Fotografischer Blick: Mit 5 Übungen im Alltag sehen lernen, um besser zu fotografieren

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Das schönste Bokeh, der schnellste Autofokus und der rauschärmste Sensor nützen nichts. Sofern ein ästhetisches Gespür fehlt. Die Rede ist vom fotografischen Blick.

Was viele als Naturtalent auslegen, ist nicht zuletzt oft auch Übungssache und kann trainiert werden. Mit der Zeit wird man nämlich immer besser darin, fotografierenswerte Dinge zu sehen. Dazu zählt nicht nur das Motiv, sondern z.B. auch der passende Blickwinkel für stimmungsvolle Bildgestaltungen.

Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings dauern.

– Leica

In diesem Beitrag gehe ich darauf ein, wie du lernen kannst, fotografisch zu sehen. Ganz recht – im Ausdruck „sehen“ steckt nicht einmal das Wort fotografieren. Im Grunde geht es beim Thema Fotografischer Blick nämlich wirklich nur darum, bewusst zu sehen. Und das kann im Alltag ganz ohne Kamera geübt werden. An jedem Ort und zu jeder Zeit.

Auf die folgenden Aspekte kommt es darauf an.

1. Motive

„Das hätte man fotografieren sollen!“ – hören wir wohl ständig irgendwelche Freunde und Bekannte sagen. Doch was meinen sie damit überhaupt?

Meistens sind damit Szenen, Momente oder Kulissen gemeint, die man für immer festhalten möchte. Und visuell immer wieder durchleben will.

Ein einzigartiger Moment ist z.B. immer wieder eine Hochzeit. Die Bilder helfen dabei, den Tag auch in 50 Jahren noch einmal durchleben zu können.

Eine Kulisse könnte eine wundervolle Landschaft auf Reisen sein. Doch auch Personen lassen sich gerne alleine oder mit den Liebsten porträtieren.

Hochzeiten bieten viele einzigartige Motive, die nur in diesem oft 12-Stündigem Zeifenster präsent sind. Danach sind sie für immer vorbei.

All das sind Momente, wo auch der normalsterbliche Nicht-Fotograf sagt: Das muss festgehalten werden.

Doch wie sieht man das nun als Fotograf mit geschultem Auge?

Wir als Kreative sehen auch in scheinbar einfachen Gegebenheiten etwas schönes. In kleinen Details sehen wir eine komplette Geschichte. Zeigt man anschließend Fotos davon, sind Leute oft gerade dadurch begeistert, weil sie selbst es übersehen haben.

Und hier fängt der fotografische Blick an. Sowohl ein Auge für das große Ganze, als auch für die kleinen Momente und Details zu haben. Nicht nur das offensichtlich Schöne unzensiert fotografieren. Sondern hier auch mal einen Umweg gehen. Um die Ecke denken und dann bewusst abdrücken.

Die Fotografie erzählt Geschichten, die die meisten Leute sonst nie entdeckt hätten.

Das ist eigentlich auch der komplette Reiz an der Fotografie. Anderen Menschen den eigenen Blickwinkel präsentieren. Und sie damit zum Staunen zu bringen.

Disclaimer: Natürlich geht es beim Fotografieren nicht primär darum, andere zu beeindrucken. Auch man selbst genießt natürlich den Prozess, anders zu sehen. Aber ich finde es dennoch immer wieder schön, wie andere Personen auf den eigenen Blick reagieren.

Durch den passenden Winkel kann man auch kleine und unscheinbare Dinge erfrischend anders abbilden. Und somit auch Leute begeistern, die die Welt so noch nie gesehen haben.

Entwickle also zunächst ein Gespür dafür, was überhaupt sehens- und fotografierenswert ist. Aber auch was nicht. Und wie du daraus eine Geschichte erzählen, oder deinen Blickwinkel zeigen kannst. Dazu fällt mir auch folgendes Zitat ein:

Ein Foto zeigt 50% den Bildinhalt und zu 50% den Fotografen selbst.

In einem Foto kann man also nicht nur die abgebildete Szene oder Person sehen. Sondern auch den Fotografen selbst anhand vom fotografischen Blick und Vorlieben.

2. Licht

Fotografie ist immer direkt vom Licht abhängig. Ohne Licht, kein Foto.

Da Licht ein wesentlicher Bestandteil ist, muss man üben, Lichtsituationen zu erkennen. Auch damit kann man im Alltag anfangen. Egal ob früh der Sonnenaufgang den Frühstückstisch erhellt, hartes Mittagslicht interessante Schatten auf den Asphalt wirft oder das Gesicht vom Gegenüber in einem undefinierbarem Licht im Supermarkt erscheint.

Fotografischer Blick - Sehen lernen
Achte auf unauffällige, aber faszinierende Licht- und Schattenspiele

Achte ab jetzt immer aktiv darauf, wie das Licht wirkt. Das ist sonst mit Kamera immer die Stelle, an der ich empfehle, durch den Liveview zu schauen. Das liegt daran, da sich das Auge immer in Sekundenbruchteilen an neue Gegebenheiten anpasst und man kaum Unterschiede erkennt. Daher sind Lichtstimmungen mit bloßem Auge meist schwieriger erkennbar, als durch die Kamera im manuellen Modus.

Auch wenn man sich anfangs etwas schwer tut – wichtig ist, dass man anfängt. Fang damit an, Licht bewusst wahrzunehmen. Fang damit an, weiches Fensterlicht oder verrückte Schattenspiele zu erkennen. Oder zu sehen, wie Licht in verschiedenen Situationen ins Gesicht von anderen Personen fällt.

Ein besonderes Licht spontan mit bloßem Auge gesehen…
Sehen lernen für bessere Porträts
…kann als Porträt umgesetzt zum Hingucker werden.

Egal ob im Büro, beim Waldspaziergang oder beim Einkaufen. Und egal ob es nun gut oder schlecht aussieht – es ist immer unterschiedlich und lässt dich dein Auge trainieren.

3. Formen

Wie schon in meinem Beitrag über Bildgestaltung beschrieben, muss man trainieren, in Formen zu sehen. Formen sind überall. Ich blicke gerade z.B. in ein 27″ Rechteck, während ich diesen Beitrag schreibe. Gleich daneben bildet mein Glas Wasser eine Ellipse. Meine Regale bilden perfekte Quadrate und die Bäume außen bilden einzelne Linien.

Formen lassen sich überall im Alltag finden. Verkehrszeichen sind ein einfaches Beispiel.

Im ersten Moment mag das für den ein oder anderen vielleicht nach Kindergarten klingen. Doch nur, wenn man diese Formen aktiv wahrnimmt, kann man später das Bild gestalten.

So wie Grafiker auf der Zeichenfläche mit den Formen gestalten, machen wir Fotografen das später auch. Nur dass unsere Zeichenfläche das Foto ist. Und die Formen eben erst in der Realität bewusst wahrgenommen werden müssen.

Halte deine Augen also im Alltag offen für:

  • Kreise
  • Rechtecke
  • Quadrate
  • Linien

Tipp 1: Um grundlegende Formen besser erkennen zu können, hilft es oft die Augen zusammenzukneifen und nur noch schemenhaft zu sehen. Das kann man auch damit vergleichen, als würde man das Objektiv auf manuellem Fokus einfach mal unscharf stellen. Dadurch werden die kleinen und teilweise unwichtigen Dinge ausgeblendet. Und die großen und wichtigen Formen können einfacher erkannt werden.

Durch Zusammenkneifen der Augen erkennt man Formen nur noch schemenhaft. So werden Ablenkungen ausgeblendet und die tatsächlichen Formen können einfacher erkannt werden. Hier verdeutliche ich das durch ein defokusiertes Foto.

Tipp 2: Auch Farben lenken oft von Formen ab. Die Kamera direkt beim Fotografieren auf Schwarz-Weiß zu stellen hilft. So werden Farben ausgeblendet und man kann sich rein auf die Formen einlassen.

Zu den Farben kommen wir jetzt.

4. Farben

Gerade ging es noch darum, Farben erst einmal auszublenden. Nichtsdestotrotz sind Farben ein maßgebliches Gestaltungselement.

Durch Farbe wird die Bildstimmung definiert. Kalte Farben wirken oft trist oder traurig, warme Farben herzhaft und lebendig. Bei unserer Alltagsübung zum Thema Sehen wollen wir vor allem auf Farbkontraste achten.

Oft sieht man draußen geniale Kontraste durch Farben (oder auch nicht…). Egal ob Komplementärkontrast oder Farbe-An-Sich-Kontrast. Später können wir Farben in der Porträtfotografie gezielt in Verbindung mit dem Model zeigen. Ein klassisches Beispiel ist dabei wohl der gelbe Regenmantel. Dieser lässt eine Person vor grünem Hintergrund herausstechen.

Auf Malta blickte ich senkrecht über das Geländer der Fähre nach unten und entdeckte diese Farben. Diese ordnete ich dann direkt als Komposition an und hielt es auf der Speicherkarte fest.

Im Grunde kannst du im Alltag trainieren, die Farben auszublenden. So lassen sich die Formen besser erkennen.

Oder aber auch Formen ausblenden und nur auf die Farben schauen. Dann machst du einen imaginären Schnappschuss davon.

Im Laufe der Zeit wird man automatisch Formen und Farben dann schon zu ersten Gestaltungen zusammensetzen. Womit wir zum nächsten Punkt kommen.

5. Kompositionen

Im fertigen Bild werden alle Elemente und Formen dann möglichst harmonisch angeordnet. Dabei knoble ich beim Anschauen schon immer, wie das später aussehen könnte. Das ist aber wirklich ein Bereich, der sich beim Fotografieren dann leichter bewerkstelligen lässt. Sofern man schon eine grobe Vorahnung hat.

Wichtiger und vor Ort besser vorstellbar finde ich dagegen das Framing. Sobald man ein Bild macht, quetscht man die Realität in ein Rechteck. Man zeigt immer nur einen Ausschnitt.

Entdeckt in Meran in Südtirol. Ein freistehender Bilderrahmen, der einen Anschnitt der Stadt zeigt. Genau so muss man auch bei jedem Bild entscheiden, was später im Rahmen Platz findet. Und wo man überhaupt den Rand setzt und die Realität abschneidet.

Doch von wo bis wo geht dieser Rahmen? Was findet zwischen den Kanten Platz? Und was lässt man besser weg?

Ebenso wichtig ist, wo diese Kanten die Realität abschneiden. Geht der Schnitt durch einen Baum? Oder daran vorbei?

Eine Übung dafür ist es, einfach durch ein Fenster nach draußen zu sehen. Dieses bildet dann automatisch einen Rahmen. Je nachdem, von wo aus dem Raum man nach außen blickt, zeigt dieses dann einen leicht veränderten Anschnitt.

Anordnung von Rechtecken und einem Kreis im Alltag.

Mach dir im Alltag einfach in jeder Kulisse Gedanken, von wo bis wo dein Bildschnitt gehen würde.

Fazit: Ein fotografischer Blick lässt sich trainieren

Durch einfache Übungen kann man den fotografischen Blick im Alltag trainieren. Sei es in der Arbeit, beim Frühstück oder am Badeweiher. Was man gerne als fotografischen Blick bezeichnet, nenne ich oft auch aktiv sehen. Klar schaut man von Natur aus immer und die Verarbeitung der Informationen übernimmt unser Gehirn automatisch. Da muss man nichts machen.

Doch die Informationen und Inhalte auch wirklich aktiv wahrzunehmen vergisst man oft. Analysiere daher ab jetzt einfach immer das, was du siehst. Achte auf schöne Motive, interessante Lichtverhältnisse sowie Formen und setze gedanklich deinen Bilderrahmen.

Mit der Zeit wirst du immer besser darin, die Umwelt viel intensiver wahrzunehmen. Sieh ab heute aktiv und entwickle einen sensiblen und aufmerksamen Blick für große und kleine Dinge.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

2 Gedanken zu „Fotografischer Blick: Mit 5 Übungen im Alltag sehen lernen, um besser zu fotografieren“

  1. Wieder mal ein grandioser Beitrag.

    Ich habe meistens das Problem, dass ich in die Offenblendfalle tappe und man dadurch zu faul wird auf den Hintergrund zu achten.

    Antworten

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