5 Tricks für JPGs im Retro Bildlook – alte Analog Objektive auf Digitalkamera adaptieren

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Noch heute in der digitalen Welt fasziniert uns der Bildlook aus analogen Zeiten. Dabei denken wir vor allem an die charakteristischen Farbtöne, die so ein Film mit sich bringt.

Helios 58mm F2.0 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Doch der Film Farblook ist noch lange nicht alles. Auch die Objektive waren damals komplett anders. Indem man nur schnell ein paar Presets in der Nachbearbeitung über seine Fotos haut, entsteht das Feeling daher oft noch nicht komplett. Ein weiterer Schritt geht nun dahin, analog Objektive auf die Digitalkamera zu adaptieren.

Fujifilm mit Objektiv Adapter von analog auf digital
Ein analoger Bildlook mit digitalen Kameras ist mehr als nur Nachbearbeitung. Und die Wahl von einer alten Linse ist nur der Anfang.

Hinweis: Da es mir aktuell nicht möglich ist Shootings durchzuführen, zeige ich in diesem Beitrag immer wieder ältere Portrait Fotos, die ich über die Jahre mit analogen Objektiven an digitalen Kameragehäusen aufgenommen habe. Es handelt sich dabei um nachbearbeitete RAW Fotos. Aufnahmen sind ohne den Filter (dazu kommen wir noch) an verschiedenen Kameras (Vollformat & APS-C) entstanden. Nachbearbeitung erfolgte teils mit VSCO, teils mit meinem THO 01 Preset. Alle Fotos ohne Verweis auf RAW Foto kommen direkt als JPG aus der Kamera.

Mit ein paar weiteren Einstellungen in der Kamera und der richtigen Linse ist es nun möglich, den Look typisch analog sogar komplett ohne Nachbearbeitung zu erhalten.

Im Folgenden ein paar JPEG Dateien direkt aus der Kamera:

Am Ende ist es natürlich eine Geschmacksfrage, aber ich hoffe du spürst das Feeling dieser Aufnahmen. Und das komplett ohne jeglichen Nachbearbeitungsaufwand.

Welche weiteren Schritte nötig sind, um digitale Fotos zu schießen, die zum verwechseln ähnlich zu analogen Fotos aussehen, will ich heute zeigen.

Helios 58mm F2.0 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Um auf die Frage zu kommen, wieso man denn nicht gleich analog Fotografiert: Man ist am Ende doch noch etwas flexibler in der digitalen Welt. Man kann mehr experimentieren, ohne dass es pro Schuss Geld kostet und hat die Fotos direkt parat. Ich kann aber auch verstehen, wenn man analog fotografiert, um das eben nicht zu haben.

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Oft macht gerade die Spannung und eben das Abstrakte den Reiz aus. Dennoch gibt es viele Fotografen, die gerne den Bildlook hätten, aber nicht gleich tief in das analoge Handwerk einsteigen möchten. Und genau an die ist der Beitrag adressiert.

Ausrüstung für analogen Bildlook aus der digitalen Kamera

Ich komme gleich noch zu jedem dieser Produkte im Detail und was es genau macht. Anfangs möchte ich nur einen Überblick geben, was in diesem Beitrag verwendet wird. Und was du gegebenenfalls brauchst, um das ganze selbst auszuprobieren.

Fujifilm Kamera mit angebrachtem Zhongyi Lens Turbo II und Revueflex 55mm 1.8 Objektiv. Doch wo ist das Haarspray?

Prolog I: Das Gefühl beim analogen Fotografieren

Wie gerade schon angedeutet: Viele Leute (und auch ich) fotografieren analog dem Gefühl wegen. Der Prozess als solcher (unabhängig vom Ergebnis) reizt einfach sehr.

Gerade weil man weiß, dass man nicht unendlich viele Fotos machen kann, regt zum Nachdenken vor jedem Foto an. Noch spannender wird es dadurch, dass man das Ergebnis erst einige Zeit später sieht. Vorher ist es eher ein Abschätzen.

Was allerdings auch bei unserer digitalen Herangehensweise erhalten bleibt, ist das Entschleunigen beim Fotografieren. Das kommt vor allem durch den Einsatz von Objektiven mit manuellem Fokus. Wer schon einmal z.B. mit einer Canon A1 fotografiert hat kennt das: Solange am Ring drehen bis das Schnittbild im Sucher übereinstimmt.

Canon A1 und Fujifilm X-t2
Canon A1, 1978 – Fujifilm X-T2, 2016. Doch haben die beide vieles gemeinsam. So ist das digitale Retro Feeling garantiert.

Hier gibt es also keinen blitzschnellen Augenautofokus, der jede Bewegung des Models in Echtzeit verfolgt (wie bei der Sony A7III). Stattdessen ist man je nach Übung oft sogar relativ langsam mit dem Fokus (wenn man denn am Ende überhaupt trifft).

Das erfordert auch einen ganz anderen Umgang mit Personen, die man fotografiert. Diese müssen sich zwangsweise etwas gedulden.

Helios 58mm F2.0 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Allerdings ist das nichts schlimmes und gehört zum Prozess dazu. Langsamer fotografieren, entschleunigen und mehr über das Foto nachdenken.

Prolog II: Lass es gut sein

Gerade in digitalen Zeiten mit unseren riesigen RAW Dateien stellen wir sicher, dass wirklich alles passt. Man legt sich vor Ort immer weniger fest, wie das Foto am Ende aussehen soll. Und am Ende pushen wir in Lightroom, was das Zeug hält. Es darf nichts absaufen oder ausbrennen, der Weißabgleich muss aufs Kelvin genau stimmen. Du kennst das alles.

Auch hier unterscheidet sich die analoge Fotografie etwas. Schon allein, dass man vor Ort nichts auf einem Display per 100% Ansicht kontrollieren und wiederholen kann. Nein, man merkt seine Fehler oft erst zwei Wochen später. Dann bleibt einem meist nichts anderes übrig, als die Bilder zu akzeptieren wie sie sind. Und sie gegebenenfalls trotzdem zu zeigen.

Es kommt nicht auf die Perfektion an. Manche Fotos sind viel mehr perfekt unperfekt. | nachbearbeitete RAW Aufnahme

Und auch dieses Gefühl wollen wir bei unserem digitalen Ansatz mit übernehmen:

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nützliche Blog Beiträge wie dieser leben nur mit etwas Werbung. Mit meinen Lightroom Presets verbesserst du also nicht nur deine Nachbearbeitung, sondern unterstützt gleichzeitig den Blog:

Nichts muss perfekt sein. Lass es gut sein.

Lass es am Ende einfach mal so, wie es ist. Daher finde ich auch den Gedanken spannend, einfach mal in JPG zu fotografieren. Und am Ende die Fotos einfach direkt von der Speicherkarte als fertig zu betrachten.

So kann es dann schon einmal vorkommen, dass folgende „Makel“ auftreten – die aber in meinen Augen einfach dazugehören:

  • Fehlbelichtungen
  • Ausgebrannte Stellen
  • Lensflares
  • Keine 100% Schärfe (Fehlfokus)
  • Verwackler
  • Falscher Weißabgleich

Das heißt nun nicht, dass man sich überhaupt keine Mühe mehr geben soll. Oder Fehler zwingend absichtlich macht. Nein, einfach machen. Und wenn es nicht zu 100% perfekt wird, dann ist es eben so.

1. Die (richtige) digitale Kamera einstellen

Beim Thema Retro in der Ära der Digitalkameras fällt einem normalerweise sofort ein Hersteller ein: Fujifilm. Diese Kameras haben nicht nur ein Gehäuse im Retro Design. Auch die Bedienung ist bei den Drehknöpfen belassen. Dazu kommt der Retro Auslöser aus Metall mit Gewinde. Da kommt hier schon einmal ein klasse Feeling auf.

Analoges Objektiv | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Ich persönlich finde (unabhängig vom Preis) auch Kameras wie die neue X-Pro 3 für ein solches Fotografieren sehr interessant, auch wenn diese oft missverstanden wird. Das ist aber eine andere Geschichte.

Neben dem klassischen Gehäuse und Bedienkonzept gibt es aber auch noch in der Software ein paar nützliche Einstellungen für unser Vorhaben:

  • Die Filmsimulationen: Bei meiner X-T2 kann man zwischen Provia, Velvia, Astia, Classic Chrome, PRO Neg. Hi, PRO Neg. Std., sowie Schwarz-Weiß und Sepia wählen. Neuere Modelle haben auch noch den Eterna Look zur Auswahl.
  • Erweiterte JPG Optionen: Bei Fujifilm lässt sich beim Bildlook noch viel definieren. So steht noch die Auswahl von Schwarz- und Weißwert (Kontrast), Sättigung, Schärfe, Körnung, Rauschreduzierung und Dynamikumfang zur Verfügung. Sprich: Es gibt sehr viele Einstellmöglichkeiten, wenn man das alles kombiniert. Man kann einen individuellen JPG Look kreieren, und das direkt in der Kamera. Schon beim Blick durch den Sucher simuliert.
  • Erweiterter Weißabgleich: Jede Weißabgleich Einstellung besitzt noch einen Pfeil nach rechts. Darüber gelangt man in die Detaileinstellung und kann den Farbton noch genauer einstellen.
  • Schnittbild Fokushilfe: Fujifilm bietet neben Fokus Peaking und Zoom auch einen Schnittbild Indikator an. Damit ist Retro Feeling garantiert.
  • Bildqualität stelle ich einfach mal auf JPG + RAW. Ich werde mir nämlich dennoch in Lightroom ansehen, wie ich das ganze noch bearbeiten könnte (theoretisch).
  • Bildvorschau: Diese kann man je nach Wunsch auch abschalten. So hat man eher ein analoges Feeling, da man sonst die Fotos auch nicht direkt nach der Aufnahme sehen kann. Manche Leute kleben sich hier wohl auch das Display ab. Für weniger Ablenkung kann man auch alle anderen Infos über die Displayeinstellungen ausblenden.

Wichtig ist es auch, den automatischen Weißabgleich zu deaktivieren. Damals konnte man den Weißabgleich nicht flexibel einstellen. Hier war man an den jeweiligen Film gebunden. Entscheide dich also für einen Weißabgleich. Ich empfehle Sonnig oder Bewölkt.

Neben Fokus Peaking und Zoom gibt es bei Fuji auch das digitale Schnittbild. Sobald die einzelnen Säulen keinen Bruch mehr zeigen, sondern eine durchgehende Linie, so ist das Bild scharf fokussiert.
Der Weißabgleich lässt sich sehr einfach individualisieren. So kann man zusätzlich mit Farbtönen spielen.
Je nach Modell stehen verschiedene Filmsimulationen zur Verfügung. Schon beim Durchgucken hat man ein tolles Bild vor Augen.
Dazu kommen viele weitere Einstellungsmöglichkeiten für den Bildlook wie Kontrast, Dynamikumfang, Körnung u.v.m.

Nun könnte man auch sagen: Wieso soll ich vor Ort die Mühe machen und alles einstellen? Ich möchte nachher sowieso die RAW-Datei bearbeiten. Das ist auch möglich – allerdings sollte vor Ort auch schon alles passen. Schon wenn man bei Fujifilm durch den Sucher schaut, sieht man, wie toll die Farben und der Look nachher aussehen wird. Und auch wenn man die Bilder am Display überprüfen sollte, bekommt man schon direkt die Stimmung des Fotos vermittelt. Das hilft mir, noch besser in den Analog-Flow zu kommen.

Da es bei Fujifilm so viele Einstellungsmöglichkeiten gibt, ist mittlerweile auch ein komplettes Buch darüber erschienen – 22 JPEG Rezepte für Fujifilm X-Kameras*.

Aber auch im Internet lassen sich viele weitere Tutorials und Tabellen finden, wie man einen speziellen Filmlook erzielt. Wie in diesem Youtube Video oder diesem Fuji Rumors Beitrag.

2. Analog Objektive auf Digitalkamera adaptieren

Um der Gefahr der Wortklauberei aus dem Weg zu gehen: Gemeint ist ein Objektiv, das aus Zeiten vor der digitalen Ära stammt. Also ein Retro Objektiv aus analogen Zeiten.

Mittlerweile gibt es auch diverse Neuauflagen von analogen Klassikern – die dann aber auch neue Preise haben. Völlig übertrieben, denn am Ende kommt man mit unter 40€ aus.

Helios 58mm F2.0 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Such also nach einem gebrauchten Objektive und nimm eine lichtstarke Festbrennweite. Ich habe Objektive mit dem analogen Canon FD, M42 und Minolta Anschluss.

Hier finden sich vor allem im Bereich von 50mm viele tolle Objektive. Diese haben auch immer eine hohe Offenblende, wie z.B. F1.8.

Analoge Objektive mit FD, M42 und Minolta Anschluss

Meine analogen Objektive:

Achte beim Kauf auf folgende Dinge:

  • Kratzer auf den Linsen
  • Staubeinschlüsse sind bis zu einem gewissen Maß kein Problem
  • Halte Ausschau nach Schimmel (Objektiv Fungus)
  • Lassen sich alle Ringe noch gut drehen?
  • Sind die Linsen im Gehäuse verdreckt?
  • Schließt die Blende einwandfrei durch Drehen am Blendenring? (Manche Objektive schließen erst, wenn sie an der Kamera sitzen)

Es gibt auf dem Markt auch viele analoge Premium Linsen. Es muss für unser Experiment aber wirklich nichts ultra teures sein. Im Gegenteil. Ich denke wenn die Linse zu gut wird, nähert man sich auch wieder etwas der Digitalwelt an (weil eben die damaligen Premium Objektive noch heute richtig gut abbilden).

Wie du die Objektive nun an deine digitale Kamera ran bekommst, kommen wir gleich noch. Nun erst noch ein paar Dinge zum Bildlook.

Der Bildlook analoger Linsen

Wenn du mit solchen analogen Objektiven an deiner digitalen Kamera fotografierst, wird dir schnell der charakteristische Bildlook auffallen. Diese Bildlooks sind weit weg von der Perfektion moderner Hightech-Objektive. Und gerade dadurch entsteht der Charme.

Analog Objektive an Digitalkamera adaptieren
Helios 58mm F2.0 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Das sind die typischen Merkmale:

  1. Bokeh Kugeln haben oft harte Kanten und wirkt teilweise unruhig
  2. Oft geringer Gesamtkontrast / flaues Bild (nicht mit Mikrokontrast verwechseln)
  3. Bokeh kreist oftmals ellipsenförmig um Bildzentrum (Swirley Bokeh v.a. beim Helios)
  4. Oft starkes Flaring im Gegenlicht
  5. Etwas weniger Schärfe

Einen Vergleich zwischen dem Revueflex, Helios und modernem Sigma 50mm Art habe ich bereits auf kwerfeldein im Gastbeitrag gezogen.

Verwaschene Stellen, Lens Flares, keine übertriebene Schärfe, Glow Effekt – was sonst als „schecht“ gilt definiert jetzt den Bildcharakter.

Auch auf meinem Youtube Kanal habe ich folgendes Video zu den Linsen im Vergleich aufgenommen:

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Abonniere meinen Kanal, um kein Video mehr zu verpassen. Würde mich freuen.   Im Video geht es auch schon darum, wie ich die Linsen an die Kamera montiere. Dazu kommen wir jetzt.

3. Der passende Adapter für’s Objektiv von analog zu digital

Am besten solltest du danach gehen, welches Objektiv du am einfachsten an deinem System adaptieren kannst. Das hängt vor allem mit dem Auflagemaß zusammen. Bei normalen Adaptern empfehle ich Ringe ohne Zwischenlinse. Andernfalls wird die Qualität oft negativ beeinflusst.

Hier eine Auswahl an Adaptern:

Generell adaptiere ich nicht nur durch die oben besprochenen Punkte lieber an der Fujifilm (statt der Sony). Auch funktionieren hier die Fokushilfen allein durch höher aufgelösten Sucher und Display besser. Egal ob Schnittbild oder Fokus Peaking – der Schärfepunkt lässt sich hier besser abschätzen. Auf der Sony ist das Fokus Peaking durch die geringe Auflösung oft irreführend. Daher nutze ich dort nur die 100% Ansicht, was gleich wieder weniger Spaß macht.

Adapter für analoges Objektiv an Fujifilm
Links: Flacher M42 Ring für Canon EOS, Mitte: Adapter für M42 an Fujifilm, Rechts: Lens Turbo II

Nun haben wir aber noch ein Problem mit unserer Fuji:

So schön die Kamera ist und sich für so etwas eignet – einen Minuspunkt gibt es.

Die Objektive, die wir adaptieren sind ursprünglich alle für Kleinbildkameras erschienen. Und auch den klassischen Filmlook bringe ich einfach immer mit dem Kleinbild- bzw. Vollformat Bildlook in Verbindung. Nun ist die Fujifilm allerdings ein APS-C Modell.

Um nun trotzdem den Vollformat Flair zu erlangen, gibt es einen Trick. Mit sogenannten Speedbooster- bzw. Lens Turbo Adapter fällt mit Kleinbild Objektiven an der APS-C Kamera der Crop Faktor weg. Dafür sorgt eine (hochwertige) Linse im Adapter. Dieses Teil ist quasi ein umgekehrter Tele-Konverter. Währender dieser durch die Aufspreizung mehr Brennweite bei weniger Lichtstärke liefert, wird das Licht vom Objektiv in meinem Fall durch den Zhongyi Lens Turbo auf den Sensor gebündelt. Dadurch gibt es mehr Lichtstärke und weniger Brennweite, was dann wiederum den Crop Faktor auflöst. Diesen Adapter habe ich im Detail schon im Zhongyi Lens Turbo II Beitrag vorgestellt.

Bearbeitete RAW Datei

Durch diesen Effekt können wir dann für den selben Bildanschnitt auch mit der APS-C Kamera wieder näher ans Motiv heran und wir erhalten durch die geringere Fokusdistanz mehr Bokeh. Wie genau der Unterschied zwischen APS-C und Vollformat Tiefenschärfe zustande kommt, habe ich bereits im APS-C vs Vollformat Beitrag inkl. Video gezeigt.

Vorher: Revueflex 55mm 1.8 mit Lens Turbo an Fujifilm  / Nachher: Revueflex 55mm 1.8 mit Standardadapter an Fujifilm – beide auf F1.8

4. Weichzeichner Filter für Nebel-Effekt: DIY Tiffen Black Pro Mist Filter

Ja, die analogen Linsen haben schon an sich weniger Schärfe und oft eine Art Weichzeichner. Vor allem mein Helios 58mm F2.0 bildet an sich schon einmal wesentlich matter und verwaschener ab.

Oft verstärkt man diesen Effekt allerdings noch absichtlich mit Filtern. Diese Erscheinung erinnert mich auch oft an den Filmbereich. Am Ende ist es aber eine Geschmacksfrage. Nur weil man ein verwaschenes Foto macht, hat das prinzipiell nicht immer gleich etwas analoges. Ich finde es aber gerade im Gegenlicht schön, einen solchen Glow Effekt zu erzielen.

Mit dem DIY Filter erzielen wir ein Überstrahlen von Lichtern. Diese erscheinen dadurch weicher. Hier zu sehen um die grauen Ohrpolster herum.

Dafür gibt es originale Filter, die aber mehr als unser komplettes Objektiv kosten. Daher greifen wir auf einfachere Mittel zurück.

Im Grunde möchten wir durch etwas „mattes“ Fotografieren, als würde man die Linse leicht anhauchen. Und dafür kommt nun das Haarspray zum Einsatz. Allerdings sprühen wir es nicht direkt auf die Linse, da ansonsten etwas kaputt gehen könnte.

Stattdessen nimmst du einfach einen alten UV-Filter, der noch irgendwo rumfliegt. Ich hatte tatsächlich noch einen von einem meiner analogen Objektivkäufe.

Analoge Objektive an digitale Kamera adaptieren
Helios 58mm F2.0 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

So entsteht der DIY Tiffen Black Pro Mist Weichzeichner Filter:

  1. Filter vom Gewinde abschrauben.
  2. Über dem Waschbecken Filter mit Haarspray aus genügend Abstand besprühen (auf die Filtervorderseite, nicht viel)
  3. Es sollte ein gleichmäßiges Netz an Haarspray Tropfen entstehen
  4. Trocknen lassen und Filter außen herum reinigen
  5. Filter auf Kamera schrauben

Wie immer handelt hier jeder auf eigene Gefahr und ich übernehme keine Garantie für eventuelle Schäden durch das Haarspray.

Ich musste den Prozess wiederholen und die Haarspray Schicht erst wieder mit Wasser abwaschen, da es schon zu dick aufgetragen war. Man braucht hier je nach Geschmack eine Grenze, wo man noch genug Schärfe und Klarheit erhält. Aber der leichte Glow-Effekt im Gegenlicht erkennbar wird.

Durch die Haarspray Tropfen auf dem Filter kommt der milchige Effekt zustande.

Hast du eine solche Stärke erreicht, kannst du den Filter auf der Kamera belassen.

Nun hast du eine Kamera, die Fotos im coolen Analog Bildlook direkt als JPG auf die Karte schreibt. Wenn dir das genügt und deinen Geschmack trifft, kannst du direkt unten zum Fazit springen. Ansonsten zeige ich nun noch etwas aus einer möglichen Nachbearbeitung.

5. Optionale Nachbearbeitung in Lightroom

Es ist Geschmackssache und eine Art der Einstellung: Entweder einem gefällt das JPG und man lebt nach der analogen „Wie es ist, so ist es“-Philosophie. Oder aber man ist bei einem richtig coolen Foto neugierig, was man noch daraus machen könnte.

Helios 44-2 58mm F2.0 Analog Objektiv an digitale Kamera adaptieren
Revueflex 55mm F1.8 | nachbearbeitete RAW Datei mit Filmlook

Deshalb will ich es dennoch ausprobieren. Die Kamera mit dem analogen Objektiv, Lens Turbo und Weichzeichnerfilter hat schon gute Vorarbeit geleistet. Dadurch werden Lightroom Presets im analog Look nun schon fast magnetisch angezogen.

Empfehlen kann ich hier den Versuch mit Mastin- oder VSCO Presets. Das ist am Ende eine Geschmacksfrage. Ich möchte dir ein paar Bearbeitungsmöglichkeiten mit meinem eigenen Presets zeigen. Dafür nutze ich das THO Lightroom Preset- und Profilpaket. Dieses bildet für viele nicht den klassischen analog Look. Ich selbst sehe es als modifizierten, moderneren analog Bildlook. Das muss am Ende aber jeder für sich selbst entscheiden.

Vorher: RAW / Nachher: RAW Bearbeitung mit THO 01 Preset

Ich finde es spricht grundsätzlich auch nichts dagegen, in RAW zu fotografieren. So kann man Fotos oftmals noch weiter an seinen Geschmack anpassen. Oder eben korrigieren, falls man es mal komplett verhaut. Der Gedanke, dass man ein potentiell gutes Foto verschenkt, nur weil man die Belichtung im Eifer des Gefechts etwas verhauen hat, erschreckt den geneigten Digitalfotografen am Ende dann wohl doch etwas.

Vorher: JPG aus der Kamera / Nachher: RAW Bearbeitung mit THO 01 Preset

Vorher: JPG aus der Kamera / Nachher: RAW Datei mit Preset

An dieser Stelle wollte ich erst von einer „optimierten“ RAW Datei sprechen. Am Ende ist es aber auch stilistisch etwas anderes. Im Nachgang hat man freie Hand. Jedem das, was besser gefällt.

Fazit: Analoge Fotos mit spiegelloser Systemkamera fotografieren – mehr als nur Presets und Adapter

Dieser Beitrag ist nun länger geworden, als ich es anfangs vor hatte. Grund dafür ist, dass es einfach jede Menge Stellschrauben gibt. Man hat super viele Möglichkeiten, an jeder Stelle etwas anderes zu machen. Je nach Kamera, Objektiv, Adapter, Filter und möglicher Nachbearbeitung können trotz „selbem“ Vorgehen 1000 verschiedene Bildlooks entstehen.

Und das ist der Reiz daran. Das Wichtigste ist, dass du neugierig bist und Lust aufs Experimentieren haben. Probier einfach alles aus und finde deinen eigenen Bildlook.

Auf diese Weise hast du das entschleunigende Feeling beim Fotografieren und einen tollen Bildlook direkt aus der Kamera. Ohne aber dich selbst mit dem Entwickeln oder der Wartezeit auszusetzen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es auch bei analogen Fotos einfach seine Zeit dauert, bis man sie entwickelt und für die Veröffentlichung im Internet eingescannt hat.

Ich will keinesfalls ausreden, nicht auch einfach mal die analoge Kamera zum Objektiv dazu zu bestellen und dort weiter zu experimentieren. Oft findet man für solche Sammlungsauflösungen ein nettes Angebot auf dem Flohmarkt.

Und diesem Sinne: Bleib neugierig.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

1 Gedanke zu „5 Tricks für JPGs im Retro Bildlook – alte Analog Objektive auf Digitalkamera adaptieren“

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