Portraitfotografie Tipps – Umfassender Leitfaden für lebendige Fotos von Anfang an

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In der Portraitfotografie setzt du Menschen vor deiner Kamera in Szene und erschaffst ein authentisches Abbild. So jedenfalls die Theorie. In der Praxis kommen oft gestellte Fotos heraus, die auch technisch nicht einwandfrei sind oder in der Bildgestaltung etwas klemmen. Auch wenn „Menschen Fotografieren“ erst einmal simpel klingt – es ist ein enorm großes Thema in der Fotografie. In diesem Beitrag erfährst du jedoch alles, was du für einen guten Start in die lebendige Portraitfotografie brauchst!

1. Wieso eigentlich Portraitfotografie und welche Arten gibt es?

Wie auch viele andere Fotografie Genres, so ist die Portraitfotografie ebenfalls eine Kunst. Die Kunst, Personen mit deiner Kamera stimmungsvoll und lebendig abzubilden. Alles auf deinem Foto kann dabei eine Aussage haben oder eine Stimmung vermitteln: Der Ausdruck der Person, die Kleidung, Requisiten, Accessoires, Haltung, Ausdruck, aber auch das Umfeld können Bände sprechen.

Portraitfotografie Ratgeber für Einsteiger
Die Variation der Portraitfotografie ist Vielfältig. Sie reicht von Bildern wie hier in der Natur über Indoor und Studio Aufnahmen…
…bis hin zu Aufnahmen in urbaner Kulisse wie hier vor einem alten Gebäude.

All diese Aspekte des Motivs zusammen mit dem richtigen fotografischen Blick und technischen Fähigkeiten des Fotografen lassen die Portraitfotografie zum Leben erwachen. Ich behaupte nun einfach einmal frech, dass die Zeiten des reinen sturen und altbackenen Indoor Studio Posings vorbei ist. Die Ausrüstung ist mobil geworden und auch an anderen Orten flexibel einsetzbar.

Zusammenfassend gibt es also folgende Arten bzw. Bereiche der Portraitfotografie:

Zu den drei letzteren drei Punkten habe ich bereits Artikel für Fortgeschrittene geschrieben, wo ich die Basics nicht detailliert ausführe.  In diesem Beitrag hier will ich speziell für Einsteiger einen allgemeinen Portraitfotografie-Leitfaden schreiben.

Soweit so gut. Bevor du mit den Portraits loslegen kannst, brauchst du ein paar wenige Ausrüstungsgegenstände.

2. Welches Equipment du für Portraits benötigst

Für die Portraitfotografie brauchst du unterm Strich nicht einmal so viel. Zumindest, wenn du ohne Blitze arbeitest. Ich empfehle sogar sich einfach auf das natürliche Licht (das sog. Available Light) zu beschränken. Gerade am Anfang blitzt man schnell die natürliche Stimmung durch falsche Blitzeinstellungen weg.

Die richtige Kamera kaufen

Hast du schon eine Kamera gekauft? Wenn nicht will ich hier ein paar Tipps geben. Falls du bereits eine Kamera hast, kannst du dennoch überlegen, ob du bereits das richtige Objektiv hast. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Zunächst einmal will ich im folgenden nur über System- und Spiegelreflexkameras sprechen, die ein Wechselobjektiv besitzen. Das hat den Vorteil, dass man die Kamera durch Wechseln des Objektivs vielseitiger auf den jeweiligen Einsatzzweck anpassen kann. Bridgekameras kann ich aus diesem Grund nicht empfehlen, dazu kommen wir aber gleich noch genauer beim Thema Objektiv.

Sony A7III als beste Low Light Kamera

Es gibt da draußen viele hunderte Kameras. Wie kann man diese nun erst einmal einstufen bzw. welche Eigenschaften verbindet verschiedene Kameras?

Erst einmal will ich auf die Sensorgröße zu sprechen kommen – denn das ist die Eigenschaft, die viele Kameragruppen unterschiedlicher Hersteller verbindet. Von groß nach klein sind hier folgende am meisten verbreitet:

  • Vollformat
  • APS-C
  • Micro Four Thirds

Für den besten Kompromiss aus Bildqualität, Tiefenunschärfe (auch dazu kommen wir dann noch) und Preis empfehle ich den Kauf einer APS-C oder günstigen Vollformat Kamera. Da man für Portraits im Gegensatz zu Sportaufnahmen nicht den schnellsten Autofokus braucht, kann man auch zu älteren Modellen greifen. So werden auch einige Vollformat Modelle gleich zu Beginn erschwinglich. Einen genauen Überblick darüber, was Vollformat anders macht als kleinere Sensorgrößen findest du in meinem Beitrag wieso ich Vollformatkameras bevorzuge.

Konkret empfehle ich folgende Kameras:

  • Sony A6000* – Bestes Preis- / Leistungsverhältnis und günstigster Einstieg (APS-C)
  • Sony A7 II* – Ebenfalls eine Preis- / Leistungsempfehlung für den Einstieg ins Vollformat
  • Canon EOS 6d* – Wer auf Spiegel setzen will, ist hier bei Canon sehr gut bedient

Ich empfehle mittlerweile den Kauf einer spiegellosen Kamera. Hier sieht man nämlich schon vor dem Auslösen, wie das Foto gleich aussehen wird. Das ist nicht nur für Einsteiger äußerst praktisch. Einen genauen Vergleich zwischen beiden Kameratypen findest du im Beitrag Spiegelreflex vs spiegellose Systemkamera.

Das beste Objektiv zum Abbilden von Menschen

Genau wie Kameras nach Sensoren eingestuft werden können, gibt es auch bei Objektiven einen „gemeinsamen Nenner“. Und zwar die Brennweite. Grob gesagt verdeutlicht dieser Wert einer Optik, wie weit „herangezoomt“ sie erscheint. Hier gibt sich folgendes Problem, das du vielleicht schon einmal beobachtet hast:

Sobald du die Person mit einem Weitwinkel Objektiv (z.B. 20mm) etwas größer abbilden willst, verzerren die Proportionen enorm. So wird dann die Nase plötzlich extrem groß oder andere Körperstellen sehen unnatürlich aus.

Der optimale Brennweiten Bereich für universale Portraits liegt daher in einem Brennweiten Bereich von 50mm – 85mm. Ab diesem Punkt liegen so gut wie keine störenden Verzerrungen mehr vor. Menschen erscheinen in diesem Bereich proportional weitgehend richtig. Auf der anderen Seite ist die Brennweite noch nicht zu lang, um sie trotzdem noch flexibel einsetzen zu können. In meinem Gastbeitrag habe ich untersucht, welche Auswirkung die jeweilige Brennweite auf Person und Umgebung hat.

Hinweis: Natürlich kann man auch mit Weitwinkel Objektiven schöne Portraits machen – gerade am Anfang tut man sich mit einer Brennweite im Normal- bis leichten Telebereich etwas leichter.

Portraitfotografie
Nur mit dem richtigen Objektiv gelingt es, den Hintergrund unscharf darzustellen und die Aufmerksamkeit voll auf das Model zu lenken.

Eine Festbrennweite (= Objektiv, das nicht Zoomen kann) hat gegenüber einem Zoomobjektiv den Vorteil, dass die Bildqualität bei der selben Brennweite viel höher ist. Außerdem haben sie eine höhere Lichtstärke. Darüber dann mehr in den Grundlagen.

Beachte auch, dass Objektive nur auf Vollformat auch als die angegebene Brennweite erscheinen. Auf einem APS-C Sensor muss die Brennweite dann noch mit dem Cropfaktor (meistens x1,5) multipliziert werden. Bei einem 50mm Objektiv auf APS-C fotografiert man also eigentlich bei circa 75mm, was aber noch im optimalen Bereich liegt.

Meine Objektiv Empfehlungen:

Damit kommen wir auch schon zum Ende der benötigten Grundausrüstung – nämlicher einer reinen Kamera und einem lichtstarken Objektiv.

Weitere Empfehlungen an Dingen, die dir den Fotografen Alltag jedoch noch viel einfacher machen und auch deine Kreativität steigern, findest du in meiner Liste über 36 simple Fotografie Tools und Hilfsmittel die meinen Workflow extrem vereinfachen.

Wie ich Fotos mit einfachen Dingen noch kreativer gestalte, siehst du z.B. hier in meinem Video über die Prisma Fotografie:

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3. So stellst du deine Kamera im manuellen Modus ein

Bevor wir zu konkreten Einstellungen für die Portraitfotografie kommen, will ich noch einmal kurz die Grundlagen wiederholen. Wie immer geht es darum, den Vollautomatikmodus zu meiden. Stattdessen wollen wir uns im manuellen Modus die volle Kontrolle über das Bild holen.

Grundlagen im manuellen Modus: Das Belichtungsdreieck

Ziel ist es wie immer eine gute Belichtung für unser Bild hinzubekommen. Das Foto also weder zu hell (= zu viel Licht auf dem Sensor), noch zu dunkel (=zu wenig Licht auf dem Sensor) erscheinen zu lassen.

Dafür haben wir drei Parameter, um die Lichtmenge zu bestimmen: Die Blende, die Verschlusszeit und den ISO-Wert.

Neben der Funktion der Lichtmengenregulierung hat jeder Parameter noch seine eigene „Superkraft“.

Die Blende ist des weiteren dafür verantwortlich, wie Unscharf der Hintergrund wird. (Regelt die Tiefenschärfe des Bildes. Welche weiteren Faktoren wichtig sind, findest du in meinem Beitrag über den Einsatz von Tiefenunschärfe im Foto)

Die Verschlusszeit regelt, ob Elemente im Bild wie eingefroren oder verschwommen wirken.

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Der ISO-Wert regelt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Dieser Wert sollte immer möglichst niedrig gehalten werden, sonst rauscht das Foto.

Fotografie Grundlagen - die Blende im Objektiv
Wir haben drei Möglichkeiten, um die Menge des Lichts zu regulieren, die auf den Sensor trifft. Hier z.B. die Blende im Objektiv. Diese regelt die auch die Tiefenunschärfe, die den heiß begehrten unscharfen Hintergrund bei Portraits regelt.

Bestimme nun im Vornherein, wie du dein Bild gestalten willst und finde Kompromisse. Anschließend korrigierst du auf eine korrekte Belichtung. Das ist natürlich nur die Schnellfassung. Wenn du dich mit diesen Themen noch nicht auseinander gesetzt hast, findest du in meinem Fotografie Grundlagen Artikel noch einmal alles ausführlich zum Nachlesen.

Kameraeinstellungen speziell für Portraits

Später kommen wir bei der Bildgestaltung noch dazu – aber bei Portraits soll der Fokus des Betrachters vor allem auf der abgebildeten Person liegen. Die Umgebung kann daher ruhig etwas in der Unschärfe liegen. Um ein scharfes Foto von einer lebendigen Person zu machen, benötigen wir eine Verschlusszeit, die sowohl deine Handbewegung, als auch Bewegungen des Models kompensiert und scharf einfängt.

Bei Portraits liegt die Schärfe auf dem Model. Dieses wollen wir auch ohne Verwackeln einfangen. Gleichzeitig kann der Hintergrund verschwommen abgebildet werden. Man setzt für jedes Foto zunächst seine Prioritäten. Anschließend übersetzt man es in Kameraeinstellungen.

Übersetzt heißt das, dass du einen kleinen Blendenwert benutzt und eine relativ kurze Verschlusszeit, die die Szene ausreichend scharf abbildet.

Konkret empfehle ich einen Blenden wert von F2.0 bis F2.8 und eine Verschlusszeit von mindestens 1/125S bis 1/200S. Auf diese Weise wird der Hintergrund schön unscharf, aber man hat trotzdem noch eine Toleranz, um den Fokus zu treffen. Die angegebene Verschlusszeit empfiehlt sich, wenn das Model keine schnellen Bewegungen macht.

Der ISO-Wert wird dann entsprechend nachgezogen, wodurch die Belichtung vollendet wird.

So erzielst du eine brillante Schärfe

Wenn wir andere Menschen treffen, sehen wir diesen meistens in die Augen. Menschen finden an anderen Menschen eben immer erst einmal das Gesicht und damit auch die Augen interessant. Daher legen wir die Schärfe auch bei Portraits immer gezielt auf die Augen. Im Zweifelsfall auf das, das weiter vorne im Bild liegt (und damit auch größer abgebildet wird).

Schärfe auf Augen beim Portrait
Stelle bei Portraits immer auf die Augen der abgebildeten Person scharf – oder wie hier auf das Vordere der beiden.

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Nützliche Blog Beiträge wie dieser leben nur mit etwas Werbung. Mit meinen Lightroom Presets verbesserst du also nicht nur deine Nachbearbeitung, sondern unterstützt gleichzeitig den Blog:

Hierfür empfehle ich die Kamera auf einen einzelnen Fokuspunkt zu stellen (und es nicht durch weite Autofokus Felder dem Zufall zu überlassen). Anschließend schiebst du diesen einzelnen Fokuspunkt über das Auge deines Models, hältst den Auslöser halb durchgedrückt und kannst anschließend die Komposition durch verschieben der Kamera neu anordnen.

Dieser Vorgang sollte möglichst präzise ausgeführt werden, da es sonst passiert, dass die Augen möglicherweise doch unscharf werden. Das kann auch im Nachhinein nicht mehr gerettet werden.

Weitere Tipps dafür, wie du maximale Schärfe aus deinen Bildern holen kannst, findest du im Artikel über Portraits mit perfekter Schärfe.

Natürlich gibt es auch noch andere Möglichkeiten, präzise zu fokussieren. Ich selbst nutze meistens den Backbutton Fokus in Verbindung mit dem Augen Autofokus meiner Sony A7 III Systemkamera*.

Soweit nun einmal zu den grundlegenden Einstellungen und Basics, die du dir bei Bedarf über die weiterführenden Links auch noch genauer ansehen solltest.

4. Wann und wo du die besten Portraits fotografierst

Wie z.B. auch in der Landschaftsfotografie lohnt es sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Erst wenn alles zusammen passt, können Fotos entstehen, die etwas im Betrachter auslösen. Fangen wir mit dem Ort des Geschehens an.

Kreative Orte für die Portraitfotografie finden

Oft bin ich unterwegs und entdecke z.B. beim Wandern, Autofahren oder Spazierengehen neue Orte. Und immer wenn ich mir denke: „Hier muss ich irgendwann einmal ein Portrait fotografieren“, dann trage ich den Ort in mein Notizbuch ein.

Und das selbe empfehle ich dir auch: Führe ein Notizbuch, wo du neben deinen Fotoshooting Ideen auch entsprechende Orte notierst. So hast du dann beim Shooting immer einen Ort parat. Mehr darüber, wie du Locations findest, gibt es in meinem Beitrag über 4 Wege für neue Fotografie Orte.

Falls dir gerade wirklich kein Ort einfällt, habe ich hier 25 kreative Fotografie Locations für Portraitfotografie gesammelt.

Vor allem solltest du dir innerhalb dieses Ortes dann kleine Ecken und Abschnitte herauspicken. Der selbe Ort kann alleine durch den passenden Kamerawinkel und Anschnitt dadurch noch einmal völlig vielseitig verwendet werden. Alle Informationen dazu findest du im Beitrag „Wie du aus einer Fotolocation mehrere Kulissen zauberst“.

Portraitfotografie Ratgeber für Anfänger
Meistens ist es eine Sache des Kamerawinkels, um wie hier einen spannenden Ausschnitt der Umgebung zu finden.

Interessant ist es natürlich immer abzuwägen, welchen Hintergrund die Location zu bieten hat. Dafür lohnt es sich zu überprüfen, wie diese durch die Kamera und am besten auch unscharf aussieht.

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Die beste Uhrzeit für Fotoshootings

Die beste Zeit für ein Shooting hängt natürlich auch mit dem Ort an sich zusammen. Jeder Ort hat so seine Eigenheiten: Umgeben von Wänden, Bergen oder anderen Hindernissen kann das Licht auch schon sehr früh wieder weg sein. Deshalb solltest du die jeweilige Location schon vor dem Fotoshooting inspizieren.

Sollten keine solchen Hindernisse vorliegen, kannst du im Internet nach der Uhrzeit des Sonnenuntergangs suchen. Beachte, dass die Golden Hour bereits eine Stunde vor der Uhrzeit des Sonnenuntergangs beginnt. Der Sonnenuntergang ist dann an sich nur noch relativ kurz und geht in die blaue Stunde über.

Die Golden Hour bietet bei Sonnenuntergang ein sehr weiches, warmes Licht, das so ziemlich jeder Situation und Person schmeichelt.

Gehe also sicher, dass du nicht nur eine Stunde eher vor Ort bist und mit dem Shooting loslegst. Zu dieser Zeit musst du auch schon etwas mit dem Model „warm“ geworden sein. Ihr solltet also zum locker werden auch vorher schon etwas fotografieren, um dann für die Portraitfotografie bei Sonnenuntergang in Höchstform zu sein.

5. Das passende Outfit und Requisiten finden

Du hast Ort und Zeit mit dem Model ausgemacht und weißt, wie du die Kamera bedienen musst. Um nun weiter an deiner Story des Portraits zu feilen, solltest du noch das Outfit und gegebenenfalls Requisiten abstimmen.

Das Outfit sollte in diesem Sinne mit dem Ort Hand in Hand greifen, oder die gewünschte Aussage übermitteln. Während sich für sinnliche Aufnahmen in der Natur z.B. ein Blumenkleid eignet, kann es beim frechen Street Portrait z.B. in zerrissenen Jeans posieren. Teile deinem Model also im Vorfeld mit, was du vor hast und wie das Outfit zur Location passen könnte.

Ein zweiter Teil kann dann noch die Ergänzung durch Requisiten sein. Das kann eine Sonnenbrille, eine Decke, ein Getränk oder ein Spiegel sein. Was auch immer es ist – es wird eine Story in dein Foto bringen (sofern es mit der Location und Outfit Hand in Hand greift). Viele weitere Beispiele und wie du daraus nun eine ganze Geschichte erzählen kannst, erfährst du im Beitrag über Storytelling mit Requisiten.

Das Ziel ist es auch in der Portraitfotografie, das Bild eine kleine Geschichte erzählen zu lassen. Oder eine stimmungsvolle Bildwirkung zu erzielen. Falls du hier noch etwas Inspiration brauchst und gerade vielleicht noch keine grundlegende Idee für dein Bild hast, empfehle ich meinen Artikel über das Finden von Bildideen.

6. Das Bild richtig aufteilen: Eine wirkungsvolle Bildkomposition finden

Das Thema Bildgestaltung ist sehr wichtig, denn durch sie lenkst du später den Blick des Betrachters durch das Foto. Das funktioniert in erster Linie durch die Schärfe und Tiefenunschärfe, die du wie oben beschrieben erzeugst.

Mindestens genauso wichtig ist es aber, dass du deine Umgebung in Formen und Linien wahrnimmst. Nicht nur das Model bildet Formen, sondern auch Äste, Randsteine, Risse in einer Mauer und vieles mehr bilden Linien. Im zweiten Schritt gilt es diese Linien und Formen harmonisch um oder mit dem Model auszurichten. Vermeide, dass schwere Linien wie der Horizont oder ein Geländer den Kopf des Models abschneiden oder hart kreuzen.

Hier siehst du, wie ich mein Model zusammen mit den Linien des Tors im Hintergrund kombiniert habe. Erst einmal war es mir wichtig, die Gitterstäbe durch Unschärfe etwas abzumildern. Anschließend habe ich den Kopf zwischen den dicksten „Linien“ des Tors positioniert.

Empfehlungen zur optimalen Aufteilung des Bildes

Hilfe zur Anordnung der Formen und Linien bieten beliebte Aufteilungsmethoden wie die Drittelregel, Goldener Schnitt oder Zentralperspektive. Alles weitere im Detail erfährst du in meinem Beitrag über die Bildgestaltungs- und Kompositionsgrundlagen.

Um die Elemente inkl. dem Model überhaupt auf solchen harmonischen Linien anordnen zu können, Bedarf es etwas Bewegung und Koordination: Wir haben die Freiheit, so gut wie jede beliebige Perspektive einnehmen zu können. Und genauso können wir dem Model mitteilen, wo es sich hinstellen soll.

Auf diese Art und Weise verändern wir den Blickwinkel solange, bis keine Elemente mehr stören und alles stimmig im Bildausschnitt zu liegen kommt. Mehr dazu gibt es in meinem Beitrag über den besten Bildwinkel und Perspektive.

7. So lässt du das Model posieren

Nun hast du fast alles unter Kontrolle gebracht. Die letzte Hürde, bevor du endlich den Auslöser durchdrücken kannst, ist das Posing. Und dieser Schritt ist einer der wichtigsten. Denn die Pose und der Ausdruck deines Models können das Bild massiv beeinflussen.

Sind wir mal ehrlich: Kaum jemand will noch altbackene und künstlich gestellte Posen. Gerade wenn man sich nicht im konventionellen Studio Setup befindet sondern draußen. Hier will man eher natürlich anmutende, ungestellte Fotografie Posen. Nur so kann der Betrachter auch die beabsichtigte Stimmung auffassen.

Statt gezielten Posing Anweisungen, solltest du lieber einen kreativen Rahmen kommunizieren. Oder vor Ort Anweisungen geben, zwischen welchen Punkten sich das Model bewegen soll.

Videotutorial: Wie ich mit dieser Methode ganz einfach zu ungestellten Posen komme

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Und diese Art des Posings funktioniert nicht nur bei Models mit Erfahrung. Auch unerfahrene Personen finden sich schnell ein und können sich frei bewegen.

Wem das zu abstrakt ist oder noch mehr Tricks sucht, findet diese in meinem Posing Guide für ungestellte Model Posen.

8. Die richtige Bildbearbeitung

Bei der Thema der Nachbearbeitung scheiden sich die Geister. Manche belassen die Fotos, wie sie aus der Kamera kommen. Für mich ist das Fotografieren nur der halbe Schritt zum fertigen Bild. Ich lege sehr viel Wert auf Nachbearbeitung, da ich hier mit Farben und Kontrasten die gewünschte Stimmung verstärken kann.

Besonders wichtig ist es dabei trotz allem, die Hauttöne in der Portraitfotografie gesund erscheinen zu lassen. Diese liegen in den Orange-, Gelb- und Rottönen und bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Ansonsten ist man ziemlich frei. Dieser Farblook wird bei mir in Lightroom CC* erstellt.

Neben der Farberscheinung betrachte ich gesondert das Thema der Retusche. Hier werden leichte Hautunreinheiten entfernt, die die Person nicht permanent mit sich trägt. Muttermale und Merkmale, die einen Menschen auszeichnen, kann man natürlich im Bild lassen. Diese bewerkstellige ich ebenfalls mit den Mitteln in Lightroom. Einen umfangreichen Einblick in meine Bearbeitung gibt es in meinem Portrait Bearbeitungs Ratgeber Beitrag.

Alle hier gezeigten Fotos wurden mit meinem THO Preset- und Profilpaket für Lightroom bearbeitet, das ich dir an dieser Stelle in Eigenwerbung empfehlen will. Mit diesem sparst du dir beim Bearbeiten viel Zeit und kannst den Farblook in Sekunden anwenden. Besonderen Wert habe ich im Gegensatz zu vielen anderen Preset Paketen auf die einfache Anpassbarkeit gelegt, weshalb ich auch die neuen Profile mitgebe.

Fazit Portraitfotografie Tipps: Portraits leben von Kommunikation

In der Portraitfotografie wird das reine Fotografieren oft zur Nebensache. Die technische Beherrschung deiner Kameraeinstellung sollte also in Fleisch und Blut übergehen. Was wirklich wichtig ist, ist es auch menschlich mit deinem Gegenüber gut klar zu kommen.

Menschen setzen ansonsten gerne ihre Maske auf. Als Fotograf musst du hinter diese Vordringen, um der Situation ein paar schöne und ungestellte Momente zu entlocken. Dafür musst du auf der einen Seite auch etwas Selbstvertrauen haben, um Herr über die Lage zu sein. Du musst die Person etwas dirigieren und Hilfestellung geben.

Portraitfotografie Tipps

Auf der anderen Seite solltest du du Selbst sein und menschlich agieren. Wenn du dann noch die hier angesprochenen Techniken meisterst, können starke Portraits entstehen.

Die Bedienung der Kamera ist Nebensache. Was musst du der Person SAGEN, dass wirklich gute Fotos entstehen?

Doch auch hier stoppt es nicht mit der Kommunikation: Fast in allen Punkten geht es darum. Vom Mitteilen des Ortes und deines Vorhabens, über die Kleidungswahl, Mitteilen wo das Model stehen und wie es sich bewegen soll, bis hin zu zwischenmenschlichen Interaktionen.

Das Model sieht sich in diesem Moment nicht selbst, sondern nur derjenige, der die Kamera bedient. Und das bist du – deshalb musst du eigentlich ständig Kontakt halten. Auch wenn es sich am Anfang etwas komisch anfühlt, ständig zu reden. So nimmst du dem Model auch die Unsicherheit und verbesserst das Bild Schritt für Schritt.

Dein kompletter Guide für unterwegs: Meine Available Light Fibel

Du bist auf den Geschmack von lebendigen Portraits gekommen? Dir fehlt aber ein kompakter Leitfader, der dir alles noch einmal zusammenfasst und noch weitere Details erklärt? Dann ist mein Available Light Fibel E-Book genau das richtige. Dabei gibt es sogar noch eine druckfertige Checkliste dazu.

Hier geht es um alle relevanten Punkte, die ich auch hier schon kurz angeschnitten habe. Dazu kommt noch u.a. das komplette Thema der Lichtführung (das leichter ist, als viele anfangs denken), wie du einen Reflektor verwendest, wie du Models findest und vieles mehr. Grob gesagt bildet sie meinen kompletten Weg ab, wie ich tagtäglich zu gelungenen Portraits komme (womit ich mittlerweile mein Geld verdiene). Wenn du aus dem Beitrag etwas mitnehmen konntest, solltest du dir das E-Book also unbedingt anschauen.

FAQ: Häufige Fragen zur Portraitfotografie

WIe mache ich ein gutes Portraitfoto?

Ein gutes Portraitfoto zeigt die Person ungestellt, ehrlich und erzählt deren Geschichte. Um die Person dahingehend zu öffnen, ist die richtige Kommunikation essentiell. Dazu kommen fotografische Elemente wie gutes Licht, stimmige Bildkomposition und die richtigen Kameraeinstellungen. Wie das funktioniert, beschreibe ich umfassend in diesem Beitrag.

Welche Einstellungen bei Portrait?

Um den Blick des Betrachters später besser auf die Person zu lenken, sollte der Hintergrund unscharf dargestellt werden. Priorität hat also ein kleiner Blendenwert wie z.B. F1.8. Um die natürlichen Bewegungen von Menschen auszugleichen, sollte mindestens mit 1/200S Verschlusszeit fotografiert werden.

Was ist ein Porträtfoto?

Ein Portrait Foto ist die Abbildung eines Menschen. Die Portrait Fotografie ist ein umfassendes Feld in der Fotografie und wird v.a. im privaten Bereichen wie Familienfotos, Hochzeit, Bewerbungsfotos, etc. ausgeführt. Aber auch im kommerziellen Bereich brauchen z.B. Firmen regelmäßig Mitarbeiter Fotos.

Achte auf die entscheidenden Stellen im Sucher und mach sofort bessere Porträts.

Im kostenlosen 7 Tage Porträt-Email-Kurs schärfst du dein Auge für stimmige Outdoor-Porträts. Du erhältst täglich 2-3 Kniffe in Form von einfachen Vorher-Nachher Fotos. Trage dich jetzt in den Newsletter ein und du erhältst den Kurs zusammen mit weiteren nützlichen Tricks und Angeboten zur Portraitfotografie.

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Markus Thoma

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

6 Gedanken zu „Portraitfotografie Tipps – Umfassender Leitfaden für lebendige Fotos von Anfang an“

  1. Ich habe es jetzt mit Available Light ausprobiert und muss sagen jetzt wo ich den Blitz weggelassen haben Sind die Bilder in einer ganz anderen Qualität. Man merkt gleich die Harte Arbeit hinter der ganzen Sache. Schöne Grüße aus Berlin

    Antworten
  2. Markus, vielen Dank für den Hinweis auf die Nutzung von Prismen vor Objektiven. Bin über diesen Beitrag zu Deinem YouTube Channel gestossen. Ich habe hier noch ein paar Prismen über und werde die demnächst mal vor der Linse ausprobieren. Solche Spielereien mag ich. Schöne Grüße aus Kiel

    Antworten
  3. Cooler Beitrag in dem mir viele Dinge neu waren. Darf ich fragen, warum du 50mm Festbrennweiten empfiehlst? Ich höre sonst immer nur von anderen Fotografen, dass man auf jeden Fall 85mm für Portraits nehmen soll. Eine Begründung dafür gibt’s meist nicht dazu. Nur die Aussage, dass es eben so sein sollte. Sind 50mm also besser?

    Antworten
    • Hi Riza,

      ich denke die optimale Brennweite liegt zwischen 50mm und 85mm. Die Bildwirkung von einem 85mm ist mit dem etwas weicheren Bokeh im Hintergrund oft etwas bevorzugt und auch die Proportionen werden noch etwas weniger verzerrt als mit dem 50mm. Allerdings ist man bei langen Brennweiten wiederrum auch etwas mit dem Bildwinkel eingeschränkt. Wenn man die Kamera mit dem 50mm Objektiv z.B. etwas höher hält und einen besonderen Winkel einnimmt, fällt der perspektivische Effekt stärker auf, als mit längeren Brennweiten. Auch braucht man erst einmal den Platz, um längere Brennweiten sinnvoll einsetzen zu können. Das 50mm ist für mich deshalb oft die universellere Wahl.

      Viele Grüße,
      Markus

      Antworten

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