Fotografieren und bearbeiten wie dein Lieblingsfotograf

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Immer wieder entdeckt man Fotografen und ihre Porträts auf verschiedenen Social Media Kanälen wie Instagram oder anderen Fotocommunities und denkt sich:

Wow, coole Fotos! Toller Stil. Wie sind diese Bilder entstanden? Ich wünschte, ich könnte auch in dieser Richtung fotografieren.

Nach diesem Gedanken hält man kurz inne, dann scrollt man aber einfach weiter und das Foto ist schon wieder fast vergessen. Wie soll man auf diese Weise dazulernen?

Du kennst bestimmt das Gefühl, wenn du solche neuen Fotos siehst: Du würdest auch gerne mal so etwas machen oder zumindest probieren. Dann kannst du immer noch sagen, ob du fotografisch noch du selbst bist oder nicht. Lernen würde man dabei auf jeden Fall etwas.

Natürlich kann man nicht alles 1 zu 1 nachmachen. Trotzdem finde ich es wichtig, dazuzulernen und seinen fotografischen Horizont zu erweitern. Deshalb empfehle ich, es einfach selbst einmal so auszuprobieren. Ohne einen Hintergedanken wie „Bildklau“ zu haben fängst du an zu analysieren. Und allein dieses Durchdenken von „Was macht er, was ich nicht mache“ bzw. „Wieso ist dieses Foto eigentlich gut?“ hat mich schon oft weitergebracht.

Bilder Analysieren und fotografieren wie ein Profi

Bemerkung: Natürlich sollst du nicht alles 1 zu 1 „nachmachen“ – aber du wirst sowieso deine eigenen Ort, Models, etc. verwenden. Kombiniere die Inspiration immer auch mit eigenen Ideen. Von daher wird das Bild auch schon anders. Probiere also Inspiration anderer Fotografen umzusetzen, ohne den Anschein zu erwecken, einfach nur alles zu kopieren. Am Ende kannst du immer noch entscheiden, ob du das Foto veröffentlichst oder es eben für dich selbst behältst. Der Lerneffekt, den man durch Imitation bekommt, ist einfach zu groß um ihn unversucht zu lassen. Ich vergleiche das gerne mit meiner Zeit aus der Musik (ja, ich war in der ein oder anderen Metal Band aktiv), in der ich auch selbst Lieder geschrieben habe:

Bevor man etwas komponieren kann, muss man erst einmal wissen, was es alles im Genre gibt. Dazu gehört auch, andere Lieder zu covern.

Es geht darum viel auszuprobieren, zu üben und zu COVERN. Erst einmal alles aufsaugen, was es bisher gibt. Durch das Nachspielen kann man sich auch selbst wirklich verbessern. Man sammelt dadurch erst einmal sehr viele Einflüsse und kann anschließend aus all diesen Eindrücken und Übungen ein eigenes Lied schreiben.

Du solltest also am Ende kein 1 zu 1 Abklatsch eines bekannten Fotografen werden, sondern dazu übergehen, dein eigenes Ding durchzuziehen. Vergleiche das immer mit dem Stichwort Covern aus der Musik: Es gibt viele extrem gute Coverbands, die sehr viel Spaß bei der Sache haben und viel Leidenschaft hineinstecken. Sie wachsen durch die ständige Übung auch immer weiter. Sogar für einzelne große Bands gibt es sog. Tribut-Bands, die das Original sehr genau imitieren. Allerdings werden dieses Bands dadurch auch nie über das Original herauskommen. Einen wirklichen Status kann man nur mit eigenen Sachen einnehmen.

Soweit erst einmal der Gedanke zur Einleitung. Es ist mir extrem wichtig, das einmal detailliert zu betonen. Ich habe erst bei einem befreundeten Fotografen (Hallo Dominik!) miterlebt, dass dessen Arbeiten wirklich 1 zu 1 kopiert wurde. Das hatte nichts mehr mit „Inspiration“ zu tun. Es wurde sogar wirklich an der exakt selben Location mit dem selben Outfit und sogar den selben Posen fotografiert.

Eigene Ideen gab es nicht.

Der „Schwindel“ flog aber schnell auf, da jeder in der Community bzw. unserer Region das Original kannte. Auch wenn Imitation zum Lerneffekt beiträgt – übertreiben sollte man es dann auch nicht. Wenn man so etwas bewusst kopiert und sich ausprobiert, sollte man die Fotos einfach für sich behalten.

Wie gesagt musst du die Ergebnisse deiner Analyse auch nicht zwingend sofort praktisch umsetzen. Allein dadurch, dass du dir Gedanken darüber machst, wieso das Foto so aussieht, wie es aussieht, kommst du schon weiter. Es animiert dich zum Denken und führt dich eventuell sofort auch zu neuen Erkenntnissen. Ich persönlich mache mir diese Gedanken mittlerweile im Unterbewusstsein bei jedem Foto, das ich sehe. Ich nenne das ganze „Aktiv sehen“. Nicht einfach nur ein Foto im Halbschlaf anschauen, sondern gleich konstruktiv mitdenken.

Die Bild-Analyse: Fotografieren wie deine Lieblingsfotografen

Wie kommt man nun aber dazu, sich in die Richtung guter Fotografen zu bewegen? Statt wie oben geschrieben einfach im Feed weiterzuscrollen, solltest du innehalten und beginnen, das Foto zu analysieren.

Was macht der Typ da eigentlich? Was passiert auf dem Foto? Wieso ist es gut? Was ist anders, als auf meinen Fotos?

Greif dir dazu am besten ein Notizbuch. Gehe nun folgende Punkte Schritt für Schritt durch und halte die wichtigsten Erkenntnisse fest.

Die technische Seite

In unserer Analyse ist die technische Seite noch relativ einfach und sachlich abhandlungsfähig. Ein simpler Punkt ist die Unschärfe des Hintergrunds festzustellen. Ist er komplett verschwommen? Oder ist das Foto vor einer epischen Landschaft aufgenommen und der Hintergrund daher durchgängig scharf? Je nachdem was zutrifft, stellst du die Blende auf einen kleinen oder hohen Blendenwert.

Verwischte Bewegungen und damit lange Verschlusszeiten sieht man eher selten. Generell hältst du die Verschlusszeit also kurz, um ein scharfes Bild zu erhalten (Exkurs: Mit diesen 6 Tipps erhältst du eine perfekte Schärfe in Porträts). Nur bei Fotos mit verwischten Effekten und teilweise Fotos bei Nacht / Dunkelheit wählst du sie etwas länger (Lang bedeutet bei mir meistens schon unter 1/100 Sek).

Der ISO spielt keine große Rolle. Die allgemeine Ausrüstung aber schon. Genauer gesagt das verwendete Objektiv und dessen Brennweite. Das kann man oft nur grob einschätzen. Kuck auf den Fotos einfach danach, wie viel Umgebung um das Model herum abgebildet wird und wie nah der Fotograf dabei wohl vor dem Model stand.

Ist der Abstand schätzungsweise gering, treten Verzerrungen vom Model auf oder ist um das Model herum trotz des geringen Abstands viel Umgebung abgebildet? Dann handelt es sich um ein weitwinkliges Objektiv, z.B. 24mm.

Bei einem längeren Objektiv von 50mm – 100mm ist der Hintergrund meist schon etwas verschwommener (natürlich je nach Blendenstellung). Auch ist der abgebildete Winkel logischerweise kleiner. Man hat dadurch eine etwas direktere Nähe zur Person auf dem Foto, unter anderem weil die Person an sich auch größer abgebildet werden kann.

Tipp: Besonders viel über die verwendete Technik in einem Foto kann man auch in Fotocommunities wie 500px erfahren. Hier werden die Metadaten des aufgenommenen Fotos direkt unter dem Bild aufgelistet und oft auch noch visualisiert. So kann man das wichtigste herauslesen und mehr über das Foto erfahren.

Doch nicht alles dreht sich um die Technik. Ich sehe auch immer wieder, wie Fotografen direkt nach verwendeter Brennweite, Objektiv und anderen Dingen fragen. Manchmal bringt einen das weiter. Doch auch wenn ich z.B. jemandem erzähle, dass ich ein Foto mit 50mm Brennweite aufgenommen habe, sieht mein Foto immer noch komplett anders aus als seines. Es gibt also noch mehr zu beachten. Zum Beispiel, was auf dem Foto überhaupt zu sehen ist.

Das Motiv und Fotografieren vor Ort

Ich beziehe mich in diesem Beitrag (wie so ziemlich in allen Beiträgen) auf die Porträt-Fotografie. Das Motiv ist deshalb in erster Linie eine Person. Doch wie tritt diese auf dem Foto auf? Was hat sie an? Und was befindet sich außen um das Model herum? Auch diese Punkte sollte man direkt analysieren und mit der eigenen Herangehensweise vergleichen.

Alle diese Punkte sieht man sich zwar allgemein auf jedem Foto an, nimmt sie aber oft nur unterbewusst wahr. Nun solltest du aber aktiv darüber nachdenken und dir Notizen machen.

Wirkt das Posing locker? Oder sehr starr? Welche Rolle spielt die Location auf dem Foto? Wie dominant tritt sie ins Bild? Oder ist sie im Hintergrund einfach nur verschwommen? Eine gute Möglichkeit ist es hier, mit den Größenverhältnissen und der abgebildeten Größe auf dem Foto zu spielen. Dadurch können allgemein verschiedenen Elementen verschiedene Wichtigkeiten zugeordnet werden.

Ein Punkt ist noch die Wahl des Models an sich: Männlich oder weiblich? Groß oder klein? Dick oder dünn? Welche besonderen Merkmale besitzt sie bzw. er?

Wichtig ist auch die Perspektive: Welche Position hat der Fotograf bei der Aufnahme eingenommen? War er am Boden gelegen? Oder in der Hocke? Oder scheinbar auf einer Leiter gestanden?

Zum Schluss noch ein sehr großer Punkt: Das Licht. In welchem Licht ist das Foto entstanden? Fotografiert der Fotograf gerne zu bestimmten Uhrzeiten? Nur im harten Sonnenlicht, oder nur nach Sonnenuntergang? Gibt es viele Schatten oder ist alles weich ausgeleuchtet?

All diese Punkte sollten in deine Analyse einfließen. Gehe diese Punkte in der nächsten Zeit einfach einmal für jedes Foto durch, das dir „über den Weg läuft“. Analysiere den kompletten Aufbau eines Fotos. Ich finde das 10x spannender als einfach nur ein Foto „anzusehen“ wie es der Großteil der Leute tut (v.a. „Nicht Fotografen“).

Und generell: Auch wenn man gerade keine Inspiration sucht oder andere Fotografen analysiert –  solche Fragen sollte man sich sowieso vor jedem Shooting einmal gestellt haben. Diese Punkte im Vorfeld vor jedem Foto zu klären baut später das gesamte Bild erst auf.

Wenn du einen genauen Fahrplan willst mit allen Punkten, die du für ein gelungenes Porträt beachten solltest, will ich dir an dieser Stelle mein E-Book für lebendige Outdoor Porträts empfehlen. Es nennt sich die Available Light Fibel und enthält alle wichtigen Punkte Schritt für Schritt auch als übersichtliche Checkliste.

Ein wichtiger Punkt fehlt nun noch, mit denen Fotografen ihren Stil letztendlich auch noch definieren…

Die Nachbearbeitung

Ich weiß, es ist wirklich schwierig eine Nachbearbeitung zu analysieren und selbst umzusetzen. Ich will dennoch ein paar Punkte ansprechen, wie man sich hier „entlang-hangeln“ kann.

Zuerst einmal sieht man sich die Helligkeit an: Wurde das Foto etwas über- oder eher unterbelichtet? Wirken Farben schwer oder leicht? Generell empfehle ich vor Ort immer etwas unterzubelichten. Später kann man immer noch entscheiden, ob es eher fröhlich oder „düster“ wirken soll.

Der nächste Punkt der sofort auffällt: Die Retusche. Wie fein wurde die Haut retuschiert? Wie lang wurde hier wohl ca. nachbearbeitet? Oder wurde sogar auf eine Hautretusche fast komplett verzichtet?

Wie scharf ist das Foto? Besitzt es eine übertriebene Schärfe oder ist es natürlich belassen?

Besonders spannend ist auch immer das Grading bzw. die Farbgebung: Besitzt das Foto eine tendenzielle Farbstimmung? Schon fast einen Farbstich? Welche Farbtöne nehmen die orangen Hauttöne, welche die grünen Pflanzen und welche das blaue Meer ein? Ist die Farbwirkung natürlich oder surreal? Welche Farbbereiche sind gesättigt oder entsättigt? Welche hell oder dunkel?

Hat das Foto einen analog-ähnlichen Bildlook? Sind Farben verwaschen bzw. das Foto in den Tiefen etwas flau?

Diese Erkenntnisse dann in Lightroom umzusetzen ist wieder eine andere Geschichte und oft garnicht so einfach. Allerdings muss man erst einmal ein Bewusstsein dafür entwickeln, was man überhaupt sieht und wieso es so wirkt.

Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie du wirklich stimmungsvolle Farblooks in Lightroom bearbeitest, habe ich eine Empfehlung für dich. Und zwar will ich dir mein Farben Meistern Videotraining für Lightroom in Eigenwerbung nahe legen. Hier erkläre ich, wie du Schritt für Schritt geniale Farblooks erstellst. Dazu gibt es meine besten Bildlooks als Preset dazu. Reinschauen lohnt sich also.

Youtube Video zur Thematik

Wenn du mehr Informationen zum Thema dieses Blogbeitrags „Fotografieren wie deine Lieblingsfotografen“ erfahren willst, will ich dir noch ein Video zeigen. Es ist auf einem meiner aktuellen Lieblings-Youtube Kanälen erschienen (genannt „Mango Street“). Sehr empfehlenswert. Das Video hat auch den grundlegenden Input für diesen Beitrag geliefert, allerdings wollte ich noch einmal speziell schreiben, wie ich dazu stehe und wie ich an diese Thematik herangehe. Hier seht ihr das ganze noch einmal in bewegten Bildern:

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Fazit: Fotografieren wie ein Profi bzw. dein Lieblingsfotograf

Wie du siehst bringt es eine ganze Menge, sich mit den bestehenden Fotos von einem Profi oder deinem Lieblingsfotografen auseinander zu setzen. Imitation ist ein guter Weg mehr zu lernen und alleine die konstruktive Analyse von fremden Bildern kann zu neuen Erkenntnissen führen. Stelle dir Fragen wie: „Was macht dieses Foto gut?“ oder „Was macht der Fotograf anders als ich?“

Man sollte in keinem Fall aber Fotos von Grund auf kopieren bzw. in diesem Fall überlegen, ob man die Fotos dieser Übung nicht besser für sich selbst behält. Ich will mit diesem Blog Beitrag auch in keinster Weise dazu aufrufen, Künstler 1:1 zu kopieren. In den meisten Fällen werden die Erkenntnisse des Ausgangsmaterials aber sowieso durch eigene Ideen, Models, Locations, etc. ergänzt und weiter geführt. Und auch so wird man Fotos in den seltensten Fällen genauso hinbekommen wie das Original, und das ist auch gut so.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß ab jetzt jedes Foto in Gedanken genauestens zu „zerlegen“ und zu überlegen, warum das Foto so wirkt, wie es wirkt. Daraus erfährst du oft automatisch, was du selbst in Zukunft auch besser oder anders machen kannst, ohne jemanden direkt zu kopieren.

Markus Thoma

Ich bin Markus und schreibe aus meiner Erfahrung als Berufsfotograf über die kreative Art der Fotografie. Am liebsten fotografiere ich draußen Porträts - bei natürlichem Licht. Denn weniger ist meistens mehr. Hin und wieder bin ich auch gerne mal auf Reisen. Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet ihr mich auf Metalcore Konzerten, in der Natur oder am Buffet. Schau doch auch mal auf meinen Social Media Kanälen vorbei:

2 Gedanken zu „Fotografieren und bearbeiten wie dein Lieblingsfotograf“

    • Hi Janine!

      Danke für deinen Kommentar. Das Rad neu zu erfinden ist wirklich sehr schwierig (aber dennoch möglich). Allerdings muss es ja nicht immer komplett neu sein und man kann einfach verschiedene Eindrücke miteinander kombinieren. 1 zu 1 kopieren und dann auch noch hochladen, so dass es derjenige sieht geht auf keinen Fall.

      Gruß,
      Markus

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