Selbstbewusstsein und Kommunikation beim Fotoshooting: Die besten Fotos machst du mit dem Mund

Am in , veröffentlicht.
Kostenloses Ebook: Kreative Available LIght Portraits

Lerne im kostenlosen Portrait Email-Kurs, wie du Schritt für Schritt gelungene Porträts fotografierst. Trage dich jetzt in den Newsletter ein und du erhältst den Kurs mit weiteren nützlichen Tricks und Angeboten.

Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Deine Daten werden unserem sicheren Newsletter Anbieter GetResponse übermittelt. Die Übertragung ist SSL-verschlüsselt. Mit Klick auf den Button erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.


Kommunikation ist in der Fotografie alles. Zumindest merke ich das in der Portrait- und Hochzeitsfotografie. Und auch in anderen fotografischen Sparten, die mit Menschen zu tun haben.

Kommunikation – das ist der Austausch vor, während und nach dem Shooting.

Gerade aber vorher und währendessen können wir mit Worten und Zeichen am meisten bewirken. In diesem Blog Beitrag möchte ich einfach etwas aus dem Nähkästchen nach der diesjährigen Hochzeitssaison plaudern.

Und daraus schlussfolgern: Die besten Fotos macht man vielleicht gar nicht mit der Kamera, sondern mit dem Mund. Ein Beitrag über Tipps für gelungene Kommunikation und mehr Selbstbewusstsein beim Fotografieren.

Die folgenden Beispiele von Reportage Fotos lassen sich oft 1:1 auf die Porträt Kommunikation übertragen.

Wann eigentlich reden (und wann nicht)?

Grundlegend gibt es ausgehend von der Reportage- und Portraitfotografie viele unterschiedliche Situationen. Während ein Portraitshooting größtenteils darauf aufbaut, dass der Fotograf irgendetwas sagt, will man bei Reportagen bestimmte Momente oft bewusst nicht zerstören.

Bei Reportagen muss man entscheiden, wann man in Szenen eingreift, oder ob man die Protagonisten einfach mal machen lässt. Meistens läuft es natürlich auf Letzteres hinaus. Man will sich als Hochzeitsfotograf während der Reportage generell lieber unsichtbar machen und möglichst unauffällig fotografieren.

Selbstbewusstsein und Kommunikation als Fotograf

Dennoch gibt es Momente, in denen man dann eingreift:

Immer wenn du weißt, dass das gemachte Foto deinen Ansprüchen nicht gerecht wird, sag etwas.

Nicht falsch verstehen: Man kann natürlich nicht die ganze Zeit, wenn man wieder einen Schuss versemmelt hat, rumschreien und eine Wiederholung verlangen. Bei festlichen Abläufen wie der Trauung geht des schlecht. Bei wiederholbaren Ereignissen wie z.B. dem Fertigmachen der Braut dagegen kann man Szenen auch gekonnt inszenieren. Das geschieht dann mit ein paar kleinen Anweisungen.

Beispiele für Anweisungen:

  • Könntest du dich noch einmal kurz so hinstellen?
  • Geh doch nochmal einen Schritt zurück
  • Dreh dich bitte noch einmal in diese Richtung
  • Wiederhole noch einmal Handlung X

Selbes gilt auch beim Porträt Shooting. Viele Models bieten z.B. von Haus aus viele Posen an. Doch nicht alle werden dir immer gerecht. Dann melde dich auch gleich zu Wort. Zum Thema Model und Posing gleich noch mehr.

Das Thema mit dem Selbstbewusstsein

Immer wenn man etwas sagt, lenkt man die Aufmerksamkeit auf sich. Anfangs hat es immer wieder Überwindung gekostet, sogar selbstverständliche Dinge beim Fotografieren zu sagen. Ich glaube viele werden sich hier wiedererkennen.

Das Problem ist anfangs auch, dass schlichtweg die Erfahrung fehlt und man sich nicht 100% sicher ist, was man da überhaupt sagt.

Beispiel:

Was bei mir am Anfang immer ein Thema war, ist das große Gruppenfoto auf Hochzeiten. Hier muss man sich (auch von der Lautstärke her) erst einmal bemerkbar machen. Will aber auch nicht wie ein Oberbefehlshaber herüberkommen. Sondern eher als professioneller Fotograf, der trotzdem auch den ein oder anderen Spaß mitmacht und am Ende ein gutes Foto liefert.

Hier schauen einen dann gerne mal 100 Leute an – und warten. Während sie warten, sehen sie dir genau zu. Was (oder eher wie lange) du an der Kamera einstellen musst, ob das Foto vielleicht nicht gleich passt usw. Das kann einen schon etwas nervös machen und man will am liebsten gleich wieder von der Bildfläche verschwinden und untertauchen.

Doch:

Du hast auch hier nur einen Versuch – ein zweites mal alle Gäste zusammentrommeln wäre lästig und würde den Ablauf stören.

Deshalb – auch wenn es hier vielleicht doppelte Überwindung kostet: Cool bleiben und Mund aufmachen. Sag einfach, wenn etwas nicht passt. Gerade hier musst du wohl oder übel einige Leute „herumschieben“ und bitten, eine andere Position einzunehmen. Das kann etwas dauern, aber die Belohnung ist am Ende ein Foto, mit dem das Brautpaar zufrieden ist.

Beispiele für Anweisungen beim Gruppenfoto:

  • Bitte der Herr in der blauen Jacke einen Schritt nach rechts
  • Bitte diese Lücke noch schließen
  • Bitte alle mal die Augen öffnen

Fehler ankündigen?

Oft könnte man vielleicht auch denken, wenn ich etwas sage, würde ich mich als „schlechter“ Fotograf entlarven. Ich habe ja z.B. einen Moment beim Getting Ready verpasst – mit der Bitte um ein weiteres Foto denken die Leute bestimmt, ich kann nichts.

Das ist Quatsch – oft passieren eben Dinge sehr schnell und man kann nicht überall auf einmal sein (auch wenn man das meiste zuverlässig vorhersehen sollte). Hier muss die Denkweise allerdings so sein, dass das Brautpaar später sogar dankbar sein wird, dass sie dennoch ein Foto von der Situation haben.

Meistens hat man sogar schon ein Foto, möchte dieses aber durch einfache Korrekturen noch besser machen. Am Ende wird niemand etwas gegen ein gutes Foto haben. Oftmals zeige ich dann sogar das Vorher-Nachher am Kamera Display. Das schafft zusätzliches Vertrauen, da hier dem Kunden auch bewusst wird, dass da wohl etwas dran war, was man einzuwenden hatte.

Selbstverständlichkeit der Kommunikation beim Fotografieren

Auch wenn man sich anfangs etwas merkwürdig und auch unsicher vorkommen mag: Am Ende erwarten die Personen vor deiner Kamera sogar, dass du mit ihnen redest. Sie selbst können sich ja nicht sehen. Nur du siehst sie und musst daher etwas sagen.

In der Portraitfotografie bilden diese Menschen dein Motiv – und das muss eben stimmen. Durch einfache Anweisungen kannst du Posing und Ausdruck korrigieren. In der Available Light Fotografie ist es sogar auch für die Lichtsitzung zwingend notwendig zu sagen, in welche Richtung der Körper oder Kopf gedreht werden soll.

Ohne Kommunikation könntest du ansonsten nur dich selbst verändern, und das ist nicht viel: Lediglich Kamera Einstellungen und Perspektive.

Nun geht es darum, dich, deine Kamera, das Model und das Licht harmonieren zu lassen.

Beispiele für Anweisungen beim Porträt Shooting:

  • Stell dich auf diese Stelle
  • Drehe deinen Körper in diese Richtung
  • Nimm deine Schulter etwas nach vorne
  • Bewege das Kinn etwas nach oben
  • Blicke in die Kamera oder auf eine Stelle in der Umgebung
  • Bewege dich von Punkt A nach Punkt B
  • Komm noch einen Schritt weiter nach rechts

Mehr zu möglichen Posing Anweisungen findest du in meinem Portrait Posing Ratgeber.

Im Grunde hast du meistens sowieso das fertige Bild ungefähr im Kopf. Aufgabe ist es nun, Schritt für Schritt mit gezielten Anweisungen dieses Bild in Wirklichkeit mit dem Model herzustellen.

Die Art und Weise der richtigen Kommunikation

Bei einer intimen Porträt Serie rumschreien und vor einer feiernden Hochzeitsgesellschaft flüstern? Das passt nicht zusammen. Daher solltest du die Art und Weise deiner Kommunikation immer auf den Einsatzzweck anpassen.

Folgende Punkte kann man dafür im Hinterkopf behalten:

  • Laute oder leise Aussprache?
  • Du oder Sie als Ansprache verwenden?
  • Kommunikation mit Witz oder komplett sachlich?
  • Permanentes Reden oder Stille zulassen?
  • Nur selbst reden, oder lieber dem Gegenüber zuhören?

Tipp: Auch Brennweiten tragen durch den erforderlichen Abstand zum Motiv dazu bei, wie laut man reden muss.

Egal wie, eines sollten alle Aussagen gemeinsam haben: Kurze und einfach verständliche Sätze. Viele Menschen sind vor der Kamera sowieso schon etwas angespannt und unsicher. Hier möchte man nicht noch mehr Verwirrung entstehen lassen.

Zudem kann auch Gestik vieles einfacher kommunizieren, als Worte es könnten. Soweit möglich, kannst du mit Armen und Körper Dinge einfacher zeigen.

Bevor man lange um den heißen Brei herumredet, kann man so einfach Haltungen oder komplette Posen vormachen.

Die Wörter „Rechts“ und „Links“ ersetze ich durch „Nach dort“ und zeige mit dem Finger in die entsprechende Richtung. Ansonsten kommt nämlich immer das „falsche Rechts“ raus. Wir alle kennen die Gegenfrage: „Rechts – von dir oder von mir aus?“. Schneller geht es mit einer Fingergeste.

Das Vertrauen des Models gewinnen

Wenn du deine Kommunikation der jeweiligen Situation und Person anpasst, kannst du besser eine Verbindung zur Person vor deiner Kamera aufbauen. Zusätzlich kann vor Porträt Fotoshootings eine Runde Smalltalk nicht schaden.

Diese aufgebaute Verbindung zum Model hat das Ziel, dass die Maske fallen gelassen wird. Wie schon Benjamin im Gastbeitrag über den Umgang mit dem Model geschrieben hat:

Schaffe eine Wohlfühlatmosphäre für das Model.

Erst dadurch ist es möglich, echte Fotos von der Person aufzunehmen. Ohne künstliches Bewerbungsfoto Grinsen.

Kommunikation beim Fotoshooting

Um auf die Punkte aus dem vorherigen Abschnitt zurückzukommen, hier ein paar Beispiele für angepasste Kommunikation:

  • Beim Hochzeitsgruppenfoto eher etwas lauter und mit etwas Witz. Die Gesellschaft hat eine gute Zeit und auch das Gruppenfoto kann zu einer Art Programmpunkt werden – ja schon fast zur Unterhaltung beitragen.
  • Beim Business Shooting möchtest du dagegen nicht als Clown rüberkommen, sondern mit überlegten und sachlichen Aussagen punkten.
  • Beim privaten Einzelporträt Fotoshooting kann man auch ruhiger reden, allerdings vielleicht auch den ein oder anderen Witz und Smalltalk zur Auflockerung einfließen lassen.

Das sind Wege, um eine passende Kommunikation für dein Gegenüber zu bieten. Schnell kann man allerdings das aufgebaute Verhältnis wieder zerstören.

No-Gos: Vermeide diese Kommunikationsfehler

Als letzten Punkt möchte ich nun noch ein paar Fehler zusammentragen, die du vermeiden solltest. Allein durch die Vermeidung kann es in vielen Fällen schon wie von selbst laufen.

  • Vermeide langes Blicken auf das Kameradisplay
  • Probiere lange Sprechpausen zu vermeiden, das lässt Unsicherheit entstehen
  • Sprich aber auch nicht zu viel: Lass andere zu Wort kommen
  • Lenke das Gespräch nicht nur auf dich. Es geht beim Shooting hauptsächlich um dein Gegenüber
  • Achte auf deinen Gesichtsausdruck, falls ein Foto mal nicht zu 100% passt
  • Übertreibe es nicht mit Witzen (vor allem nicht bei fremden Personen)
  • Sag nichts unüberlegtes und wähle Worte mit Bedacht
  • Lass keine Gleichgültigkeit durchsickern – interessiere dich für die Person

Ich weiß – dieses Thema ist nicht so greifbar wie z.B. Kameratechnik. Hier kann man nicht sagen: Stell Blende F2.8 mit 1/200S Verschlusszeit ein. So leicht ist es bei der Kommunikation mit anderen Personen während dem Fotografieren nicht. Auch, weil jeder Mensch eine andere Geschichte und Eigenschaften hat. Man muss sich flexibel auf jede neue Situation einstellen.

Nichtsdestotrotz: Sei offen, sei du selbst und gib zum richtigen Moment die richtigen Anweisungen. Auf diese Weise können weit bessere Fotos entstehen, als die beste Kameraausrüstung und Einstellungen es zulassen würden.

Fazit

Zu Beginn der fotografischen Laufbahn ist es einem selbst meist unangenehm, sich beim Fotoshooting zu Wort zu melden. Ich hoffe, mit den obigen Denkansätzen konnte ich dich zu etwas mehr Selbstbewusstsein ermutigen. Im Grunde erwarten die Personen vor deiner Kamera eben sogar, dass du mit ihnen redest.

Und keine Sorge: Über die Jahre geht es in Fleisch und Blut über. Kommunikation ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit beim Fotoshooting, wie das Drücken des Auslösers selbst. Über die Zeit wirst du herausfinden, mit welchen Aussagen und Sätzen du das Fotoshooting in die richtige Richtung lenken kannst. Und dadurch letztendlich deine Fotos perfektionieren wirst.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

Schreibe einen Kommentar

shares