Portraitfotografie Tipps – Umfassender Leitfaden für lebendige Fotos von Anfang an

Am in , , veröffentlicht. Aktualisiert am 24.05.2022

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In der Portraitfotografie setzt du Menschen vor deiner Kamera in Szene und erschaffst ein authentisches Abbild. So jedenfalls die Theorie. In der Praxis kommen oft gestellte Fotos heraus, die auch technisch nicht einwandfrei sind oder in der Bildgestaltung etwas klemmen.

Auch wenn es im ersten Moment simpel klingt Menschen zu fotografieren – es ist ein enorm großes Thema in der Fotografie. Denn hier musst du die Kameraeinstellungen oft nebenher meistern – um dich in erster Linie um die Kommunikation mit der Person zu kümmern. Doch keine Sorge – in diesem Beitrag erfährst du nacheinander alles, was du für einen guten Start in die lebendige Portraitfotografie brauchst!

1. Wieso eigentlich Portraitfotografie und welche Arten gibt es?

Wie viele andere Fotografie Genres ist die Portraitfotografie ebenfalls eine Kunst. Die Kunst, Personen mit deiner Kamera stimmungsvoll und lebendig abzubilden. Menschen von ihrer besten Seite zu zeigen. Alles auf deinem Foto kann dabei eine Aussage haben, eine Stimmung vermitteln oder das Bild zu einem kleinen Meisterwerk machen: Posing und Ausdruck der Person, Kleidung, Requisiten, Accessoires, Fotografie Location und Licht müssen harmonieren und ineinander greifen.

All diese Aspekte des Motivs zusammen mit dem richtigen fotografischen Blick und technischen Fähigkeiten des Fotografen lassen die Portraitfotografie zum Leben erwachen.

Portraitfotografie Ratgeber für Einsteiger
Die Variation der Portraitfotografie ist Vielfältig. Sie reicht von Bildern wie hier in der Natur über Indoor und Studio Aufnahmen…
…bis hin zu Aufnahmen in urbaner Kulisse wie hier vor einer Lagerhalle.

Zusammenfassend gibt es also folgende Arten bzw. Bereiche der Portraitfotografie:

Zu den drei letzteren drei Punkten habe ich bereits Artikel für Fortgeschrittene geschrieben, wo ich die Basics nicht detailliert ausführe.  In diesem Beitrag hier will ich speziell für Einsteiger einen allgemeinen Portraitfotografie-Leitfaden schreiben.

Soweit so gut. Bevor du mit den Portraits loslegen kannst, brauchst du ein paar wenige Ausrüstungsgegenstände.

2. Welche Foto-Ausrüstung du für Portraits benötigst

Für die Portraitfotografie brauchst du unterm Strich nicht einmal so viel. Zumindest, wenn du ohne Blitze arbeitest. Ich empfehle sogar sich einfach auf das natürliche Licht (das sog. Available Light) zu beschränken. Gerade am Anfang blitzt man schnell die natürliche Stimmung durch falsche Blitzeinstellungen weg.

Die richtige Kamera kaufen

Ja, die Kamera ist nicht alles. Wenn ich ehrlich bin, ist das Objektiv sogar wichtiger. Aber: Ohne Kamera, kein Bild.

Zuerst ist hier wichtig, dass wir nur über System- und Spiegelreflexkameras sprechen, die ein Wechselobjektiv besitzen. Das hat den Vorteil, dass man die Kamera durch Wechseln des Objektivs vielseitiger auf den jeweiligen Einsatzzweck anpassen kann. Bridgekameras mit festem Objektiv kann ich aus diesem Grund nicht empfehlen.

Sony A7III als beste Low Light Kamera

Es gibt da draußen viele hunderte Kameras. Wie soll man sich da entscheiden? Und welche Kamera ist für Portraits geeignet?

Meine aktuelle Empfehlung, die aus 6 Jahren Berufsfotografie hervorgeht, möchte ich kurz zusammenfassen:

Eine spiegellose Systemkamera mit wechselbarem Objektiv und APS-C oder Vollformat-Sensor eignet sich bestens.

Nur noch kurz zur Erläuterung der einzelnen Bestandteile aus diesem Satz:

  • Eine spiegellose Systemkamera lenkt den Blick durch die Kamera nicht mehr über einen Spiegel, sondern einen kleinen Monitor im Sucher. Dieser simuliert das Bild in punkto Helligkeit, Weißabgleich, Tiefenschärfe etc. noch vor dem eigentlichen Auslösen. Das macht vieles einfacher.
  • Das wechselbare Objektiv ist wichtig, dass du mit demselben großartigen Sensor der Kamera vielseitig bleibst. Durch ein anderes Objektiv kann das Foto wieder komplett anders aussehen und die Kamera an neue Situationen angepasst werden.
  • Ein APS-C- oder Vollformat-Sensor bieten viel Spielraum für die Gestaltung des Fotos mit einem unscharfen Hintergrund. Voraussetzung dafür ist aber auch das passende Objektiv, zu dem wir jetzt kommen.

Das war nun nur ein schneller theoretischer Überblick. Welche Modelle ich nun konkret empfehle erfährst du in meiner umfangreichen Kamera Kaufberatung.

Das beste Objektiv zum Abbilden von Menschen

Bei Objektiven gibt es zwei sehr wichtige Kennzahlen, durch die wir den jeweiligen Bildlook beschreiben können: Brennweite und Lichtstärke.

Die Brennweite wird in Millimeter angegeben und verdeutlicht grob gesagt, wie weit “herangezoomt” das Objektiv erscheint. Genauer gesagt geht es aber um den Blickwinkel in Grad, den ein Objektiv aufnehmen kann. Je höher die Brennweite ist, desto geringer fällt der Winkel in Grad aus. Ein 135mm Objektiv zeigt nur einen sehr kleinen Winkel aus der Realität. Ein Weitwinkel zeigt wortwörtlich einen sehr großen Winkel und damit meist die komplette Umgebung.

Bei der Wahl des Objektivs bzw. der Brennweite solltest du beachten: Sobald du die Person mit einem Weitwinkel-Objektiv (z.B. 20mm) etwas näher abbildest, verzerren die Proportionen enorm. So wird dann die Nase plötzlich extrem groß oder andere Körperstellen sehen unnatürlich aus.

Der optimale Brennweiten Bereich für universale Portraits liegt daher in einem Brennweiten Bereich von 50mm – 85mm. Ab diesem Punkt liegen so gut wie keine störenden Verzerrungen mehr vor. Menschen erscheinen in diesem Bereich proportional weitgehend richtig. Auf der anderen Seite ist die Brennweite noch nicht zu lang, um sie trotzdem noch flexibel einsetzen zu können. Genauer habe ich das in meinem Portrait-Objektiv Brennweiten Vergleich gezeigt.

Hinweis: Natürlich kann man auch mit Weitwinkel Objektiven schöne Portraits machen – gerade am Anfang tut man sich mit einer Brennweite im Normal- bis leichten Telebereich etwas leichter.

Portraitfotografie
Nur mit dem richtigen Objektiv gelingt es, den Hintergrund unscharf darzustellen und die Aufmerksamkeit voll auf das Model zu lenken.

Empfehlung: Eine Festbrennweite (= Objektiv, das nicht Zoomen kann) hat gegenüber einem Zoomobjektiv den Vorteil, dass die Bildqualität bei der selben Brennweite viel höher ist. Außerdem haben sie eine höhere Lichtstärke. Darüber dann mehr in den Grundlagen. Bereits jetzt möchte ich anmerken, dass man sich nach einem F1.4 bis F2.0 Objektiv umsehen sollte.

Beachte auch, dass Objektive nur auf Vollformat auch als die angegebene Brennweite erscheinen. Auf einem APS-C Sensor muss die Brennweite dann noch mit dem Cropfaktor (meistens x1,5) multipliziert werden. Bei einem 50mm Objektiv auf APS-C fotografiert man also eigentlich bei circa 75mm, was aber noch im optimalen Bereich liegt.

Meine Objektiv Empfehlungen für den Einstieg:

Wenn du noch komplett ratlos im Bezug auf das Objektiv bist, schau unbedingt in meinem Objektiv Kaufratgeber vorbei.

Damit kommen wir auch schon zum Ende der benötigten Grundausrüstung – nämlicher einer reinen Kamera und einem lichtstarken Objektiv.

3. Kamera im manuellen Modus für Portraits einstellen

Bevor wir zu konkreten Einstellungen für die Portraitfotografie kommen, will ich noch einmal kurz die Grundlagen wiederholen. Wie immer geht es darum, den Vollautomatikmodus zu meiden. Stattdessen wollen wir uns im manuellen Modus die volle Kontrolle über das Bild holen.

Grundlagen im manuellen Modus: Das Belichtungsdreieck

Ziel ist es wie immer die passende Belichtung für unser Bild hinzubekommen. Das Foto sollte also weder zu hell (= zu viel Licht auf dem Sensor), noch zu dunkel (=zu wenig Licht auf dem Sensor) erscheinen. Dafür haben wir drei Parameter, um die Lichtmenge zu bestimmen: Die Blende, die Verschlusszeit und den ISO-Wert.

Neben der Funktion der Lichtmengenregulierung hat jeder Parameter noch seine eigene Superkraft.

Die Blende ist dafür verantwortlich, wie unscharf der Hintergrund wird. Anders gesagt regelt sie die Tiefenschärfe des Bildes.

Die Verschlusszeit regelt, ob Elemente im Bild wie eingefroren oder verschwommen wirken. Sie ist maßgeblich für ein scharfes Bild mitverantwortlich.

Der ISO-Wert regelt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Dieser Wert sollte immer möglichst niedrig gehalten werden, sonst beginnt das Foto zu rauschen.

Fotografie Grundlagen - die Blende im Objektiv
Du hast drei Möglichkeiten, um die Menge des Lichts zu regulieren, die auf den Sensor trifft. Hier z.B. die Blende im Objektiv. Diese regelt die auch die Tiefenunschärfe, die den heiß begehrten unscharfen Hintergrund bei Portraits regelt.

Bestimme nun im Vornherein, wie du dein Bild gestalten willst und finde Kompromisse. Anschließend korrigierst du auf eine korrekte Belichtung. Das ist natürlich nur die Schnellfassung. Wenn du dich mit diesen Themen noch nicht auseinander gesetzt hast, findest du in meinem Fotografie Grundlagen Artikel noch einmal alles ausführlich zum Nachlesen.

Kameraeinstellungen speziell für Portraits

Welche Prioritäten müssen wir bei den Kameraeinstellungen festlegen?

Bei Portraits soll der Fokus des Betrachters vor allem auf der abgebildeten Person liegen. Die Umgebung kann daher ruhig etwas in der Unschärfe liegen. Um ein scharfes Foto von einer lebendigen Person zu machen, benötigen wir eine Verschlusszeit, die sowohl deine Handbewegung, als auch Bewegungen des Models kompensiert und scharf einfängt.

Bei Portraits liegt die Schärfe auf dem Model. Dieses wollen wir auch ohne Verwackeln einfangen. Gleichzeitig kann der Hintergrund verschwommen abgebildet werden. Man setzt für jedes Foto zunächst seine Prioritäten. Anschließend übersetzt man es in Kameraeinstellungen.

Übersetzt heißt das, dass du einen kleinen Blendenwert benutzt und eine relativ kurze Verschlusszeit, die die Szene ausreichend scharf abbildet.

Konkret empfehle ich einen Blenden wert von F1.4 bis F2.8 und eine Verschlusszeit von mindestens 1/160S bis 1/200S. Auf diese Weise wird der Hintergrund schön unscharf, aber man hat trotzdem noch eine Toleranz, um den Fokus zu treffen. Die angegebene Verschlusszeit empfiehlt sich, wenn das Model keine schnellen Bewegungen macht.

Der ISO-Wert wird dann entsprechend nachgezogen, wodurch die Belichtung vollendet wird.

Tipp: Den Blendenwert solltest du auch von der verwendeten Brennweite und vor allem Abstand von dir zur fotografierten Person machen. Wenn du ein Kopfporträt fotografierst, muss etwas abgeblendet werden, ansonsten ist nur sehr wenig vom Gesicht scharf. Verwende bei nahen Abbildungen als statt F1.4 lieber F2.8. Wenn du dagegen weiter weg bist und die Person komplett (mit dem ganzen Körper) abbildest, kannst du durch die erhähte Fokusdistanz getrost bei F1.4 bleiben.

So erzielst du eine brillante Schärfe

Wohin soll ich denn eigentlich den Fokus legen?

Wenn wir andere Menschen treffen, sehen wir diesen meistens in die Augen. Menschen finden an anderen Menschen eben immer erst einmal das Gesicht und damit auch die Augen interessant. Nicht umsonst werden die Augen auch als Fenster zur Seele beschrieben.

Daher legen wir die Schärfe auch bei Portraits immer gezielt auf die Augen. Im Zweifelsfall auf das, das weiter vorne im Bild liegt (und damit auch größer abgebildet wird).

Schärfe auf Augen beim Portrait
Stelle bei Portraits immer auf die Augen der abgebildeten Person scharf – oder wie hier auf das Vordere der beiden.

Hierfür empfehle ich die Kamera auf einen einzelnen Fokuspunkt zu stellen (und es nicht durch das “Weite Autofokus Feld” oder “Zonen” dem Zufall zu überlassen). Anschließend schiebst du diesen einzelnen Fokuspunkt über das Auge deines Models, hältst den Auslöser halb durchgedrückt und kannst anschließend die Komposition durch verschieben der Kamera neu anordnen (Focus & Recompose).

Dieser Vorgang sollte möglichst präzise ausgeführt werden, da es sonst passiert, dass die Augen möglicherweise doch unscharf werden. Das kann auch im Nachhinein nicht mehr gerettet werden. Weitere Tipps dafür, wie du maximale Schärfe aus deinen Bildern holen kannst, findest du im Artikel über Fotos mit perfekter Schärfe.

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Neuere spiegellose Systemkameras haben allerdings diese herkömmliche Art zu fokussieren abgeschafft. Hier kann man sich mittlerweile auf den Augen Autofokus verlassen – wie z.B. bei der Sony Alpha 7 III.

Wenn du es genauer wissen möchtest solltest du unbedingt meinen umfangreichen Ratgeber über Fokus-Techniken inkl. Autofokus ansehen.

4. Wann und wo du die besten Portraits fotografierst

Wie auch in der Landschaftsfotografie lohnt es sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Erst wenn alles zusammen passt, können Fotos entstehen, die später etwas im Betrachter auslösen. Fangen wir mit dem Ort des Geschehens an.

Kreative Orte für die Portraitfotografie finden

Oft bin ich unterwegs und entdecke z.B. beim Wandern, Autofahren oder Spazierengehen neue Orte. Und immer wenn ich mir denke: “Hier muss ich irgendwann einmal ein Portrait fotografieren”, dann trage ich den Ort in mein Notizbuch ein.

Und das selbe empfehle ich dir auch: Führe ein Notizbuch, wo du neben deinen Fotoshooting Ideen auch entsprechende Orte notierst. So hast du dann beim Shooting immer einen Ort parat. Mehr darüber, wie du Locations findest, gibt es in meinem Beitrag über 8 Wege zu neuen Fotografie Orten. Falls dir gerade absolut kein Ort einfällt, habe ich dort außerdem 25 Direkt-Ideen gesammelt.

Vor allem solltest du dir innerhalb dieses Ortes dann kleine Ecken und Abschnitte herauspicken. Der selbe Ort kann alleine durch den passenden Kamerawinkel und Anschnitt dadurch noch einmal völlig vielseitig verwendet werden.

Portraitfotografie Ratgeber für Anfänger
Meistens ist es eine Sache des Kamerawinkels, um wie hier einen spannenden Ausschnitt der Umgebung zu finden.

Interessant ist es natürlich immer abzuwägen, welchen Hintergrund die Location zu bieten hat. Dafür lohnt es sich zu überprüfen, wie diese durch die Kamera und am besten auch unscharf aussieht.

Begib dich also sowohl in der Stadt, aber auch in der Natur auf

Die beste Uhrzeit für Fotoshootings

Die beste Zeit für ein Shooting hängt natürlich auch mit dem Ort an sich zusammen. Jeder Ort hat so seine Eigenheiten: Umgeben von Wänden, Bergen oder anderen Hindernissen kann das Licht auch schon sehr früh wieder weg sein. Deshalb solltest du die jeweilige Location schon vor dem Fotoshooting inspizieren.

Sollten keine solchen Hindernisse vorliegen, kannst du im Internet nach der Uhrzeit des Sonnenuntergangs suchen. Beachte, dass die Golden Hour bereits eine Stunde vor der Uhrzeit des Sonnenuntergangs beginnt. Der Sonnenuntergang ist dann an sich nur noch relativ kurz und geht in die blaue Stunde über.

Die Golden Hour bietet bei Sonnenuntergang ein sehr weiches, warmes Licht, das so ziemlich jeder Situation und Person schmeichelt.

Gehe also sicher, dass du nicht nur eine Stunde eher vor Ort bist und mit dem Shooting loslegst. Zu dieser Zeit musst du auch schon etwas mit dem Model “warm” geworden sein. Ihr solltet also zum locker werden auch vorher schon etwas fotografieren, um dann für die Portraitfotografie bei Sonnenuntergang in Höchstform zu sein.

5. Finde das beste Licht für Porträts

Die Wahl des Ortes hängt in Verbindung mit der Uhrzeit direkt mit dem Licht zusammen. Du wirst vor Ort jeden Tag und auch zu jeder Uhrzeit andere Bedingungen vorfinden. In der Regel sind es diese:

  • Sonnig
  • Bewölkt mit teilweise Sonne
  • Dichte Wolkenschicht
  • Sonnenauf- oder Untergang (= Golden Hour)

Für den Anfang ist es das beste, wenn du sonnige Orte mit direktem Sonnenschein meidest. Vor allem die Mittagssonne ist hier nicht sehr schön. In diesem direkten Licht bilden sich viele helle Glanzstellen auf der Haut, Augenringe werden durch Schatten betont und das Model kneift oft nur noch die Augen zusammen.

Wenn es terminlich nicht anders vereinbar ist, solltest du bei direkter Sonne lieber den Schatten suchen. Im Schatten trifft das Sonnenlicht logischerweise nicht mehr direkt auf die Haut des Models. Stattdessen trifft es reflektiert von der Umgebung (und daher weicher) auf die Haut des Models.

Im Optimalfall konntest du das Fotoshooting aber auf den Sonnenuntergang legen. Hier sorgt die tiefstehende und warme Sonne für das beste Licht.

6. Das passende Outfit und Requisiten finden

Du hast Ort und Zeit mit dem Model ausgemacht und weißt, wie du die Kamera bedienen musst. Um nun weiter an deiner Story des Portraits zu feilen, solltest du noch das Outfit und gegebenenfalls Requisiten abstimmen.

Das Outfit sollte in diesem Sinne mit dem Ort Hand in Hand greifen, oder die gewünschte Aussage übermitteln. Während sich für sinnliche Aufnahmen in der Natur z.B. ein Blumenkleid eignet, kann es beim frechen Street Portrait z.B. in zerrissenen Jeans posieren. Teile deinem Model also im Vorfeld mit, was du vor hast und wie das Outfit zur Location passen könnte.

Ein zweiter Teil kann dann noch die Ergänzung durch Requisiten sein. Das kann eine Sonnenbrille, eine Decke, ein Getränk oder ein Spiegel sein. Was auch immer es ist – es wird eine Story in dein Foto bringen (sofern es mit der Location und Outfit Hand in Hand greift). Viele weitere Beispiele und wie du daraus nun eine ganze Geschichte erzählen kannst, erfährst du im Beitrag über Storytelling mit Requisiten.

Das Ziel ist es auch in der Portraitfotografie, das Bild eine kleine Geschichte erzählen zu lassen. Oder eine stimmungsvolle Bildwirkung zu erzielen. Falls du hier noch etwas Inspiration brauchst und gerade vielleicht noch keine grundlegende Idee für dein Bild hast, empfehle ich meinen Artikel über das Finden von Bildideen.

7. Das Bild richtig aufteilen: Eine wirkungsvolle Bildkomposition finden

Das Thema Bildgestaltung ist sehr wichtig, denn durch sie lenkst du später den Blick des Betrachters durch das Foto. Das funktioniert in erster Linie durch die Schärfe und Tiefenunschärfe, die du wie oben beschrieben erzeugst.

Mindestens genauso wichtig ist es aber, dass du deine Umgebung in Formen und Linien wahrnimmst. Nicht nur das Model bildet Formen, sondern auch Äste, Randsteine, Risse in einer Mauer und vieles mehr bilden Linien. Im zweiten Schritt gilt es diese Linien und Formen harmonisch um oder mit dem Model auszurichten. Vermeide, dass schwere Linien wie der Horizont oder ein Geländer den Kopf des Models abschneiden oder hart kreuzen.

Hier siehst du, wie ich mein Model zusammen mit den Linien des Tors im Hintergrund kombiniert habe. Erst einmal war es mir wichtig, die Gitterstäbe durch Unschärfe etwas abzumildern. Anschließend habe ich den Kopf zwischen den dicksten “Linien” des Tors positioniert.

Viele weitere solcher Beispiele um dein Auge zu schulen findest du in meiner Anleitung für harmonische Bildgestaltung.

Empfehlungen zur optimalen Aufteilung des Bildes

Hilfe zur Anordnung der Formen und Linien bieten beliebte Aufteilungsmethoden wie die Drittelregel, Goldener Schnitt oder Zentralperspektive. Alles weitere im Detail erfährst du in meinem Beitrag über die Bildgestaltungs- und Kompositionsgrundlagen.

Um die Elemente inkl. dem Model überhaupt auf solchen harmonischen Linien anordnen zu können, Bedarf es etwas Bewegung und Koordination: Wir haben die Freiheit, so gut wie jede beliebige Perspektive einnehmen zu können. Und genauso können wir dem Model mitteilen, wo es sich hinstellen soll.

Auf diese Art und Weise verändern wir den Blickwinkel solange, bis keine Elemente mehr stören und alles stimmig im Bildausschnitt zu liegen kommt. Mehr dazu gibt es in meinem Beitrag über den besten Bildwinkel und Perspektive.

8. So lässt du das Model posieren

Nun hast du fast alles unter Kontrolle gebracht. Die letzte Hürde, bevor du endlich den Auslöser durchdrücken kannst, ist das Posing. Und dieser Schritt ist einer der wichtigsten. Denn die Pose und der Ausdruck deines Models können das Bild massiv beeinflussen.

Sind wir mal ehrlich: Kaum jemand will noch altbackene und künstlich gestellte Posen. Gerade wenn man sich nicht im konventionellen Studio Setup befindet sondern draußen. Hier will man eher natürlich anmutende, ungestellte Fotografie Posen. Nur so kann der Betrachter auch die beabsichtigte Stimmung auffassen.

Statt gezielten Posing Anweisungen, solltest du lieber einen kreativen Rahmen kommunizieren. Oder vor Ort Anweisungen geben, zwischen welchen Punkten sich das Model bewegen soll.

Videotutorial: Wie ich mit dieser Methode ganz einfach zu ungestellten Posen komme

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Über ein Abo von meinem Youtube Kanal würde ich mich an dieser Stelle auch sehr freuen ;-)

Und diese Art des Posings funktioniert nicht nur bei Models mit Erfahrung. Auch unerfahrene Personen finden sich schnell ein und können sich frei bewegen.

Wem das zu abstrakt ist oder noch mehr Tricks sucht, findet diese in meinem Posing Guide für ungestellte Model Posen.

9. Die richtige Bildbearbeitung

Hier zeige ich dir meine Porträt Nachbearbeitung in Lightroom:

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Bei der Thema der Nachbearbeitung scheiden sich die Geister. Manche belassen die Fotos, wie sie aus der Kamera kommen. Für mich ist das Fotografieren nur der halbe Schritt zum fertigen Bild. Ich lege sehr viel Wert auf Nachbearbeitung, da ich hier mit Farben und Kontrasten die gewünschte Stimmung verstärken kann.

Besonders wichtig ist es dabei trotz allem, die Hauttöne in der Portraitfotografie gesund erscheinen zu lassen. Diese liegen in den Orange-, Gelb- und Rottönen und bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Ansonsten ist man ziemlich frei. Dieser Farblook wird bei mir in Lightroom CC* erstellt.

Neben der Farberscheinung betrachte ich gesondert das Thema der Retusche. Hier werden leichte Hautunreinheiten entfernt, die die Person nicht permanent mit sich trägt. Muttermale und Merkmale, die einen Menschen auszeichnen, kann man natürlich im Bild lassen. Diese bewerkstellige ich ebenfalls mit den Mitteln in Lightroom. Einen umfangreichen Einblick in meine Bearbeitung gibt es in meinem Portrait Bearbeitungs Ratgeber Beitrag.

Alle hier gezeigten Fotos wurden mit meinem THO Preset- und Profilpaket für Lightroom bearbeitet, das ich dir an dieser Stelle in Eigenwerbung empfehlen will. Mit diesem sparst du dir beim Bearbeiten viel Zeit und kannst den Farblook in Sekunden anwenden. Besonderen Wert habe ich im Gegensatz zu vielen anderen Preset Paketen auf die einfache Anpassbarkeit gelegt, weshalb ich auch die neuen Profile mitgebe.

Fazit Portraitfotografie Tipps: Portraits leben von Kommunikation

In der Portraitfotografie wird das reine Fotografieren oft zur Nebensache. Die technische Beherrschung deiner Kameraeinstellung sollte also in Fleisch und Blut übergehen. Was wirklich wichtig ist, ist es auch menschlich mit deinem Gegenüber gut klar zu kommen.

Menschen setzen ansonsten gerne ihre Maske auf. Als Fotograf musst du hinter diese Vordringen, um der Situation ein paar schöne und ungestellte Momente zu entlocken. Dafür musst du auf der einen Seite auch etwas Selbstvertrauen haben, um Herr über die Lage zu sein. Du musst die Person etwas dirigieren und Hilfestellung geben.

Portraitfotografie Tipps

Auf der anderen Seite solltest du du Selbst sein und menschlich agieren. Wenn du dann noch die hier angesprochenen Techniken meisterst, können starke Portraits entstehen.

Die Bedienung der Kamera ist Nebensache. Was musst du der Person SAGEN, dass wirklich gute Fotos entstehen?

Doch auch hier stoppt es nicht mit der Kommunikation: Fast in allen Punkten geht es darum. Vom Mitteilen des Ortes und deines Vorhabens, über die Kleidungswahl, Mitteilen wo das Model stehen und wie es sich bewegen soll, bis hin zu zwischenmenschlichen Interaktionen.

Das Model sieht sich in diesem Moment nicht selbst, sondern nur derjenige, der die Kamera bedient. Und das bist du – deshalb musst du eigentlich ständig Kontakt halten. Auch wenn es sich am Anfang etwas komisch anfühlt, ständig zu reden. So nimmst du dem Model auch die Unsicherheit und verbesserst das Bild Schritt für Schritt.

FAQ: Häufige Fragen zur Portraitfotografie

Wie mache ich ein gutes Portraitfoto?

Ein gutes Portraitfoto zeigt die Person ungestellt, ehrlich und erzählt deren Geschichte. Um die Person dahingehend zu öffnen, ist die richtige Kommunikation essentiell. Dazu kommen fotografische Elemente wie gutes Licht, stimmige Bildkomposition und die richtigen Kameraeinstellungen. Wie das funktioniert, beschreibe ich umfassend in diesem Beitrag.

Welche Einstellungen bei Portrait?

Um den Blick des Betrachters später besser auf die Person zu lenken, sollte der Hintergrund unscharf dargestellt werden. Priorität hat also ein kleiner Blendenwert wie z.B. F1.8. Um die natürlichen Bewegungen von Menschen auszugleichen, sollte mindestens mit 1/200S Verschlusszeit fotografiert werden.

Was ist ein Porträtfoto?

Ein Portrait Foto ist die Abbildung eines Menschen. Die Portrait Fotografie ist ein umfassendes Feld in der Fotografie und wird v.a. im privaten Bereichen wie Familienfotos, Hochzeit, Bewerbungsfotos, etc. ausgeführt. Aber auch im kommerziellen Bereich brauchen z.B. Firmen regelmäßig Mitarbeiter Fotos.

Welcher Hintergrund für Portrait?

Aktuell werden Portraits nicht mehr nur im Studio vor einfarbigem Papierhintergrund aufgenommen. Viel Abwechslung bieten dagegen Orte, die du draußen findest und dadurch sehr natürliche Hintergründe bzw. Kulissen bieten. Begib dich beispielsweise in den Wald für organische und natürliche Formen. Oder generell in die Natur. Eine weitere Möglichkeit stellt es auch dar, sich in der Stadt einen Ort in urbaner Kulisse z.B. mit Beton zu suchen.

Was benötigt man für Portraitfotografie?

Für gelungene Porträts brauchst du nur eine Kamera, Objektiv und einen Reflektor. So kannst du draußen mit natürlichem Licht bereits loslegen. Für die Kamera würde ich ein Modell mit APS-C- oder Vollformat-Sensor empfehlen. Für das Objektiv eine Festbrennweite von entweder 50mm oder 85mm. Diese beiden Brennweiten eignen sich durch die geringen Verzerrungen sehr gut für Anfänger. Dazu besitzen die Brennweiten meist eine hohe Offenblende wie F1.8, wodurch man viel Spielraum für einen unscharfen Hintergrund hat. Mit dem Reflektor kannst du störende Schatten im Gesicht des Models aufhellen und beseitigen.

Lerne in 7 Tagen auf Details zu achten und stimmige Porträts zu fotografieren.

Du beherrschst die Grundlagen der Fotografie und kannst deine Kamera bedienen. Wirklich sehenswerte Porträts kommen am Ende aber nicht heraus? Oder es sieht vor Ort beim Fotoshooting immer ganz gut aus - aber zuhause am Rechner entdeckst du wieder Fehler im Bild?

Um richtig gute Porträts zu fotografieren musst du deinen fotografischen Blick ausprägen. Im kostenlosen Portrait Email-Kurs trainieren wir deinen Blick für entscheidende Bilddetails. Ich zeige dir jeden Tag eine Lektion mit 2-3 Kniffen, mit denen du deine Porträts ab dem nächsten Fotoshooting verbesserst. Trage dich jetzt wie über 5800 Personen in den Newsletter ein und du erhalte den Kurs mit weiteren nützlichen Tricks und Angeboten. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

6 Gedanken zu „Portraitfotografie Tipps – Umfassender Leitfaden für lebendige Fotos von Anfang an“

  1. Ich habe es jetzt mit Available Light ausprobiert und muss sagen jetzt wo ich den Blitz weggelassen haben Sind die Bilder in einer ganz anderen Qualität. Man merkt gleich die Harte Arbeit hinter der ganzen Sache. Schöne Grüße aus Berlin

    Antworten
  2. Markus, vielen Dank für den Hinweis auf die Nutzung von Prismen vor Objektiven. Bin über diesen Beitrag zu Deinem YouTube Channel gestossen. Ich habe hier noch ein paar Prismen über und werde die demnächst mal vor der Linse ausprobieren. Solche Spielereien mag ich. Schöne Grüße aus Kiel

    Antworten
  3. Cooler Beitrag in dem mir viele Dinge neu waren. Darf ich fragen, warum du 50mm Festbrennweiten empfiehlst? Ich höre sonst immer nur von anderen Fotografen, dass man auf jeden Fall 85mm für Portraits nehmen soll. Eine Begründung dafür gibt’s meist nicht dazu. Nur die Aussage, dass es eben so sein sollte. Sind 50mm also besser?

    Antworten
    • Hi Riza,

      ich denke die optimale Brennweite liegt zwischen 50mm und 85mm. Die Bildwirkung von einem 85mm ist mit dem etwas weicheren Bokeh im Hintergrund oft etwas bevorzugt und auch die Proportionen werden noch etwas weniger verzerrt als mit dem 50mm. Allerdings ist man bei langen Brennweiten wiederrum auch etwas mit dem Bildwinkel eingeschränkt. Wenn man die Kamera mit dem 50mm Objektiv z.B. etwas höher hält und einen besonderen Winkel einnimmt, fällt der perspektivische Effekt stärker auf, als mit längeren Brennweiten. Auch braucht man erst einmal den Platz, um längere Brennweiten sinnvoll einsetzen zu können. Das 50mm ist für mich deshalb oft die universellere Wahl.

      Viele Grüße,
      Markus

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