Die beste Brennweite für Portrait Objektiv: 24mm, 35mm, 50mm oder 85mm?

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Welche Brennweite bzw. welches Objektiv ist das beste für die Portrait Fotografie? Diese Frage bekomme ich immer wieder von Blog Lesern und ich selbst forsche auch immer wieder mit der Bildwirkung verschiedener Brennweiten.

Normalerweise bin ich ein Verfechter von Portraits ab 50mm Brennweite, wenn nicht sogar 85mm. Warum? Weil dann die Proportionen doch noch am besten rüberkommen und das Model am „natürlichsten“ aussieht.

Die beste Brennweite für Portrait Fotografie
Welche Brennweite ist die beste für die Portrait Fotografie? Sony Zeiss 55mm @ F1.8

Jetzt hatte ich aber mit meiner neuesten Anschaffung eines 35mm Objektivs auch hier mit dem Experimentieren angefangen – und ich freunde mich wohl so langsam auch mit weitwinkligeren Brennweiten an.

Diese müssen dementsprechend etwas vorsichtiger eingesetzt werden, um die Personen noch gesund aussehen zu lassen. Oder bieten gerade solche Brennweiten sogar einen interessanteren Bildeffekt?

In diesem Beitrag will ich nun also die verschiedenen Brennweiten aus meinem Arsenal gegenüberstellen: 24mm, 35mm, 50mm oder 85mm – womit lassen sich die besten Portraits fotografieren?

Portrait Brennweiten Vergleich im Youtube Video

Hier findest du das komplette Thema auch als Youtube Video. Also lehn dich zurück und sieh entspannt zu. Abonniere gleich meinen Youtube Kanal, um künftig kein Video mehr zu verpassen:

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Verwendete Ausrüstung

Für diesen Vergleich habe ich die genannten Brennweiten jeweils als Festbrennweite der Sigma Art Serie verwendet. Als Kamera kam meine Sony A7 III zum Einsatz. Dort werden die Sigma Objektive mit nativem Anschluss für Sony E-Mount verwendet. Hier findest du die Objektive auf Amazon (erhältlich für alle Kamera Anschlüsse):

Ich verwende diese Objektive in der Regel im professionellen Einsatz, da sie auf der extrem guten Offenblende von F1.4 bereits eine sehr hohe Bildqualität liefern. Man muss sich hier bei Portraits also keine Sorgen machen, erst abzublenden. Einzig und alleine das Gewicht dieser Objektive ist sehr hoch, was für mich den einzigen Nachteil markiert.

Alle Fotos aus diesem Beitrag sind wie immer mit meinem THO Moody Preset und Profil Paket bearbeitet. Mit diesem erhältst du mit nur einem Klick die Grundlage für einen genialen Farblook. Im zweiten Schritt lässt sich für mehr Variation neben dem Preset auch noch ein Farbprofil auswählen.

Teil 1: Vergleich vom „Zoom Level“

Gerade am Anfang der Fotografie spricht man beim Thema Brennweite davon, wie weit in das Foto „hineingezoomt“ ist, oder wie nah man Objekte „heranholt“. Diese Formulierungen klingen und sind natürlich etwas laienhaft.

Wir wollen stattdessen lieber direkt davon sprechen, welchen Winkel ein Objektiv einfängt. Die Konsequenz davon ist natürlich dann auch, wie „nah“ oder „fern“ bzw. „groß“ oder „klein“ die Person dann abgebildet wird.

Dafür gibt es nun folgende Übersicht:

85mm als Portrait Brennweite
Sigma 85mm @ F1.4
50mm Brennweite für Portrait
Sigma 50mm @ F1.4
35mm Portrait Objektiv
Sigma 35mm @ F1.4
24mm Sigma Art
Sigma 24mm @ F1.4 (sorry, Fehlfokus)

Sinn von unterschiedlichen Brennweiten ist es nun aber natürlich nicht, durch Objektivwechsel herumzuzoomen. Sonst wäre man mit einem Zoomobjektiv besser beraten. Deshalb gehen wir nun weiter in Teil 2.

Teil 2: Vergleich vom Bildwinkel

Wie gerade schon angesprochen wollen wir uns nun den Winkel genauer anschauen. Und dieser bestimmt dann auch maßgeblich die Bildwirkung. Wir wollen nun nämlich die Brennweite ausgleichen, indem wir auch den Abstand je nach Objektiv angleichen. So soll die Person dann auf jedem Foto in etwa gleich groß sein. Wie ich das genau fotografiert habe, siehst du oben im Youtube Video.

So lässt sich der Effekt erkennen, der in folgenden Fotos sichtbar wird:

Sigma 85mm @ F1.4
50mm als Allround Portrait Brennweite
Sigma 50mm @ F1.4
Sigma 35mm @ F1.4
24mm als Objektiv für Portrait Fotografie?
Sigma 24mm @ F1.4

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Es fällt nun erst einmal auf, dass trotz der selben Abbildungsgröße die Bildwirkung komplett unterschiedlich erscheint. Darauf will ich nun noch genauer eingehen und am Ende eine Empfehlung geben.

Das solltest du vor Ort neben der Bildwirkung bei der Objektivwahl beachten

Im Test hatte ich hier auf einem weiten Feld natürlich ein einfaches Spiel bzw. freie Wahl. Ich kann mich frei bewegen und habe genug Platz, eine beliebige Brennweite zu benutzen. Das ist jedoch nicht immer so.

Wenn man z.B. öfter Indoor fotografiert, ist das 24mm oder 35mm Objektiv viel praktischer. Es lässt kleine Räume insgesamt auch größer erscheinen. Man hat so einfach mehr Möglichkeiten, wenn man (auch Outdoor) nicht wirklich viel Platz zur Verfügung hat.

Andersherum spielt das 85mm Objektiv seine Karten aus, wenn man einfach nicht wirklich nah ans Objekt heran kann. Z.B. bei Hochzeitstrauungen, einer Theateraufführung oder wenn z.B. eine Distanz zwischen dir und dem Model ist. Bei Reportagen will man als Fotograf nicht immer der Mittelpunkt sein, weshalb man durch Brennweiten ab 85mm den Abstand wahren kann.

Standbild aus dem Youtube Video – Durch den höheren Abstand bei Teleobjektiven muss man Anweisungen lauter rufen. Auch braucht man viel mehr Platz.

Noch ein Thema ist die Gesprächslautstärke. Bei längeren Brennweiten und Aufnahme von Ganzkörper-Portraits ist man mit 85mm in der Regel schon relativ weit weg. So muss man seine Anweisungen schon sehr Lautstark verkunden – was nicht Jedermann’s Sache ist. Wählt man dagegen ein weitwinkliges Objektiv, kann man schon näher „ins Geschehen“ und muss nicht über ein halbes Fußballfeld brüllen. Stattdessen kann man dann auch wieder mit sanfter Stimme dirigieren.

Der nächste Punkt ist das Thema Blickwinkel und Perspektive. Mit den weitwinkligen Objektiven lassen sich schneller „dramatische“ Blickwinkel (z.B. von unten, oder oben) einnehmen. Bzw. der Effekt wird schnell sehr prägnant wahrnehmbar. Solche extremen Blickwinkel sind mit dem 85mm nur begrenzt möglich. Wenn ich den selben Winkel und Abstand von oben wie mit einem Weitwinkel einnehmen will, brauch ich mit dem 85mm schon eine Leiter. Das 24mm halte ich im selben Winkel mit ausgestrecktem Arm.

Proportionen von der abgebildeten Person

Je näher ich mit einem Weitwinkel an die Person herangehe, desto stärker werden die ursprünglichen Proportionen entfremdet. Wirklich deutlich wird das bei Nahaufnahmen vom Gesicht – wo dann die Nase schnell viel zu groß abgebildet wird.

Ab 50mm hat man hiermit kaum noch Probleme – weshalb man hier nicht mehr gesondert darauf achten muss. Bei den weitwinkligen Objektiven muss man umso mehr auf den Abstand und Winkel achten. Ein paar Zentimeter hin oder her können darüber entscheiden, wie gesund die Person noch aussieht.

Hintergrundkompression und Abstand vom Hintergrund

Beim Betrachten der unterschiedlichen Brennweiten wird schnell deutlich, wie sehr der Hintergrund variiert. Achte also beim anschauen der Fotos explizit auf den Hintergrund.

Beim 85mm sieht es so aus, als würde der Hintergrund direkt hinter dem Model beginnen. Er erscheint sehr nah und komprimiert.

Vorher: 24mm / Nachher: 85mm

Im Gegenzug sieht es beim 24mm so aus, als wäre hinter dem Model noch sehr viel Platz zum Hintergrund. In meinen Augen wirken weitwinklige Fotos von diesem Aspekt her erst einmal sehr räumlich und dreidimensional.

Dagegen erhalte ich beim 85mm allerdings dennoch die schönere Freistellung des Models zum Hintergrund und der Umgebung. Ich finde beide Wirkungen bieten so ihre eigene tolle Charakteristik der räumlichen Abbildung.

Vergleich der Hintergrundunschärfe / Bokeh

Auch die Erscheinung der Tiefenunschärfe ist ein spannendes Thema und fällt direkt auf. Man sagt hier (wie eben schon angedeutet) den Objektiven im leichten Tele bis Telebereich generell eine höhere Separation des Models vor dem Hintergrund zu. Doch wie kommt dieser Effekt überhaupt zustande?

Sigma Art 35mm als Objektiv für Portrait
Bei diesem Foto mit 35mm Brennweite sieht mit etwas Abstand zum Model die Unschärfe, die sich in Form von feinen Bokehbällchen über die Kulisse legt. Ich finde die Unschärfe ebenfalls sehr angenehm und ich kann als Betrachter noch viel vom Umfeld erkennen.

Wenn wir das Bokeh vom 24mm ansehen, fällt auf, dass es sich hier eher um kleinere Bokeh-Kugeln handelt. Dadurch erscheint die Unschärfe oft weniger ausgeprägt als beim 85mm. Bei solchen Telebrennweiten werden die kleinen Bokeh-Kügelchen zu größeren Bokeh-Kugeln. Der Hintergrund verschwimmt hier gefühlt etwas mehr.

Auch das ist auf die Hintergrundkompression zurückzuführen. Der Hintergrund wirkt beim 85mm näher und „größer“. Und dadurch erscheint die Bokehcharakteristik ebenfalls größer und weicher.

Fazit

Mit diesem Beitrag habe ich einen Vergleich zwischen den gängigsten Brennweiten in der Portrait Fotografie gegeben. Was am besten zur eigenen Fotografie passt und welche Bildwirkung bevorzugt wird, ist am Ende jedem selbst überlassen.

Um das herauszufinden, kann es sich lohnen bei einem Zoom Objektiv (falls vorhanden) den Zoomring per Klebestreifen auf eine bestimmte Brennweite zu fixieren. Anschließend fotografiert man 1-2 Wochen ununterbrochen mit dieser Einstellung. So kann man dann kostengünstig für sich herausfinden, welches Festbrennweiten Objektiv in Frage kommt.

Am besten ist es natürlich irgendwann einmal für jeden Einsatzzweck die jeweilige Brennweite zu besitzen. So kann man flexibel zwischen Bildwirkungen wechseln und sich auf die Situation optimal anpassen.

Ich würde nämlich nicht sagen, dass eine Brennweite generell besser oder schlechter ist als eine andere.

Weiter als 24mm (z.B. 20mm) würde ich an einer Vollformat aber dennoch nicht für Personen einsetzen.

Sigma 35mm Art
Sigma 35mm Art

Finale Gegenüberstellung

Brennweiten im Normal- und leichtem Telebereich (50mm und 85mm) verzerren die Proportionen der fotografierten Person nicht (so extrem). Fotografieren ist hier am Anfang tendenziell einfacher, da man nicht ständig auf entfremdete Körperproportionen achten muss. Stattdessen kann man einfach loslegen – egal ob man nah oder weiter weg fotografiert. Allerdings sind mit diesen Brennweiten oft nicht so viele Winkel möglich und manche empfinden die Gesamtbildwirkung nicht als sonderlich „spannend“. Das Bokeh wirkt allerdings sehr gesund und bietet eine gute Freistellung vorm Hintergrund. Oft wird die Umgebung nur noch schemenhaft wiedergegeben.

Anders ist es oft mit Objektiven im unteren Normal- und Weitwinkelbereich (35mm und 24mm). Sie zeigen auf den Fotos noch die Umgebung um die Person herum und bedecken diese mit feinkörnigen Bokeh-Bällchen. So ist diese noch sehr gut zu erkennen (und besitzt dennoch eine angenehme Unschärfe). Durch den weiteren Winkel bekommt man noch mehr von der Umgebung mit. Im Gegenzug muss man aber umso mehr auf die Proportionen der Person achten. Diese werden gerade im Nahbereich oft zu sehr verzerrt. Dieser Effekt kann aber auch manchmal im Positiven genutzt werden, da die Person dadurch im richtigen Winkel auch schlanker wirken kann.

Kaufempfehlung Portrait Festbrennweite

Es sind also zwei völlig verschiedene Welten – und es muss eben zum eigenen Geschmack und Vorhaben passen. Generell empfehle ich mind. zwei Festbrennweiten – gut denkbare Kombinationen wären hier z.B. 24mm* und 50mm* – oder 35mm* und 85mm*.

Wenn das Budget nur für eine Linse reicht, würde ich als erstes zum 35mm oder 50mm raten.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

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