Sigma 85mm 1.4 Art Sony E-Mount Review / Test: Der ultimative Bokeh König?

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Schärfe ab Offenblende, kaum chromatische Aberrationen und ein Bokeh wie Butter. Das wünschen sich Fotografen von ihren Objektiven – und das Sigma 85mm 1.4 Art ist dafür ein hochkarätiger Kandidat. Ich habe getestet, ob sich das Objektiv wirklich als erstklassige Alternative zu den anderen nativen Sony Objektiven behaupten kann.

Die Objektivauswahl für das Sony E-Mount System erweitert sich aktuell stetig. So kam mit der Ankündigung der Anpassung der Sigma Art Reihe auf den Sony Anschluss nun auch das besagte 85mm heraus. Bereits auf Canon oder Nikon Anschluss hat sich das Objektiv behauptet und führt die DxOMark Objektiv Bestenliste ganz oben mit an.

Doch die Zahlen auf dem Papier sind das eine. Wie handhabt sich das Objektiv nun im Alltag und welche Fotos kann ich damit machen?

Wieso ich das Sigma 85mm 1.4 Art für Sony E-Mount gekauft habe

Bei Sigma Objektiven gab es schon immer viel Sonne – aber auch etwas Schatten: Auf klassischen DSLR-Kameras mit Phasen-Autofokus funktionierte das Scharfstellen meistens nicht präzise. So musste das Art Objektiv fast immer mit dem Sigma Dock feinjustiert werden. Das kostete oft viel Mühe und Nerven – und am Ende hat es dann doch nicht gepasst oder musste nach einem halben Jahr erneut überprüft werden.

Das fällt mit den Sigmas an meiner Sony A7 III Systemkamera nun weg. Hier überprüft die Kamera auf Sensorebene, ob das Bild scharf ist. Ein Vorteil gegenüber der Verwendung auf DSLR Kameras.

Nun aber zur Bevorzugung gegenüber den Alternativen. Diese wären das Sony 85mm 1.8 FE*, das 85mm 1.4 G Master von Sony* sowie die 85mm 1.8 Zeiss Variante*.

Adaptiertes 50mm und natives 85mm Art für E-Mount
Schon das 50mm Art überzeugte mich auf der Canon. Hier der Größenvergleich zwischen dem adaptierten 50mm und dem 85mm mit E-Mount Anschluss

Auch wenn man nicht immer nur auf F1.4 fotografiert – wenn es darauf ankommt wird das Bokeh beim Sigma und dem G Master etwas weicher. Auch kann bei Dunkelheit mehr Licht ins Objektiv.

Aber auch wenn ich meistens auf F2.0 fotografiere ist ein F1.4 Objektiv schon stärker abgeblendet als ein 1.8er und liefert bessere Qualität.

Und wo wir von Bildqualität reden: Hier schneidet das Sigma einfach am besten ab. Es produziert sogar einen Ticken mehr Schärfe als das G Master und hat dabei weniger chromatische Farbsäume an kontrastreichen Kanten.

All das habe ich nicht selbst getestet, sondern im Vornherein kleinlichst recherchiert. Lediglich das Bokeh kann beim G Master Objektiv etwas weicher sein. In Sachen chromatische Aberrationen haben mich die Tests aber angesichts des Hohen Preises enttäuscht.

Ein weiterer Kaufgrund war für mich, dass ich bereits das Sigma 50mm 1.4 Art für Canon auf meiner Sony adaptiere. Bei Verwendung von Objektiven der selben Serie ist der Look am Ende etwas einheitlicher.

Lieferumfang, Handhabung, Verarbeitung und Funktionen des Sigma Objektivs

Gleich einmal so viel Lob zum Objektiv. Und auch in der Verarbeitung punktet das Sigma: Schon beim ersten mal in die Hand nehmen fühlte man, dass es sehr massiv verarbeitet ist.

Und hier kommen wir gleichzeitig zum ersten von zwei Minuspunkten des Objektivs: Die Größe und das Gewicht. Beide Faktoren sind enorm hoch. Wer ein Objektiv für unterwegs sucht ist hier falsch. Das Objektiv macht aus der kleinen DSLM Kamera ein großes Gerät.

Sigma Art 85mm 1.4 E-Mount Review: Die Größe des Objektivs
Die Größe des Sigma Objektivs macht aus dem kleinen Sony Kamerabody eine stattliche Kamera.

Zunächst noch zum Lieferumfang. Hier erhaltet ihr neben dem Objektiv selbst noch:

  • Objektivtasche mit Riemen
  • Gegenlicht Blende
  • Objektivdeckel
  • Papierkram
Lieferumfang Sigma Objektiv
Der Lieferumfang

Das Objektiv an sich fühlt sich vielleicht auch durch das Gewicht sehr hochwertig an. Es ist gut verarbeitet – vieles besteht aus Metall. Die Gegenlichtblende ist aus Plastik, fühlt sich aber ebenfalls nicht billig an.

Es besitzt einen Schalter um zwischen manuellem und automatischen Fokus wechseln zu können. Dieser Hebel geht relativ straff (aber angenehm), so dass ein versehentliches Umschalten verhindert wird. Circa die Hälfte des Objektivs besteht aus dem mächtigen Fokusring, der sich somit gut greifen und bedienen lässt.

Sigma 85nn 1.4 Art Review - der Fokus Knopf
Der AF – MF Schalter lässt sich nicht versehentlich verstellen.

Die Optik besitzt einen 86mm Filter Durchmesser. So viel Glas habe ich noch nie vorher irgendwo gesehen – auch der Blick nach innen ins Objektiv ist einfach nur traumhaft.

Die Linsen des Sigma 85mm 1.4 Art Objektivs

Ich empfehle zum Schutz vor Kratzern bei dieser riesen Linse noch den passenden 86mm UV Schutzfilter von Hoya* zu bestellen.

Eines der Highlights das es so nur bei der E-Mount Variante gibt ist die Gummilippe am Anschluss, die das ganze noch wetterfester und staubdicht macht.

Wetterfestigkeit Sigma Art
Im Gegensatz zu meiner Canon Variante findet sich bei der Sony Edition eine Gummilippe gegen Feuchtigkeit und Staub.

Wie gut der Autofokus funktioniert

Ein kleiner Nachteil ist der Autofokus, der gefühlt etwas langsamer geht (auch im Vergleich zu meiner 50mm Optik über den Sigma MC-11 Adapter*). Das liegt vielleicht auch an der Kombination zum Kontrast Fokussystem der Sony.

Wenn das Objektiv von einer Naheinstellung auf die Ferne fokussiert kommt es manchmal zu einer Verzögerung. Es fühlt sich so an, als ob es etwas dauert bis das Objektiv durch die dichte „Bokeh-Wand“ dringen kann und dann schließlich einen Kontrast erkennt und scharf stellt.

Das ist der erste kleine Autofokus Nachteil. Der Zweite ist die Unsicherheit beim Fokussieren im Gegenlicht. Bei meinen Tests in der Wohnung gegen ein Fenster fokussiert kam es manchmal zum unsicheren Pumpen des Autofokus.

Die Entfernungsanzeige des Objektivs

Anders sah es in der Praxis bei einer echten Hochzeitsreportage oder Portraitshooting aus: Hier merkte ich davon nichts mehr und alles lief glatt, flüssig und schnell.

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Die „Fehler“ beim Fokussieren daheim in Tests (von ganz nah auf ganz fern oder bei fiesem Gegenlicht) hatte ich im Alltag eigentlich nicht. Hier fokussiert das Objektiv blitzschnell zwischen Objekten die in ähnlicher Entfernung sind. Gegenlicht habe ich nur selten und das Problem tritt auch nicht immer auf.

Unterm Strich sehe ich beim Autofokus also einen zweiten leichten Minuspunkt.

Update 26.03.2020: Firmware Update

Bereits letztes Jahr ist ein Firmware Update für die Sigma Objektive herausgekommen. Seitdem ist der Autofokus in meinem Fall merkbar besser geworden. Er rennt nun ziemlich schnell und agiert noch etwas treffsicherer. Somit kann ich nichts mehr gegen den Autofokus sagen. Damit bleibt der einzige Nachteil vom Objektiv die Größe und Gewicht.

Bildqualität: Schärfe, Vignettierung, Verzerrung und chromatische Aberrationen

Nun haben wir die zwei Minuspunkte abgeklärt – weiter geht’s mit den Highlights. Das ist zum einen die grandiose Bildqualität.

Wie von der Art Serie gewohnt packt das Objektiv schon gleich ab Offenblende mächtig zu: Unglaubliche Schärfe, kaum Vignettierung oder Verzerrungen. Farbsäume verschwinden fast komplett beim Abblenden (ich benutze das Objektiv meistens auf F2.0).

Dazu will ich einfach nur kurz ein paar Testfotos zeigen. Bei diesen will ich vor allem die Offenblende beleuchten. Zunächst sehen wir uns die Verzerrung und Vignettierung des Objektivs an.

Blende 1.4 – Vorher: Out of Camera – Nachher: Mit hinterlegten Lightroom Objektiv Korrekturen

Im Slider siehst du, wie gering die Verzerrung des Objektivs ist. Eine Vignettierung ist zu vernehmen, allerdings auch nicht wirklich stark.

Schärfe bei Offenblende F1.4 – Vorher: Bildmitte – Nachher: Rand oben rechts

Das hier sind zwangsläufig komprimierte Dateien für das Netz. Aber auch in Lightroom lässt sich kein signifikanter Unterschied zwischen Mitte und Bildrand in Sachen Schärfe feststellen. Schärfe wird bei diesem Objektiv niemand vermissen.

Nun ein kurzer Vergleich zwischen F1.4 und F2.0

Vorher: F1.4 – Nachher: F2.0

Hier ist zu erkennen, dass die Vignettierung etwas nachlässt.

Da die Schärfe auch bei Offenblende in der Bildmitte überragend ist, will ich einen Vergleich zwischen den Rändern beim Abblenden zeigen.

Schärfe Bildrand – Vorher: F1.4 – Nachher: F2.0

Hier hat das Objektiv noch einmal einen minimalen Zugewinn an Schärfe.

Chromatische Aberrationen bei extremen Gegenlicht Situationen besitzt das Objektiv minimal auf Blende F1.4 – beim Abblenden auf F2.0 sind diese aber kaum noch vorhanden.

Zoom: F1.4 CAs

Das Objektiv ist dennoch aber schon sehr gut auf Offenblende zu gebrauchen. Ab F2.0 ist es für meine Zwecke schon mehr als ausreichend in Sachen Bildqualität.

König der Unschärfe: Das Bokeh

Dafür kauft man sich ein 85mm 1.4 Objektiv: Für mächtig Bokeh bzw. einen butterweichen Hintergrund. Funktioniert natürlich auch im Vordergrund.

So lassen sich auch Ganzkörper Aufnahmen von Personen mit massig Unschärfe unterlegen. In Verbindung mit dem zuverlässigen Sony Augen Autofokus lässt sich je nach Abstand sogar Blende F1.4 verwenden.

Detailfotos von Gegenständen in Nahaufnahmen sehen auch sehr spannend aus.

Genug geredet – ich lasse nun ein paar Testaufnahmen mit dem Sigma Objektiv sprechen.

Testfotos aus der echten Welt

Sigma 85mm 1.4 Art Test
Sigma 85mm 1.4 Art Test
Sigma 85mm 1.4 Art Test

Fazit: Sigma 85mm 1.4 Art Review & Test

Ich liebe dieses Objektiv. Mittlerweile nenne ich es auch „die Glaspanzerfaust“ – ja, es ist sehr schwer und riesig. Jedoch gibt es eben immer einen Kompromiss wenn man eine sehr gute Bildqualität will.

Sigma 85mm 1.4 Art Test Urteil: Sehr gut

Und nicht nur die Bildqualität zeichnet es aus: In Verbindung mit dem Bokeh erzeugt dieses Objektiv einen sehr charakteristischen Look. Da wo der Fokus ist, ist alles wirklich knackscharf. Der Hintergrund butterweich. Das zusammen ergibt einen sehr schönen Bildlook.

Bei Tests zu Hause (teilweise sehr schwierige Lichtsituationen) war der Autofokus teilweise etwas langsam oder hat gepumpt. In der Praxis ist mir das aber noch nie passiert (hatte das Objektiv schon bei zwei Reportagen mit dabei). Für mich überwiegen hier die positiven Punkte.

Für wen ist dieses Objektiv etwas?

Du liebst geniale Bildqualität, weiches Bokeh und fotografierst Portraits? Du scheust es nicht etwas mehr Gewicht zu tragen und fotografierst auch keine Sportevents? Dann wirst du diese hochwertige Optik lieben.

Du betreibst Streetfotografie, suchst ein 85mm Objektiv für unterwegs oder bist es Leid viel zu schleppen? Du kannst auf das letzte Fünkchen Bildqualität verzichten? Dann ist das Sony 85mm 1.8* die mobilere und günstigere Alternative zum großen Sigma Objektiv.

Anderen Falls kannst du hier das Sigma:

Ich als Berufsfotograf liebe die Bildqualität und das Bokeh. Und zwei positive Effekte hat die Größe des Objektivs immerhin: Es liegt (auch durch den großen Fokusring) sehr gut in der Hand und auch von Onkel Bob wird man auf Hochzeiten künftig ernst genommen ;-) Das Objektiv ist trotz der großen Maße und Gewicht immer im Rucksack dabei und findet spätestens bei Portraitaufnahmen seinen Einsatz.

Update 31.07.2020

Das Sigma hat mir zwei Jahre grandiose Bildergebnisse geliefert. Doch es war immer eine Hassliebe. Das Fotografieren vor Ort hat dabei immer weniger Spaß gemacht, als die grandiosen RAW-Dateien am Rechner zu sichten. Daher wollte ich nun doch auf eine Alternative umsteigen.

Im Sony 85mm 1.4 Testbericht schreibe ich, wieso ich nun auf das Sony Original umgestiegen bin. Kurz zusammengefasst:

Das Sigma ist vom technischen Aspekt her das bessere Objektiv. Es ist etwas schärfer und bildet das Bokeh zum Rand hin gleichmäßiger ab. Auch der Autofokus ist schneller, als der vom Sony Original.

Allerdings macht das Sony Objektiv im Handling durch geringeres Gewicht und Größe, sowie die Knöpfe und den Blendenring einfach viel mehr Spaß beim Fotografieren. Im Alltag ohne direkte Gegenüberstellung bringen beide Objektive mehr oder weniger den selben tollen Bildlook.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

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