In 6 Schritten zu Fotos mit Zeiss 3D Pop Effekt und mehr Räumlichkeit

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Falls du noch nichts vom sogenannten Zeiss 3D Pop gehört hast kann ich dich beruhigen – ich bis vor 3 Monaten auch nicht. Dennoch kennen wir alle diese Bildwirkung: Die Fotos, denen dieser Effekt zugeschrieben wird, erscheinen sehr real, wie aus dem echten Leben geschnitten. Dabei „ploppt“ der fotografierte Gegenstand oder das Model förmlich aus dem Bild. Das wirkt oft so räumlich, dass man von einem „3D“ Effekt spricht – eben der 3D Pop.

3D Pop in der Fotografie
Sony Zeiss 35mm 1.4 | F2.0

Achtung: Dieses Thema ist in der Fotografie etwas umstritten. Ob es diesen Effekt nun wirklich gibt (oder Liebhaber gewisser Objektive sich ihn einbilden), will ich in diesem Beitrag auch anhand vieler Beiträge und Quellen Dritter erörtern. Am Ende kann dann jeder für sich selbst entscheiden, ob er das Thema spannend findet und weiter verfolgt. Oder einfach nur abhakt. Ich selbst halte mich daher zunächst im Hintergrund und analysiere die Quellen. Anschließend gebe dir meine Anleitung, wie ich selbst Fotos mit räumlicher Wirkung erstelle. Daneben zeige ich immer wieder Fotos, wo man den Effekt mal mehr, mal weniger intensiv wahrnehmen kann.

In diesem Beitrag soll es nun darum gehen, was dahinter steckt. Was braucht man wirklich dafür und gibt es diesen Effekt wirklich nur mit Zeiss Linsen?

Eins mal vorneweg zur aktuellen Entwicklung der Objektive der modernen Fotografie:

In der Fotografie macht man gerne scharfe Bilder. Mit aktuellen Top-Objektiven werden die Bilder jedoch meist so scharf, dass man länger die Falten des Models retuschiert, als überhaupt zu fotografieren. Aber Hauptsache man hat ein extrem scharfes Bild. Das bezieht sich jedoch nicht auf den Hintergrund: Dieser sollte in einer angenehmen Unschärfe (Bokeh) versinken. Je cremiger, desto besser.

So ist die allgemeine Vorstellung von guten Objektiven. Doch wie realistisch und echt sieht das Foto im Nachhinein noch aus? Braucht man Objektive, die bis ins letzte korrigiert sind oder zerstören diese sogar den realistischen und räumlichen Eindruck, den man eigentlich haben wollte?

Sony Zeiss 55mm 1.8 | F1.8
Sony Zeiss 55mm 1.8 | F2.2

In diesem Beitrag begebe ich mich auf die Spur des mysteriösen 3D Pop Effekts. Also grob gesagt Fotos, die sehr realistisch und räumlich wirken. Was du beim Fotografieren für diese Räumlichkeit in Fotos achten musst und wieso deine Linsen vielleicht überoptimiert sind erfährst du im folgenden.

Exkurs: Wie ich zu diesem Thema komme

Wie sollte es anders sein – ich war auf der Suche nach einem neuen Objektiv. Ein 35mm Objektiv sollte es werden. Anschluss auf Sony E-Mount, Vollformat. Da ich auf Reportagen oft bei wenig Licht fotografiere, lege ich Wert auf Blende 1.4. Hier gab es bisher (für Sony) drei zur Auswahl: Das Sony Zeiss Distagon*, das Sigma Art* und das Samyang*. Doch dann wurde noch ein viertes neu angekündigt: Das Sigma Art 35mm 1.2.

So – das macht die Sache nicht wirklich einfacher. Ich hätte zu Beginn einfach zum Sigma Art 1.4 gegriffen. Ich begann zu recherchieren und auch nach einer Empfehlung wanderte meine Aufmerksamkeit ebenfalls auf das native Sony Zeiss Distagon. Und damit auch allgemein auf die Zeiss Linsen.

Ich stellte mir die Frage:

Wieso feiern so viele Leute diese Linsen, wenn es oft für weniger Geld mehr Leistung gibt?

In den meisten Tests kommen tatsächlich die Sigma Art Linsen wesentlich besser weg. Und die Zeiss Linsen sind zudem noch teurer. Einzig sofort ersichtlicher Vorteil für E-Mount ist, dass die Linsen direkt für diesen Anschluss entwickelt wurden (besserer Autofokus) und auch von Größe und Gewicht her besser zum spiegellosen System passen. Gegenüber dem neuen 1,1kg Sigma 35mm 1.2 bevorzugte ich auch schon die leichtere 1.4er Variante. Leider kann man bei der Physik am Ende doch nicht schummeln – ein hochkorrigiertes 1.2er Objektiv hat dann eben seine Größe. Vor allem wenn es von Sigma kommt und wohl wieder exzellente Schärfe schon ab Offenblende bis in die Ecken liefern wird. Dazu sind dann noch die chromatischen Aberrationen heraus korrigiert und so weiter. Ergebnis ist eine Linse, die fast so schwer wie mein riesiges Sigma Art 85mm 1.4 ist.

3D Effekt in der Fotografie
Foto vom Sigma Art 35mm 1.4 mit extrem räumlicher Wirkung.

Wieso also nun doch zu Zeiss Linsen greifen? Ich recherchierte im Zuge dessen eine Woche im Internet und stieß auf ein besonderes Stichwort:

3D Pop oder auch: Der Zeiss 3D Effekt

Schlag diesen Begriff ruhig mal nach und schreib mir in die Kommentare, was du davon hältst. Ich war im ersten Moment jedenfalls richtig begeistert.

Die Rede ist von einem extrem plastisch, räumlich und realistisch wirkendem Foto. Als würde der Bildinhalt aus dem Foto „herausploppen“.

Im ersten Moment könnte man denken, nur Zeiss Objektive können diesen Effekt erzeugen. Auch ins Marketing der Batis Linsen wurde dieses Wort schon fest integriert und jeder spricht überall davon.

Wenn wir diesen Begriff erst einmal hinten anstellen und man es sich auf der Zunge zergehen lässt – ist das vielleicht das gewisse „etwas“, das man oft nur unterbewusst auf Fotos sieht,  enorm bewundert, aber nicht weiß, wie es zustande kommt?

Helios 44-2 58mm 3D Pop
Helios 44-2 58mm F2.0

Gerade Nutzer von Zeiss oder Leica, oder auch älteren Vintage Linsen berichten oft von diesem Phänomen. Nicht umsonst haben diese Linsen eine solche Fangemeinde – irgendetwas muss da wohl dran sein. Aber was genau ist das?

Eins ist sicher: Es hat zumindest nicht viel mit extremer Bildschärfe, korrigierten chromatischen Aberrationen oder allgemein hochkorrigierten Linsen zu tun. Oft sind es wohl sogar einfacher konstruierte Objektive mit weniger Linsen. Dazu gleich noch mehr.

Zur Thematik des Realismus in der Fotografie habe ich auch schon damals einen Artikel über die Probleme moderner Linsen gefunden.

Im Zusammenhang mit dem Zeiss 3D Effekt kam ich auch schnell auf das Sony Zeiss 55mm 1.8 Sonnar Objektiv und einen entsprechenden Testbericht. Auch hier kommt die Rede in Verbindung mit diesem Objektiv direkt auf dessen „3D Pop“. Es endete damit, dass ich mir auch dieses Objektiv bestellte. Ein kleines und leichtes Objektiv, das das Leben so fotografiert wie es ist und dabei sehr realistisch wirkt. So etwas vermisste ich oft schon rein von der Tragbarkeit gegenüber den riesigen Sigma Art Linsen, die ich eigentlich nur für meine Arbeit als Berufsfotograf mitschleppe.

Sony Zeiss 55mm 1.8 | F1.8
Sony Zeiss 55mm 1.8 | F1.8

Ich war begeistert und wollte unbedingt mehr darüber erfahren und wie dieser Effekt zustande kommt.

Da kam ich auf das nächste Stichwort:

(Achtung: Ab jetzt nimmst du einfach einmal nacheinander Teil an meinen Gedanken während der Recherche – also noch nicht alles auf die Goldwaage legen. Ich analysiere erst einmal alle Eindrücke, und bilde mir später mein eigenes Urteil.)

Mikrokontrast – die Quelle von realistisch wirkenden Fotos?

Dieses Wort wird der ein oder andere schon einmal gehört und dann wieder vergessen haben. So ging es auch mir – ich dachte dabei immer nur an den Klarheitsregler in Lightroom. Und damit geht es schon grob richtige Richtung:

Es ist der Kontrast in den feinsten Strukturen. Nicht zu verwechseln mit dem Gesamtkontrast oder der Schärfe an sich.

Man spricht hier also von der Fähigkeit des Objektivs, wie gut es diese Kontraste in feinen Bilddetails noch wiedergeben kann. Dadurch steigert sich dann auch der wahrgenommene Schärfeeindruck.

Hier muss ich zwingend auf zwei interessante Artikel von Yannick Khong verweisen, der in dieser Hinsicht auch schon einiges an Forschung aufgestellt hat:

Diese Beiträge decken sich auch mit den Beobachtungen des „Probleme moderner Linsen“-Artikels von Petapixel, den ich immer noch im Hinterkopf hatte.

Mikrokontrast wird oft gerne mit Schärfe verwechselt und betitelt die feinen Kontraste von Details im Foto und wie gut sich diese voneinander abheben. Wie hier die Strukturen von Moos und Stein rechts unten.

Es hat also etwas mit dem Mikrokontrast zu tun, dass manche Fotos realer wirken als andere. Alle anderen Sachen wie Schärfe, Bildlook, unglaublich krasse Bokehs und solche Dinge stehen in Sachen Realismus wohl erst einmal hinten an. Eher würde ich beim Bokeh darauf schauen, wie sanft und realistisch dieses immer weiter in die Unschärfe abfällt.

Nach den Beobachtungen von Yannick Khong (bitte hierfür unbedingt mal in die beiden Artikel reinschauen) verschwindet jedoch genau dieses Phänomen dadurch, dass moderne Objektive aus sehr vielen Linsen bestehen. Und dadurch auch viel korrigiert wird. Dadurch werden Mikrokontraste oft einfach platt gebügelt und der Mikrokontrast, Realismus, 3D Pop oder wie auch immer man dazu sagen will verschwindet.

Ich finde es interessant zu sehen, dass er dadurch oft lieber auf alte Objektive mit maximal 9 Elementen setzt.

Hier noch ein paar Beiträge zum Thema Mikrokontrast:

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Zwischenfazit: Das große Aber

Soweit so gut – es gibt also Objektive, die die Welt angeblich realistischer und plastischer abbilden. Und jene hochkorrigierten, die alles etwas komprimieren und platt zeichnen. Zu letzteren sollen vor allem die Zooms und überoptimierten Linsen gehören – wenn man den Autoren von oben glauben schenken darf. Das kommt daher, da der Erhalt des Realismus wohl auch mit einer geringeren Anzahl an verbauten Linsen zusammenhängt. Je mehr Linsen das Licht im Objektiv „durchbrechen“ muss, desto weniger Details kommen in den Mikrokontrasten am Ende beim Sensor an.

Mich als ambitionierten Sigma Nutzer hat diese Aussage natürlich besonders hart getroffen. Es soll wohl noch eine andere (eventuell bessere) Welt von Objektiven gibt. Als Hauptanwendungsbereich von Kameratechnik gilt in erster Linie eben doch immer die echte Welt, nicht nur die Welt der flachen Schärfe-Testcharts.

Es gibt wohl Unterschiede, wie Objektive dreidimensionale Kulissen im Raum rendern und wie zweidimensionale Testcharts abgebildet werden. Das macht den Hauptunterschied vom im Testlabor hochgelobten Objektiv zum Fotografieren in der Praxis aus.

Doch jetzt einmal Klartext: Ich war schon gedanklich dabei meine Sigma Art Objektive wegzuwerfen nach all diesen Artikeln – aber eins muss man den Linsen trotzdem lassen: Sie haben auch ihre Vorzüge. Und das kommt teilweise gerade durch all diese Korrekturen. Es wird einem hier in gewisser Weise viel Nachbearbeitung abgenommen in Form von Objektivkorrekturen und entfernen von CAs in Lightroom.

Zudem kommt es ja bekanntlich immer auf den Anwendungszweck an. Bei Porträts sind unscharfe Bildränder nicht so dramatisch wie bei Landschaften. Hier will man meist die bestmögliche Qualität bis in den Bildrand.

Sony Zeiss 55mm 1.8 | F1.8

Gerade bei Kunden- und Auftragsarbeiten zahlt es sich dann doch irgendwo aus, die bestmögliche Qualität abrufen zu können – und das schon ab Offenblende. Wie „realistisch“ das am Ende aussieht ist die andere Frage. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die auf Schärfe getrimmt ist (Smartphones mit immer mehr Megapixeln, neue schärfere 4- oder 8k Fernseher zum Fußball schauen, etc.). Somit fällt es so oft auch leichter, Leute und Kunden mit scharfen Ergebnissen zu beeindrucken. Auch wenn das Bild eventuell mit weniger Schärfe und mehr Tiefe realer aussehen würde.

Am Ende muss man eben abwägen, was man für sein jeweiliges fotografisches Feld eher braucht.

Wie du wirklich Fotos mit gesteigerter Dimensionalität fotografierst

Okay – es mag wohl Objektive geben, die die Welt intensiver und greifbarer abbilden als andere. Aber wie so oft reicht es leider nicht aus, sich einfach nur eine neue Linse zu kaufen. Manchmal sieht man dann zwar schon einen Hauch vom sagenumwobenen 3D Pop. Nun liegt es aber am fotografischen Können, diesen Eindruck auszuarbeiten – dem Foto mehr Tiefenwirkung zu geben. Natürlich kann eine Linse mit guter Wiedergabe von Mikrokontrasten schon einmal den Grundstein legen.

Da wir gerade schon bei der Ausrüstung waren, will ich diesen Bestandteil ohne großen Unterpunkt erwähnen: Du benötigst eigentlich nur eine Festbrennweite. Wie wir oben rausgehört haben reichen hier eigentlich auch Objektive mit einfacheren Aufbauten. Oder eben gar Objektive aus analogen Zeiten. Wenn man etwas Geld über hat, kann man sich auch die Premium Linsen von Zeiss o.ä. ansehen.

Es muss aber nicht zwingend viel kosten, um eine Linse mit dem besagten Mikrokontrast zu erhalten. Mach dich einfach mal im Internet schlau, welche Objektive besonders guten 3D Pop erzeugen können. Die Linsen sollten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Schärfe, Mikrokontrast und Bokeh Rendering besitzen. Es muss nicht einmal die neue überkrasse Blende F1.2 Linse sein.

Am Ende geht es darum, unserem Gehirn auf dem zweidimensionalen Foto einen dreidimensionalen Eindruck vorzugaukeln bzw. die Sinne so zu aktivieren, dass man diesen Moment des „Oh, das sieht so räumlich aus“ zu erzeugen. Dazu benutzen wir neben dem Equipment noch folgende Trigger:

1. Das richtige Licht

Oh nein – nicht schon wieder auf das Licht achten. Wie gesagt ist die Technik (wenn überhaupt) nur die halbe Miete. Auch bevor wir unser 3D Buzzword kannten, wollten wir Fotos in gewisser Weise mit Tiefe gestalten. Und Licht kann hier sehr behilflich sein.

Ich denke es muss hier auch nicht zwingend nur um weiches Porträt Licht gehen. Gerade auch harte Lichtakzente können Objekte oder Personen hervorheben und realer erscheinen lassen.

In diesem Beispiel sorgte weiches, natürliches Licht für eine sehr plastische Ausleuchtung. Helios 44-2 58mm F2.0

So kommt automatisch auch Schatten ins Spiel. Schatten lassen Dinge räumlich wirken und somit spielt uns Schatten sogar oft mit in die Karten. Das funktioniert aber natürlich auch gewohnt mit weichem Licht.

Ich würde sagen, wir verlassen uns bei diesem Punkt einfach weiterhin auf unser fotografisches Gespür für „gutes“ Licht – es muss aber nicht immer nur diffuses Licht sein.

2. Bokeh und Tiefenschärfe

Die zweite Zutat zur Umsetzung ist natürlich unsere Wahrnehmung der Tiefe über Unschärfe im Foto. Schon im Artikel über Tiefenunschärfe und wie du sie stimmungsvoll einsetzt ging es um dieses Thema. Hier habe ich aber eher immer in Ebenen gedacht:

Vorder-, Mittel- und Hintergrund – fertig ist die Tiefe.

Soweit so gut. Doch es geht noch besser. Gerade als ich die Fotos analysiert habe, denen man den 3D Effekt zuschreibt, ist mir etwas aufgefallen.

Und zwar dass in ziemlich vielen Fällen ein direkter Verlauf der Tiefenschärfe hin zum Modell und wieder weg zu erkennen ist. Man hat so also nicht nur einen Aufbau in drei Ebenen, die ich nun einfach einmal mit drei Pappaufstellern in Vergleich bringen will.

Stattdessen sieht man z.B. durch einen Winkel auf den Boden, wie das Bokeh um das Objekt im Raum verläuft. Dadurch sieht die Kulisse nicht nur nach drei Pappaufstellern aus, sondern nach einer dreidimensionalen Kulisse.

55mm 1.8 mit Zeiss 3D Pop
Hier kannst du direkt erkennen, wie die Schärfe allmählich abfällt und einen Verlauf bildet. Sony Zeiss 55mm 1.8 | F2.0

Was mir auch aufgefallen ist, ist dass man nicht einmal zwingend auf Offenblende 1.4 fotografieren muss. Das sieht man z.B. im Artikel von Alik Griffin über „The Beauty Of Slower Lenses“.

Seine Bilder vom Nikon 50mm 1.8 wirken auch sehr räumlich, obwohl man ja sonst eher den 1.4er Linsen die Möglichkeit von hoher Tiefenunschärfe und somit großer Tiefenwirkung zuschreibt.

Es reicht also völlig, wenn man sich einen passenden Winkel sucht, wo der Schärfeverlauf sichtbar wird. Anschließend kann man oft sogar auch etwas abblenden, da zu starkes Bokeh den Tiefeneindruck manchmal stören kann. Denn auch als Mensch nimmt man beim Sehen nicht bei jeder Gelegenheit eine F1.0 Unschärfe wahr. Einfach etwas experimentieren, was gerade am besten passt.

3. Bildaufbau und Blickwinkel

Gerade schon darauf hingeleitet kommt es wie immer auf die Bildgestaltung und den richtigen Blickwinkel an. Und zwar nicht nur um wie beschrieben den Verlauf der Unschärfe deutlich zu machen.

Stellen wir uns die Frage, wie hier wieder ein Aufbau aussehen könnte, um Tiefe zu vermitteln. Viele Dinge habe ich schon in den beiden verlinkten Artikeln angesprochen. Im Bezug auf den 3D Effekt zeige ich in der Komposition gerne hinter dem fokussierten Element noch weitere im Raum abfallende Objekte.

Zeiss 3D Pop durch Anordnung der Objekte
Gib dem Betrachter im Bild Anhaltspunkte. So kann sich das Auge vortasten und durch die abfallende Schärfe der Objekte entsteht ein räumlicher Eindruck. Sony Zeiss 55mm 1.8 | F1.8
Sony Zeiss 55mm 1.8 | F4.0

Das Auge des Betrachters kann sich so entlang der immer weiter im Raum entfernten Dinge orientieren und den räumlichen Eindruck verstärken.

Auch würde ich immer die Abbildungsgröße im wahrsten Sinne im Auge behalten. Achte auch hier auf das gewöhnliche Sichtfeld eines Menschen und wie groß das ganze abgebildet wird. Meistens wirken die Dinge räumlicher, wenn nichts zu stark abgeschnitten sondern im ganzen einseh- und begreifbar ist. So wie man eben auch die Dinge in der Realität sehen könnte.

Ein wichtiger Punkt, der auch in die Bildgestaltung mit einfließt, ist wie sonst auch das Posing vom Model. Wenn sich die Person einfach nur gerade und „flach“ hinstellt, entsteht weniger Tiefe als bei Posen, die sich räumlich verlagern. Ein Beispiel wäre ein ausgestreckter Arm oder ähnliches.

Der Zeiss 3D Pop Effekt
Würde die Person einfach nur gerade dastehen, könnte man den Tiefeneffekt nicht so erkennen, wie hier am Arm beim Zaun.

4. Weitere Abgrenzungen zum Hintergrund schaffen

Klar kommt es hierbei im großen Sinne auf die drei vorherigen Punkte an. Allerdings kann man hier auch kreativ werden.

Beispiele können nach bisherigen Erkenntnissen sein:

  • durch Licht Bildbereiche in Helligkeiten unterteilen (z.B. heller Vordergrund vor dunklerem Hintergrund)
  • Objekte durch verschiedene Positionen im Bild abgrenzen
  • Elemente durch (Verlauf von) Tiefenunschärfe und Bokeh abgrenzen

Neben diesen Themen kann man sich z.B. auch auf Farbkontraste besinnen und Vordergrund durch verschiedene Farben vom Hintergrund trennen.

Zeiss 3D Pop
Model in hellerem Licht, das sich so gut vorm dunkleren Hintergrund absetzt.

5. Schärfe

Auch wenn Schärfe nicht alles ist – aber für den 3D Pop muss das Objekt oder die Person perfekt scharf gestellt sein. Nur so kann die Brillanz dazu beitragen, dass die Szene realistisch wird.

Bei Porträts würde es stören, wenn die Augen nicht scharf sind. Ansonsten kann von diesem Punkt aus auch keine Schärfe abfallen und den angesprochenen Verlauf bilden.

Beim Porträt sollte die Schärfe immer zum Model hin, und dann wieder weg verlaufen.

6. Die passende Bearbeitung

Auch die Bearbeitung ist zuletzt wichtig, um den räumlichen Eindruck zu erhalten. Neben dem Farblook ist mir bei den Beispielfotos immer wieder aufgefallen, dass v.a. eine hohe Dynamik mit im Spiel ist. Außerdem wird oft etwas nachgeschärft und auch die Mikrokontraste etwas verstärkt.

Alle Fotos in diesem Beitrag sind grundlegend erst einmal mit dem THO 01 Preset aus meinem THO Preset & Profile Pack bearbeitet. Um den besprochenen Effekt zu steigern, habe ich noch einige Anpassungen vorgenommen.

  • Dynamikumfang vergrößern – denn auch beim Sehen der Realität gleicht das Auge blitzsschnell Dynamikunterschiede aus. Weiße ausgebrannte Stellen oder abgesoffene Tiefen gibt es für das Auge nicht. So verstärkt man grundsätzlich die Plastizität in Fotos.
  • Gesamten Bildkontrast etwas schwächen – wir wollen uns nun eher auf Mikrokontraste konzentrieren.
  • Mikrokontraste und Strukturen herausarbeiten
  • Bildrauschen nehme ich in diesem Fall etwas heraus, da es sich dabei auch nur um einen zusätzlichen Effekt handelt, der aber keine realistische Wirkung erzielt.

Wichtig sind daneben natürlich auch lebendige Farben im Foto, weshalb ein guter Weißabgleich unerlässlich ist.

Vorher: Out of Camera – Nachher: Nach obiger Anleitung bearbeitet

Brenizer Methode

Bei Fotos nach der Brenizer Methode werden z.B. auch Porträts wie oft bei Landschaftsfotos als Panorama zusammengesetzt. Wie das genau funktioniert, habe ich bereits im Beitrag über die Brenizer Methode und Bokehramas erklärt.

Im Zuge dieses Artikels ist mir aufgefallen, dass auch diese Fotos oft den besagten 3D Pop in sich tragen. Sie nehmen damit eine Sonderstellung ein.

Ich denke, dass bei diesen Fotos viele der besprochenen Gestaltungsregeln zusammentreffen: Wir haben auf der einen Seite ein sehr starkes Bokeh. Durch die weitwinklige Aufnahme lässt sich aber der Verlauf der Tiefenschärfe überall auch deutlich erkennen. Somit ploppen hier Personen sehr gut aus dem Foto heraus.

Fazit: Zeiss 3D Pop – Realität oder Einbildung?

Ich will mit solchen Begriffen immer erst einmal vorsichtig sein und nicht zu viel Bedeutung zuschreiben. Wie bei den meisten Dingen in der Fotografie nimmt auch jeder den Effekt und dessen Stärke unterschiedlich wahr. Und auch von Foto zu Foto hat jeder eine andere Meinung, wie stark dieses Phänomen in Erscheinung tritt. Nach meinen Recherchen habe ich auch auf ein paar meiner Bilder zurückgeblickt und dachte mir, dass dieser Effekt schon vorher immer wieder in gewisser Weise vorhanden war. Und ich hatte bis dato keine Zeiss Linse.

Auch viele Fotos in diesem Beitrag stammen von meinen Sigma Linsen – denen andere Autoren z.B. diese Wirkung überhaupt nicht zuschreiben (alle Fotos, bei denen kein Objektivmodell im Untertitel steht). Ich bin hier mein Archiv durchgegangen, und habe gezielt nach Situationen gesucht, wo der Effekt im Ansatz auftritt. Mal mehr, mal weniger stark.

Ob der 3D Pop Einbildung ist oder nicht: Wie man es nennt, ist jedem selbst überlassen. Allenfalls habe ich mit diesem Beitrag noch einmal viele Punkte wiederholt, die für ein Foto mit räumlicher Wirkung nötig sind.

Zeiss 3D Pop Effekt

Dennoch gibt es da draußen einfach zu viele Artikel und Erfahrungsberichte über dieses Thema, um es einfach ignorieren zu können. Ich werde in Zukunft auf jeden Fall noch ein paar Objektive ausprobieren, denen man diesen Effekt zuschreibt.

Wie bereits angedeutet bringt aber die Ausrüstung alleine nichts – man muss schon noch ein paar Elemente einfließen lassen, dass der Effekt wirklich sichtbar wird. Das alles zusammen ist ein super spannendes Thema, mit dem ich mich wohl in nächster Zeit noch etwas beschäftigen werde.

Wie siehst du das? Hattest du auch schon Fotos, wo du diese „dreidimensionale“ Räumlichkeit wahrnehmen konntest? Setzt du vielleicht schon auf „einfachere“ Linsen oder hältst du den 3D Pop für einen Mythos? Schreib es in die Kommentare – ich bin gespannt!

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

3 Gedanken zu „In 6 Schritten zu Fotos mit Zeiss 3D Pop Effekt und mehr Räumlichkeit“

  1. Hallo Markus,

    das mit dem 3D Effekt ist eigentlich gar nicht recht kompliziert.
    Es hat nach meinen bisherigen Erfahrungen mit drei Komponenten zu tun:

    1. Die Harmonie der eigentlichen Unschärfen, also die Qualität des strapazierten Begriffs „Bokeh“. Wie harmonisch verschwimmen die unscharfen Bereiche. Der entscheidende Punkt, wo sich der Spreu vom Weizen trennt, zeigt sich darin, wie schön nur leicht unscharfe Bereiche verschwimmen, also Ebenen, die relativ nah am Schärfezentrum liegen. Also die Qualität (wie schön) ist hier weit wichtiger als die Quanität (wie sehr verschwimmt es). Verschwimmt alles sehr stark, nehmen sich die meisten Objektiv nichts, das schaut überall gut aus, wenn die Blende identisch ist. Ist etwas aber nur leicht unscharf, so dass man noch gut erkennen kann, was oder wer es ist, zeigen die meisten Objektive eine gewisse Rauhigkeit. Dopplereffekt bei Linien z.B. sind sehr hässlich, gute (i.d.R. auch teure) Objektive lassen eine Linie harmonisch verschwimmen – es bleibt eine Linie und es werden nicht zwei. Auf die Art „schlechtes“ Bokeh nahe der Schärfeebene sieht dann zerfetzt, zerrissen, rau aus.
    2. Genau wie du geschrieben hast – der richtige Mikrokontrast. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel – was uns zum nächsten Punkt bringt:
    3. Möglichst feine Abstufung der Helligkeit und Farben – könnte man auch als Helligkeits- oder Farbauflösung bezeichnen. Also möglichst viele Zwischenstufen. Zu viel Kontrast macht genau das eben wieder zunichte – daher hab ich das vorhin bei Punkt 2 erwähnt. Hier gibt es in der Tat deutliche Unterschiede bei den Objektiven. Gerade auch die digitale Korrektur, die den Linsen auch in den RAW Dateien mitgegeben wird, bügelt da oft viele Feinheiten glatt, was diese Qualität vermindert. Optisch hochkorrigierte Objektive, die nicht so viel digitale Korrektur benötigen, sind hier meist im Vorteil, die dann – wen wundert’s – auch teurer sind.

    Ein Objektiv, dass alle drei Eigenschaften in hohem Maß mitbringt, erzeugt dann einen besonders räumlichen, plastischen Eindruck. Gutes Beispiel hierfür ist das erwähnte Sony 55/1.8

    Ein Beispiel eines Objektivs, das nicht alle Punkte erfüllt, wäre das Panaleica 25/1.4.
    Das erfüllt die Punkte 2 und 3 mit Bravour, aber Punkt 1 sehr schlecht, bei nur leicht unscharfen Bereichen ist das Bokeh total rauh, regelrecht zerfetzt. Ich hatte ein sehr gutes Exemplar, das ich viele Jahre genutzt, aber letztlich aus diesem Grund verkauft habe. Was ich aber bemerkt habe, dass es abgeblendet – also selbst wenn alles scharf war – irgendwie besonders plastisch gewirkt hat. Betrachter meiner Bilder haben diese Bilder immer bewundert, als ob man hineingezogen würde, meinten sie. Obwohl alles scharf war. Das waren genau die Mikrokontraste, und die feine Abstufung der Farben und der Helligkeit, eben nicht zu viel Kontrast, sondern genau richtig.

    So, viel Text, aber verglichen mit deinem Artikel immer noch wenig ;-)

    Viele Grüße
    Emanuel

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