Vollformat vs APS-C – Leitfaden von Bedeutung, Vergleich der Tiefenschärfe bis zur Crop Faktor Umrechnung

Am in veröffentlicht. Aktualisiert am 18.05.2022

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Du bist dir nicht sicher, ob eine APS-C oder Vollformat Kamera besser zu dir passt? Ist der Unterschied wirklich so dramatisch, wie alle sagen? In diesem Artikel wirst du das herausfinden.

Über nichts wird bei der Kameraausrüstung häufiger diskutiert, als über die Sensorgröße: Vollformat vs APS-C Kamera. Und das nicht ohne Grund – denn der Kauf will gut überlegt sein. Wegen dem günstigeren Preis gilt die APS-C Kamera als solide Einsteigerkamera.

Dennoch gibt es sehr wohl auch APS-C Kameras für den Profi. Aber oft auch Vollformat-Schnäppchen. Daher beantworte ich in diesem Beitrag die entscheidende Frage:

Was passt besser zu dir und deiner Fotografie?

Wer mir schon etwas auf dem Blog folgt weiß, dass ich aktuell sowohl mit Vollformat (Sony), als auch APS-C (Fujifilm) fotografiere. Daher kenne ich beide Sensoren ziemlich gut. Ich zeige dir aus meiner Erfahrung, welches System möglicherweise für dich besser geeignet ist.

Zuerst möchte ich dafür die Bedeutung und den Unterschied erklären. Anschließend zeige ich dir im Abschnitt der Praxis-Herleitung, wie der Unterschied im Bildlook genau entsteht.

Was bedeutet APS-C oder Vollformat überhaupt?

APS-C und Vollformat sind erst einmal zwei abstrakte Begriffe, die an sich einfach und schnell erklärt sind. Dennoch sind die Auswirkungen aus die Bilder oft ziemlich dramatisch (das zeige ich gleich noch).

Als die Fotografie damals erfunden wurde, waren die eingelegten Filme riesig. Und entsprechend groß waren die ersten Kameras. Erst mit der Erfindung der kleineren Filmrollen wurde die Fotografie der breiten Masse zugänglich. Denn erstmal konnte man diese 35mm (so breit war der Filmstreifen) Kamera einfach in die Tasche stecken und mitnehmen. Auf diesem Film wurden Bilder in der Größe von 36mm x 24mm ausbelichtet – das Kleinbild entstand.

APS-C oder Vollformat - Ursprung im Kleinbild
35mm Film: Der Ursprung von Vollformat liegt im Kleinbild-Format

Mit der Erfindung der digitalen Kamera wurden Sensoren in der selben Größe dieses Kleinbild-Films gebaut. Nur erfolgte beim digitalen Sensor die Umbenennung in Vollformat. Daher ist Vollformat im Mund vieler Fotografen das Maß aller Dinge.

Kleinbild und Vollformat bieten beide eine Film bzw. Sensorfläche von 26mm x 24mm.

Bei dieser doch relativ großen Sensorfläche gab es nur ein Problem: Die Herstellungskosten. Je größer ein Sensor ist, desto mehr kostet er. Daher entwickelten sich auch kleinere Sensoren, bei denen die Sensorfläche einfach noch etwas verkleinert wurde. So entstand der APS-C Sensor. Dieser zeigt durch die geringere Größe nur einen Anschnitt des Vollformat-Sensors.

Sensorgrößen im Überblick: MFT, APS-C, Vollformat, Mittelformat

Der Unterschied zwischen APS-C und Vollformat sind also erst einmal nur die Sensor-Abmessungen. Daraus ergibt sich, dass Vollformat etwas mehr Fläche gegenüber dem APS-C Sensor besitzt. Was banal klingt, hat weitreichende Auswirkungen auf den Look und die Qualität der Bilder, die mit dem jeweiligen Sensor entstehen.

Merke: APS-C und Vollformat bezeichnen im Grunde zwei verschiedene Sensorgrößen. Vollformat ist dabei etwas größer als APS-C.

Selbes Objektiv, andere Brennweite: Der APS-C Crop Faktor

Bei vielen Herstellern kannst du dasselbe Objektiv durch den einheitlichen Objektivanschluss sowohl mit einem APS-C oder Vollformat Sensor verwenden. Die Bilder werden trotz desselben Objektivs im Anschluss komplett unterschiedlich aussehen.

Das Objektiv liefert zwar in beiden Fällen dasselbe Bild, z.B. von einer Landschaft. Während der Vollformat-Sensor das Bild allerdings bis zum Rand aufnimmt, zeigt der APS-C Sensor nur einen Anschnitt davon.

Crop Faktor APS-C zu Vollformat Umrechnung
Vergleich: Gesamte Vollformat-Fläche gegenüber APS-C Ausschnitt

Dadurch »zoomt« der APS-C Sensor etwas näher heran. Wie weit das ist, gibt der sogenannte Crop-Faktor an. Diese Zahl ergibt sich durch das Größenverhältnis beider Sensorflächen. Von APS-C auf Vollformat liegt dieser Faktor meistens bei 1,5.

Effektiv besitzt jedes Objektiv bei einem APS-C Sensor das 1,5-fache der ursprünglich verwendeten Brennweite. Diese Brennweiten Umrechnung von APS-C auf Vollformat nennt sich auch Vollformat-Äquivalent.

Wenn du beispielsweise mit einer APS-C Kamera dasselbe Landschaftsfoto bei 35mm Brennweite aufnehmen möchtest, musst du andersherum 35mm durch 1,5 teilen. Durch diese Umrechnung erhältst du du 23mm, das du dafür auf APS-C verwenden müsstest. Daher baut z.B. Fujifilm nicht rein zufällig genau eine 23mm Brennweite. Sondern um am Ende äquivalent zur weit verbreiteten 35mm Brennweite aufzunehmen.

Merke: Um Brennweiten zwischen APS-C und Vollformat vergleichen zu können, wird die Brennweite des Objektivs vor dem APS-C Sensor mit 1,5 multipliziert. Dann erhältst du die mm-Zahl der Brennweite äquivalent zu Vollformat.

Unten im Praxisteil zeige ich dir, dass nicht nur die Brennweite umgerechnet wird. Auch die Blende muss entsprechend umgerechnet werden. Dazu gleich mehr.

Die Vor- und Nachteile der beiden Sensorgrößen

Wieso diskutieren alle über Vollformat oder APS-C Kameras, wenn es nur um etwas Sensorgröße geht? Ja, es klingt erst einmal banal. Doch dieses bisschen Sensorfläche sorgt dafür, dass die Kameras komplett unterschiedliche Bilder aufnehmen.

Zur Übersicht möchte ich kurz beschreiben, welche Vorteile jede Kamera dadurch erhält.

Vorteile der Vollformat Kamera

  • Nahe am authentischen Bildlook von 35mm Film (selbe “Sensorgröße”)
  • Mehr Bildschärfe, Details und Farbtiefe
  • Weniger Tiefenschärfe, weicheres »Bokeh« für Portraits
  • Weniger ISO Rauschen
  • Höhere Bildqualität / mehr RAW-Reserven zur Bearbeitung
  • Keine Crop Faktor Rechnerei

Da meist die Nachteile von Vollformat Pluspunkte für APS-C sind, komme ich direkt zu den Stärken von APS-C Kameras.

Vorteile der APS-C Kamera

  • Teilweise geringere Größe und Gewicht (Kamera als auch Objektive)
  • Teilweise günstigerer Preis (nicht bei Fujifilm)
  • Crop Faktor bei Tele-Aufnahmen nützlich
  • Bei Bedarf mehr Tiefenschärfe

Je nach deiner fotografischen Richtung werden einzelne Aspekte mehr oder weniger wichtig. Noch mehr Details zu allen Vor- und Nachteilen gibt es in den Beiträgen über die Eigenschaften von Vollformat Sensor und APS-C Sensor.

Praxis Herleitung: Entsteht die unterschiedliche Tiefenschärfe wirklich im Sensor?

Ja – auch die Bildqualität der APS-C Sensoren hat sich über die letzten Jahre extrem verbessert. Die meisten Fotografen schätzen allerdings bei Vollformat eher den Bildlook. Hier kannst du grob gesagt den Hintergrund noch etwas unschärfer gestalten. Die Gestaltung mit geringerer Tiefenschärfe eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Fotografie.

Doch wie entsteht dieser Unterschied überhaupt? Und inwiefern ist der Sensor selbst dafür verantwortlich? Beziehungsweise: Ist er das überhaupt?

Um das herauszufinden, habe ich ein Experiment gestartet und nehme dich mit, auf die Spuren des Vollformat-Bildlooks.

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Mein Tiefenschärfe Testaufbau

APS-C oder Vollformat Testaufbau

Für diesen Test habe ich meinen Spyder Lenscal aufgebaut. Dieses Testchart zeigt eigentlich, ob ein Objektiv den Schärfepunkt richtig trifft (oder ob eine Kalibrierung notwendig ist). Durch die Skala im 45° Winkel lässt sich aber auch die Unschärfe von Objektiven gut ablesen. Fokussiert wird immer auf die große Fläche mit den schwarz-weißen Quadraten.

In diesem Test ist aber der Schärfeabfall durch die leichte Neigung der Kamera nach vorne am Lenscal nicht identisch. Achte daher bei den folgenden Tests vor allem immer darauf, wie unscharf die vordere (untere) Zahl 6 ist. Dadurch wird im Vergleich deutlich, welches Foto den stärkeren Schärfeabfall hat. Bzw. welches Foto größere oder geringere Tiefenschärfe besitzt.

Um den Aufbau nicht zu steril wirken zu lassen, habe ich auch noch ein paar natürliche Indikatoren eingesetzt. In meinem Fall sind das Planzen und eine Lichterkette. Auch die Palme im Hintergrund zeigt gut an, wo mehr Unschärfe vorhanden ist. Beleuchtet wurde das ganze durch mein LED Dauerlicht Panel.

Achtung: Trotz aller Präzision kommt es allein durch die unterschiedlichen Hersteller zu Toleranzen bei diesem Test. Nicht nur, dass z.B. Sigma Objektive immer gefühlt einen Millimeter näher als native Sony Linsen abbilden. Auch von Fuji aus können solche Differenzen gegenüber zu Sony auftreten. Auch variieren die verschiedenen Sensoren u.a. in der Abbildung vom Bildlook und Farben. Dennoch belegt der Vergleich durch den Sony APS-C Modus alle Beobachtungen.

Den Crop Faktor bei selber Brennweite durch Neupositionierung ausgleichen

Oben habe ich dir schon beim Landschaftsbild gezeigt, wie unterschiedlich der Anschnitt zwischen APS-C und Vollformat Sensor ist. Zum Einstieg will ich genau das noch einmal im Aufbau zeigen.

Dafür mache ich je ein Foto mit dem selben Objektiv von der selben Position aus. Jedoch einmal mit Vollformat und einmal mit APS-C Sensor. Für mehr Präzisionnutze ich dafür den APS-C Modus der Sony. Dadurch schneidet die Kamera auf das APS-C Niveau zu und »zoomt« ins Bild.

Vollformat vs APS-C Kamera Vergleich
Sigma 35mm 1.4 an der Sony A7III
APS-C vs Vollformat Kamera Vergleich
Sigma 35mm 1.4 an der Sony A7III im APS-C Modus

Es ist klar ersichtlich: Der engere APS-C Anschnitt bringt dich näher an das Motiv heran. Bei Betrachtung des Hintergrunds siehst du, dass es in der Tat die selbe Unschärfe bzw. Bokeh ist.

Grundsätzlich macht das Objektiv zweimal das selbe Foto – der Crop Sensor zeigt allerdings nur einen engeren Anschnitt vom Bild als die Vollformat Kamera.

Soweit ist es logisch.

Wenn du aber jetzt mit beiden Kameras den selben Bildanschnitt aufnehmen möchtest, muss die Vollformat-Kamera bei selber Brennweite näher an das Motiv heran. Im Testaufbau stand die Vollformat-Kamera wesentlich näher am Testchart als die APS-C Kamera. So, dass der Anschnitt wieder identisch war und das Testchart gleich groß abgebildet wird.

Dadurch muss das Objektiv nun wesentlich näher fokussieren. Die Fokusdistanz der Vollformat-Kamera ist durch die Nähe zum Motiv wesentlich geringer als die der APS-C Kamera.

Das macht nun eine weitere optische Eigenschaft sichtbar: Je näher du an einem Objekt bist und scharf stellst, desto geringer wird die Tiefenschärfe. Dadurch wird der Hintergrund etwas unschärfer, der Bokeh Effekt erscheint weicher.

Und das ist der erste Schritt, um den Vollformat Look zu verstehen.

Vorher: Sigma 35mm @ F1.4 im Crop Modus / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 mit ausgeglichenem Abstand

Zoom auf die Bildmitte – Vorher: Sigma 35mm @ F1.4 im Crop Modus / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 mit ausgeglichenem Abstand

Dieser Vergleich dient dem grundlegenden Verständnis. Durch die Abstandsveränderung wird das Bokeh beim näher fokussierten Bild etwas weicher. Wir halten also fest:

Der APS-C Crop Faktor muss bei selber Brennweite für den selben Bildanschnitt durch Verringerung des Abstands zum Motiv ausgeglichen werden. Dadurch hat das Objektiv auf Vollformat eine kürzere Fokusdistanz. Die Tiefenschärfe nimmt ab – der Hintergrund wird unschärfer.

Durch deine eigene Bewegung kannst du also den Crop Faktor ausgleichen. Das klingt ziemlich unpraktisch. Im Alltag läuft es daher auf das raus, das jetzt folgt.

Den Crop Faktor über angepasste Brennweiten ausgleichen

Das Objektiv macht das Bild, das den Vollformat-Sensor komplett ausfüllt. Der APS-C Sensor croppt in dieses Bild entsprechend hinein.

Im Alltag wäre es aber sehr unpraktisch, für den selben Blickwinkel mehr laufen zu müssen. Stattdessen willst du, egal mit welcher Kamera, einfach nur den gewünschten Bildwinkel abbilden. Du möchtest den selben Bildanschnitt haben und über die entsprechende Brennweite erhalten – egal mit welcher Kamera.

Daher bauen die Hersteller wie gesagt für APS-C Kameras immer Objektive unter Berücksichtigung des Crop-Faktors. Der Cropfaktor (x1,5) ist dabei schon mit eingerechnet. Wenn du also einen Bildanschnitt bzw. Winkel von einem 35mm Objektiv (Vollformat) möchtest, solltest du für APS-C das erwähnte 23mm Objektiv kaufen. Multiplizierst du 23mm mit 1,5 – so erhältst du wieder 34,5mm – also 35mm. Immer wenn du solche seltsamen Brennweiten für Festbrennweiten entdeckst, handelt es sich zu 90% um ein Objektive speziell für APS-C Kameras.

So musst du nicht mehr wie beim ersten theoretischen Beispiel deine Position im Raum verändern. Stattdessen erhältst du den selben Blickwinkel durch die angepasste Brennweite.

Was bedeutet das nun aber für den Bildlook? So viel vorneweg: Die Fokusdistanz bleibt dadurch dieselbe.

Hinweis: Beim selben Hersteller lassen sich Vollformat-Objektive auf beiden Sensoren verwenden. Spezielle APS-C Objektive passen andersherum aber nicht auf Vollformat-Kameras.

Vergleich in der Praxis: Fujifilm 23mm 1.4 vs Sigma 35mm 1.4 Art

In der Praxis vergleichen wir in diesem Beispiel mein Fujifilm 23mm 1.4 an der Fujifilm X-T2 mit dem Sigma 35mm 1.4 Art an der Sony A7III. Klar, die RAW Reserven oder Low Light Performance der Sensoren will ich hier gar nicht gegenüber stellen. Hier ist die Sony überlegen (auch dadurch, da ich eben nicht das neue X-T4 Modell habe – zwei unterschiedliche Generationen zu vergleichen wäre sowieso unfair).

Viel mehr soll es wieder nur um die Objektive gehen. Um den selben Bildanschnitt zu bekommen (der in der alltäglichen Verwendung der wichtigste Faktor bei der Objektivwahl ist), benötigen wir zwei unterschiedliche Brennweiten.

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Zoom auf Bildmitte: Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Spielt es nun aber eine Rolle, dass der Sensor zum einen ein Vollformat, zum anderen ein APS-C Sensor ist? Jetzt kommen wir zurück zur Herleitung von oben – und zwar wird das Bild mit allen Eigenschaften wie Hintergrundunschärfe immer noch vom Objektiv generiert. Was würde aber passieren, wenn wir an der Sony jeweils ein Bild mit einem 23mm 1.4 mit einem 35mm 1.4 gegenüberstellen würden?

Vorher: Sony 24mm @ F1.4 an Sony A7III im Crop Modus / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Zoom auf Bildmitte: Vorher: Sony 24mm @ F1.4 an Sony A7III im Crop Modus / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Da es für Vollformat keine 23mm Objektive gibt, bin ich im folgenden Beispiel auf mein Sony 24mm 1.4 GM Objektiv ausgewichen. Beim 24mm habe ich ein Foto mit aktiviertem Crop Modus an der Sony fotografiert. Nun haben wir zweimal mit dem selben Sensor fotografiert.

Dadurch wird deutlich: Durch die verminderte Brennweite ist die Bokeh Charakteristik eben auch anders – und erscheint weniger “satt”. Wie in meinem kompletten Brennweiten Vergleich Beitrag beschrieben, besitzen höhere Brennweite auch eine höhere Bildkompression sowie größeren Unschärferadius. Dadurch erscheint das Bokeh weicher, die “Bokeh”-Bälle der Lichterkette größer.

Zwischenfazit: Kommt der Vollformat Look vom Sensor oder nur durch die Brennweite vom Objektiv?

Und da haben wir nun den Salat. Obwohl wir den selben Bildwinkel durch diese beiden Objektive haben – der Bildlook ist komplett unterschiedlich. Das kommt davon, dass wir eben auch von Grund auf verschiedene Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten verwenden müssen. Das Vollformat Objektiv ist allerdings durch die höhere Brennweite eben mit einer etwas weicheren Unschärfe belegt.

Je höher die Brennweite, desto höher der Unschärferadius, desto weicher die Hintergrundunschärfe.

Willst du mit dem selben Objektiv an beiden Systemen den identischen Anschnitt, müsstest du wie im ersten Beispiel mit Vollformat näher herangehen. Doch auch so würde der Hintergrund durch die geringere Fokusdistanz wieder unschärfer als bei der APS-C werden.

Das ist nun die ausführliche Variante, hergeleitet über das Objektiv und verschiedene Brennweiten. Da das nun doch immer etwas ausführlicher zu erzählen ist, bleibe ich bei meiner kurzen Aussage aus dem ursprünglichen Vollformat Beitrag:

Vollformat macht einfach etwas weichere Hintergrundunschärfe.

Auch wenn es nur indirekt etwas mit dem Sensor zu tun hat – vielmehr mit dem Objektiv.

Auch die APS-C Blende äquivalent zum Vollformat umrechnen

Meistens spricht man durch diese unterschiedliche Ausprägung der Tiefenunschärfe im Foto von verschiedenen Blenden. So wird nicht nur die Brennweite der APS-C Kamera mit dem Crop Faktor multipliziert, sondern auch der Blendenwert. Bei der Fujifilm ist der Faktor 1,5 – daher folgende Herleitung:

  • 23mm x 1,5 = 34,5mm ≈ 35mm VF Äquivalenz
  • F1.4 x 1,5 = F2.1 ≈ F2.2 VF Äquivalenz

Daher blende ich im folgenden Beispiel das Sigma 35mm 1.4 Art auf 2.2 ab und stelle es mit der Hintergrundunschärfe vom Fuji 23mm 1.4 auf Offenblende gegenüber:

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F2.2 an Sony A7III

Zoom auf Bildmitte – Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F2.2 an Sony A7III

Im Vergleich zum Sigma auf Blende 2.0 würde das ganze übrigens so aussehen:

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F2.0 an Sony A7III

Zoom auf Bildmitte – Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F2.0 an Sony A7III

Ich denke aber das Fujifilm Objektiv auf Offenblende gleicht eher dem Sigma auf Blende F2.2. Wie gesagt haben wir auch immer eine leichte Toleranz durch den Millimeter Differenz in der Brennweiten. Auch durch die unterschiedlichen Kamera- und Objektivhersteller also nicht zu genau nehmen.

Und genau davon spreche ich auch allgemein beim Vergleich vom Vollformat vs APS-C: Um die selbe Schärfentiefe zu erhalten, muss ich mein F1.4 Vollformat Objektiv bereits um einige Blendenstufen abblenden. Dadurch erhöht sich die Bildschärfe bereits enorm. Im Gegensatz zum APS-C Objektiv, das auf Offenblende noch nicht die volle Abbildungsleistung liefert. Das ist natürlich auch von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich.

Und im Notfall habe ich bei Vollformat noch eine Unschärfe-Reserve und kann die Blende auch wieder bis F1.4 öffnen.

Bildlook-Vergleich in der realen Welt: Vollformat vs APS-C

Genug der Theorie – nun geht es hinaus in die echte Welt. Dafür habe ich jeweils aus der selben Position das Foto jeweils mit dem 23mm an der Fujifilm und dem 35mm an der Sony gemacht. Auf ein Stativ habe ich allerdings verzichtet. Dennoch habe ich mich nicht bewegt und eben probiert, was im realen Leben jeweils mit der einen oder anderen Kamera herauskommen würde.

Alle Fotos folgenden wurden in Lightroom mit meinem THO Lightroom Preset Paket bearbeitet. Mit diesen Presets gelingen solche Moody Bildlooks in wenigen Sekunden. Im Folgenden kannst du auch vergleichen, wie die Looks etwas mit Sony und Fujifilm Farben variieren. Wenn auch dir solche Moody Bildlooks gefallen, möchte ich dir das Preset Paket an dieser Stelle wirklich empfehlen.

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Im oberen Beispiel sieht man, wie z.B. auch stark ablenkende dicke Linien (Baum im Hintergrund) bei der Vollformat Aufnahme weniger störend wirken.

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Achte immer direkt auf den Hintergrund: Siehst du, wie die Unschärfe bei der Sony Vollformat Kamera immer einen Ticken weicher erscheint?

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Vorher: Fujinon 23mm @ F1.4 an der Fujifilm X-T2 / Nachher: Sigma 35mm @ F1.4 an Sony A7III

Fazit: Vollformat oder APS-C Kamera kaufen?

Okay, das war nun wieder eine ganze Menge Slider-Gewurstel. Was kannst du dir daraus ableiten?

Im direkten Vergleich siehst du, dass der Bildlook der Vollformat-Kamera noch etwas räumlicher und schmeichelhafter aussieht. Das Objektiv zeichnet den Hintergrund einfach noch etwas weicher. Ich persönlich mag dieses kleine Extra an weicherem Bokeh.

Unterschied Vollformat APS-C Sensor
Bokeh von Vollformat Kameras – hier mit einem 85mm 1.4 Objektiv

Wie auch im Vorteile von Vollformat Kameras Beitrag beschrieben fotografiere ich dadurch auch beruflich lieber mit Vollformat. So lassen sich leichter unschöne Dinge im Hintergrund ausblenden, Geschichten durch Fokus besser erzählen. Auch ist die Bildqualität immer ein Fünkchen besser – vor allem bei Aufnahmesituationen bei wenig Licht.

Dennoch kommt es auch immer darauf an, ob du diese Eigenschaften überhaupt brauchst. Ich sehe die Vorteile dadurch nämlich vor allem im Porträt- und Reportagebereich. In vielen anderen Bereichen sieht man dem Foto nachher nicht mehr an, ob es mit APS-C oder Vollformat Sensor aufgenommen wurde.

Beispielsweise bei Landschafts- und Reisefotografie bieten APS-C Kameras oft sogar einen Vorteil: Zwar gibt es mittlerweile auch relativ leichte Vollformat Setups – die APS-C Kameras sind oft dennoch etwas leichter und kompakter. Neben dem oft teureren Anschaffungswert ist vor allem das höhere Gewicht der Preis, den du bzw. deine Schultern dafür jeden Tag zahlen müssen.

Stell dir also die Frage, wie oft du die Mehrleistung an Bildqualität und Bildlook überhaupt benötigen wirst. Wie oft hast du die Reserven durch Gewicht und Geld zwar bezahlt, brauchst sie aber nicht? Oder kommst du tatsächlich ständig in Situationen, in denen du die Vollformat-Reserven abrufen musst?

So will ich das Ganze nun stehen lassen – meine Wahl ist also für Portraits und Reportage das Sony Vollformat System, für Reise in der Regel das leichtere Fujifilm System. Natürlich spielt die Wahl des Objektivs auch eine große Rolle – und wie gesagt: Die Blende muss auch umgerechnet werden. So könnte dir auf Reisen z.B. auch das leichtere F1.8 Objektiv statt dem F1.4-Brummer auf der Vollformat Kamera reichen.

Links zur verwendeten Ausrüstung

Ein kleines Zugeständnis am Ende: Es ist natürlich schwierig, zwei Kameras von zwei Herstellern mit zwei unterschiedlichen Sensoren und Objektiven gegenüber zu Stellen. Hier kommt es wie oben erwähnt immer wieder zu kleinen Toleranzen. Dennoch werden alle Behauptungen aus dem Beitrag auch durch die selben Beobachtungen bei Verwendung des APS-C Modus bei der Sony gestützt.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

15 Gedanken zu „Vollformat vs APS-C – Leitfaden von Bedeutung, Vergleich der Tiefenschärfe bis zur Crop Faktor Umrechnung“

  1. Schöner Artikel und gut dargestellt.
    Allerdings gibt es einen genannten Vorteil der APS-C Kameras der nur bedingt gilt. Oder nicht mehr so häufig zutrifft. Die Größe und das Gewicht.
    Ich bin von einer D7500 umgestiegen auf eine Z6.
    Die D7500 mit 17-50/s,8 von Sigma wiegt 1285kg.
    Die Z6 mit 24-70/4 wiegt 1175kg.
    Vergleichbare Brennweite dank Crop. Aber in diesem Fall ist die Vollformat kleiner und leichter.

    Antworten
  2. Äquivalenz in der Fotografie bedeutet nicht,daß man mit zwei unterschiedlichen Formaten(z.B.APS/KB) bei entsprechenden Einstellungen gleiche Bilder bekommt,lediglich der Bildauschnitt und die Schärfentiefe ist hierfür mathematisch vergleichbar gemacht worden.Man kann zwei völlig unterschiedliche Objektive eben physikalisch nicht gleich machen,die Lichtmenge(lumen) die z.B. durch ein Großformatobjektiv bei Blende=16 hindurchgeht ist größer als bei einer Kompaktkamera bei Blende=2,selbst die physikalische Lichtstärke(Candela) bei APS/KB mit gleicher Blende ist nicht gleich,da wird von vielen etwas falsches erwartet.

    Antworten
  3. Danke für deine ausführliche Beschreibung und Arbeit.
    Das hat mir sehr geholfen. Den direkten vergleich habe ich so noch nicht gesehen.
    Ich such eine immer dabei Kamera. Es wird eine Fuji sein.
    Alles andere bleibt bei VF.

    Beste Grüße Andreas

    Antworten
  4. Hallo Markus,

    Ein sehr gelungener Artikel und die Vergleichsfotos sind super. Eine Variable hast du wohl aber nicht betrachtet: der Cropfaktor ist auch auf die Blende anzuwenden, dh eine 1.4 wirkt auf APS-C wie 2.1 auf Vollformat, sowohl was Lichtausbeute als auch Bokeh angeht. Daher kommen auch die Bild Look Unterschiede zustande. Natürlich verändert sich dann wiederum die Tiefenschärfe. Insofern bleibt die Aussage zu unterschiedlichen Looks weiterhin erhalten.

    Beste Grüße
    Nikolaus

    Antworten
    • Hallo Nikolaus,

      genau diese Gegenüberstellung habe ich unter der Zwischenüberschrift “APS-C Blende äquivalent zum Vollformat umrechnen” gemacht. Vielleicht hast du diesen Teil überlesen.

      Viele Grüße,
      Markus

      Antworten
    • Schöner Artikel und hervorragende Blogs.
      Die Gegenüberstellung macht den kleinen aber entscheidenden Unterschied deutlich.
      Wenn es aber um ein Maximum an Freistellung mit APS-C geht, kann ich z. B. mein altes Minolta 50mm 1.2 plus Speedbooster (Viltrox) hernehmen und habe damit eine Lichtstärke von 0.85.
      Klar leidet die Scharfzeichnung, aber eine Weichzeichnung (Haarspray) ist ja oft durchaus erwünscht. Das kann auch Vollformat kaum besser und würde man dem fertigen Bild nicht ansehen.

      Antworten
  5. Hi Markus
    Wie immer super geschrieben
    Und die Vergleichsbilder bringen einem viel und man kann deutlich ganz schnell den Unterschied erkennen. Danke für die viele Arbeit,
    Aber da kommt es wirklich auf die Vorlieben an
    Nach wie vor liebe ich meine Fujis.
    Der Vollformatlook ist für mich kein Kaufkriterium. Bei den Fujis ist das Gefühl des Fotografierens einfach ein anderer. Wie damals zu analogen Zeiten. (Aus dieser Zeit komme ich ;))
    Dank nochmal…

    Antworten
  6. Sehr interessant.
    Was mir gerade im direkten vergleich auffällt ist, dass man bei Portraits nicht immer mit Offblende fotografieren muss, obwohl ich das auch gerne macht. Manchmal wirkt die Person irgendwie hineinkopiert. Das hängt natürlich immer vom gewählten Motiv und dem Hintergrund ab.

    Antworten
  7. Das ist ein schöner Artikel, weil er die Auseinandersetzung mit der Materie zeigt. Aber manches sind doch gefühlte Wahrheiten und manches stimmt generalisiert einfach nicht. So ist der Satz für Vollformat “Mehr Bildschärfe,” einfach falsch, das stimmt für MFT wenn man es in Relation setzt. Kleinbildformat, in der Werbung auch Vollformat genannt, hat heute keine Vorteile mehr außer bei der geringen Schärfentiefe bei F1.2 und F1.4 – aber wer braucht das. Alles andere ist physikalisch nicht belegt aber subjektiv empfindbar. Weiter viel Spass beim Fotografieren

    Antworten
    • Servus Mike!

      Ich glaube nicht nur in der Werbung wird Kleinbild Vollformat genannt, sondern seit der digitalen Variante. Die erhöhte Schärfe kommt dadurch, dass ich für die selbe Tiefenschärfe (im Vergleich zu APS-C) bereits auf Blende 2.2 abblende, während das APS-C Objektiv noch auf Offenblende ist. Auf Offenblende bringt ein Objektiv selten schon die Bestleistung. Das ist allerdings auch nicht allgemein gültig und kann je nach verglichenen Objektiven anders ausfallen.

      Viele Grüße,
      Markus

      Antworten
  8. Sehr interessanter Beitrag. Habe einen Adapter für mein altes Leica Objektiv 50mm summarit 1.5 an der M3 für meine Sony Alpha 6000 bestellt und. Bin mal gespannt, ob ich den Leica Look hinbekomme.
    VG Dirk

    Antworten
    • Servus Dirk,

      ein Leica Objektiv ist eine gute Ausgangslage und sicherlich nicht verkehrt. Dennoch war Leica schon immer Vollformat. Aber es wird in die entsprechende Richtung gehen!

      Viele Grüße,
      Markus

      Antworten

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