: In manchen aktuellen DSLR-Kameras kann man heute durchaus auch elektronische Verschluss”vorhänge” nutzen, ohne gleichzeitig auf Live-View zu wechseln. Beispielsweise bietet Pentax in der KP einen vollelektronischen Modus an (der sich im deutschsprachigen Menü bekloppterweise hinter dem Begriff ‘elektronische Blende’ verbirgt). Natürlich ist das dann nicht geräuschlos (der Spiegel…) aber er ermöglicht eben extrem kurze Belichtungszeiten.

    Herzliche Grüße: Stefan

    Antworten
  4. Lieber Markus,

    herzlichen Dank für dies ausführliche Erklärung zum Thema Kameraverschluss. Auch wenn ich das alles schon einmal gehört hatte, war diese Auffrischung von Dir besonders wertvoll. So toll erklärt kann das auch ein Nicht-Profi gut verstehen und damit ggf. seine Resultate positiv beeinflussen! :-)

    Ich freue mich auch Deinen nächsten Beitrag und grüsse Dich herzlich aus Basel in der Schweiz!
    Jakob

    Antworten

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