Noch heute in der digitalen Welt fasziniert uns der Bildlook aus analogen Zeiten. Dabei denken wir vor allem an die charakteristischen Farbtöne, die so ein Film mit sich bringt.

Doch der Film Farblook ist noch lange nicht alles. Auch die Objektive waren damals komplett anders. Indem man nur schnell ein paar Presets in der Nachbearbeitung über seine Fotos haut, entsteht das Feeling daher oft noch nicht komplett. Ein weiterer Schritt geht nun dahin, analog Objektive auf die Digitalkamera zu adaptieren.

Hinweis: Da es mir aktuell nicht möglich ist Shootings durchzuführen, zeige ich in diesem Beitrag immer wieder ältere Portrait Fotos, die ich über die Jahre mit analogen Objektiven an digitalen Kameragehäusen aufgenommen habe. Es handelt sich dabei um nachbearbeitete RAW Fotos. Aufnahmen sind ohne den Filter (dazu kommen wir noch) an verschiedenen Kameras (Vollformat & APS-C) entstanden. Nachbearbeitung erfolgte teils mit VSCO, teils mit meinem THO 01 Preset. Alle Fotos ohne Verweis auf RAW Foto kommen direkt als JPG aus der Kamera.
Mit ein paar weiteren Einstellungen in der Kamera und der richtigen Linse ist es nun möglich, den Look typisch analog sogar komplett ohne Nachbearbeitung zu erhalten.
Im Folgenden ein paar JPEG Dateien direkt aus der Kamera:











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Am Ende ist es natürlich eine Geschmacksfrage, aber ich hoffe du spürst das Feeling dieser Aufnahmen. Und das komplett ohne jeglichen Nachbearbeitungsaufwand.
Welche weiteren Schritte nötig sind, um digitale Fotos zu schießen, die zum verwechseln ähnlich zu analogen Fotos aussehen, will ich heute zeigen.

Um auf die Frage zu kommen, wieso man denn nicht gleich analog Fotografiert: Man ist am Ende doch noch etwas flexibler in der digitalen Welt. Man kann mehr experimentieren, ohne dass es pro Schuss Geld kostet und hat die Fotos direkt parat. Ich kann aber auch verstehen, wenn man analog fotografiert, um das eben nicht zu haben.
Oft macht gerade die Spannung und eben das Abstrakte den Reiz aus. Dennoch gibt es viele Fotografen, die gerne den Bildlook hätten, aber nicht gleich tief in das analoge Handwerk einsteigen möchten. Und genau an die ist der Beitrag adressiert.
Inhaltsverzeichnis
Ausrüstung für analogen Bildlook aus der digitalen Kamera
Ich komme gleich noch zu jedem dieser Produkte im Detail und was es genau macht. Anfangs möchte ich nur einen Überblick geben, was in diesem Beitrag verwendet wird. Und was du gegebenenfalls brauchst, um das ganze selbst auszuprobieren.
- Fujifilm X-T2 Kamera* (oder andere Kamera)
- Revueflex 55mm 1.8 Analogobjektiv (weitere Empfehlungen folgen unten)
- M42 – FX Adapter* oder Lens Turbo Adapter*
- UV-Filter*
- Haarspray*

Prolog I: Das Gefühl beim analogen Fotografieren
Wie gerade schon angedeutet: Viele Leute (und auch ich) fotografieren analog dem Gefühl wegen. Der Prozess als solcher (unabhängig vom Ergebnis) reizt einfach sehr.
Gerade weil man weiß, dass man nicht unendlich viele Fotos machen kann, regt zum Nachdenken vor jedem Foto an. Noch spannender wird es dadurch, dass man das Ergebnis erst einige Zeit später sieht. Vorher ist es eher ein Abschätzen.
Was allerdings auch bei unserer digitalen Herangehensweise erhalten bleibt, ist das Entschleunigen beim Fotografieren. Das kommt vor allem durch den Einsatz von Objektiven mit manuellem Fokus. Wer schon einmal z.B. mit einer Canon A1 fotografiert hat kennt das: Solange am Ring drehen bis das Schnittbild im Sucher übereinstimmt.

Hier gibt es also keinen blitzschnellen Augenautofokus, der jede Bewegung des Models in Echtzeit verfolgt (wie bei der Sony A7III). Stattdessen ist man je nach Übung oft sogar relativ langsam mit dem Fokus (wenn man denn am Ende überhaupt trifft).
Das erfordert auch einen ganz anderen Umgang mit Personen, die man fotografiert. Diese müssen sich zwangsweise etwas gedulden.

Allerdings ist das nichts schlimmes und gehört zum Prozess dazu. Langsamer fotografieren, entschleunigen und mehr über das Foto nachdenken.
Prolog II: Lass es gut sein
Gerade in digitalen Zeiten mit unseren riesigen RAW Dateien stellen wir sicher, dass wirklich alles passt. Man legt sich vor Ort immer weniger fest, wie das Foto am Ende aussehen soll. Und am Ende pushen wir in Lightroom, was das Zeug hält. Es darf nichts absaufen oder ausbrennen, der Weißabgleich muss aufs Kelvin genau stimmen. Du kennst das alles.
Auch hier unterscheidet sich die analoge Fotografie etwas. Schon allein, dass man vor Ort nichts auf einem Display per 100% Ansicht kontrollieren und wiederholen kann. Nein, man merkt seine Fehler oft erst zwei Wochen später. Dann bleibt einem meist nichts anderes übrig, als die Bilder zu akzeptieren wie sie sind. Und sie gegebenenfalls trotzdem zu zeigen.

Und auch dieses Gefühl wollen wir bei unserem digitalen Ansatz mit übernehmen:
Nichts muss perfekt sein. Lass es gut sein.
Lass es am Ende einfach mal so, wie es ist. Daher finde ich auch den Gedanken spannend, einfach mal in JPG zu fotografieren. Und am Ende die Fotos einfach direkt von der Speicherkarte als fertig zu betrachten.
So kann es dann schon einmal vorkommen, dass folgende „Makel“ auftreten – die aber in meinen Augen einfach dazugehören:
- Fehlbelichtungen
- Ausgebrannte Stellen
- Lensflares
- Keine 100% Schärfe (Fehlfokus)
- Verwackler
- Falscher Weißabgleich
Das heißt nun nicht, dass man sich überhaupt keine Mühe mehr geben soll. Oder Fehler zwingend absichtlich macht. Nein, einfach machen. Und wenn es nicht zu 100% perfekt wird, dann ist es eben so.
1. Die (richtige) digitale Kamera einstellen
Beim Thema Retro in der Ära der Digitalkameras fällt einem normalerweise sofort ein Hersteller ein: Fujifilm. Diese Kameras haben nicht nur ein Gehäuse im Retro Design. Auch die Bedienung ist bei den Drehknöpfen belassen. Dazu kommt der Retro Auslöser aus Metall mit Gewinde. Da kommt hier schon einmal ein klasse Feeling auf.

Ich persönlich finde (unabhängig vom Preis) auch Kameras wie die neue X-Pro 3 für ein solches Fotografieren sehr interessant, auch wenn diese oft missverstanden wird. Das ist aber eine andere Geschichte.
Neben dem klassischen Gehäuse und Bedienkonzept gibt es aber auch noch in der Software ein paar nützliche Einstellungen für unser Vorhaben:
- Die Filmsimulationen: Bei meiner X-T2 kann man zwischen Provia, Velvia, Astia, Classic Chrome, PRO Neg. Hi, PRO Neg. Std., sowie Schwarz-Weiß und Sepia wählen. Neuere Modelle haben auch noch den Eterna Look zur Auswahl.
- Erweiterte JPG Optionen: Bei Fujifilm lässt sich beim Bildlook noch viel definieren. So steht noch die Auswahl von Schwarz- und Weißwert (Kontrast), Sättigung, Schärfe, Körnung, Rauschreduzierung und Dynamikumfang zur Verfügung. Sprich: Es gibt sehr viele Einstellmöglichkeiten, wenn man das alles kombiniert. Man kann einen individuellen JPG Look kreieren, und das direkt in der Kamera. Schon beim Blick durch den Sucher simuliert.
- Erweiterter Weißabgleich: Jede Weißabgleich Einstellung besitzt noch einen Pfeil nach rechts. Darüber gelangt man in die Detaileinstellung und kann den Farbton noch genauer einstellen.
- Schnittbild Fokushilfe: Fujifilm bietet neben Fokus Peaking und Zoom auch einen Schnittbild Indikator an. Damit ist Retro Feeling garantiert.
- Bildqualität stelle ich einfach mal auf JPG + RAW. Ich werde mir nämlich dennoch in Lightroom ansehen, wie ich das ganze noch bearbeiten könnte (theoretisch).
- Bildvorschau: Diese kann man je nach Wunsch auch abschalten. So hat man eher ein analoges Feeling, da man sonst die Fotos auch nicht direkt nach der Aufnahme sehen kann. Manche Leute kleben sich hier wohl auch das Display ab. Für weniger Ablenkung kann man auch alle anderen Infos über die Displayeinstellungen ausblenden.
Wichtig ist es auch, den automatischen Weißabgleich zu deaktivieren. Damals konnte man den Weißabgleich nicht flexibel einstellen. Hier war man an den jeweiligen Film gebunden. Entscheide dich also für einen Weißabgleich. Ich empfehle Sonnig oder Bewölkt.




Nun könnte man auch sagen: Wieso soll ich vor Ort die Mühe machen und alles einstellen? Ich möchte nachher sowieso die RAW-Datei bearbeiten. Das ist auch möglich – allerdings sollte vor Ort auch schon alles passen. Schon wenn man bei Fujifilm durch den Sucher schaut, sieht man, wie toll die Farben und der Look nachher aussehen wird. Und auch wenn man die Bilder am Display überprüfen sollte, bekommt man schon direkt die Stimmung des Fotos vermittelt. Das hilft mir, noch besser in den Analog-Flow zu kommen.
Da es bei Fujifilm so viele Einstellungsmöglichkeiten gibt, ist mittlerweile auch ein komplettes Buch darüber erschienen – 22 JPEG Rezepte für Fujifilm X-Kameras*.
Aber auch im Internet lassen sich viele weitere Tutorials und Tabellen finden, wie man einen speziellen Filmlook erzielt. Wie in diesem Youtube Video oder diesem Fuji Rumors Beitrag.
2. Analog Objektive auf Digitalkamera adaptieren
Um der Gefahr der Wortklauberei aus dem Weg zu gehen: Gemeint ist ein Objektiv, das aus Zeiten vor der digitalen Ära stammt. Also ein Retro Objektiv aus analogen Zeiten.
Mittlerweile gibt es auch diverse Neuauflagen von analogen Klassikern – die dann aber auch neue Preise haben. Völlig übertrieben, denn am Ende kommt man mit unter 40€ aus.

Such also nach einem gebrauchten Objektive und nimm eine lichtstarke Festbrennweite. Ich habe Objektive mit dem analogen Canon FD, M42 und Minolta Anschluss.
Hier finden sich vor allem im Bereich von 50mm viele tolle Objektive. Diese haben auch immer eine hohe Offenblende, wie z.B. F1.8.

Meine analogen Objektive:
- Revueflex 55mm 1.8
- Canon FD 50mm 1.4
- Helios-44-2 58mm 2.0
- Minolta MC Rokkor-PF 1.7
Achte beim Kauf auf folgende Dinge:
- Kratzer auf den Linsen
- Staubeinschlüsse sind bis zu einem gewissen Maß kein Problem
- Halte Ausschau nach Schimmel (Objektiv Fungus)
- Lassen sich alle Ringe noch gut drehen?
- Sind die Linsen im Gehäuse verdreckt?
- Schließt die Blende einwandfrei durch Drehen am Blendenring? (Manche Objektive schließen erst, wenn sie an der Kamera sitzen)


Es gibt auf dem Markt auch viele analoge Premium Linsen. Es muss für unser Experiment aber wirklich nichts ultra teures sein. Im Gegenteil. Ich denke wenn die Linse zu gut wird, nähert man sich auch wieder etwas der Digitalwelt an (weil eben die damaligen Premium Objektive noch heute richtig gut abbilden).
Wie du die Objektive nun an deine digitale Kamera ran bekommst, kommen wir gleich noch. Nun erst noch ein paar Dinge zum Bildlook.
Der Bildlook analoger Linsen
Wenn du mit solchen analogen Objektiven an deiner digitalen Kamera fotografierst, wird dir schnell der charakteristische Bildlook auffallen. Diese Bildlooks sind weit weg von der Perfektion moderner Hightech-Objektive. Und gerade dadurch entsteht der Charme.

Das sind die typischen Merkmale:
- Bokeh Kugeln haben oft harte Kanten und wirkt teilweise unruhig
- Oft geringer Gesamtkontrast / flaues Bild (nicht mit Mikrokontrast verwechseln)
- Bokeh kreist oftmals ellipsenförmig um Bildzentrum (Swirley Bokeh v.a. beim Helios)
- Oft starkes Flaring im Gegenlicht
- Etwas weniger Schärfe

Auch auf meinem Youtube Kanal habe ich folgendes Video zu den Linsen im Vergleich aufgenommen:
Abonniere meinen Kanal, um kein Video mehr zu verpassen. Würde mich freuen. Im Video geht es auch schon darum, wie ich die Linsen an die Kamera montiere. Dazu kommen wir jetzt.
3. Der passende Adapter für’s Objektiv von analog zu digital
Am besten solltest du danach gehen, welches Objektiv du am einfachsten an deinem System adaptieren kannst. Das hängt vor allem mit dem Auflagemaß zusammen. Bei normalen Adaptern empfehle ich Ringe ohne Zwischenlinse. Andernfalls wird die Qualität oft negativ beeinflusst.
Hier eine Auswahl an Adaptern:



